Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Literaturblatt · 1881-04-13 · No. 15 und 16. (13.4.1881) · p. Seite 60

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
10 (1881)
Issue
No. 15 und 16. (13.4.1881)
Date
1881-04-13
Page
Seite 60 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/5367336-6488242-5991015--1796-5367734
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

wieder eine Uebersetzung des deutsch ausgesprochenen und verstandenen Wortes Schatz geltend gemacht, 80 dass Familien den Namen Kincs (zu deutsch: Schatz) führen. Der שליח צבור aber wurde auch שליח נאמן genannt, anschliesend an das bekannte Wort ציר (־שליח) נאמן היה לשלחיו welches auf Mose bezogen wird. (In dem Pij 111 des Simchath-Thorafesles.) Aus den Anfangsbuchstaben dieser beiden Worte nun entstand der Name Sehen, Schön, Schein (da ja die polnischen Juden bekanntlich das e wie ei aussprechen). Nun lindet sich hier wieder eine merkwürdige Thatsache. Viele Familien haben dann einen solchen Titel ins Hebräische übersetzt, so entstand z. B. aus Schön יפה Jafa und Jaffö. Der Name Schön ist verbürgt aus der Ausgabe von Saadias Emunoth we-Deoth durch Jehuda ben Jemini Schön. Berlin 1789. In gleicher Weise ist der Name Bodek vom Hebräischen בודק abzuleiten, Buki aus dem früher geläufigen Worte בקי .,gewandt“ ״geschickt.“ Noch eine dritte Thatsache, auf die bisher nicht aufmerksam gemacht wurde, gab Veranlassung zu Nainenbildungen. Besondere Unglücksfälle veranlassten zu einer Namensänderung Es ist eine bekannte Thatsache, dass bei gefährlichen Krankheiten bei den Juden die Sitte herrschte, den Namen zu verändern (משנה שם). Es sei hier bemerkt, dass selbst der zweifelsüchtige Voltaire diesem Glauben huldigte; denn Volfaire’s Familienname ist Arouet (Francois Marie). Als er aber aus Paris flüchten musste, nannte er sich Voltaire und schrieb nach Paris, er hoffe nun, da er seinen Namen geändert, glücklicher zu werden. Daran knüpft ja auch das bekannte Wort Nomen est omen. (Siehe meine Arbeit: Splitter aus der Werk- Stätte eines Sprachforschers, S. 10 ff. Budweis 1S77.) In der von Dr. Isaja Luzzatto herausgegebenen Biographie*) seines verewigten Vaters S. I). Luzzatto (ש׳ד׳ל) lesen wir, dass dessen Schwiegervater, Samuel Cormons nach erlittenen schweren Unglücksfällen den Namen Cormous ablegte und sich fortan Loly (Lolli) לא לי nannte, anknüpfend an das לא אליכם (pag• 44) Ein Sohn dieses Lolli (ehemals Cormous genannt) ist gegenwärtig Professor an der Universität in Padua. (Wir fügen hieran einige uns zugegangene ״Z u- Sätze und Berichtigungen. Red.) 1) Im Leitartikel von Nr 11 d. Bl. veröffentlicht Hr. Dr. Grünwald eine ihm gewordene Mittheilung des Hm. Rabb. Dr. Eriedländer, über die Namen סאלווא und בילקא* die er aus dem Slavischen ableitet. Bei näherer Betrachtung jedoch erweist sich eine solche Derivation für unhaltbar. סאלווא ist, meiner Meinung nach, eine Coruption des hebr. Namens ולפא der nur durch die Verwechselbarkeit der Lippenlaute נ:ומפ entstanden sein mochte. Der andere Name ist eine Zusammensetzung des hebräischen בלהה mit der polnischen Verkleinerungsendsilbe ״ka“ welche im jüdischen Jargon fast allen weiblichen Namen hinzugefügt wird. B M. 2) Betreffs des Namens ״Malbin!“ sei bemerkt, dass der früher hiesige Rabbiner Mal bim kein ״Levite“ war und seinen Namen, wie ich erfahren habe, sich selbst beigelegt hat, indem er die Anfangsbuchstaben seines Namens Meier Leibusch ben Jechiel Michel (מלבי״ם zusammensetzte. Dr. Ritter 3) Meinen Stammnamen Sachs (geschrieben '1וז׳ק׳ש, der in meiner Vaterstadt Glogau Jahrhunderte lang zu• rückdatirf, bilden nicht die ראשי חיבווז zu זרע קדש שפייאר sondern zu 1?ו״ק 'שךנדא, wie ich dies auch von meinem sei hochbetugten Grossvater in meiner frühesten Jugend vernommen. Sim. Sachs. *) Autobiogralia di S. I). Luzzatto precedata da iilrune notizie storico lvtterarie snlla famiglia Luzzatto a datare del secolo decimo sesto. Padova 1880. Tipogralia Crescino. 100 p. 8°. | Exegetische Notizen. j Von Df. Rothschild, Rabbiner in Alzey. 1) מצה. Die gewöhnliche Erklärung von מצה ist ungesäuertes Brod. Die Begründung liegt in der etyinologisehen Ableitung von מצה, verwandt mit ׳מיץ ׳מצץ ״ מצהaussaugen, ausdrücken“, ebenso aber auch ״süss sein“, denn beide Bedeutungen gelten neben einander her, ebenso wie bei מתק In welcher Weise beide Bedeutungen verwandt und aus einander herzuleiten sind, ist nicht deutlich. Vielleicht wird ״aussaugen“ zunächst von Milch, Honig, Blut gebraucht und heisst dann ״mit Behagen aussaugen, sich laben, süss sein“. Ausserdem wird die Bedeutung von מצה begründet durch Exod. 12, 34 ״ טרם יחמץder Teig hatte noch nicht getrieben, gesäuert“ und v. 39 ״ בי לא יחמץsie bucken den Teig, obgleich er noch nicht getrieben, gesäuert hatte.“ Der Teig war also noch nicht mit Sauerteig oder irgend welchem Ferment versetzt, sonst hätte die Gährung• und das Treiben alsbald erfolgen müssen. Mag also Sukkoth, die erste Station von Ramses, dem Ausgangspunkte der Israeliten, wo sie bucken, nahe oder fern gelegen haben, ohne Sauerteig oder Hefe etc konnte vom Treiben des Teiges keine Rede sein. Dies will die Erzählung sagen: v. 34 טרם der Sauerteig, das Ferment war noch nicht dem Teige beigefügt, und v. 39 כי der Teig hatte also auch noch nicht getrieben. חמץ hat zwar auch die Bedeutung ״gähren* d. h. durch Anziehen des Sauerstoffs aus der Luft sich zersetzen, sauer werden, in Gährung übergehen. Dadurch aber würde der Teig einfach verderben und ungeniessbar wetden. Von einer solchen Gährung redet also die Schrift nicht. Eine solche erfolgt auch nicht so schnell; ohne Einwirkung besonderer Umstände kann Tagesfri9t darüber hingehen. Eine solche Gährung treibt auch nicht; die Treibung, Fermitung des Teiges erfolgt nur durch den Beisatz von Sauerteig, Hefen etc. מצה ist also Teig, der nicht, getrieben hat, weil er des Sauerteigs als des treibenden Ferments entbehrt. Ein solcher Teig sieht aus wie ״zusammengedrückt, ausgesogen, ist süss.‘‘ Die Bibel schliesst demnach jede Anwendung eines 1 treibenden Ferments aus und richtig wird talmudisch das Vorhandensein auch nur eines Minimums davon (משהו) als unzulässig erklärt. Jede Gährung aber durch Zersetzung und Säuerung des Teigs in Folge der Ein- Wirkung des Sauerstoffds in der aihmosphäiischen Luft ist an sich ausgeschlossen als ein Prozess, durch welchen der Teig verdorben und ungeniessbar wird. Eine solche Gährung treibt den Teig nicht; ohne Anwendung von Ferment ist eine Treibung des Teiges unmöglich und undenkbar. Die Blasen aber, welche der Teig beim Backen wirft, sind keine Gährungsblasen, sondern sind Gase des im Ofen verdunsteten Wassers, welches im Teige enthalten ist, die alle entwe chen müssen und nur da Blasen werfen, das Backwerk höhlen, wo sie wegen mangelhafter Durchlöcherung der Mazza nicht entweichen können. 2) Zur Erklärung von כונים (Jerem. 7,18) Welchen Siau hat das Backen von Kuchen für die Himmolsgöttin; welche Bedeutung hat כונים? Die Wortbedeutung ist ״Formen, Gestalten־‘; sie dienten zur Darstellung des sexuellen Götzendienstes in den Naturreligionen der Heiden, wie bei dem Dienste der Astarte, Melitta, Venus. Die Auldrückung von Formen linden wir auch noch bei den christlichen Hostien und den St. Nicolaus-Figuren, besonders den Labkuchen und den Leckereien der Kinder am St. Nicolaustage, welch(! speciell in Norddeutschland den Namen ״Printen“ füllren (vom englischen 10 print .,drucken“) d. h. in den Teig eingedruckte Figuren. Die Himmelskönigin

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.