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Das jüdische Literaturblatt · 1881-04-06 · No. 14. (6.4.1881) · p. Seite 55

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
10 (1881)
Issue
No. 14. (6.4.1881)
Date
1881-04-06
Page
Seite 55 (sequence 3)
Language
German
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Obadjah’s war, der um 1480 eine hochgestellte Persönlich* keitwar שר ונגיד היום בישראל הלא הוא כמר עבדיה י׳ר׳א(*י׳צ׳ו. Um diese Zeit finden wir zwei bedeutende Männer, die den Namen Obadjah führen, es ist Obadjah aus Bertinoro, der bekannte Commentator der Mischnah, und Obadjah Sforno. Da aber letzterer erst 1550 starb, so werden wir wohl unter dem Lehrer Salomo de Urbino’s Obadjah Bertinoro verstehen müssen, umsomehr, da die übrigen Angaben vollständig stimmen. Wir erfahren, dass zu jener Zeit die Juden aus Urbino vertrieben wurden und viele sich, nach Jerusalem flüchtoten, worunter auch sein von ihm hochverehrter Lehrer Obadjah Bertinoro, der ja bekanntlich Rabbiner in Jerusalem war. Dass unser Autor in Gegenden, wo die arabische Sprache gesprochen wurde, lebte, ersieht man aus mehreren Stellen, so sub voce אדום roth, bemerkt er, es heisse arcbisch אחטאר ah mar; sub voce איש erwähnt er die Uebersetzung des Satzes והאדם ידע את חוה אשתו, welche lautet: ״ ואל אנסן גהע לחור, זוגתהder Mensch vereinigte sich mit Chawa, seiner Gattin“, und an vielen anderen Stellen. Dass unser Autor überdies Ibn Ganach, Menahem ben Salomo, R.. Mose ben Nachman, Rabbi Saadiah Gaon, R. Hai Gaon, R. Jehuda ben Balaam, R. Jakob ben Eleasar, R. Abraham Ibn Esra, R. Mose Hadarschan, R Jehuda ben Koreisch, Rabenu Chananel, R. Josef Kara, Menahem Ibn Saruk, Dunasch ben Librat und Eldad Hadani kannte, bemerkt der Herausgeber in seiner spärlich angelegten Einleitung. Auch ist gar kein Princip in der Anordnung dieser Personen befolgt.**) So wäre es sehr rerdienstlich vom Herausgeber gewesen, alle Stellen, wo Ibn Esra ciiirt wird, zusammenzustellen, wirerhielten dadurch Aufschluss Uber die Weite des Gebietes, Uber welches sich Ibn Esra’s Thätigkeit als Bibel-Commentator erstreckt hat. Wenn z. B. p 18 der neuen Ausgabe sub voce אצר bemerkt wird, ורבי אברהם א״בע פירשו כמשמעו כלומר אל בית ה׳, welches sich auf die Stelle Secharja 11,13 zur Stelle השליכהו אל בית היוצר beziehe, so haben wir einen positiven Beweis, dass Ibn Esra die zwölf kleinen Propheten conrmentirt hat. Sub voce איש erwähnt unser Autor das Hauptwort אשות und nennt das Wort הקבוץ, was wohl dem lat. nomen collectivum entsprechen dürfte. Dass er die Pirke de Rabbi Elieser anführt, ist gleichfalls von hohem Interesse, und die Art, wie er sie anführt, lässt einen Schluss auf die Zeit der Abfassung dieses Buches, die bisher noch immer nicht festgestellt ist, zu. Wenn wir etwas länger auf all dies aufmerksam gemacht haben, so geschah dies in der Absicht, die hohe Bedeutung dieses Buches in'8 rechte Licht zu stellen. Doch geht all das bislang Angeführte als Nebengewinn, möchte ich sagen, mit; die Hauptsache, eine Synonymik der hebräischenSprache, wie wir bis heute noch keine bessere und vollständigere haben, 18t geradezu eine Musterleistung für das 15. Jahrhundert. Auf jeder Seite lernt man Neues und Wichtiges kennen, die Exegese ganz besonders, die wahrhaft Wissenschaftliehe, ist ohne Synonymik undenkbar Auch eine Menge grammatischer Bemerkungen werden vorgebracht, so P■ 13 der neuen Ausgabe sub voce איש, wo das Dagesch im Worte אשה Frau als Ersatz des ausgefallenen Jod betrachtet wird. ונדגשה השין לחסרון היו;ד. DiePartikein werden mit erfreulicher Ausführlichkeit behandelt; *) י׳ר׳א ist eine Abbreviatur für ירא אלהיס• Da diese Abbreviatur bei Zun»' Zur Geschichte und Literatur fehlt, theile ich sie hier mit. **) Wir hoffen in einem eigenen Aufsatz den Lesern des Liter&turblattes die Lebensbeschreibung Salomo (Jedidjah) ben Abraham ״en Samuel de Urbino, der mit Raphael denselben Geburtsort hat, *ם bteten. auch die romanischen Sprachen und das Vulgärarabische gehen nicht leer aus. (Mühlau’s Arbeit über die Geschichte der Synonymik in der Zeitschrift der deutschen morgenländischen Gesellschaft würde dadurch wesentlieb gefördert werden ) Als ebenso nutzreichen wie anregenden Anhang zur Synonymik ist eine Studie des hochverdienten Literarhistorikers Leopold Dukes in Wien unter dem Titel בצירי יהודה, die er zwar ursprünglich, wie er selbst (p. 312) angibt, für das Buch חותם חכגית von Abraham Bedaresi in der Ausgabe von Gabriel Pollak in Amsterdam, angefertigt. Hier gibt Dukes eine Geschiente der hebräischen 8ynonymen, wenn auch nur in sehr kurzen Umrissen, verspricht aber zur Freude aller Freunde der jüdischen Literatur an anderer Stelle ausführlicher über die Synonymik •zu handeln*) (p. 312 mit den Worten ברצות ה׳ אח דרכי ארחיב דברי על הענינים האלה במקום אחר). Eine gründliche Geschichte der Synonymik aus _ den Wunsch aus: ומי יחן ויאסוף חכם כל הדברים באגודה אחת למען יהיו לנגד עיני הקורא. Trotz Berliners verdienstlicher Arbeit**) spendet man der Grammatik des Talmud und Midrasch viel zu wenig Aufmerksamkeit. Ich will bei dieser Gelegenheit bemerken, dass bereits im 18. Jahrh. die Grammatik des Talmud studirt wurde u. z. in dem Werke ספר בנין שלמה von Salomon Hanau (siehe hierüber Geschichte der Grammatik von Lerner p 27) und im Anhang• zu diesem Werke ם׳ ימוד הנקוד. Dukes bemerkt ferner, dass der Name שמות נרדפים von den Arabern herstamme, Menahem ibn Saruk nennt sie קרובי העניו Hingegen will ich auf p. 310 Anm. 2 aufmerksam machen, wo Dukes bei Besprechung von Bedaresi's Synonymik sagt, Bedaresi habe auch Wörter, die nicht Synonyma sind, angeführt, und zum Belege hierfür auf p 249 verweist, wo רקטה und ארגמן nebeneinander gestellt werden, so glaube ich in Bedaresi's Geist zu sprechen, dass er רקטה und ארגמן etymologisch gleichwertig angesehen habe, das א bei ארגמן als prosthetisch, das דדן als parapojisch betrachtet, bleibt רגם — רקם mit Verwechslung der Gutturale ג und ק. Für die heutige Zeit allerdings ein sehr gewagtes Spiel, aber zu Bedaresi's Zeit sehr gewöhnlich. Dukes analysirt dann einige Synonyma, so יסכל ,כסיל ׳אויל und scheint uns die Deutung von אול als Anfänger, dem alles immer neu ist, sehr wahrscheinlich, womit er sehr gut den Spruch, der im Judenthume 80 geläufig ist, erklärt איות חכם הרואה את הנולד, Während der אויל das Morgen nicht berücksichtigt, האויל יתחיל היום ולא ידע מה יהיה למחר ßben wie wir im Deutschen sagen ״in den Tag hinein lebt." p. 323 ist eine ausdrückliche Ergänzung zu חותם תכנית. Die Anmerkungen von Wolf Heideaheim, die9em vorzüglichen Kenner der hebräischen Grammatik, empfelilen sich selbst Auch die vom Herausgeber hinzugefügten Bernerkungen sind lesenswert!). Wir wünschen nun, dass dieses in jeder Beziehung hochinteressante Buch recht viel gelesen und wieder gelesen werde nach der Anleitung Fichte's: ״Zum ersten Male lese man recht langsam ein Buch, zum zweiten Male noch viel langsamer, wenn man daraus Nutzen schöpfen will.“ Breslau. Dr. M. G r ü n w a 1 d. *) Vgl. meine Besprechung von Wünsche’* Bibliotheca rabbiniea in der ״Zeit“ vom 15. December 1880, wo ich darauf hingewiesen, dass in Bereschit Rabbot für Erde 4 Synonyma, in Schir- Haschirim aber bereits sechs aufgezählt werden. **) Beiträge zur hebräischen Grammatik in Talmud und Midrasch. Berlin 1676.

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