Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 10 (1881)
- Issue
- No. 14. (6.4.1881)
- Date
- 1881-04-06
- Page
- Seite 54 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 54 — mud und Midrasch*) (Benzian, Berlin 1880). In dieses Gebiet fallen auch die von Joseph und Hartwig Derenbourg veröffentlichten Werke Abul-Walid ibn Djanah’s,**) von denen ich in der Grätz’schen Monats,- Schrift (April und Mai 1380) einen Auszug mUgeiheilt. Dass aber Raschi zur Erklärung des Talmud unendlich mehr geleistet hat, als zur einfachen Erklärung selbst des Pentateuchs, wird jedem, der sich eingehend mit dessen Werken beschäftigt, klar. Ebenso einleuchtend ist es aber, dass er, wie sehr wenige, das Gebiet des Talmud und Midrasch in einem sehr grossen Masse, fast könnte man sagen vollständig beherrschte; es ist daher der Schluss ein ganz berechtigter, dass Raschi sämmtliche grammatische Bemerkungen, die im Talmud Vorkommen, benutzte und gebührend verwertete. Ein näheres Eingehen auf die Werke Menahem ben Saruk’s und seines Antagonisten Dunasch (Dons) ben Librat lehrt uns. dass Raschi diese Werke gleichfalls eifrig gelesen, ernst abgewogen und sich bald dem einen, bald dem anderen anschloss und ohne blinden Autoritätsglau ben nach bestem Wissen der ihm richtiger scheinenden Erklärung sich zuwandte. Adolf Neubauer’s Arbeiten: Notice sur la lexicographie h&braique, sowie sein Wurzel Wörterbuch lbn Ganah’s: The book of hebrew roots (Oxford 1873—75) sind für unsere Arbeit auch von Belang, wiewohl bekanntermassen Raschi Ibn Ganah'ä Arbeiten nicht kannte. Um auf das Alt französische hier noch in Kürze zurückzukommen, wollen wir nur hervorheben, dass, da Raschi oft ganze Sätze durch das Französische ohne weitere hebräische Bemerkung wieder gibt, die Wichtigkeit desselben selbst für die Bibelexegese, klar in die Augen springt. Schliesslich wollen wir noch bemerken, dass ausser der Pentateuch׳Ausgabe Raschi durch Berlinerf) wir den Cod. 104, I und II der Breslauer Seminarbibliothek benutzten, der thcilweise Commentare Raschi's, theilweise Commentare von Josef ben Schimeon Kara enthält. Dies die Gründe, die uns zur Abfassung dieser Arbeit veranlassten, in der wir zunächst in kurzen Umris- 8en das Leben und die Schriften Raschi’s zeichnen wollen, indem wir den grösseren Theil der Arbeit über den Standpunkt llusdi.’ä in der Geschichte der hebräischen Sprachforschung uns Vorbehalten. (Forts, folgt.) Bemerkungen zu Saadia’s Emunoth we-Deotli. Von Jakob Reifmann.ff) In der Einleitung von Saadia's Emunoth finden sich die Worte והוא טחויק בשוא ומניח השוא und darauf weist der Vers hin: אל יאמן בשו נתעה כי שוא תהיה תמורתו Das Schwierige dieses Ausspruches liegt auf der Hand) deshalb glaube ich, dass man lesen müsse: והוא מחזיק (ohne Aleph ומניח השו (בלי אלף (mit Aleph בשו«(באלף Das Wort שו (ohne Aleph nämlich) hat die Bedeutung von wahr, eben, gerade sein, zu vergleichen wäre damit Jesaja Caput 28 V. 22 Dass aber das Wort *) Wir selbst bereiten eine Arbeit über den im Talmud und Midrasch Rabboth vorkommenden Rabbi Nee 11 ein ja vor, der als Grammatiker par excellence betrachtet werden darf. Siehe die oben angeführte Schrift Berliners.) **) Opuscules et traites d’Aboul Walid Merwan Jbn-Djunah de Cordoue, texte arabe publid avec une traduction franfaise par Joseph Derenoourg et Hartwig Derenbourg. Paris, imprimerie nationale. 1880. f) Raschi in PentateucLum Commentarius. Critice primum edidR A. Berliner. Berolini. Sumptibus editoris 1866 (Hebräisch). ff) Alles von Keifmann Mitgetheilte wird von mir aus dem Hebräischen in's Deutsche übertragen; alle etwa gemachten An׳ merkungen rühren gleichfalls von mir her, der eigentliche Text hingegen gehört vollständig Reifmann an. Dr. M. Grttnwald. שו in der von uns postulirten Bedeutung wirklich vorkommt, beweist eine Stelle aus den Ashorot (אזהרות) des R. Salomo ibn Gabirol, denn in der Abtheilung der Verbote (מצות לא תעשת), Verbot 8 und 9 steht wörtlich : ״ וסור משמע שוא והאמן ב ש וHöre nicht auf falsche Gerüchte, sondern glaube an Wahres.“ Man ersieht hieraus, dass W in dieser Bedeutung alio schon zu Saadja’s Zeit das Bürgerrecht erhalten hatte und von einein so klassischen Dichter, wie Gabirol, benutzt wurde _ Dies eine Probe der Textkritik. Jedes einzelne Werk wird in folgender Weise behandelt*) u. z. 1) werden textkritische Bemerkungen (הגהות), Bemerkungen (חערות) und Erklärungen (הארות) gegeben werden, 2) Stellennachweis sämmtlicher Aus- Sprüche der talmudischen Autoritäten, 3) die darin angeführten Personen biographisch behandelt werden, 4) eine kurze kritische Umschau sämmtlicher daselbst angeführter Werke, und schliesslich wird das Werk jedes einzelnen Religionsphilosophen selb3t kritisch beleuchtet, und die hervorragenden Kritiken aus früherer Zeit über das betreffende Werk angeführt werden. All dies scheint uns zum richtigen Verständniss eines jeden religionsphilosophischen Werkes nothwendig. Literaturbericht. Becensioae■. Ohel AloCd, Hebräische Synonyma des Rabbi S a- 10man von Urbin0. Herausgegeben von Jonas Will heim er in Wien. Nebst einer gelehrten Studie über hebräische Synonyma von Leopold Dukes und Anmerkungen von Wolf Heidenheim und einem kurzem Gommentar unter dem Titel MichseHaohel vom Herausgeber. Preis 2 fl. 50 kr. (5 Mark.) Wien 1881. Im Selbstverläge des Herausgebers. Eine so ausführliche Synonymik wie das nunmehr veröffentlichte Buch des R Salomo Jedidjah ben Abraharn ben Samuel von Urbino bietet, gehört selbst in neuerer Zeit zu den seltensten Erscheinungen dieser noch nicht genug gewürdigten Abtheilung der Sprach- Wissenschaft, und wir wissen deshalb dem Herausgeber Dank für die Veröffentlichung dieses Buches, das zwar nicht, wie der Herausgeber meint, zum ersten Male in Venedig im Jahre 1548 herausgegeben wurde, vielmehr schon 15 26 in Constantinopel erschien.**) Ueber den Lebensgang des Verfassers dieses für unsere Zeit so hochinteressanten Buches sagt dei Herausgeber auch kein Sterbenswörtchen. Und doch hätte er nur das Schlusswort des Autors genau durchlesen müssen, um die Zeit der Vollendung des Buches, sowie die Lebensschicksale des Mannes und eines seiner hervorragendsten Lehrer zu bestimmen. Es kann hier nicht unsere Aufgabe sein, eine Biographie Saloino's de Urbino zu geben, wir wollen nur bemerken, dass er das Buch אהל מועד in» Jahre 1480 beendete, wie er selbst sagt: ונשלם כל מה שהגב לנו בוה המלאכה בשנת ר״ ם (1480) על כל גוים ה׳• Wir erfahren ferner aus dem Schlussworte,***) dass er ein Schüler R. *) Trotz der vortietflichen arab. Ausgabe des Emunoth we- Deoth von Dr. Landauer in Slraasburg i. Eis• werden die Bemerkungen Reifmann's bleibenden Werth haben. **/ Ein Blick in die kleine, lehrreiche Schrift: תולדות הדקדוק Geschichte der Grammatik von Ch. Z. Lerner (ehemal. Lehrer am Rabbincraeminar zu Zitomir) hätte den Herausgeber hierüber belehren können. Diese ganze Schrift erschien ursprünglich in der in Wien erscheinenden Monatsschrift השחר, VII. Jahrgang. **) Diese theilweise Ausführlichkeit Uber den Lebensgang des Autors ist um so gebotener, als Graetz in seiner Geschichte d. J. Bd. 8 des Mannes gar nickt gedenkt.