Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 10 (1881)
- Issue
- No. 12. (23.3.1881)
- Date
- 1881-03-23
- Page
- Seite 47 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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In Nr 5 dieses Blattes citirt Herr Dr. Caro*) Raschi und Hieronymus als Gewährsmänner für die richtige Auffassung des ללכד בני יהודה קשת (II. Sam.IX, 1,17—27) von Herrn Dr. Sidon (Nr. 2 d. RI.). Der ged. Autor rechtfertigte seine Ansicht mit dem Hinweis auf Sauls ausserordentliche Furcht vor den Bogenschützen. Dieses Zurückführen auf jenen Bericht findet wiederum Unterstützung im Gersonides zur Stelle. Allein so vertrauenswürdig auch dieser Girant ist, können wir dennoch nicht Herrn Dr. Sidon in Al lern beipflichten. Denn wenn er in seiner weiteren Ausführung die Ansicht vertritt, dass David seine Stammeskinder aufgefordert, sich in der Handhabung des Bogens zu üben, weil die Wahrscheinlichkeit des Sieges von der Ueberlegenheit an Waffen bedingt ist, so widerspricht dieser Ansicht der Charakter Davids. Ein Mann, der ohne Rüstung und Waffen im Vertrauen auf Gott, den Herrn der Heerschaaren, den Kampf gegen einen kriegsgeübten, kriegserfahrenen Riesen aufgenommen und diesen Kampf siegreich zu Ende geführt, und der noch kurz vorher von demselben Gottvertrauen dermassen erfüllt war, dass er jede Selbsthülfe gegen seinen königlichen Verfolger zurückwies, ein solcher Mann dürfte wohl schwerlich den Erfolg in einem Revanchekrieg von der Waffenart abhängig gemacht haben. Will man aber dennoch dem Grundgedanken beipflichten, so müsste dieser Satz analog dem ״Dieser Arm schützt Pergamus“ aufgefasst werden. Um die Grösse des Verlustes, den der Staat durch den Tod Sauls und Jonathans erlitten, lebhafter hervorzuheben, betont er, dass es jetzt den Söhnen Juda’s notli thut, sich im Kriege zu übeu. Denn die Helden, die das Reich geschützt, sind dahin, wobei קשת als pars pro toto aufzufassen sei. Sie müssen 1ernan die Waffen handhaben, nachdem kein Held mehr da ist, der für sie den Bogen gespannt. Trencz^n. Dr. Simon Wolffsohn. Literaturbericht. Recensionen. The hebrew Review. Published by the Rabbinical literary association of America. January 1, 1881. Eine Vierteljalirsschrift, die gleichzeitig mit der Revue des dtudes juives in Paris ihre Thätigkeit beginnt und für ein ganzes Land, und noch dazu für Amerika wirken will, muss energische und wahrheitsliebende Männer zu Leitern dieser Zeitschrift haben. Dem Unternehmen steht Herr Dr. Max Lilienthal, Habbiner der Gemeinde Bne Zion in Cincinnati (Ohio, Amerika) vor, itberdiess scheint Herr Dr. K. Kollier *) Die von Dr. Caro gemachte Bemerkung, die einer von mir vertheidigten alten Position neuen Succurs bringen will, muss ich mit Bedauern — zuriickweisen. Denn diese Bemerkung ist nicht blos überflüssig, es wird auch durch dieselbe, das Ganze in ein schiefes Licht gesetzt. Folgende Anführungen aus meinem Aufwitze werden dies aufs Bestimmteste darthnn. Seite 6b Absatz 4 heisst es: ״die Auffassung der alten Exegese . . . . dass niimlich das Klagelied dazu dienen soil. ״zu lehren die Söhne Juda's den Bogen d. 11. abzurichten in der Führung des Bogens, oder allgemeiner genommen, im Sinne von ללמד מלחמה, abzurichten für die Kriegführung, befriedigte die ne u e Exegese nicht. — S. 7a A.bs.: ״Ob nicht folgende Begründung ausreichend wäre zur Rettung des inasoretischen Textes und zum Anschluss an die alte Exegese“ — Ist es nun niJthig, da von der alten Exegese, der neuen gegenüber ge• luiltcn, in 60 klaren Worten die Rede ist, die Vertreter jener vor dem Leser Revue passiren zu lassen? Dr Caro hätte noch neben der Vulgata das Targurn an fuhren können, das doch keine geringere Autorität ist, und neben Raschi, D. Kimclii und Gersonides, welch Letztere noch aiislUhrlicher die recipirte Auffassung begründen. Ich bin für diese eingetreten, wie ich glaube, mit Erweiterung des alten Beweismaterials. Dr. Sidon. dabei eine grosse Rolle zu spielen, und wie wir dies von vornherein sagen wollen, eine sehr traurige. Das ist der mildeste Ausdruck, den wir für den Aufsatz des uns vorliegenden Heftes des Herrn Dr. Köhler haben. ״Old and modern Judaism“ (p. 97—117) ״Altes und neues Judenthum“ bildet für Herrn Kobler den Vorwurf zu einer Arbeit, wo er Männer wie Zunz, Rapoport, Zacharias Frankel meistern will. Seite 111 dieses Heftes zeigt nicht nur Gedankenscbwäche und Selbsttäusebung, sondern auch ein gut Theil Selbstüberhebung, Wenn Männer wie Zunz, Rapoport und Zacharias Frankel es nicht wagten, an dem historischen Judenthum zu rütteln, sondern vielmehr von der Ueberzeugung tiefdurchdrungen waren, dass das Judenthum nur in dem Festhalten an dem historisch gewordenen wahrhaft bestehen könne, wie kann es Herr Dr. Köhler, dessen literarische Verdienste so gut wie keine sind, Europa als tabula rasa zu betrachten und die von Eigendünkel zeugenden Worte zu äussern: »Gott sei Dank, das freie unabhängige Amerika wird schnell den abscheulichen Vorwurf der Heuchelei und Lüge von sicli schütteln.“ Diese Eigenschaften haften nämlieh nach den Begriffen des Herrn Köhler den europäischen Rabbinen an. Der ganze Aufsatz strotzt geradezu von Absurditäten und Ungeheuerlichkeiten, die schon vor mehr als 30 Jahren als absurd nachgewiesen und als mit dem wahren Geiste des Judenthurns unverträglich gezeigt wurden Wir verlassen diese traurige Gegend, um einen freundlicheren Anblick in der Arbeit des Herrn Rabb. Dr. L. Adler in Chicago zu erhalten. Sein Aufsatz: ״Is il a misfortune to be a Jew“ (Ist es ein Unglück ein Jude, zu sein?) wendet sich ״egen das bekannte Wort eines deutschen Dichters, das das Judenthum keine Religion sondern ein Unglück ist. In warm empfundenen und beredten Worten schildert der Verfasser die Gemüthstiefe der Juden, die noch heute um deu Fall Jerusalems trauern, noch heute der Todten bei Bethar gedenken, noch heute in gleicher Weise erschüttert werden, wenn ein Jude in Jerusalem oder in Amerika oder sonst in einem entlegenen Orte zu sein aufgehört hat. Der Verfasser sieht ferner in diesem Aufsatze die göttliche Vorsehung in der Geschichte zu verfolgen und sucht zu zeigen, dass es für die Juden ein Glück war, aus Spanien vertrieben worden zu sein, da sie sonst vielleicht ein Judenthum ä la Loyala sich angeeignet hätten. ״Wie es sich jüdelt, so christelt es sich“ und umgekehrt, mag dem Verfasser vorgeschwebt haben. Wir können den Aufsatz nur sehr warm empfehlen, da derselbe aus einem warm empfindenden Herzen kommt. Der 3. Aufsatz ״The Mosaic and talmudicai police laws“ (die mosaischen und talmudischen Polizeigesetze) aus der Programinarbeit des Prof. Moses Bloch von der Landesrabbinerschule zu Budapest in Ungarn, ist von J. W. Lilientlial ins Englische übertragen. Die Arbeit ist eine höchst gründliche und belehrende und die Uebersetzung liest sich sehr gut. Das Heft beschliesst der Vortrag des Rabb. Dr. J. Hamburger aus Streliiz (Mecklenburg), der in der 35. Jahresversammlung deutscher Philologen und Schulinänner vorgelesen wurde. Das Thema ist allerdings ein sehr anziehendes und leider in unserer Zeit zeit gemäss: ״Die Nichtjuden im Talmud.“ breilich auf wissenschaftlichen Werth kann dieser Vortrag keinen Anspruch machen, es liätten sonst gewisse Fragen gründlich erörtert werden müssen, die in diesem Vortrage kaum obenhin gestreift werden, ln der von Weiss und Friedimmn in Wien herausgegebenen, in hebräischer Schrift erscheinenden Monatsschrift. ״Be t!1 -T a 1 in ud“ Heft 10, p. 290—304 wird das Wort אפיקורוס einer gründlichen und aus-