Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 10 (1881)
- Issue
- No. 12. (23.3.1881)
- Date
- 1881-03-23
- Page
- Seite 48 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 48 — führlichcn Untersuchung unterzogen. Dass ע׳כ׳ו׳ם häufig von Judenfressern als Abbreviatur von עובדי כריסטום ומרים fälschlich aufgefasst wurde, hätte erwähnt werden milssen; denn daher kommt es, dass sämmtliche Drucke, die in unserer Zeit in Polen und Russland erscheinen durchgehends entweder ausdrücklich;עובדי ככבים וטזלוו oder aber עבדי אלילים haben. Die Uebersetzung in's Englische, die von H. Berkovitz besorgt wurde, ist recht gut. Dr. M. Grünwald-Breslau. Notizen. 1) Das goldene Kalb. Der Aufsatz des Herrn Dr. Rothschild-Alzev in der jüngsten Nummer des״Literatbl.“ über das ״goldene Kalb“ erinnerte mich an eine Notiz in der Karlsruher Ztg.,*) die auf eine Schrift von Oh. Beke aus dem Jahre 1871 hinweist: The Idol of Horeb, evidence that the golden Image at Mount Sinai was a Cone und not a Calf. Beke will hierin den Nachweis führen, dass cgel eine runde Figur, ein Kegel, das Symbol des Feuers sei. Auch Herr I)r. Rothschild vindicirt dem Worte dgel die Bedeutung der runden Figur, freilich ist seine Auffassung dieser runden Figur als ein Symbol des Phallusdienstes viel einleuchtender als die Beke’s. So geistreich aber auch diese Ansicht sein mag, so kann sie doch meiner Ansicht nach keinen Anspruch auf Richtigkeit machen. Im Psalm 100 ist Vers 19 von der Verehrung des egel am Choreb die Rede; hierauf heisst es V. 20: ״Sie vertauschten ihre Herrlichkeit mit dem Bilde eines Ochsen, der Gras frisst.“ DerPsalmist also schon denkt sich das e g e 1 als einen s c h 0 r, ein Rind, eine Auffassung, die dem Apisdienste der Egypter vollständig gerecht wird. Der Verfasser des lOß Psalms kannte die isr. Geschichte recht genau und hat man in seiner Zeit gar nicht daran gezweifelt, dass das Idol der Israeliten am Choreb ein Abbild des Apis gewesen sei. Homburg v. H. Dr. Appel. 2) Dass der Phallusdienst (עגל) in Israel, sogar auch in Juda Eingang gefunden hatte, geht aus 1. Kön. 15,13 hervor, wo mit מפלצת der Phallus**) genannt ist. Dieser Götzendienst wird v. 12 ebenfalls als הכללים bezeichnet und sowohl mit הקדשים (v. 12) wie mit אשרה (v 13) auf dessen unzüchtigen und sexuellen Cultus hingewiesen. Dieser Götzendienst und Cultus war unter Abiam, Rehabeams Nachfolger, von Israel und Jerobeam, mit dein er noch gleichzeitig regierte, aut Juda übergegangen und ist erst nach Abiam's Tod von dessen Nachfolge!־ Assa, bei dessen Regierungsantritt zwar auch noch Jerobeum lebte, energisch bekämpft und beseitigt worden. Dr. Ro th soll il d - Alzey. 3) Zu den Ausführungen des Herrn Dr. Grünwald im ״Jüd. Literaturbl.“ Nr. 1 S. 3 über ל״ו־ן habe ich Folgendes zu bemerken. 1. א״ח der Mischnah Sabb. Perek 18 ist nicht mit ״weise“ Frau, sondern mit ״geschickte, kundige, verständige“ zu übertrugen. Siehe 29 ר״ה b: תקיעת שופר ורדיית הפת שהיא חכמה ואינה מלאכה. Selbst im Althebr. linden wir חכמה als Bezeichnung für Kunst, Fertigkeit. Vergl. 2. B. M. Cap. 31, V. 3 und 4 und Sam. II. 14, 2. Demnach ist nicht auffallend, dass א״ח die Hebamme bezeichnet. — 2. Die Talmudstelle Baba M. 8ß: חכים יתקרי ר׳ לא י׳ kann nicht mit ״er wird ein Arzt genannt“ übersetzt werden. Abgesehen davon, dass der Talmud für Arzt gewöhnlich אסיא braucht, so bedurfte Sam. durchaus nicht von *) Vergl. auch ״Frankf. Zeit.“ vom 18. Januar c. **) Vrgl. durilber Aboda saru 44a und die Vulgata z. St. und zur Chron. II. 15.16. (Ked.) seinem Patienten (Rabbi) die Ernennung zum Arzte. Die Talmudstelle lautet: שמואל ירחינאה אפייה דר׳ הות ״Samuel, der Astronom, war der Arzt Rabbi’s“. חכים יתקרי heisst vielmehr ״ein Weiser, Gelehrter“ sollst du gegenannt werden, aber nicht ״Rabbi“, da er (Rabbi) ihm die Semichah nicht ertheilen wollte oder konnte. Sam. war sehr bedeutend in דיני טמונות, deshalb ist auch hie Halachah stets nach seiner Ansicht. Vergl. hierzu die bekannte Talmudstelle הרוצה להתחכם וכף• Meiner Ansicht nach ist ידין ידיך חבים י׳. Nur rituelle Fragen konnte Sam. nicht entscheiden, da er nicht die Seinichah von Rabbi erhielt. Siehe Synh. 5a. — 3. Ob Targum unter ״ חכימן אינןHebammen“ versteht, ist noch fraglich. מילדות übersetzt das Targum mit חייתא .חיתא und חיה sind Bezeichnungen für Wöchnerin und Hebamine. Siehe Jer. Sab. 49b, Joma 73b, Midr. Koheleth 77 zu eth laledeth und Midr. Schir hasch. 21. Wenn das Targum nun auf ״ חיותHebammen“ sagen wollte, so bliebe es bei der üblichen Ausdrucksweise. Mir scheint vielmehr, dass Targum חיות deshalb mit ח״א überträgt, damit man nicht unter חיות Hebammen verstehe. Siehe Midr. zur Stelle: א״ת מילדות הנה וכי מילדות אינה וכף• Desgl. Sotah 11. ח״א heisst ״kundig, geschickt1־ sind sie. Siehe Bern. 1. (Sehr richtig fügt ת״י zu חכימן noch זריוין hinzu.) 4. Der Aruch unter חכם bringt, dass ת״י zur Stelle Gen. 4.1 והאדם ידע את חוה übersetzt mit ואדם חכים; vielleicht ist חכמה (Hebamme) in übertragener Bedeutung hiervon abzuleiten Allerdings scheint Aruch wie auch מ״כ eine andere Ausgabe gehabt zu haben, da in unserem ת״י dieser Wortlaut nicht vorhanden ist. (Siehe M. K. Echah 53a.) M. Auerbach-Dresden. 4) Was Herrn Dr. Grünwald im ״Jüd Litbl.“ Nr. 1 d. J. veranlasst hat — Liter. Notizen 2 — dem Ausdruck לשון הכטים in Raschi zu Jes. 3 die gewöhnliche Bedeutung als ״Sprache des Talmud“ zu entziehen und darin die ״Sprache der Aerzte“ zu finden, ist mir unerfindlich. Die Krankheit עוות, welche Raschi dort nennt, ist Gittin fol. 70 S 1 talmudischer Ausdruck für Krämpfe vom Stammwort עוה, perverteie, verkehren und tropisch aus der Fassung bringen, wie es auch Ottensosser im Biur zur Stelle erklärt. Nebenbei bemerkt, wird die vom Talmud angeführte. Ursache und Veranlassung der genannten Krankheit auch von den heutigen Aerzteu noch anerkannt. In der Stelle Mezia fol. bß ist ebenwohl nicht feststehend, dass, wenn dort dem Samuel mit dem Beinamen Jarchinai, gesagt wird, er wird חכים genannt, dieses mit Bezug anf seine Arzneikenntniss, als vielmehr bezüglich seiner Bekanntschaft mit der Astronomie angewandt wird, wodurch er auch jenen Beinamen erhalten hat. (Siehe Raschi das) Diese Wissenschaft wird besonders mit Bezug auf V. B. M. 4, ß als חכמה bezeichnet. M. S. Rens. 5) ln Ihrem geschätzten ״Literaturblatt“ Nr. 10 lese ich die Notiz des Herrn Dr. Duschak über ויעתר ויחתר. Ich erlaube mir die geehrten Leser Ihres Blattes auf meine diesbezüglichen Ausführungen in der פסיקתא Seile 102b Anmerkung HO aufmerksam zu machen, aus welchen zu ersehen ist, dass die betreffende Stelle im Babylonischen Talmud korrumpirt, dagegen die richtige Lesart im Jcrusalemitischen Talmud, ferner in der פסיקתא, und dem Talmud ויקרא רבה, wie auch in anderen Midraschim vorkommt. S. Buber. Hebrälwehe Tr»uformuI»re (כתוב1ת) mit geeigneter, auf die vorangegangene Civiltrauung Bezug liehinender, deutscher Uebersetzung von Rabbiner Dr. M. Rshmsr versendet 10 Stück gegen Einsendung von 12 Mark franco Ule Expedition die■. Blatte». Q^E* Einzelne Exemplare a 30 Ff. *3UQ Verantwortlicher Redacteur Dr. Kahiner in Magdeburg. Druck von H.Horback in Barby. Verlag von Robert Friese in Leipzig.