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Das jüdische Literaturblatt · 1881-03-23 · No. 12. (23.3.1881) · p. Seite 46

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
10 (1881)
Issue
No. 12. (23.3.1881)
Date
1881-03-23
Page
Seite 46 (sequence 2)
Language
German
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— 46 — % fahrcr und das Aufschreien d.es^marterten Israels ...ן Ihre Kenntniss der jüdischen Literatur ist eine wahrhaft überraschende. Sie citirt Stellen nicht nur aus dein täglichen Gebetbuch, sondern auch aus der Liturgie des Versöhnungstages. Das Motto zuin 33. Cap. ist ein Satz aus der Mischnah Jadajim Cap. 4; am Ende des 08. Cap. citirt sie den Satz, dass Gott sich beschäftige mit der Verehelichung. Das Motto von Cap. 42 ist eine Stelle aus ,,Zunz, synagogale Poesie.“ Es scheint, dass sie d'׳e Geschichte von Grätz, die Abhandlung von Emanuel Deutsch über den Talmud, die Lebensgeschichte von Salomon Maimon, die Prinzessin Sabbath von Heine und Mendel Gibbor von Bernstein gelesen hat. Sie kennt auch die jüdischen Sitten, spricht vom Kiddusch am Sabbath, von dem Tischgebet, vom Schulengehen, vom Jahrzeit halten, vom Schabbesrock, von der Chupa, vom Koscheressen, von Mesusolh nnd Thefillin, von den zweierlei Geräthen in der jüdischen Küche, vom Kaddischsagen, ron den> Grundsätzen, die das Schema enthält und von vielem andern. Der Tod der berühmten Schriftstellerin ist für die Menschheit ein noch grösserer Schmerz als für die Judenheit. Für diese mag es eine Genugtuung und eine Mahnung sein, dass eine Nichtjüdin so begeistert vom Judenthum dachte; aber für die Menschheit war sie die Lichtspenderin, die das Dunkel eines engherzigen und hartherzigen Fanatismus durchbrach und zeigte, wie ein dichterisches Gemüth in wahrhafter Poesie die Judenfrage löst. Doch eine solche Dichterin kann für die Geister nicht sterben; ihr Daniel Deronda hat noch eine Zukunft, und wenn das wilde Getöse der Judenhetze wieder verstummt sein wird, dann wird die Stimme ihres Mardochai wie eine Prophetenstimme gehört werden. David’s Klagelied. Die kritischen und exegetischen Ausführungen des Herrn Dr. Sidon*) in Nr. 2 und 3 dieses Blattes veranlassen mich, auch meine Glossen zu diesem Klageliede der Oeffentlichkeit zu übergeben. Die häuptsächliehe Schwierigkeit liegt, wie schon Herr Dr. Sidon bemerkt, in den Worten ללמד לבני יהודה קשת. Diese Schwierigkeit wird aber dadurch ganz gehoben, wenn wir annehmen, ללמד und בני יהודה קשת stehen nicht enge zu einander, sondern sind Anfang und Ende des Citats, welches im Buche Ilajuschar vorkum. Um Gesagtes *) Herr Weissmann hat es unterlassen, auf meine Auxfiihrungen naher einzugehen. Er erwähnt nicht einmal, duss auch in meinem Aufsatz der Psalm (io, den er zur Grundlage seines Baues macht, herangezogen wurde, freilich in anderer Weise. Ich will hier nur folgende Vermuthung zu Wort kommen lassen. 1111 ספר הישר fand der Verfasser der B. Sam. bezüglich der Trauer Davids um Saul und Jonathan ausser dem Klageliede die Mitthei- 11111g, David hatte b e i d ies er ü e 1 eg en heit der Kundgebung der Trauer die Aufforderung ausgesprochen: ללמד בני יהודה קשת• Auf beides bezieht sich הנה כתובה על ספר ה־שר. Null kann es Nun kann es sein, dass diese Worte bereits in der Quelle die Stellung hatten nach den Einführungsworten des Klageliedes (v. 17), oder die Anordnung gehört dem Verfasser der ß. S. an. Für diese Anordnung mochten die Erwägungen bestimmend eingewirkt haben; das Klugelied ohne jeden Adnex zum Schluss zur Dar- Stellung zu bringen, um nicht dessen Eindruck durch Ablenkung auf ein anderes Moment zu schwächen; andererseits würde die Miltheilnng ללמד u. s. w. nur am Schlüsse des Klageliedes nicht zur gehörigen Würdigung gelangt sein, während durch die gegen¬ oder Bekanntes nicht zu wiederholen, begnügte 6ich der Redacteur des Buches Samuel einige prägnante Worte anzuführen, was gar nichts Absonderliches bietet, denn da, wie allgemein angenommen, das Buch Hajaschar ein Liederbuch war, so musste es im Munde des Volkes lebendig sein und daher ein blosser Hinweis genügen. Ich glaube auch dieses Citat, das den Eingang zum Klagelied bildet, in Psalm 60, 1—6 wiedergefunden zu haben Er beginnt mit ללמד und schliesst mit קשט, für welches die LXX קשת lesen, und auch der Talmud קשטים in der Bedeutung von Bogenschützen hat. Auch passt der Eingang dieses Psalms ganz als Eingang zum Klageliede, und hängt mit dem Inhalte desselben zusammmen. Nur habe David bei einer anderen Gelegenheit v. 2 eine andere Fortsetzung gegeben (7—14). Dafür spricht noch, dass gerade dieser Schluss sich sozusagen wortwörtlich in Ps. 108, 7—14 wiederfindet. Hierdurch ist aber die Schwierigkeit, welche im Worte ללמד liegt, keineswegs gehoben, wenn nicht gar vermehrt. Ist Psalm 60 ein Lehrgedicht? ein Deduktionslied? Was wird aber hier gelehrt, was deducirt? Der Midrasch meint, David wollte deduciren, er mache sich keiner Uebertretung des Bibel wortes Deut. 2, 4—19 schuldig, wenn er die Edomiter, Moabiter und Amoniter bekriege (Genesis rabbah Parschah 75). Allein aus diesem Psalm ist Nichts weniger als das zu ersehen. Vielleicht gehe ich nicht fehl, wenn ich behaupte, David wollte Israel über die Ursache seiner Siege und Niederlagen belehren und auch den Grund der auffälligen Niederlage Sauls, des Gesalbten Gottes und aller seiner Sohns durchschimmern lassen Und es war dies nach seiner Ansicht nichts Anderes, als die Missachtung Sauls gegen die heilige Lade (Chronik 10,12—14, 13,3), die er aber wieder zu Ehren brachte. Psalm 60 v. 6 sagt es nur zu deutlich: ״Du gabst denen die Dich fürchten — ליראיך statt לבני יהודה in Samuel, was zur Zeit der Abfassung dieses Buches ganz synonym war — ein Panier — die heilige Lade — sich zu erheben wider die Schützen.“ V. 12 ״Du hattest, 0 Gott, uns doch nur verworfen, als Du nicht mit unseren Heeren zogest“ spricht das noch deutlicher aus. Klang der Eingang des Klageliedes über die Niederlage Sauls und Jonathan so, so war es nur weise gehandelt, wenn der Redacteur des Bucnes Sam., siatt ihn inhaltlich wiederzugeben, nur auf ihn hinwies. Das Satzglied מגן שאול בלי משיח בשמן bietet durchaus keine Verlegenheit, wenn wir כי שם aus dem ersten Satzlheil auch darauf beziehen, wonach der Satzbau etwa folgender wäre: כי שם נגעל מגן גבירים — — שאול- בלי משיח בשמן- בלי ist hier somit in der Bedeutung von ״verwesen“ (wie Jesaias 38,17) gebraucht. Zu מדם חללים מחלב גבירים ist ישתה יאכל hinzuzudenken, was an Numeri 23, 24 erinnert und sagen will: ״lilte nicht getrunken von dem Blute der Erschlagenen, nicht gezehrt vom Fette der Helden, wandte sich der Bogen Jonathans nicht ab und kehrte das Schwert Sauls nicht leer zurück“ — für עדנים ist עדיים, wie Ezechiel 16,7, zu lesen, was im zweiten Halbvers wiederholt wird. Weissmann. würtige Stellung diesen beiden Rücksichten Genüge geleistet wird. V. 17 und 18 belichten über das Klagelied und Uber die Auffordernng zur Ausbildung in den Waffen, über die beiden Momente, die zur Kundgebung der Trauer Davids gehörten; hierauf wird dem Klagelied der Platz angewiesen. Ich möchte die Frage in Auregung bringen, wenn dies nicht bereits geschehen, ob nicht 1וי den historischen Büchern der heiligen Schrift in der Anordnung gleichzeitiger Thatsachen diejenige Erzählung vorangestellt wird, die in wenig Worten berichtet ist? Es wäre hierbei das talmudische (Baba b. Hb): א יידי דייטר מידכם in dieser Richtung in Betracht zu ziehen Dr. Sidon.

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