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Das jüdische Literaturblatt · 1881-03-23 · No. 12. (23.3.1881) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
10 (1881)
Issue
No. 12. (23.3.1881)
Date
1881-03-23
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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No. 1*. Das Jahrg. X• Jüdische Literaturblatt. 1 Zar Beleuchtung aller Jadenthnm and Jaden betreffenden tlternrlnch. Erscheinungen nnt dem Gebiete der Philosophie. Geschichte,Ethnographie,Theologie, Orientalin, Exegese, Homlletik, Lltnrglk, Pädagogik. Heransgegeben von liubbiner l>r. Moritz Itahmer. Maedebui׳!;, ä3. März 1881, Bücher der einschlägigen Literatar, welche der Bedaetion xagesandt werden, linden diesem Blatte eingeh.Bespreehnag. BelEinscndang von zwei Reeenalonsexemplaren erfolgt aaek Erwähn. L d.Wochenschr. Das ^Jfidlsehe Llteraturblntt(i erscheint wöchentlich in einem halben Bogen; Preis bei allen Buchhandlangen (in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrg ang: 8 Mk. Abonnenten der ״lsraelitischenWochenschrift“ (die vierteljährl. bei allen Postanstalten und Buchhandlungen 8 Mk. kostet) erhalten das ״Jüdische Literatnrblatt“ gratis. — Inserate werden mit25Pf. für die dreigespaltene Petitzeile berechnet und ausschliesslich entgegengenommen durch die Central-Annoncen-Expedition von Gr. lu• Daube Sc Co• t Frankfurt a. M., Magdeburg, Berlin, Hamburg, Cö 111, München, Zürich, Wien, Paris. Inhalti Wissenschaftliche Aufsätze: George Eliot. — Davids Klagelied. ' Literaturbericht: Recensionen: The hebrew Review. Publisheil by the Rabbinical Jiterary association of America. N o ti zen. Nachdruck nur mit voller Quellenangabe gestattet. George Eliot. (Nach ״Jewiah Chronicle“.) Drei Stufen unterscheiden sieh in den modernen Ansichten über die Juden. Nachdem im Mittelalter der Jude wie ein unmenschliches Wesen angesehen wurde, zeigte Shakespeare in seinem ״Shylock“ den Juden in menschlicheren Zügen, aber auf einer niedrigem Stufe als die christliche Menschheit; Lessing zeigte im ״Nathan“ die Ebenbürtigkeit des Juden; George Eliot stellte im ״Daniel Deronda“ die Juden als das auserwählte Volk Uber die anderen. In den ״Eindrücken des Theophrastus Such“ rühmt sie die ausserordentliche Lebenskraft des jüdischen Volkes und sagt: Eine der merkwürdigsten Erscheinungen in der Geschichte dieses zerstreuten, für Jahrhunderte zum Schimpf und Spott gemachten Volkes besteht darin, dass es trotz dieses Druckes, welcher in jeglicher Beziehung verschlechternd und verderblich der Erwartung nach hätte wirken müssen, aus diesem sich herausgewunden hat und mit den Nationen aller europäischen Länder in physischer Gesundheit und Schönheit, in wissenschaftlicher und künstlerischer Gewandheit und in manchen ethischen Beziehungen wetteifert. Mit Stolz wies sie im Jahre 1879 darauf hin, dass der liberale Führer in Deutschland, der republikanische in Frankreich und der conservutive Ministerpräsident in Englund Juden seien. In viel wirksamerer Weise aber trat George Eliot im ״Daniel Deronda“ für die Juden ein. In diesem Romane gab sie der Welt eine ganze Gallerie jüdischer Charaktere, um die mannigfachen Eigenschaften der jüdischen Rape darzustellen. Esrah Kohen mit seiner Herzlichkeit und Liebe, seiner Loyalität nnd Gastfreundlichkeit, seiner zarten Empfindung als Herr einer Familie, mit seinem Scharfsinn als Mann von Geschäft; Jacob Kohen xnit seiner wunderbaren Frühreife für Nachahmung und den Tauschhandel, der witzige und schlagfertige Pasch mit dunklem Teint und buschigem Bart, der gemässigte Gideon, welcher leicht für einen Engländer mit mehr als gewöhnlichen herzlichen Manieren, der alte Kalonimus, die Lapidoth, welche nur noch jüdisches Blut in ihren Adern haben, die Säuger! flr Mirah, Klesmer, sind alle treffliche Zeichnungen jüdischer Charactere. Aber das jüdische Ideal hät sie im Mardochai Kohen in der erhabensten Weise gezeichnet• Ein armer jüdischer Uhrmacher mit Gedanken, die 8'ictt weit über das niedrige Leben erheben, und mit Hoff-■; nungen, die sieh mit den weitesten Ergebnissen der Humanität verknüpfen, verlangt er die Verbrüderung aller Menschen. Gleich den grössten Männern Israels nährt er sich von Handarbeit; er ist ein Dichter und seine Sprache voll glühender Beredsamkeit; enthusiastisch ist seine Liebe für das heilige Land, in der selbst ein Jehuda Halevy ihn nicht überragt. Er verlangt nicht die Rückkehr aller Juden nach Palästina, da sie von der Zerstreuung überall hin wanderten, so sollen sie es auch weiterhin thun. Wenn aber ein jüdischer Staat in Palästina sich erheben sollte, dem alle Menslien ihre Liebe zuwenden würden, dann würde die Judenheit überall in glücklicherer Lage sein, sie würde di6 Vermittlerin werden zwischen Asien und Europa. Erstaunlich ist aber die Kenntniss, welche die berühmte Schriftstellerin vom Judenthum selbst gehabt bat. Mardochai citirt den Ausspruch Juda Halevi's: ״Israel ist unter den Nationen was das Herz unter den Gliedern.“ Eine genauere Kenntniss der jüdischen Geschichte zeichnen die Aussprüche: ״Wo ist sonst eine Nation, von der mit solchem Recht gesagt werden kann, dass ihre Religion und Gesetz und moralisches Leben sich mischten wie der Blutstrom im Herzen und in Eins zusammenwuchsen.“ Mardochai sagt zu Deronda: ״Ich sorge nicht ob mein Loos das von Josua |ben Chanaujah sei. Nach der letzten Zerstörung gewann er sein Brod durch Anfertigung von Nadeln, aber in seiner Jugend war er ein Sänger in den Tempelstufen und in seiner Seele lebte ein Bild von dem verschwundenen Ruhme .... Meine Seele .... wanderte durch Spanien und Frankreich, sie debattirte mit Ibn Esra, sie ging aufs Schiff mit Jehuda Halevi, sie hörte das Geheule der Kreuz- T m *frST

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