Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 10 (1881)
- Issue
- No. 11. (16.3.1881)
- Date
- 1881-03-16
- Page
- Seite 44 (sequence 4)
- Language
- German
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— 44 — Entstehung des Christcnthuius immer Ambos und das Christentlmin Hammer, aber die Gläubigen des Neuen Testaments siud der Geschichte den Beweis noch schuldig, dass die im Menen Testament enthaltene Moral auf ihren Leib zugeschnitten worden ist, denn man wird die am hellen, lichten Tage vergeblich suchen, die ,,den Mantel dazu schenken, wenn man das Untergewarid verlangt“, die, ״wenn gezwungen, eine Meile initzugehen, zwei Meilen aus freien Stücken begleiten׳• (Matth. V, 41, 42). Man mag hier und da aus dem Talmud einen Rechtssatz herausreissen, der unter der Lupe des Judenhasses betrachtet, der alten oder modernen Moral nicht entspricht, unser Leben, unser Handel und Wandel, unsere Sittlichkeit, unsere Woblthätigkeit, unsere Massigkeit, unsere Nüchternheit, unser inniges, musterhaftes Familienleben, unsere unwandelbare Treue gegen den Gott der Väter, all das ist die Fortsetzung des talmudischen Einflusses auf unsern Geist, auf unser Herz: all das ist noch heute (lüssigeTradition; das ist der erfrischende Strom, der, in uns die geistigen und sittlichen Keime befruchtend, von der Sinaihöhe herab sich über alle Länder und Fluren ergoss, wohin die göttliche Vorsehung Israel's Söhne zerstreute! Wir wünschen, dass die Leser obiger Schrift, jüdische und niehfjüdische, von diesem Gedanken durchdrangen werden und der Wahrheit die Ehre geben mögen l)r. F r a n k I - Cöln. Revue des etudes juives, publication trimestrielle de la socidtd des dtuöes juives. (Fortsetzung.) Die 6 Feuer, von welchen der Talmud Jotna 21b spricht, werden durch J. Darm st etter als vom Parsismus entlehnt nachgewiesen. Das Feuer, welches isst und nicht trinkt, d.h das gewöhnlich״. Feuer (od. das Feuer Behrärn); das Feuer, welches trinkt und nicht isst, das der Kranken (bei den Persern das der Pflanzen); das Feuer, welches isst und trinkt, das des Propheten Elia (Perser, das im Körper des Menschen, der Feuergott Apäm Napät) das Feuer, welches Feuchtes und Trockenes verzehrt, das des Allares (Perser dafür ein Feuer, das weder isst noch trinkt, das Licht); das Feuer, welches das Feuer zurückdrängt, Gabriel, der die drei Männer im feurigen Ofen rettet (Perser das Wolkenfeuer, das mit dem Dämonen Spenja Gor kämpft, oder Noiryösengh, das im Nabel der Könige ruht); das Feuer, welches das Feuer verzehrt, das der Schechina (Berezi Savah, das vor Ormuzd ist). — Die Beziehungen der Juden zu Babylonien in der Zeit der Mischuuh werden damit vielleicht etwas klarer gestellt. Selbstverständlich ist es ja, dass Hillel ufid die anderen Babylonier manches Derartige nach Palästina gebracht haben. Bedeutsamer ist es dass die Classilicution der Feuer, welche sonst erst im Bundehesch au ft ritt, als schon im 2. nachchristl. Jahrhundert vorhanden, erwiesen wird. — Unbedeutend ist der Aufsatz ״Die 613 Gesetze“ von M. B loch. Die 365 Tage des Jahres und die 248 Glieder des Körpers haben diese Zahl begünstigt, obschon sie nicht genau, sondern nur uugefähr sich berechnen lässt. — Eine interessante Studie bietet Israel Levy über die Coujugation der Zeitwörter im Jüdisch-Babylonischen, die im Folgenden fortgesetzt weiden soll Natürlich hat diese Volksspruche weniger eine Grammatik, als Gepflogenheiten. Deshalb werden die Abnormitäten da stets die Regel überwuehern Doch in solches Dickicht ein wenig Licht und Ordnung zu bringen, ist eine schon dankenswerte Arbeit. — Dem leichteren historischen Genre gehören die beiden ebenfalls uur in ihrem ersten Theilc vorliegenden Arbeiten an: Das Buch Joseph's des Eifrers vom Grandrabbin Z. Kuhn und die Disputation von 1240 von Isidor L o e b. im Ersteren wird der Nachweis geführt, dass der Compilation eine Schrift des R. Josef ben R. Nathan Official zu Grunde liegt, dass diese Familie von einem Todros aus Lyon im 6. Grade herstammt, dass der Grossvater des R. Nathan Meschullam ben Nathan um 1150 gelebt hat und die beiden Officiale (d. h. höhere Beamte, Siegelbewahrer des Bischof v. Sens), Nathan und sein Sohn Josef, zwischen 1226 und 1280 zu setzen seien (gegen Graelz Annahme, der sie in’s 12. Jahrhundert setzt.) Das Zweite kommt eigentlich ein dutzend Jahre zu spät. Es giebt das Material in reichhaltigem Masse, welches der Referent in seinen! Aufsätze über diese Disputation aus Secundärquelle nothdürftig znsammenstoppeln musste, und das Kisch ziemlich vollständig verwerthet hat.. Auch die Fortsetzung scheint nach den Andeutungen des Verf. nicht viel des Neuen bringen zu wollen. Die im Anhang abgedruckte Bulle des Innocenz IV. vom ]2. August 1847 mag noch unedirt sein (mir fehlt das Material, um dies zu constatiren,) allein bekannt war sie, denn die in Du lange Glossarium abgedruckte Antwort des Legaten Odo enthält den Hauptpassus derselben: ״Magistros Jndeorum regni Franciae nuper fidelitatem sanctitati Vestre et venerabilibus patribus dominis Cardinalibus suggessissc diceutes, quod sine illis libris, qui ebraice talmut dicunler, bibliam et alia instituta (Revue: statuta) suae legis scilicet (Revue‘: secundum) fulem ip80rum intelligere nequiret.“ Nicht allein zweimal, sondern wahrsche nlich noch öfter sind Talmudexemplare verbrannt worden ״qui tune haberi potuernet“. Möge Herr L. bedenken, dass an die Turbulationen in Frankreich sich sofort die in Spanien anschliessen, deren Träger der Täufling Pablo Christiani war, (1263) Uber welchen wohl die Pariser Bibliothek auch manches Jnteressante birgt, dessen Veröffentlichung der Revue vielen Dank eintragen durfte. Die Bulle Honorius IV. von 1286 scheint überallhin geschickt worden zu sein, dafür giebt die Adresse an den Erzbi6cl10f v. Evreux einen weiteren Beleg. Die Bulle Alexander IV. v. 1258 gegen das Verpfänden von Kirchengefässen und dergl. bei den Juden ist eine Wiederholung älterer gleichen Inhalts. (Forts, f.) Cassel, Dr. Paulus. Ueber die Abstammung der englischen Nation. Berlin, 1880. Exped. des Sunem. ״Die Schrift 8011 noch ein neuer Beitrag zur Judenfrage sein, die bedrohlich zu sein aufgehört zu haben scheint, aber nicht verlaufen ist, sondern sumpfartig stille steht.“ Diese Perle bietet das kurze Vorwort. Die Schrift selbst weist das Unwissentliche in den Be- 6trebunge11 nach, die Engländer von den Israeliten, speziell von den 10 Stämmen, herzuleiten. In England ist die Bibel ein Volksbuch geworden — das ist seine Verwandschaft mit Israel. Auch gegen die Wiederbevölkerung Palästinas durch Juden erklärt sich der Verf. Seine christologischen Ansichten und Hoffnungen 1 heilen wir nicht. Wo ist die Sittlichkeit, die Tugeud und Wahrheit in christlichen Kreisen höher als in Israel? Mögen sic Lügen auf uns häufen, mögen sie uns schänden durch Umdrehen und Entstellen unserer Worte und Thaten, das entwürdigt Jene, nicht uns. Der Vrf. aber steht einsam da. Jenen ist er doch nur der Semit Saulus — Wahrlich nicht ihn al'ein möchten sie stei- I nigen! So denken wir an R. Akiba’s herrliches Wort von den Fischen, die dem Rathe des Fuchses nicht folgten und lieber in ihrem Elemente blieben, trotz der drohenden Gefahren! Wir Juden wollen Jaden bleiben — in dem Bekenntnis* des ei,n!6|n Gottes wollen wir leben und sterben. Dem soll weder Liebe noch Hass uns entfremden! Dr. Lew in. Verantwortlicher Redacteur Dr. Rahuuer iu Magdeburg. Druck von K Horbach in Barby. Verlag voa Robert Friese in Leipxig.