Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 10 (1881)
- Issue
- No. 7. (16.2.1881)
- Date
- 1881-02-16
- Page
- Seite 26 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 26 — eben 80 gut fUr den ewigen Stoff Geltung haben! Dass indess die Materie, obwohl erschaffen, ihre ewige Dauer hat, dass nach Koheleth .,und die Erde besteht ewig• lieh“ trotzdem richtig sein kann, hat seinen Grund darin, dass es eben ein Werk des vollkommenen 8chöpfers ist. Ein zweites Moment, das wir hier berühren wollen, ist die Ansicht des Verf. Uber Unsterblichkeit der Seele, oder Vielmehr über die Sterblichkeit derselben, da er für diesse auflritt und sie zu beweisen sucht. Dass nun Mose nicht direct und ausdrücklich die Unsterblichkeit der Seele lehrt, sie nicht verwert!^, weder als Aufmunterung zur Ausübung der Tugenu, noch als Schreckmittel gegen die Sünde, ist allgemein bekannt, aber darum ist sie noch nicht eine dem ״Namen Gottes“ und der Bibel fremde Idee. Vielmehr scheint schon die Schöpfungsgeschichte, welche in dem gottfthnlicheh Mensehen ihre höchste Stufe hat, scheint die Bezeichnung des Todes als des Aushauchens des Geistes, eines Theiles des ewigen Wesens, deutlich auf die Lehre von der Unsterblichkeit der Seele hinzuweisen. Dass ferner Job — was der Verf. bestreitet — diese Idee enthält, ist klar ersichtlich aus Gap. 19,26, wo der Leidende selber spricht: ״Und frei von meinem Körper werde ich Gott schauen “ Aehnlich heisst es Koheleth 12, 7 : ״Und der Staub kehrt zurück zur Erde, wie er gewesen, und der Geist zu Gott, der ihn gegebenWenn es vollends in dem ethischen Buche Pirke Aboth heisst: ״Diese Welt ist einer Vorhalle ähnlich, bereite Dich hier vor, dass Du einziehest in den Pallast“, so kann man doch nicht mit dem Verf. behaupten, dass ״allgemein im Judenthume die Un8terblicl!keitslehre nicht anzutreffen sei“ Diese Beispiele mögen genügen, zu zeigen, was der Verf. mit seinem Werke will. Aber wenn auch, wie wir dargelegt haben, nicht mit allen seinen Ansichten übereinstimmen können und werden, so bietet doch das Werk durch die mannigfachen interessanten Gitate aus Midrasch und den religionsphilosophischen Büchern des Anziehenden und Anregenden gar viel; die Darstellung, ist eine bei dem schwierigen Stoffe im Ganzen leicht fassliche, und die Verlagshandlung hat durch schönen Druck, gute Ausstattung und besonders durch billigen eis das Ihrige gethan, um die Anschaffung dieses erkes zu erleichtern. Lublinitz. Dr. S. Friedmann. Nachschrift der Redaction. Wir können nicht umhin, hier eine kurze Besprechung desselben Buches in der ״Neuen Ev. Kirchenz.“ (Nr. 3) zum Abdruck zu bringen, um an einem Beispiel zu zeigen, wie der Inhalt gewisser Bücher jüd. Autoren von unseren Gegnern in judenfeindlichem Sinne ausgebeutet wird. Das gen. Blatt der Berliner Hofprediger- Partei sucht schon durch die Ueberschritt die Aufmerksamkeit der Leser auf dieses Buch wie auf ein sensationelles literarisches Ereigniss zu lenken Es schreibt: ״Eine jüdische Glaubenslehre. Unter dem Titel: ״Der Posivismus im Mosaismus“ hat ein jüd. Gelehrter S. Simchowitz in Wien eine Art Glaubenslehre des Judenthums erscheinen lassen, die als ein Zeichen der Zeit Beachtung verdient Gott und die Welt sind in diesem sogenannten Mosaismus gleich ewig, die unerschaffene Materie der vollste Gegensatz gegen Gott und dieser auch nicht im Stande, sie aufzuheben, abznändern oder zu vernichten. Gott hat die gestaltlose Materie planvoll zu einer Welt umgestaltet. Letzteres ist jedoch nur dahin zu verstehen, dass Gott der Materie einen ersten Anstoss ge- י) Dieser Vers kann bekanntlich auch anders übersetzt werden (sund aus meinem Körper schaue ich Gott"); aber die Psälmen sind reich an Belegstellen fllr den im Jndenthum lebenden Unsterbligkeitsglauben 3. C. 16, 9. 17. 15 u. a. m. (Red.) geben hat und diese sich seitdem ohne fernere■ Eingreifen Gottes, ohne Offenbarung und ohne Wunder,-»weiter entwickelt. Auch Leib und Seele des Menschen sind .fstofflichcr Art. Der wahre Monotheismus leidet, nur ein ewiges Wesen, den rein geistigen und über weltlich^! Gott. Die Unsterblichkeit der Menschenseele zu be* haupten, ist eine ״freche Anroassung gegen Gott“ Thun und Lassen des Menschen aber stehen unter dem Gesetze der Noth wendigkeit und sind diesseits, weisen nirgends auf ein Jenseits hin, und daher ist für ihn ״jede peinliehe Enthaltung von einer Sache, die seinen Augen gefällt, Sünde.“ Atheismus verträgt sich eben deshalb mit dem Mosaismus wohl, die supernaturalistische und transcendentale Auffassung desselben dagegen ist eine Häresie, und anfangs auch im Judenthum als solche erklärt worden. Das also ist die Höhe, auf die auch uns Christen ein Jude, in der Zuversicht, dass wir ihm bald dorthin folgen würden, ruft! Gut freilich ist es immerhin, dass uns wieder einmal ein Religionssystem näher gebracht wird, in welchem derartige Lehren mit allen aaderän das gleiche Recht der Orthodoxie für sich geltend machen können.“ — So werden heutzutage wie in סש■ ralischer, 80 auch inwissenschaftlicher Beziehung, Irrthümer, Fehler und Frivolitäten einzelner jüdischer Autoren auf Rechnung des gesummten Juden t h u m s gesetzt, anstatt nur den betr. Verf. dafür verantwortlieh zu machen.*) Literaturbericht. tecenUaci. Joöl, Dr. D., Seminarrabbiner. Der Aberglaube und die Stellung des Judenthums zu demselben. Heft I. Breslau 1881. 116 S. gr. 8°. Mit dieser hochinteressanten- Monographie, welche dem Jahresberichte des jüdisch-theologischen Seminars zu Breslau vorangeht und demselben zur schönsten Zierde und zur wahren Auszeichnung dient, hat sich der gelehrte Herr Verf. auf das Trefflichste bei den Freunden der Anstalt und bei den Förderern ihrer streng wissenschaftlichen Bestrebungen auf jüdisch-literarischem Gebiete eingeführt. Wenn wir sagen, diese Arbeit reihe sich würdig den meisten ihrer Vorgängerinnen an, jenen gediegenen wissenschaftlichen Leistungen, welche die so vielseitig gelehrten und hochbegabten Leiter und Lehrer dieses Instituts im Laufe der Jahre zu Tage gefördert, so ertheilen wir dieser Programmarbeit eine hohe, aber auch eine wohlverdiente Anerkennung. Zwar müssen wir ein abschliessendes Urtheil vorläufig noch zurückhalten; denn was der Verf. bisher veröffentlicht, ist das erste Heft seiner äusserst beachtenswerthen Studien. Wenn uns unsere Wahrnehmung nicht täuscht, wird das Werk dem Verf. unter den Händen stetig wachsen, jemehr es sich dem Ende nähern wird; denn die Stellung, welche die Geonim, die Rabbinen der spanischarabischen und der deutsch-polnischen Literaturperiode zum Aberglauben ihrer und aller Zeiten einnehmen, lässt sich füglich doch nur im Lichte ihrer eigenartigen religionsphilosophischen Weltanschauung erkennen. Diese Blätter, wiewohl nur von dem einen Gedanken beherrscht, das in der Aufschrift ungedeutete Thema zu bearbeiten, müssen uns in nuce die wandelnden An- *) Es folgt für uns hieraus, dass die jüd. Kritik nicht allzu nachsichtig gegen unwissenschaftliche Werke in eigener Milte sein darf, selbst auf die Gefahr hin, das« Red. und Rec. dadurch das Uebelwollen der betr. Autoreu auf •ich laden. Wir berühren hier einen heiklen Punkt, über den wir uns nächstens einmal in dies. Bl. näher aussprechen wollen. (Red.)