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Das jüdische Literaturblatt · 1881-02-16 · No. 7. (16.2.1881) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
10 (1881)
Issue
No. 7. (16.2.1881)
Date
1881-02-16
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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STo. 7• Das Jahrg. X. Jüdische Literaturblatt. r Zar Beleuchtung aller Jadenthnn’Und Jaden betreffenden IlterarlMtuErMhetnangen auf de■ Qeblete der Philosoph(«, Getfhlehte,Ethnographie,Theologle,Ortentalia, lieieie, Ho- ■Uetlk, Litnrglh, Pädagogik. 16 Herausgegebea von Rabbiner l)r. Moritz Hahmer. Mnjfdeburj[, IO, Februar 1881. BBeher der einschlägigen LIterntnr, welche der Bedaetion xngesandt werden, finden ln dlesoaBlatte eingeh. Besprachnng. BeiXlnsendnng ▼on ■ w e I BeeeaniousexeBplara■ erfolgt aneh. Erwähn. L d.Wocheuchr. Das ,,Jltt8tael»e LlteraturbUtt“ erscheint wöchentlich in einem halben Bogen; Preis bei allen BaoMiandlangen (in L pi p x i g bei Robert Friese) pro Jahrgang:(} 11k. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“ (die ▼iertelj&hrl. bei allen Poetanstalten lad Buchhandlungen 3 Hk. kostet) erhalten das ״Jüdische Literaturblatt“ gratis. — IitBersafie werden mit 35 PL für die dreigerioaltene Petitxeiie berechnet und ausschliesslich entgegengenommen durch die Central-Annoncen-Ezpedition von Gl. L. Daube &• Co», Frankfurt'a. M., Magdeburg, Berlin, Hamburg, Cöln, München, Zürich, Wien, Paris. Inhal«! Wissenschaftliche Aufsätze: Der Positivismus im Mosaismus. Literaturb ericht: Recensionen: Joöl, Dr. D., Der Aberglaube und die Stellung des Judenthums zu demselben. — Die Haupt- Widersprüche gegen den Grundtext der heil Schrift in den zwei protestantischen Bekenntnis89chriften: Augsburgische Confession und Apologie, von einem Theologen. — Sondheimer, Dr. H. Geschichtlicher Religionsunterricht Notizen. Nachdruck nur alt voller Quellenangabe gestattet. Der Positivismus im Mosaismus.*) ״Ein seltsames Geschick scheint den Mosaismus gleich wie jenes Volk, welches ihn als ein väterliches Erbe bewahrt tind pietätvoll verehrt, auszuzeichnen, namentlich nie zu veraltern, immer der Gegenwart, nie aber der Vergangenheit anzugehören, und gleich einem Phönix immer wiederum verjüngt aufzuleben.“ Die mosaische Religion ist, wie bekannt, nicht nur Gemüths-, sondern auch vorzüglich Vernunftreligion, und kann als solche niernals mit der wahren Wissenschaft in Conflict gerathen. Unter wahrer Wissenschaft darf nian allerdings nur diejenigen allgemein anerkannten Resultate verstehen, welche die Forschung als zweifellos und unumstösslich für die Dauer der Zeiten gültig, gewonnen hat. Mit Hypothesen der Wissenschaft dagegen ist die Religion nicht gezwungen, sich in’s Einvernehmen zu setzen. Einen solchen Versuch aber macht das Werk des Herrn Simchowitz, welcher die empirische Naturphilo- Sophie, den Positivismus unserer Zeit, im Mosaismus sucht, und alle ihre Hypothesen als vom Mosaismus bestätigt und bewahrheitet, darlegt auf Grund und Zeugnifls von Auslegungen der Talmudisten und von fleissig und mühevoll gesammelten Lehren und Meinungen der mittelalterlichen Religionsphilosophen. In 9 Abschnitten, die über die wichtigsten Hauptlehren der Religion und Philosophie abhandeln [1. Gott und Natur, 2. Materie und Form, 3. Dauer und Grösse der Natur, 4 Vorgänge der Schöpfung, 5. Zweck der Schöpfung, 6. Offenbarungen und Wunder, 7. Seele und Leib, 8. Wille und That, 9. das irdische Leben], bietet der Verf uns ein ziemlich vollständiges System des positiven Mosaismus. Es kann nicht unsere Aufgabe sein, näher auf den Inhalt des ganzen Werkes hier einzugehen, dies überlassen wir einem Jeden, der besonderes Interesse hat, *) Erläutert und entwickelt auf Grund der alten und mittelalterlichen philosophischen Literatur der Hebräer von S. Sch. Simehowitz. Wien. M. Gottlieb’s Buchhandlung. 206 8. 3 M. empirisch-philosopische Anschauungen von Talmudisten und jüdischen Religiousphilosophen kennen zu lernen. Allein wir können nicht umhin, zu bemerken, das» manche Ausführungen, wenn sie auch die Stütze jüdischer Philosophen für sich haben, für äusserst vageaund nicht strict bewiesen gelten können. So z. H. führt der Autor im 2. Capitel aus, dass ,die Natur, wie es der Mosaismus lehrt, ihrer Existenz, ihrem innern Wesen nach von Gott unabhängig, getrennt, selbständig und unerschaffen sei,“ ״dass das Verhältniss zwischen Gott und der Materie, wie etwa das des Menschen zu derselben, dass auf dieselbe Weise, wie der Menschengeist sich seines stofflichen Körpers bemächtigt und bedient, auch der allerhöchste Weltgeist, Gott, die stoffliche Welt beherrscht und bewältigt “ Es dürfte dies doch eine Coucession sein, die dem Empirismus unnöthiger Weise und ungezwungen gemacht wird. Ist denn au3 dem ersten Satze der Bibel nicht deutlich ,,die Schöpfung aus Nichts“ zu finden? Nicht etwa blos aus dem Worte ״bara,“ sondern aus dem ganzen Satz I Müsste doch im andern Falle die Bibel beginnen: ״Im Anfang war die Erde Öde und wüste“! (Auch der Verf. hat dem ersten Satz der Thora besondere Rücksicht gezollt; er will in Uebereinstimmung mit der Hypothese der modernen Forschung aus ihm lernen, ״dass der Anfang aller Weltbildung, der erste Anstoss zu derselben, nämlich die Sonderung und Bildung einzelner runder Massen aus dem Urweltnebel ein Schöpfungsakt Gottes gewesen.“ Wenn eine solche Auffassung richtig wäre, wenn aus ״bara“ eben nur der Anstoss zur Bildung und Ordnung der Weltmasse zu entnehmen wäre, — was bedeutet dann das folgende einen jeden neuen Schöpfungsact einleitende ״wajomer Elohim“? Nach dem Verf., nach welchem in Folge des ersten Anstosses ״die Geschichte der selbständigen, aus eigenen Kräften und innerer Nothwendigkeit der Materie hervorgegangenen weiteren Entwickelungsprocesses der Welt“ beginnt, bedeutet ״Gott sprach“, dass Gott dabei sich nicht mehr schaffend, sondern durch das Organ dieser Krilfte sich zu dieser blos gebietend verhielt.“ Nun, es ist klar, dass ein solcher Unterschied unklar ist; denn wie sollte man bei Gott unterscheiden können ein ״Anstossen“ von einem ״Gebieten“? Dass aber der gegebene Unterschied in der Bedeutung der Wörter ״bara“ und ״oinar“ fälsch ist, lehrt deutlich G6n. 1, 20—21.) Deutet nicht auch darauf hin das Wort Jesaja 45, 18: ״Denn 80 spricht der Ewige, der Schöpfer des HirnmeU, der Gott, der die Erde bildete und sie bereitete, er festigte sie“? Und vollends könnte ja in jenem Falle das Prädikat für Gott, welches mit Mose erscheint ״Ich bin, der ich sein werde“, dann doch

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