Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 10 (1881)
- Issue
- No. 6. (9.2.1881)
- Date
- 1881-02-09
- Page
- Seite 23 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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*^ל»זז. — 23 — ßoraita ist unsere Misch na hervorgegangen. Jeruschalmi hat noch, wenn auch verstümmelt, unsere Tcscfta-Stelle erhalten. <־ Vergleichen wir unsere Stelle in späteren Sammelwerken, so zeigt sich, wie wenig zuverlässiges Material diese für die Kritik uns bieten. Im Jalkut ist die Stelle nach Babli, aber mit Auslassung de9 Passus von R. Elieser, dem Sohne de9 R Jose Hageliii, gegeben, bei der Begründung heisst es nur R. Elieser. Im לקח טוב (ed. Buber) ist die Stelle ganz willkürlich geändert mit Auslassungen. Statt ר׳ אליעור בנו של ר׳ יוסי הגלילי steht ר׳ אליןזור בן תרדיוך und diesem wird die Meinung des R. Nehemias in den Mund gelegt. Wie Buber dort bemerkt, heisst es in der Mechilta R. Elieser b. Todai, und wie ~ er angiebt, im Jalkut (wahrscheinlich einer anderen Ausgabe als der meinigen) R. Elieser b. Asarjah. Aber Buber bemerkt nicht, dass iu Gemara dies die Ansicht R. Nehemia’s ist*); r Literaturbericht. Xeeeasirac■• Weber, Dr. Ferdinand, Pfarrer in Polzingen. System ’der altsynagogalen palästinischen Theologie aus Targum, Midrasch und Talmud dargestellt. Nach des Verfassers Tode herausgegeben von Franz Delitzsch und Georg Schnedermann. Leipzig, Dörfling & Franke. 1880. (Schluss.) S. 93 ff. Die Definition von הלכה ist nicht ganz richtig. Es sind fort und fort neue Halacha’s entstan-. den, die nicht auf frühere Gewährsmänner zurückgeführt werden konnten, und nur als besondere Eigenschaft weniger Lehrer wird hervorgehoben, dass sie nur Gehörtes weiter lehren (Sukka 23). S. 95 Die Heiligkeit agadischer Tradition ist niemals von mass- und ausschlaggebender Seite behauptet worden. Thut e3 die Agada selbst, so thut sie es pro domo. S. 99—102 enthält die beste Widerlegung der früher behaupteten Höherstellung der Tradition und gibt das Verhältuiss der Ueberlieferung in durchaus richtiger Weise, nicht nur, wie der Verl', meint, in der Theorie, sondern auch in der Praxis wieder. Aussprüche, die ein Gegentheil beweisen, sind polemischer Natur, gegen traditionsleugnende Sectirer gerichtet. Cap IX, welches von dem Schrifibeweis, den dreizehn Regeln des R Ismael und den sonstigen Deutungs- ׳ regeln handelt, gibt zu keinen Ausstellungen Anlass, zeigt vielmehr den Scharfsinn und die Belesenheil des Verf. in schönstem Lichte. Auch was über den Stand der Weisen und deren gesetzgeberische Gewalt gesagt wird, ist so ziemlich richtig, nur muss man nicht vergessen, dass die Agada auch Predigt ist und die Gottesgelehrten mit den Attributen und mit der Autorität schmückt, die sie eigentlich besitzen und gemessen sollten und die sie nicht immer genossen und besessen. Der zweite Theil behandelt die besonderen Lehren und in der ersten Abtheilung den theologischen Lehrkreis. Hier ist der Verf. ganz und gar von seinen christlich-theologischen Anschauungen erfüllt, und von diesem Standpunkte werden Paralellen zwischen jjidi- *) Man sieht, welches Gewicht man bei kritischen Uutersuchungen auf den Wortlaut des Midrasch legen kann, (Herr Lernerhält nun gar jn einem Aufsätze über Midrasch Rabbah im Magazin für Wissenschaft des Judenthnms die Relation des Midrasch fürauthentischer, als die in Tosefta!) schein Monotheismus, absolutem Transcendentismus und der trinitarischen Ausgestaltung des Gottesbegriffes aufgestellt, bei denen natürlich die jüdische Anschauung als angeblich ganz und gar auf nomistischer Basis beruhend, den Kürzeren zieht. Aus leicht begreiflichen Gründen enthalten wir uns hierbei jeder Polemik. Den Werth der Behauptungen aber über den jüdischen Gottesbegriff möge ein Beispiel für Viele messen. Der Vf. sagt S 144 ״nach dem jüd Gottesbegriff ist Religion das rechte Verhalten vor Gott, nach christl. Anschauung ist Religion Gemeinschaft mit Gott. Nach letzterer Fassung wird sich Gott zur Gemeinschaft mit dem Menschen erschlossen, weil er in der Heiligkeit die Liebe ist, nach ersterer Fassung bleibt er der schlechthin Erhabene, dem Menschen und der Welt Einseitige etc . . Dass wir mit dem Gesagten im Rechte sind, bewährt sich in der Benennung Gottes, wie wir sie in der Synagoge mit רבונו של עולם,שטים ,הק״בה ,מקום finden.“ Wir sagen, dass der Verf mit dem Gesagten nicht im Rechte ist, bewährt sich in der Benennung ,אבינו שבשטים רבון כל המעשים ,רחמנא etc. Aber abgesehen von solchen Abstractionen vom Sprachgebrauch haben wir noch eine andere Frage. Für die Fassung des christl. Gotresbegriffes wird der Verf. doch das neue Testament als Basis gelten lassen, nun sind aber die Bezeichnungen Gottes daseibst vollständig analog den Bezeichnungen im Talmud und Midrasch wie Matth. 4,17, 5,3, 11,11, 13,11; Marc. 1,16; Luc. 6,20, 7,28, 8,10 u. a. v. 0. Wo bleibt da die Consequenz? Ja noch mehr, im jüdisehen Bewusstsein bildet gerade der Ausdruck שמים für Gott die Bezeichnung der gottliebenden Gesinnung im Gegensatz zur nomistischen Frömmigkeit, nach Raschi zu Berachot 14b ,קריאת שמע הוא קבלח מלכות שטים ולויה אם שטוע הוא קבלת עול מצות. Dass das Eifern des Talmuds etc. gegen die Statuirung von שתי רשויות ein Eifern gegen den trinitarischen Gottesbegriff sei, ist eine vollständige Verkennung geschichtlicher Thatsachen, worüber Graetz IV, 88 ff. und Geiger hätten Aufschluss geben können. Dem Judenchristenthum, mit dem es der Talmud allein zu thun hat, blieb die Trinitätslehre fremd, die ״doppelten Gewalten“ aber waren persischen Ursprungs. Für Cap XII bis XIV können wir auf die Arbeiten von Kohut über Angelologie und Dämonologie Grätz über Gnosis, Joel Uber Religionsgeschichte des 2. Jahrhunderts n Chr. verweisen, um zu zeigen, dass die Agada in dieser Beziehung fremde und vom Judenthum bald wieder abgestossene Gedankenkreise verarbeitet hat, die keinen Stoff für eine eigentliche und!ecipirte Lehre über Gott und die GeisterweU bilden können. Der kosmologische und anthropologische, der soteriologische und der eschatologische Lehrkreis sind mit viel mehr Objeciivität behandelt, und wenn man das phantastische, endlose, in tausend Widersprüchen sich bewegende Meer der einschlägigen Agada als 5\ף für ein System gelten lassen will, so hat der Verf. mit staunender Geschicklichkeit seine Aufgabe vollbracht. Indem wir noch energisch gegen die Imputation protestiren, als ob selbst in jenem krausen Schril'tthum ein Anklang an die Lehre von der Erbsünde gefunden werden könnte, schliessen wir die Bemerkungen über eins der interessantesten, anregendsten und inhaltsreichsten Werke der theologischen Literatur. Dass Delitzsch nach dem Tode des Vaters dem Kinde zu Gevatter gestanden, beweist die ungewöhnliehe Correktheit der Citate aus einem der umfangreichsten literarischen Gebiete. Rabbiner Dr. Caro-Erfurt.