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Das jüdische Literaturblatt · 1881-02-09 · No. 6. (9.2.1881) · p. Seite 22

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
10 (1881)
Issue
No. 6. (9.2.1881)
Date
1881-02-09
Page
Seite 22 (sequence 2)
Language
German
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bekanntermassseu beim Rindvieh sehr gross, obwohl es in Folge des Mangels an sanitärer Aufsicht Uber Kuh- Ställe und Schlachthäuser niöht genau zu schätzen ist. £8 scheint diese Krankheit aber im Wachsen begriffen zu sein und auf dem Festlande ist es festgestellt worden, dass 1 bis 5 ״/, allen Viehes tuberculös ist. So erkrankte Thiere zeigen in der Regel keine Zeichen des Siechthums und die Krankheit kann nur durch eine Prüfung nach dem Tode erkannt werden. Ich will noch hinzufügen, dass hierüber die englischen Physiologen ungemein von Naturforschern des Continents belästigt worden sind, unter welchen Gerlach, Schauvaux. Colin und manche andere genannt werden mögen, welche alle nachgewiesen haben, dass durch den Genuss von Fleisch und Milch des erkrankten Thieres Tuberkein übertragen werden können. Die Schlussfolgerung, zu welcher man aus einer Erwägung des ganzen Gegenstandes gelangt, bestehen darin, dass von den specifischen Krankheiten der zur Nahrung gebrauchten Thiere, die parasitischen, die anthracoiten, die rosenartigen, tuberculösen und Maul- und Klauenseuchearten unmittelbar auf Menschen Ubertragbar scheinen, dass die Frage von der Uebertragbarkeitder Viehseuche und Schweinetyphus noch unentschieden ist und dass die Gewissheit, Pleuropneumonie, obwohl eine viel stärkere, doch noch nicht absolut erwiesen ist. Darüber aber ist auch keine Spur von Zweifel, dass all’ solches Fleisch fürmenschliehe Nahrung nicht tauglich ist, indem es der meisten seinerNährbestandtheile beraubt ist; aber dies ist eine der Uebertragbarkeit von identischen und speciiiischen Krankheiten ferner liegende Frage. Ich selbst bin entschieden der Meinung, dass die auf die Prüfung des für den Gebrauch der jüdischen Gemeinde gebrauchten Fleisches verwendete Sorgfalt ein wesentlicher Factor in der Langlebigkeit der Ra?e ist, weiche gegenwärtig so viele Aufmerksamkeit auf sich zieht und in ihrer vergleichsweisen Freiheit von Scrofeln und Tuberkeln, auf welche Dr. Gippon, der Medicinal-Gesundheitsbeamte für Holbain, so deutlich in seinem letzten Berichte hingewiesen hat. Natürlich bringen solche Fälle eine unmittelbare Wirkung nicht hervor, aber ihre Fortpflanzung durch unzählige Generationen muss ein entscheidendes Resultat herbeifuhren und einen mächtigen Einfluss in der Ausbildung der leiblichen und geistigen Kraft des jüdischen Volkes ausüben, welche so lange ein Gegenstand der Verwunderung gewesen ist und welche, in Verbindung mit ihrer Standhaftigkeit, ihrem Zusammenhänge und Einfluss, Göthe als ihren Hauptanspruch vor dem Richterstuble der Nationen betrachtet. Tosefta-Variation von Dr. Zue k er man del. Um die Frage über das Alter von Tosefta einer endgiltigen Lösung nahe zu bringen, wollen wir mehrere agadische Stellen in den verschiedenen Relationen vergleichen, damit der Leser, ohne erst in das weitverzweigte Gebiet der Halacha sich zu begeben, sieh ein Urtheil bilden könne. 1) T. Sota §§ 2, 3 6) ר׳ יהושע אומר) p. 303 Z. 16 bis 25 m. A. finden wir mehrere Varianten in den verschiedenen Codices von Tosefta, aber viel grösser Abweichungen in den Parallel6tellen. Wir geben den Inhalt zuerst nach der richtigen LA, die wir weiter begründen werden. Die Agada bespricht die Form, in welcher das Lied am Meere gesungen, recitirt wurde, ein Beweis, dass den Tanaim Regelmässigkeit und Ordnung beim Gottesdienste kein gleichgültiger Gegenstand war R. Akiba •nein•, dt^s Lied wäre in der Weise gesungen worden, dass Moses einen Verstheil recitirte, der vom Volke nachgesprochen wurde: Moses sprach’אעירה לה׳ und Israel wiederholte אשירה לה׳; Moses sprach עזי מ סרת יה und Israel gleichfalls diese Worte, wie die Kinder im Lehrhause das Hallel citiren, dass nämlich einer vorspricht, die anderen nachsprechen. R. Akiba hat in den משה ובני ישראל die Gleichheit derselben erkannt wie die Kinder einander gleich, obwohl der Eine vorspricht. So ist das שרת עליהן רוח הקודש zu verstehen. (Vgl. Pardo, welcher erklärt, dass der Lehrer vorspricht, dann findet er das שרת עליהן auffallend, aber es ist ein קטן, der קורא ist in Gegenwart des Lehrers). R. Elieser, Sohn des S. Jose Hagelili meinte, sie sangen das Lied, wie der Vorbeter (גדול) das Hallel recitirt und die Gemeinde dann mit dem ersten Vers als Refrain einfällt, so dass auf die Worte von Moses אשירה לה׳ die Gemeinde gleichfalls אשירה לה׳ sang. Auf die weitere Recitation von Moses עזי וזמרת יה respondirte die Gemeinde wieder אשירה לה׳ u. 8 w. R Nechmias meint, das Lied wurde so recitirt, wie man es mit dem שמע macht, nämlich so, dass Moses den Anfang des Verses begann und das Volk mit dem andern Theil schloss. Moses sprach אז ישיר משה, die Gemeinde אשירה לה׳; Moses עזי וזמרת יה, die Gemeinde respondirte וה אלי ואנוהו u.8. w. Wir entnehmen aus dieser Stelle drei Thatschen. 1) Dass zur Zeit der Tanaim die Kinder in der Schule in Gegenwart des Lehrers Gebeisücke recitirten, so dass ein Knabe vorsprach, die anderen dasselbe wiederholten, eine Methode, die noch jetzt nicht selten befolgt wird. 2) Dass in der Synagoge das Hallel in der Weise recitirt wurde, dass die Gemeinde immer den Anfang als Refrain wiederholte (vgl. Grätz Mschr. 1879). 3) Dass das שמע Vers um Vers recitirt wurde. Das ist das Verhältniss. Nach der richtigen LA in T. (Z. 16/17 wird die LA des Textes durch EWJ bestätigt und ist, wie wir oben angegeben, gerechtfertigt.) Z. 21 muss die Variante von W in der Note in den Text genommen werden A hat nach B כקטן mit כגדול vertauscht. Der Grund der Aenderuug in B ist folgender. In Babylonien bestand die Sitte ad 1 nicht mehr, man kannte nur den Unterschied, ob ein קטן oder ein גדול das Hallel vorliest (vgl. Raschi z. St). Man hat auch die Meinungen gewechselt, weil es unpassend schien, Moses mit einem קטן gegenüber von גדולים zu vergleichen. Das konnte man von R. Akiba nicht annehmen. Darum wird auch die veränderte Meinung des R. Akiba in die Mischua aufgenommen und die des R Elieser, Sohn des R. Jose Hagelili, verworfen. Auch die Worte des R. Nehemias mussten sich eine Umgestaltung gefallen lasseu. Das שמע wurde in Babylonien nicht so recitirt, wie zu Zeiten des R. Nehemias, sondern es wurde, wie jetzt, gemeinsam gesprochen, nachdem der Vorbeter den Anfang laut recitirt. In Mischnn ist die Ausdrucksweise ganz unklar. Möglich, dass einige die frühere LA in T. vertheidigten. Nach der Gemara muss man übersetzen עוגין ישירה על כל דבר ודבר sie respondirten immer אשירה Dass die Construction אחריו של משה keine ursprüngüche ist, ist eben so klar, als על כל עניו auf jeden Gedanken, Satztheil in T. präciser ist als דבר. Kann R. Jehuda Hanassi die klare Toseltastelle so umgestaltet haben? Ich antworte entschieden: nein. Nur in Folge der babylonischen Erklärung und Umgestaltung in der ») Auffallend ist, dass R. Neliem. mit אז ישיר beginnt, was doch nicht zum Liede gehörte. Aber wahrscheinlich ist bei der טילה schon damals das Lied in der Synagoge recitirt worden (vgl Midrasch Rabbah den Beleg aus dem Vers ♦*לגוזר) und da fängt der סנדק auch mit או ישיר an, damit die Gemeinde אשירה לה׳ respondire.

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