Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Literaturblatt · 1881-02-02 · No. 5. (2.2.1881) · p. Seite 18

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
10 (1881)
Issue
No. 5. (2.2.1881)
Date
1881-02-02
Page
Seite 18 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/5367336-6488242-5991003--1744-5367692
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Veranlassung gegeben, sie als das Analogon dieser Krankheit beim Vieh zu betrachten. Aber ihre Uebertragbarkeit in dieser oder jener Krankhe tsform von Vieh auf Mensch ist zweifelhaft und kann noch als unentschieden betrachtet werden Der Verkauf von solchem Fleisch ist indess mit Recht verhindert, weil trotz der Unmöglichkeit, seine spezifische Ansteckung nachzuweisen, es doch zweifellos seiner Qualität nach sehr verschlechtert und sein Nahrungswerth sehr verringert ist. Die Gewissheit bezüglich der Pleuropneumonie ist viel stärker, da sie eine erwiesen ansteckende Fieberkrankheit ist, welche den ganzen Körper des befallenen Thieres ansteckt und seinen Ausschluss vom Fleischmarkt erforderlich macht. Doch ist die gesetzgeberische Thätigkeit Uber diesen Gegenstand so unwirksam, dass Dr. Carpenter von Croydon einen neuen Fall erwähnt, wo ein Ausbruch der Pleuropneumonie in einem Meierhof seines Districtes unter 40 Kühen vorfiel, welche alle in einem Stalle waren. Der Localinspector isolirte die erste Kuh und liess 39 in dem Stalle, in welchem der erste Fall eingetreten war. Innerhalb 6 Wochen ungefähr waren von den 39 noch 22 andere ergriffen; sie wurden aus dem Stall genommen, geschlachtet und verscharrt. Aber der Rest dei* Heerde wurde von dem Besitzer getödtet und als Nahrung benutzt, obwohl sie die ganze Zeit in dem inficirten Stalle sich befunden hatten. Nun hat der Inspector der Ortsaufsichtsbehörde behauptet, dass alle geeigneten Schritte in diesem Falle geschehen seien, um die Ausbreitung der Ansteckung zu verhüten. Wenn dieses Vieh aber auf dem Markte, nachdem es geschlachtet war, 80 untersucht werden wäre, wie es geschieht, wenn es für Juden geniessbar sein 8011, 80 würden sie sämmtlich als untauglich erklärt worden sein. Dr. Cameron, der Medizinalbeamte für Dublin hat es für seine Meinung, die durch grosse Erfahrung und reichliche Gewissheit bestätigt ist, erklärt, dass aus dem Genüsse dieses Fleisches traurige Folgen hervorgehen; trotzdem wird es aber nach wie vor zu eineni billigen Preise als Nahrung für die Armen verkauft. (Fortsetzung folgt.) Der neuedirte Commentar zu den Proverbien — von Ibn Esra?*) (Schluss.) Sehen wir die anderen Gründe, die Driver selbst geltend machte, so ist der p. IX. erwähnte, den Driver als eine more serious difficulty (als eine ernstereSchwierigkeit) betrachtet, durchausnicht schwierig. Driver spricht seine Verwunderung darüber aus, dass in keiner der 3 Stellen (Sprüche 2,7, 3,19, 24,3) Ibn Esra gemäss seinem in Exodus 31,3 gegebenen Versprechen die Synonyma תבונה ׳חכמה und דעת differenzirt. Zunächst bemerke ich hiezu, dass p. 1 des hebräischen Textes wohl der Unterschied zwisehen חכם und נמן gegeben wird, u. z. zu Sprüche 1, Vers 5, z. St. שמע חכם, wo חכם als ein Wissen in sich aufnehmender vom Commentar erklärt wird, während der נבון als der שיבץ דבר טתוך דבר hingestellt wird. Diese Erklärung gibt übrigens schon Raschi, und wahrscheinlich schon der Midrasch, der ja eine recht grosse Menge von Synonymen enthält, die zu sammeln wohl der Mühe lohnte. Deon die Synonymik bildet den Uebergang von der Lexicographie zur wahrhaften Exegese. Ich will ferner zu bedenken geben, dass der durch Friedländer (Ibn Esra Literature) entdeckte und edirte Commentar zu בראשית ausser den bisher gedruckten auch manchen Ausdruck und manche Redewendung aufweist, die man sonst nicht erwartet hätte. Wer ein so reichbewegtes Leben wie Ibn Esra hatte, und immer lernbegierig war, bei dem zeigen sich im Style die Spuren solcher Veränderungen. Auch mochte er sich dem Sprachgebrauche, der in der Stadt, wo er lebte, herrschend war, in so unscheinbaren Ausdrücken wie שנאמר und כלומר sind, angepasst haben, oder was noch wahrscheinlicher ist, die Copisten der betreffenden Stadt dachten 6ich an dem Geiste des Mannes nicht zu vergehen, wenn sie solche Partikeln, obwohl diese gerade oft uns den wahren Autor verratnen, veränderten, wie sie ihnen selbst geläufig waren. Ausser diesen b^fclen Punkten. sucht Driver als dritten .den, dass Ibn Esra sich widerspricht. Ich kann aber einen solchen Widerspruch nicht entdecken. Als erstes Beispiel führt Driver Sprüche 10,8 z. S. ילבט an, und ist darüber erstaunt, dass Ibn Esra hier blos יכשל »es strauchelt, schwankt“ hinzufügt, während er zu Hosea 4,14 bemerkt: וטלת ילבט בלשין ישמעאל כטשתבש שלא ידע מה לעשות וכמוהו אויל שפתים ילבט. Ist dass wirklich ein Widerspruch? Aller Wanrscheinlichkeit nach hat Ibn Esra die kleinen Propheten vor den Sprüchen erklärt und das Wort יכשל er strauchelt, ist schwankend, steht nicht einmal in conträrem Widerspruch mit der in Hosea 4,14 gegebenen Erklärung שלא ידע מה לעשות »E i n e r, der nichtweiss, waserthunsoll“ (a Iso schwank t). Die p. X. in der Einleitung gezeigten Schwierigkeiten lassen sich allerdings nicht leicht lösen, doch dürfte dass von Glossatoren herstammen, was anzunehmen wir ein um so grösseres Recht haben, als ja die Handschrift nach Driver dem 16. Jahrhundert angehört. Vielleicht wird man in den nun der Wissenschaft geöffneten Räumen der Vaticanischen Bibliothek eioe Ibn-Esra-Handschrift auffinden, die den Zweifel hierüber gänzlich zerstreuen wird. Nach genauem und gewissenhaften Abwägen des Für und Wider gelangt Driver zu keinem positiven Resultate, sondern sagt sehr vorsichtig: The grammatical expressions which it has in common with Ibn Esra suggest, indeed, that it was written by one familiär with his principles of Interpretation, und even that it maij etnbody genuine fragments of his exegesis (handed down traditionally!) »Die grammatischen Termini, die dieselben wie bei Ibn Esra sind, lassen in der That vermuthen, dass der Verfasser dieses Commentar's auch die Grundsätze der Exegese Ibn Esra’s inne hatte, es ist sogar inöglieh, dass einige Fragmente von Ibn Esra selbst herrühren (vielleicht mündlich überliefert!). Soweit Driver. Diess zugegeben, können wir zum mindesten behaupten, der Grundstock zum vorliegenden Commentar stamme von Ibn-Esra. Hat doch Rosin (a. a. 0. p. 10, Anmkg. 3) nachgewiesen, dass R. S. B. M. ausdrücklich mittheilt, er habe in seinem Commentar mündliche Erklärungen Raschi’s aufgenommen, und dennoch trägt der Commentar den Namen vom R. S. B. M. Jeden Freund der Wahrheit und echter Kritik wird die Preface von Driver besonders ansprechen und zu weiterem Nachdenken anspornen. Dass die Arbeit von Steinschneider, Halberstamm und Friedländer durchgeseheu wurde, kann von der Kritik nur mit Freuden begrüsst werden. Die Ausstattung reiht sich dem Inhalte würdig an. Breslau. Dr. M. Grünwald.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.