Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 10 (1881)
- Issue
- No. 5. (2.2.1881)
- Date
- 1881-02-02
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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jtfo« 3>• Das Jahrg. X. Jüdische Literaturblatt. 1 Zar Beleaehtaag aller Jadentfeam and Jadea betreZeadea llterarlach. Eraeheiaaagea an f de■ Gebiete der PhlloeopMe. Geaehtekte,Ethaozraphle,Theologfo,0A«atalia, Exegeae, Ho- ■lletlk, Lttarflk, Pädagogik. Herausgegeben von Rabbiner l)r. Moritz Knhmer. MagdebarK, S3. Februar 1881. Bieher der alaukläglgoa blteratar, welche der Bedaetlon aagemadt werden, ladea ln dleaemBlatte e Inf eh. Beapreeh vag. BeiEixeaadanz voa 1 w e 1 Kaeeulonaexeaplarea erfolgt aaek Erwlkn. L d.Woehennehr. Dm Llteratprklatt“ erscheint wöchentlich in einem halben Bogen; Preis bei allen BaoMuuKthng•■ 0• Lei psig bei Robert Friese) pro Jah rg an g: 8 Mk. 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Die Uebertragung von Krankheiten der Thiere aaf den Menschen durch Genuss der Thiere. J Von Dr. Heinrich Behrend. Die Präge, in wie weit Krankheiten von kranken, als Nahrungsmittel benutzten Thieren auf Menschen übertragen werden könnten, beschäftigt jetzt die Aufmerk־ samkeit der Aerzle und Physiologen; verschiedenartige Versuche mit Aussicht auf Lösung der zahlreichen mit dieser Forschung verbundenen Probleme sind schon gemacht worden. Mannigfache Ursachen haben zu der Nothwendigkeit geführt, zu einem bestimmten Schluss über diesen Gegenstand mit so geringer Verzögerung zu gelangen, als mit der Schwierigkeit und der Wichtigkeit der Forschung verträglich ist; unter ihnen sind autzuzählen: die zunehmende Einfuhr auswärtigen Hornviehes, die Ausdehnung des Systems einer Kanal-Be• Wässerung des Laudes, die allgemeine Annahme von der Keim-Theorie in Bezug auf die Veranlassung von Epidemien, die Gewissheit von der Verbreitung von Typhoiden und Scharlach-Fieber durch oin ungeeignetes Milch- Surrogat und ein Versuch des Problems der verhältnissmässig geringen Sterbezahl der jüdischen Bevölkerung Grossbritanniens im Vergleich mit der Gesammtheit. Vorträge wurden gehalten und eine Discussion über diesen Gegenstand wurde auf der Jahresversammlung der »British Medical Associationa zu Cambridge im Laufe die8e6 Sommers, in der Section für öffentliche Gesundheit unter dem Vorsitze des Dr. Accland, des Decans der medicinischen Facultät an der Oxforder Univcrsität, angestellt, bei welcher folgende Resolution gefasst wurde: ״dass nach der Meinung dieser Section, die Frage der Uebertragung von Krankheiten durch Thiere, die als Nahrung dienen, auf Menschen, eine sorgfältige Untersuchung dringend erfordert, sowohl im Hinblick auf den gegenwärtigen Stand unserer Kenntniss hiervon, als auch im Hinblick auf die Gesetzgebung, welche damit innig zusammenhängt, und dass der Versammlungsausschuss des Vereins ersucht werde ein Comitd zu ernennen, welches über die Materie zu berichten habe.‘1 In B'olge der Sorgfalt, welche die jüdische Gemeinschaft darauf verwendet, thierische Nahrungsmittel, frei von übertragbaren Krankheiten, zu beschaffen, hat diese Frage ein besonderes Interesse für sie. Folgender Ueberblick möge als eine Zusammenfassung der gegenwärtigen wissenschaftlichen Meinungen über diesen Gegenstand angesehen werden. Keiu Zweitel kann wohl über die Uebertragbarkeit der Klasse von Krankheiten bestehen, welche in dem inficirten Vieh als parasitisch angesehen werden und 'deren typische Vertreterin die Trichinosis sein kann. In diesen Fällen wird der Parasit von dem Fleische des Viehes auf das des Menschen übertragen, in welehern es eine naturgleiche (congeniale) Stätte findet, and in dem Processe seiner Entwickelung ruft er häufig traurige Eolgen hervor. Die Trichinosis, welche bis in die neueste Zeit in dieser Gegend unbekannt ist, wird häufig in Deutschland angetroffen; es ist dies die Folge der dortigen Gewohnheit, Schweinefleisch, besonders in Form von Wurst, mehr als halb roh zu essen. So wurden in Berlin, wo eine obligatorische Fieischbeschau ist, während des Jahres 1878 fünfzehn Ausbrüche der Krankheit ofticiell angemeldet; in einein der Stadtbezirke starb die Hälfte der davon Befallenen. Die Freiheit Englands von der Trichinosis ist leider vorbei, indem zwei Ausbrüche derselben in dem letzten Jahrzehnt bekannt wurden, einer in Wokington 1871 und ein zweiter am Bord des Schulschiffes ,,Cornwall‘‘ 1877, beide Fälle sind dom Gebrauch von Schweinefleisch als Nahrungsmittel zuzuschreiben, in dem einen Falle von heimischem Vieh, in dem zweiten von Amerika importirtem. Die Sache des parasitisch inficirten Fleisches, von dem es verschiedene Abarten gibt, ist so klar er wiesen, dass kein Grund vorhauden ist, dieselbe noch weiter zu erörtern. Die thierischen Krankheiten, welche gegenwärtig als übertragbar auf Menschen durch den Fleischgenuss betrachtet werden, oder bisher betrachtet worden sind, sind mit obiger Ausnahme 7 an Zahl, nämlich 1) Viehseuche, 2) Sch wein-Typhoid, 3) Pleuropneumonie, 4) Fuss- und Maulkrankheiten, 5) Anthrakoide - Krankheiten, 6) Rose und 7) Teberculose. Was die zwei ersten angeht, 80 ist die Gewissheit ihrer Krafc specifischer Insertion beim Genüsse des betreffenden Fleisches noch streitig. Die Aehn lichkeit, welche beide in ihren Symptomen mit typhoidem Fieber haben, hat dazu