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Das jüdische Literaturblatt · 1881-01-26 · No. 4. (26.1.1881) · p. Seite 15

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
10 (1881)
Issue
No. 4. (26.1.1881)
Date
1881-01-26
Page
Seite 15 (sequence 3)
Language
German
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Literaturbericht ItttnltMi. Weil, Isaac, rabbin ä Phalsbourg (Lorraine). Le ProsAlytisme chez les Juifs selon la bible et la talmud. Strassbourg, Derivaux, libtaire, rue des Hallebardes 29. 1880. 109 8. 8. In 2 Abschnitten behandelt derVerf. sein Thema, in einem historischen und in einem die Gesetze und Vorschriften in Betreff der Proselyten besprechenden. Populär gehalten nun ist das Buch im guten, wie im schlimmen Sinne. Es liest sich leicht, stellt an den Leser durchaus keine Forderungen weder im Wissen, noch im Denken, aber es ist auch etwas oberflächlich gehalten und verräth weder strenge Disposition noch tieferes Eingehen des Verf. in seinen Gegenstand. Es ist ganz schön und recht, dass Herr Weil sich zur Aufgabe stellt, den Satz des Zacharias: ״Nicht mit Macht und nicht mit Gewalt, sondern durch meinen Geist, spricht der Ewige der Heerschaaren“ als den Grundton zu erweisen, welcher im Judenthum für das ״Proselyten* machen“ und dessen Behandlung massgebend war Das lässt sich nachweisen, auch wenn Jacob's Verhandlung mit den Sichemiten nicht verschwiegen wird. Freilich hätte da der gelehrte Herr Verf. den Gedanken behau1 dein müssen, dass religiöse Anschauungen und Lehrmeinungen erst dann im Lehen zu Frictionen fuhren, wenn sie sich in Cereinonien ausprägen. Erst die Zeichen der Zusammengehörigkeit werden Zeichen der Trennung von den Andern! Abraham konnte sich isoliren, ohne isolirt zu erscheinen. Mit der Beschneidung aber war ein Sichtbares gegeben, das die Verschiedenheit constaiirte Unwahr ist ferner der schöne Satz in seinem zweiten Theile (S. 17): ״Der Unwissenheit und der Barbarei der götzendienerischen Völker, wie dem Abfalle seiner eigenen Kinder, welche Gott untreu geworden, setzte es nur das Wort Gottes entgegen.“ Wo bleibt עיר הנדחת? Vage Behauptungen des Midrasch werden als geschichtliche Daten behandelt — so wird Iethro als Proselyt genannt, während die קני noch viel später nicht in den Volksverband aufgenommen waren: so wird für Proselyten unter Darid und Salomo auf die fabelhaften 150,000 hingewiesen, während aur das näher Liegende, dass Doeg ein Edomiter (Samuel 1.22,9), Uriah ein Chititer (Samuel II, 11, 3), Itaj aus Gath (ib. 15,18) und die 600 Mann, Zelek ein Ammoniter (ib 23,37) war, kein Bezug genommen wird — Esra’s und Nehernia’s Vorgehen gegen die Mischehe und gegen zudringliche Proseiyten findet keine Erwähnung. An gewagten Behauptungen ist kein Mangel. Dass Jacob beim Gotte Abraham's, Laban beim Gotte Nachor's schwört, ist durchaus kein Beweis von Toleranz, sondem für die Auffassung der Gottheit als einer der Familie eigenen. Auch die Erklärung von גר ותושב, dass Abraham Fremdling im religiösen Leben, Einheimischer im bürgerlichen Leben war, dürfte wenig Anklang finden. Es sind keine ״raisons purement politiques“, welche die Törnichtung der Kanaaniter erforderte, sondern: ״Sie wllen nicht wohnen in deinem Lande, dass sie dich ■cht sündigen machen gegen mich, wenn du dienen 1$r8t ihren Göttern, wenn es dir sein wird zum Falljlfcick“ (II. B. M. 23, 33). Kein Geschichtskundiger wird ferner zugestehen, dass ״der fatalen Race der Hevdäer die theilweise Degeration des jüdischen Volkes vurch die beklagenswerte Einführung griechischer und ijimischer Sitten zuzuschreiben ist “ An kleineren Un- : correctheiten ist kein Mangel. Die adiabenischen Pro- |8elyten z. B. dürften nicht nach den Schülern, des R. jAkiba genannt werden, da sie schon um 36 zum Judentbume übergetreten waren. So erscheint der erste Theil mit seinen unläugbar schönen Stellen mehr als eine Predigtcollection, denn als eine historische Forschung. Und auch der zweiteTht-il begnügt sich zumeist nach den 8ecundärquellen die Gesetze aneinanderzureihen. Nur e i n Versuch wird gemacht, sich auf eine höhere Stufe zu erheben in der Hindeutung, wie römische Gesetze massgebend waren für die Gesetzesnormen der TalmudiSten in Beziehung auf die Proselyten. Doch was man zu erwarten berechtigt war, die Darlegung, wie das nationale und religiöse Moment trotz ihrer mannigfachen Verbindung getrennt neben einander bestehen und wirken kann, das findet man nicht. Wir können deshalb die Arbeit des Herrn Weil nur als eine Studie bezeichnen, welche zwar nichts* Neues, ja nicht einmal eine von einem einheitlichen Gedanken durchwehte Darlegung des ganzen Stoffes bietet; dennoch aber als interessante Lectüre zu empfehlen ist. L. Luthardt, Dr. Christoph. Andreas Kempfer’s Selbstbiographie nach der Giessener Handschrift zum erstenmal herausgegeben, eingeleitet und erneuert. Leipzig 1880. 50 S. gr. 4. Diese Festschrift des derzeitigen Rectors der Leipziger Universität, welche uns in anschaulicher Weise das Leben des in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts lebenden Magisters Andreas Kempfer vorführt, verdient auch in diesen Blättern kurz erwähnt zu werden, weil den Autobiographen wie er dies wiederholt zu erkennen giebt, eine ganz besondere Vorliebe und eine hochgradige Begeisterung für das Studium der heiligen Schrift und der hebräischen Sprache beseelt. Er legt seinen Stolz darein, sogar mit der Accentlehre der hebräischen Sprache vertraut zu sein und er sucht eigens den gelehrten Theologen Edzard in Hamburg auf^ um' durch gründlichen Unterricht bei demselben sein hebräisches Wissen wirksam zu fördern. Commentatoren und Exegeten wie Kimchi, Raschi, Aben Esra und Abarbanel sind ihm wohl bekannt und Schelomo Ben Melech’s Michlal Jophi aus David Kimchi's Schriften zusammengestellt, ist ihm geläufig. Nach seiner Angabe (p. 16) war es ihm ein Leichtes, hebr. Briefe zu schreiben Freilich ist die Probe hebräischen Wis- 8ens, die er uns gelegentlich auflischt, nicht gerade geeignet, viel Vertrauen uns zu seiner hebräischen Gelehrsamkeit fassen zu lassen Er sagt z. B. p. 21 wörtlieh: Er war החכם מורנו, wir die Rabbim oder רבונים. Er bildet also ganz pedantisch vom num. sing. רבי den num plur. רבים, ohne sich der wesentlich anderen Bedeutung dieses Wortes bewusst zu werden Dass auch die Bildung רביונים falsch ist und dafür בנים! gesagt werden muss, berichtigt der Herausgeber in der erläu• ternden Note. Wenn er aber unter Berufuug auf Delitzsch meint: ״Morenu ist, wer das Rabbinatsdiplom erhalten hat“, so ist dies mindestens ungenau. Wer die rabbinische Autorisation besitzt, erhält gemeiniglich den Titel eines מורה מורנו, Während der Morenu-Titel mehr die Geltung gelehrten Grades — analog etwa dem akademischen Doctorgrade — hat. Interessant sind die von einem Anonymus uns mitgetheilten Aufschriften der von Kempfer publicirten Dissertationen. Seine pro Magisterio 1692 a. D. eingelieferte Arbeit betitelt sich: De lustrationibus et purificationibus Hebraeorum contra Spencerum; die pro aperiendis collegiis im Jahre 1696 veröffentlichte führt den Titel: De stupeado Israelitarum sub öuee Angele creatorc per umre rubrum itinere. Die trefflichen Noten, Erläuterungen und Glossen des gelehrten Herausgebers verleihen Kempfer’s handschrift•! liehen Aufzeichnungen bleibenden Werth. I Sohrau O.-S. Dr. Immanuel Deutsch.

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