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Das jüdische Literaturblatt · 1881-01-19 · No. 3. (19.1.1881) · p. Seite 10

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
10 (1881)
Issue
No. 3. (19.1.1881)
Date
1881-01-19
Page
Seite 10 (sequence 2)
Language
German
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massoretische Schriften, die wahrscheinlich nicht alphabetisch zusammengestellt wurden, und zweitens erhellt aus dieser Stelle ganz unwiderleglich, dass das Buch Ochlah Weochlah ganz besonders für den Unterricht als geeignet angesehen wurde, und wie wir glauben, aus dem einfachen Grunde, weil es alphabetisch geordnet ist und so dem Gedächtniss eine besonders gute Handhabe und Stütze wird. (Siehe Schlachtregeln in arabischer Sprache von M. Steinschneider in Geiger’s Zeitschrift, 1862, p. 316 ff) Eine fernere und nicht minder wichtige Handhabe für die Zeit der endgilligen Feststellung der Massora ist die Sprache, in welcher die termini technici mitgetheilt werden. Es ist sonnenklar, dass es die aramäische Sprache ist, und auch nicht ein einziger Ausdruck in der ganzen massoretischen Terminologie ist rein hebräisch; wir müssen daher wieder dem Levita beipflichten, wenn er den Beginn der massoretischen Thätigkeit aus dem eben angeführten Grunde des arainäisehen Dialektes*) kurz nach der Zeit des zweiten Tempels hinstellt. Und wenn unsere Annahme noch eines Beweises bedürfte, dass nämlich die Massora zu einer Zeit abgefa6st wurde, wo das Aramäische die Volkssprache bildete, so ist es die Thatsache, dass für die Massora voces mernoriales mnemotechnische Mittel angewandt wurden, um sie dem Volke, den Lernenden überhaupt, rasch und sicher beizubringen. Nun wären die Voces mernoriales in der That sinnlos, wenn sie auf schriftliche Abfassung Bezug nähmen, da ja in der That gegenwärtig das Studium der Massora durch die voces mernoriales nicht nur nicht gefördert, sondern in einem liohenGrade gestört wird. Da wir aber von der einen Seite bereits oben nachgewiesen haben, dass die massoretische Anlage und Vollendung des Pentateuchs, eben weil keinerlei Varianten Vorkommen, der der Propheten und Hagtographen vorangegangen sein müsse, und von der anderen Seite aus den Voces mernoriales bereits ersehen, dass sie sich auf den ganzen Canon, d. h. auf das ganze Alte Testament erstreckten, so ist der Schluss, den wir darau3 ziehen, ein ganz berechtigter, dass nämlich di e massoretische Bearbeitung des Al ten T es tarn en ts noch zur talmudischen Zeit begonnen und mit Schluss der talmudischen Zeit wirklich und endgiltig abgeschlossen worden ist**). Es erübrigt noch zum Schlüsse die von Pinsker (Likute Kadmonijotp. 29, 30, 31) im Namen von Mosche ben Mocha und anderen Zeitgenossen angeführten Varianten im Pentateuch zu erwähnen; denn dieses wäre ein Widerspruch gegen das von uns oben Behauptete, dass im Pentateuch keinerlei Varianten Vorkommen Hierauf ist nun zu erwidern, dass diese Veränderungen sümmtlich auf die Accente (טעטים) oder auf die Verwechslung von Karnez mit Pathach, oder Zere mit Segol כלם בלשון ארמי שהיה השפה המדברת בזמן בית שני כגון ד קריין וכתיבי(/ כתיבץ ולא חשיבין, וקטצין ופתחין ומקפין וזקפין ״ וחטפים והדומים לאלה ברביםalle termini sind aramäisch, die Sprache, die während des 2. Tempels gesprochen wurde, 80 haben wir die Ausdrücke: Keri, Ketib, Ketibin welo chaschiwin fgeschrieben und nicht ausgesprochen), Kamez, Pathach, Makkef, Sakef, Chataf u. drgl. m. (p. 3a der Venet. ed.) **) Ein lehrreiches Beispiel dieser Art der voces mernoriales giebt Levita a a, O, ״7 .29 תr Stelle Gen. 1, 5 ויקרא אלהיט לא.יר יום wird folgende vox memoriaiis gegeben: צוה סומא וסבר וקם ״ בעפרא מליפק בלילהEin Blinder schrie und dachte des Nachts auczugehen, während er des Morgens aufstand.“ Dem bewunderns• wertken Scharfsinne Levita's ist es gelungen, sogar hierfür den Grund anzugeben. An sieben Stellen nämlich findet sich das Wort לאור im A. T., und aus diesen 7 Versen ist immer ein Wort des hebräischen durch ein ihm correspondirendes in diesem sarcastisehen Bonmot wiedergegeben. Die nähere Aasführang sehe man Lei Levita. j sich beschränken. Aber schon Hsrlcar j und Strack haben in ihrer Einleitung zum Katalog der hebräischen Handschriften der kaiseri. öffentl. Bibliothek zu Petersbürg, 1875, p. XXX, aufmerksam gemacht, dass diese Vertauschung in manchen Fällen der Unwissenheit der Schreiber zuzuschreiben sei; sie fügen gleichzeitig hinzu, mehrfach wurden gewiss diese Vertauschungen (Abweichungen von der Regel) auch durch die an verschieschiedenen Orten und an verschiedenen Zeiten nicht gleiche Aussprache manch3r Vocale veranlasst. Dass übrigens Mosche ben Mocha nicht zu den wirklichen Personen gehört, haben bereits Harkavy und Strack hinlänglich nachgewiesen, und wir hoffen in einer nächsten Arbeit, welche über die Entstehung und Einführung der Vocalzeichen handeln wird, zu zeigen, wie weit die Fälschungen des Abraham Firkowitsch gingen, der sich kein Gewissen daraus machte, ad maiorem gloriam Karaeorum Beliebiges zu erfinden und einzurichten. Auch die Frage der Vocalisation datirt übrigens von Levita ab, da Capellus, wenn auch kein unmittelbarer Schüler des Levita, dennoch als ein solcher darf bezeichnet werden, weil er ohne Zweifel aus den Grammatiken der beiden Schüler Levita’s, des Paul Kagius und Sebastian Münster, seine Kenntniss des Hebräischen schöpfte Doch hierüber ein andermal. Die Consti’uction und Auslegung des Klageliedes II. Sam. 1, 17—27. Von Dr. S i d 0 n. (Schluss.) Für Grammatik und Worterklärung*) bietet es nur wenige Anknüpfungspunkte; die sich darbietenden Schwierigkeiten liegen mehr in der Gliederung und Dunkelheit einiger Versglieder. V 21 macht das Satzglied ושדי תרומות den Eindruck des Abgesonderten, des Isolirten, was durch die Ergänzung des אל טל ואל מטר עליכם aus dem ersten Saiztheil nur wenig gemildert wird, und das Satzglied טגן שאול בלי משיח בשמן hat des Sinnes wegen grosse Verlegenheit geschaffen. Selbst über מדם חללים וחלב גבורים V. 22 herrscht in Bezug auf den Sinn und die Construction eine ziemlich weitgehende Meinungsverschiedenheit. Zu dem Versglied מנשרים קלו ומאריות גברו bemerkt Thenius: ״Bei der grossen Rundung des Ganzen möchte man fast vermuthen, dass dieser ganze Satz vor שאול— נפרדו gestanden habe und versetzt worden sei u. s w.‘1 Zur Rechtfertigung und zum Verständniss des als unsymmetrisch Auffallenden kann wohlbegründet der Gedanke herangezogen werden, dass an ein Product des Geistes, das nicht geradezu aus der Sphäre schriftstellerischen Berufes und schriftstellerischen Wirksamkeit hervorgegangen, sondern der Gelegenheit, den Ereignissen, den Vorkommnissen seine Entstehung verdankt, *) Das ה in הצבי V 19 kann doch nur der Artikel sein, der auf das Bekannte hinweist, auf den Ungeheuern Verlust, den Israel erlitten, auf Saul und Jonathan. Die rethorische Frage (Grätz, Gesch. B I. S. 225, Thenius Comment.) ist hier am Platze. Anders verhält es sich II. Sam. 3, 33. שדי תרומות dürfte durch die von Gratz a. a 0. herangezogene Parallelele (Richter 5,18) seine Erledigung gefunden haben. Für עתים V. 24 ״ — סדינים!eines Gewebe aus Süd-Indieu oder ein ägyptischer feiner Stoff“ (Grätz S. 192, 225) zu setzen, ist unzulässig, da es in der Bibel nicht als Stoff, sondern «13 eine Art Kleidungsstück oder eine Art Luxusgegenständ vorkommt, so Rieht. 14,12, Jesaj. 3,23, Spr. Sal.31,24: סדין עשתה ותטכר, woher käme die biedere wackere Hausfrau zur Fabrikation feiner ausländischer Gewebe? Sollte sie dieselben vom Ausland bezogen haben? (V. 14), so müsste עשתה zu Kleidern herrichten bedeuten. עדנים mit dem mehrfach vorkommenden Stamm עדן zusammenhängend, dürfte ein n. pr. sein für feine Gewebe, wie שנים (Spr. Sai. 31,22) für alltägliche. המרבישכם שני עם עדנים würde demnach bedeuten; der euch bekleidete mit alltäglichen und p feinen Stoffen.

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