Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 10 (1881)
- Issue
- No. 3. (19.1.1881)
- Date
- 1881-01-19
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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No. 3. ,י י ■ Jahrg. X< ßas * Zur Beleuchten* aller Judentkam nad Jnd«a literarisch. $rsehelmu1*«^ f*t dem Gebiet« der Philosophie. Geschieht«,Ethnographie,Theologle.Örifntalla, Exegese, Homltetlk, LUnrglk, Pädagogik. Herausge״ebe.n votl Rabbiner Ur. )loriti Kahmer. Magdeburg, IO. Januar 1SS1, [ fi«h«r der eiuch\|gtg«n W- | teratar, welche iflr Sedaetloa | n^eeandt werde», ltiiden in dleaemfrlatie elngeKBespreehung. BelSlaeeadaag ren a'w e I BeeensionsexeispUreq erfolgt aaek Erwähn. L d.'Woek^aaekr, MSI Da» ״JiidJiHlir I4*e»־a*a1rblatt‘‘ erscheint wöchentlichin einem halben Bogen; Preis bei allen BaoMlUldlangen (in Lpi pzig bei Robert J" r i e 8 el pro J äh r g an g:8 Mk. 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Grünwald in Breslau. (Schluss.) Gehen wir nun zur Massora zurück, so haben wir als das älteste uns bis jetzt bekannte Buch אכלה ואכלה anzusehen.*) Obwohl allgemein angenommen wir(}, dass dieses massoretische Buclt kein anderes ist, als dasjenige, welches bei uns am Schluss der grossen rabbinischen Bibeln als die grosse alphabetische Massora gedruckt ist, auch Massora ftnalis genannt wird, so möchte ich dem dennoch nicht beistimmen und zwar aus mehrfachen, schwerwiegenden Gründen, Betrachten wir nämlich dieses Buch näher, so finden wir, dass hier bereits der ganze Canon, d. h. die 24 Bücher des A. T. aufgenommen und verarbeitet sind. Dies jedoch kann die uranfängliche Arbeit der Massora nicht gewesen sein, wir müssen für die ältesteZeit und mindestens bis Esra hinab annehmen, dass zuerst und zunächst derPentateuch alsKernundGrundstock des jüdischen Ritualgesetzes massorctisch behandelt wurde. Darauf deutet folgende so interessante Thatsache, auf die bereits Levita aufmerksam machte, ohne aber den nothwendigen folgenschweren Schluss daraus z.u ziehen. Oder war etwa die Furcht, von seinen Zeitgenossen verketzert zu werden, der Grund dieser Zurückhaltung? Fast will es uns bedünken, dass das Letztere stattgefunden. Auf p. 18 der Venet. ed. 6agt Lcviia**): ״Bei genauerer Durchsicht wirst Du finden, dass von *) Die beste Auswahl ist die vom sei. Frof. Frensdorff. (״* הלא תראה כי רוב הווגיך וחשיטץ והאלפא ביתין טן קריין וכתיבץ שבמסורה הגדולה אין גם אחד מהן בחורה י* * * ואלפא ב־תין מן עין מלין דכתיבין יוד באמצע חיבותא וקריין ויו ואלפא ביתא מן ע׳ מלין אהיפך אץ גם אחד מהן בתורה; וכן התלופין שבץ טדינחאי לטערבאי אין חילוף אחד מהן בתורה. ועל כל פנים טעם יש בדבר ואנכי לא ידעתי den vielen Paaren (z. B. wo das eine Wort mit und das an,* dere ohne Waw erscheint) und Lesearten, und den nach dem Alphabet geordneten Keri und Ketib, sich im Pentateuch auch nicht ein einziges Beispiel findet; dass ferner von den 70 Wörtern, welche im Inlaut Jod haben und Waw ausgesprochen werden, und den 70 Wörtern, die Waw haben und Jod ausgesprochen werden, auch nicht ein einziges sich im Pentateuch findet; ebensowenig finden sich abweichende Lesearten־ der Madinchaö und Maarbaö im Pentateuch. In jedem Falle giebt’s einen Grund hierfür, den ich aber nicht weiss.“ Dpraus geht unzweideutig hervor, dass dem Pentateuch eine viel grössere Heiligkeit und Wichtigkeit beigelegt wurde, und man ihm deshalb auch eine viel grössere Sorgfalt angedeihen lie?8, so dass die Massora sich daselbs^ auch nicht die geringste Aenderung er• laubte, während man bei den übrigen Biichern der heiligen Schrift so manche Aenderung vornahm. Denn . dass dieMassöra nach und nach ausgebildet und ergänzt wurde, erhellt nach eingehen* dem Studien derselben von selbst. Diese Arbeit wurde spätestens im 6. Jahrhundert bereits vollendet *). Wir sind hierüber nun folgender Ansicht. Schon die Tahnudisten machten zu jeder einzelnen Stelle die betreffende massoretische Bemerkung in jedem einzelnen Buche, was natürlich bei der Mangelhaftigkeit der mündliehen Mittheilungsfähigkeit und der noch schv'ierigeren Coinmunication nur sehr langsam von Statten gegangen sein mochte. War dies nun einmal vollendet, so schritt man zur Ordnung zunächst des Pentateuchs, und zwar, indem man der Reihe nach mit Genesis anfing und Wort für Wort, Satz für Satz genau durchging und sofort zur Stelle die massoretische Noliz hinzufügte. Erst in dritter und letzter Linie kommt die Systematisirung und Codificirung der Massora, wie sie uns im Buche Ochlah Weochla vorliegt. Nun erwähnen aber bereits Zeitgenossen des Saadia Gaon massoretische Sammlungen, namentlich sogar •las Buch Ochlah Weooh- Iah. Dieses Buch aber empfiehlt auch der spätere Josef ben Jehuda beD Aknin in seiner ״Heilkunst der 86616“ zum Unterricht. ומצאתי במסורתי רבתי ובספר אכלה ואכלה ״ich fand es in der Massora rabbati und im Buche Ochlah Weoclilah“. Diese Worte Ibn Aknin's aber sind in zwiefacher Hinsicht wichtig (siehe Ersch und Gruber, Bd. 31, p. 51 und 53) und bestätigen vollständig unsere Ansicht. Erstens gab es wirklich ältere umfassende *) Grätz nimmt in seinem jüngsten Werke, p. 20 in der Einleitung zu seinen Psalmen — durch die Güte des Prof. Grätz werden mir die Aushängebogen zugesandt — an, dass die Massora nicht lange vor dem 9. Jahrhundert festgestellt wurde.