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Das jüdische Literaturblatt · 1881-01-12 · No. 2. (12.1.1881) · p. Seite 7

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
10 (1881)
Issue
No. 2. (12.1.1881)
Date
1881-01-12
Page
Seite 7 (sequence 3)
Language
German
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genommen, im Sinne von ללמד מלחמה, abzurichten für die Kriegstührung, befriedigte die neue Exegese nicht. Sie t er fiel auf den Gedanken, in jenen Worten ,,Das Lied vom Bogen“ zu finden. Was war damit erreicht? Woher ein solcher Titel für ein Klagelied? Man betrat demzufolge den Weg der Conjectur. קשת verwandelte sich einmal in ״ (* צןשטWahrheit“, den Söhnen Juda’a sollte Wahrheit gelehrt werden durch das Klagelied: ein andermal in קשב, das Klagelied sollte mit besonderer Genauigkeit vorgetragen und gelehrt we.rden. Merkwürdig ist, dass man auf der Bahn der Conjectur das Zunächst,liegende nicht gewählt hat, wobei nur eine geringe Aenderung der masoretischenPunctation vorzunehmen gewesen wäre, nämlich statt קשת zu lesen כף18ז und den Satz wiederzugeben mit ״zu belehren die Söhne Juda’s über das Schwere, über das Missgeschick“, welches das Volk getroffen hat. Man würde dadurch wenigstens einen Sinn gewonnen haben, der im Einklang steht mit dem Inhalt des Klageliedes. Zur Rechtfertigung der Auslegung bieten sich an Parallelen aus Ps. 60, wo V. 1 das allerdings objectlose ללמד gleich להורות in der Bedeutung von ״belehren“**) erscheint und aus V. 5: הראית עמך קשה für קשה die Bedeutung ״Missgeschick“ klar ersichtlich ist. Ja noch mehr, es steht sogar ein äusserer BeiegzurVerfügung, die vorgeschlagene Leseart noch weiter zu begründen. Die LXX geben wieder Jesaja 2a, 3: כל קצניך נדדו יחד מקשת אסרו mit: ■ « ä/.övtc;3 (ין־x).Tjp(ü; 0303]iiv0׳. s(3׳., als würden sie statt מקשת טקשח sxfojpm; gelesen haben — Genes. 42,30: -pö; ijpd; oxXrjpi. Ist es denn aber auch wirklich nöthig in diesem Falle in das Bereich der Conjectur sich zu begeben? Ist es denn unerlässlich, selbst bei einem glücklichen conjecturalen Fund von dem recipirten Text mit der recipirten Punctation abzuweichen? Ob nicht folgende Begründung ausreichend wäre, zu dessen Rettung und Anschluss an die Auffassung der alten Exegese? Israels Lage war nach der Schlacht auf Gilboa eine schrecklieh trostlose. Es hatte eine furchtbare Niederlage erlitten. Sein König, seine Helden waren gefallen. Der Hohn und der herausfordernde Uebermuth des Feindes kannte keine Grenzen. Was war da natürlicher als die Regung zur Rache — zum Revanche krieg gegen den Erbfeind. Für diesen sollten die Vorbereitungen, die Waffenübungen, die Rüstungen in kräftige Action treten. Das zur Wehrtüchtigkeit Fehlende solle ergänzt, die Mängel abgestellt werden, denen man die Ueberlegenheit des Feindes zuschrieb. Dieses Ziel zu fördern, sollte das Klagelied durch seine ergreifende Schilderung des Nationalunglücks berufen sein; auf die Gemüther sollte es wirken, dass die Kräfte sich sammeln zur Rüstung und zu sieggekrönten Thaten. Kann etwa dem Klagelied auf psychologischem Grund eine solche Wirkung nicht zugeschrieben werden? Und dieses Ziel ist ausgedrückt in den Worten der Ueberschrift: ללמד בני יהודה קשת. Das Sprachliche findet seine volle Rechtfertigung durch folgende Beleg- Stellen. Sechar. 10,4: ממנו פנה ממנו יתד ממנו קשת מלחמה, was doch nur den Sinn haben kann, dass Juda, ein (Jrtnd6tein, ein Pfeiler, auch der ״Kriegskunst'1־ Ehre machen wird. Dadurch ist bezeugt, dass zur Bezeich- I *1 Wahrscheinlich zur Abwechslung, denn die LXX geben Ps. 60, 6 מפני קשג so wieder, als hatte ihnen קשת Vorgelegen, f rgl. Thenns1־ Commentae d. B 8. A **) Dass e8 seine häufige Construction mit doppeltem Acc. Vbehalten ln dieser Bedeutung, kann doch keine eigentliche 0Vwierigkeit bilden. ^־Kt Das sollte nach dem Vorangehenden die Uebersetzung von ™!־ein, aber wie? Oder hat vielleicht אסת eine Doppelterwas doch eine häufige Erscheinung bei den LXX? nung der Kriegskunst oder Wehrtttchtigkeit קשת מלחמה ein stehender Ausdruck ist Aus der bereits oben augeführten Stelle Jesaja 22, 3 geht hervor, dass — ob nun zu קשת irgend ein Subject ergäezt wird oder nicht — im Sprachgebrauch das Wort קשת*) für den Begiiff ,.Krieg“ heimisch war. Noch könnte hinzugefügt werden — vielleicht zum Ueberfluss — dass nach den überliefertenUmständeu über die Entwickelung des Kampfes auf Gilboa zu urtheilen, wahrscheinlich von Seiten des Volkes dem קשת, dieser Waffengattung, die entscheidende Ueberlegenheit des Feindes zugeschrieben wurde Bei Sauls Fall wird es ausdrücklich hervorgehoben (I Sam. 31, 3): וימצאהו המורים אנשים בקשת> ויחל מאד מהמורים. Dies sind die Gründe für das Festhalten der masoretischen Leseart. Daraus erklärt sich auch der Ausdruck בני יהודה, indem das Klagelied zur Veröffentlichung gelangte, als der zur Zeit Davids bestandene Conflict zwischen Juda und Israel vielleicht auf seinen Höhepunkt sich befand. Aus alledem geht die Authenticität dieses Theiles der Ueberschrift hervor. Wir sind nunmehr nach diesem durch die exegetischen Vorgänge veranlassten etwas längeren Eingehen auf die Ueberschrift beim Klagelied selbst angelangt. (Schluss folgt.) Das דוד pö-Zeichen. Ueber den Ursprung, Gebrauch und die Bedeutung dieses verschlungenen Dreiecks sind längst und besonders in letzter Zeit in dies. Bl verschiedene Ansichten von gelehrten Männern mitgetheilt worden. Das Resummd aller geht dahin, dass der Gebrauch dieser mystischen Figur, der eine Zauberkraft beigelegt wurde, nicht jüdischen Ursprung», sondern aus dem Heiden- oder Christenthume herübergekommen sei. Eine authentische Quelle jedoch für Zeit, Entstehung und Gebrauch derselben im Judenthume aus j üdi scher Lehre nachzuweisen, ist bis nun nicht gelungen. Dies veranlasste mich, weitere Forschungen im Talmud und Midrasch darüber anzustellen und es gelang mir, wie ich glaube, der Wahrheit auf die richtige Spur gekommen zu sein, indem ich auf die im Midrasch Rabba (Bereschith, Cap. 39) befindliche Stelle bitweise, wo es wörtlich heisst: דוד יצא לו מוניטין בעולם, ומהו מוניטין שלו? מקל ותרמיל מכאן ומגדול מכאן עשה״ב כמגדול דוד צוארך בנוי לתלפיות. Wenn wir nun unser Augenmerk auf dieses Doppeldreieck richten, so linden wir die im Midrasch angegebenen Merkmale dieser Insignien nach allen Richtungen hin klar und deutlich und zwar: in dem senkrechten Striche der Mitte der Figur das Zeichen eines Stabes, in dem nach unten herabhängenden Dreieck die Form einer H i rtentasche und in der nach aufwärts stehenden Spitze die Gestalt einesThurmes, und da die Messiasidee zu jener Zeit des Midrasch bekanntlich eine vorherrschende und jede Beziehung zum königlichen Hause David eine sehr gesuchte war —- wofür schon der in den Segens- Sprüchen der Haftara vorkommende Schlusssatz מגן דוד zeugt —, so fand man in der Einführung dieses gleichnamigen Emblems im jüdischen Cultus, das geeignetste Mittel, dem Herrscherhause David ein ewiges Denkmal zu setzen, und dies um so mehr, als auch die Schluss- *) llan könnte (lies eine eigene Art der Redeform des parts pro toto nennen. Wenn man Jesaja 22, 3 zu קשת kein Subject ergänzt, so wäre dessen Verbindung mit אסרו völlig Unverstandlieb Man müsste zu einer Conjectur seine Zuflucht nehmen, אסרן als eine Wiederholung des im zweiten Verstheil vorkommeudea ansehen, und es wäre zu übersetzen: Alle deine Reichen waren flüchtig in8gesammt vor dem ״Bogen“ d. 11. vor dem Kriege, מפגי מ׳ (oder richtiger ohne Conjectur (das mem privativura): ״ohne Bogen“, den sie auf der Flucht weggeworfen. Red.)

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