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Das jüdische Literaturblatt · 1881-01-12 · No. 2. (12.1.1881) · p. Seite 6

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
10 (1881)
Issue
No. 2. (12.1.1881)
Date
1881-01-12
Page
Seite 6 (sequence 2)
Language
German
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־- 6 — zu jeder einzelnen Stelle gehörige grammatikalische und lexikalische Bemerkung schon längst vorher abgefasst worden war. Und es ist durchaus nicht gleichgültig und von nicht zu unterschätzender Bedeutung, dass diese Art der grammatischen Bemerkungen sich auch bei den Indern findet, da die Juden in früherer Zeit bereits mit Persern und Indern in Berülirung kamen, und ohne Zweifel eine solche Einrichtung, wie sie sie daselbst landen, mit Freuden würden begrüsst und aufgenommen haben, falls sic ihre Massora noch nicht besessen hätten. And nicht nur bei den Indern, sondern auch bei den Chinesen findet sich diese Art der Anknüpfung grammatikalischen und lexikalischen Bemerkungen an die heiligen Schriften des Oong-fut-se (siehe Ewald, Abhandl. z. Orient, und bibl. Lit. Bd. I, p. 571, ja sogar bei den Griechen (Ritschl, Die alexandrinischen Bibliotheken p. 92—146). Und die Juden allein sollten dies unterlassen haben, die Juden, die den Ausspruch gethan: ספר תורה אינו מלא אפילו חסר עוקץ של יוד ,•,Die Thora wäre nicht vollständig, wenn auch nur ein Tüpfelchen des Jod fehlte11, sie, die (was einzig in der Literatur dasteht) jedem einzelnen Buchstaben ganz eigenthümliche und bisher nicht erklärte Häkchen beifügten und für die genaueste Durchführung derselben beim Abschreiben der Thorarollen wachten, sie sollten die dem gesummten Alterthum eigenthümliche Art der Massora nicht von so früher Zeit besitzen? Aus dem Vorangehenden geht wohl klar hervor, dass die eigentliche Massora (welche weder mit den Accentnoch mit den Vocalzeichen, wohl aber mit der Vocalisation zusammenhängt), von Esra ab datirt werden kann; u. z Massora in dem Sinne, dass Vor- Schriften über das Abschreiben, Zählen der Zeilen, Verse, Wörter und Buchstaben gegeben wurden Der durchaus kritische und seine Forschungen bis in die üussersle Consequenz treibende Levita sagt in der dritten ,Einleitung“ seines obgenannten Werkes:1) ״In Wahrheit aber existirten die Männer der Massora schon Jahrhunderte vor Esra und der Beginn sowohl als auch der Abschluss ihrer Thätigkeit ist uns unbekannt; die Massoreten aber wurden aus dem Grunde in der älteren Zeit Soferim genannt, weil sie alle Buchstaben der heiligen Schrift zählten. So sagten sie, dasWawin גחון Levit. 11,42, sei die Hälfte sämmtlicher Buchstaben des Pentateuchs, דרש דרש (das 10, 16) die Hälfte der Wörter, והתגלח (il)id. 13, 33) die Hälfte der Verse, ebenso das Ain in מיער Psalm 80, 14 die Hälfte der Buchstaben der Psalmen, und Psalm 78, 38 die Hälfte der Verse der Psalmen. Das Epitheton Esra’s ״der Sofer (Schreiber)“ kann demnach nur so gedeutet werden Und wenn auch Nachman Krochinal in seinem Buche More nebuche hasman (p 174b) das Wort סופרים in einer weiteren Bedeutung nimmt, so stimmt er trotzdem mit dem von Talmud und Levita angegebenen völlig überein.’) Doch will es uns bedünken, dass die (י והאמת כי בעלי המסרת היו למאות ולאלפים דור אחר דור כטח שנים ולא נודע לנו ומן התחלתם גם ומן חתימתם לפיכך נקראו ראשונים סופרים שהיו ספרים בל האותיות שבתורה שהיו א1מרים ויו דגחון הציין של אותיות של מפר תורה, דרש הציין של תיבות, והתגלח של פסוקים יכרסמנה חזיר מיער עין דיער חציין של .חדלים. והוא רחום יכפר עון חציו של פסוקים. (Tractat Kidduschin foi. 30a) מימות עזרא :A. a. 0. spricht er sich hierüber aus wie folgt (נ ואילך יאור לנו היום הולך ואור * * לפי שמן או והלאה מצאנו זה השם סופרים מיוחד לחכמי תופשי וטבארי התורה; הנה נשמע מוה לסופרים שתי פקידות ראשיית או לכתב ספרי תורה צבור וחומשין ליחידים ב, מעשי הספור וההגבלה והדרוש במעשה המצות. ,Seit Esra's Tagen leuchtet uns die Sonne immer heller und heller, Reihenfolge bei Krochmal eine umgekehrte ist: erstes und höchstes Bedürfniss war dem Alterthume die Zählung und halachische Feststellung respective Anlehnung an den Text; in zweiter Linie kamen erst die Erläuterungen hinzu. Aber sehr richtig lässt hier Krochmal durchbltcken, dass für den Derasch (דרש), das Gegentheil vom P e s c h a t (פשט), ein Seitenthürchen geöffnet war, wodurch erklärt wird, wie denn der Derasch häufig in directem Widerspruch mit dem recipirten mass0retisehen Texte steht. (Der Derasch selbst wiederum konnte sich widersprechen, ohne dass dies der Massora irgend welchen Eintrag that. — Ein interessantes Beispiel hierfür bietet A. Herliner in seinem Buche Plelath Soferim p. 40 in dem Midrasch ״ חסר ויתרüber den Midrasch, der den Grund des fehlenden Waw und Jod angiebt‘•1) (Schl, f.) Die Constmction und Auslegung des Klageliedes II. Sara. 1, 17—27. Von Dr. S i d o n. Das Klagelied Davids über Saul und Jonathan bietet der kritisch wissenschaftlichen Exegese keine geringen Schwierigkeiten, namentlich hinsichtlich der Cunstruction und des Verständnisses mehrerer Versglieder. Bevor jedoch die Reihe an diesb Schwierigkeiten kommt, erhebt ein dunkler Theil der Ueberschrift den vollberechtigten Anspruch, dem Verständniss näher gebracht zu werden, und dieser Aufforderung zu genügen, sind auch in der That nicht wenig Lösungsversuche aufgestellt worden. Die Schwierigkeit liegt hauptsächlich in den Worten: ללמד בני יהודה קשת. Welches ist ihr Sinn und in welchem Verhftltniss stehen sie zum Klagelied? Waren sie diesem gleich bei seiner ersten Veröffentlichung mitgegeben, oder gehören sie dem Verfasser des Buches Sam. an, wie etwa V. 17? Eine nähere Betrachtung führt sichern Schrittes dahin, in V. 18 drei Theile zu unterscheiden. Der erste besteht aus dem einzelnen Wort ויאמר, der zweite aus ללמד בני יהודה השת, der dritte aus הנת כתובה על ספר הישר Dem Worte ויאמר geschieht sein volles Recht, wenn es zun) Ende des V. 17 zurückgeführt wird,*) wofür deutlich sprechen Exod. 75, l, II. Sam. 3, 33. Den dritten Theil bildet die Quellenangabe für das Klagelied, er ist bis auf die Quelle selbst, das ספר הישר, vollkommen klar. Der zweite und mittlere Theil enthält das vielumworbene Räthsel. Die Auffassung der alten Exegese, das für das Richtige gelten zu lassen, was im Wortlaut des inasoretischen Textes zunächst anzutreffen, dass nämlich «las Klagelied dazu dienen soll, ״zu lehren die Söhne Juda’s den Bogen“ d. h. abzurichten in der Führung des Bogens, oder allgemeiner denn von ihm angefangen finden wir die Bezeichnung S o f e r i m für gelehrte Männer, welche mit der Erfassung und Erläuterung des Thoratextes sich beschäftigen und deren Aufgabe eine zwiefa• he ist, einmal Pentuteuchrollen liir den öffentlichen Gottesdienst und Pentateuchubschriften für den Privatgebrauch abzufassen und zweitens dus Aufzählen, Bestimmen und Erklären der Gesetze im Anschlüsse an den recipirten Text.“ ׳) Zu dem Worte והנשיאים liest, man: והנשיאם כתיב חסר ״ .יוד לפי שמהרו כלם להביא כאיש אחד שנאמר והותרDas wort Wehuncssiim steht (am Schlüsse) ohne Jod, das will andeuten, dass die Fürsten Israels gleichzeitig und in grösster Opferwilligkeit so viel bruehteu, dass mehr als zur Genüge znsammengebracht wurde;“ während bekanntlich Bamidbar rabba zur Stelle ausdrücklich bemerkt ״ ,שנתעצלו להביאdass die Fürsten lässig im llerbeibringen des No'hwendigen waren und deshalb das Jod weggelassen wurde. Da ist der alte, noch immer nicht genug gewürdigte Grundsatz festzuhalten: ״ הדהש תדרש לעצמוDer Derasch werde ohne Rücksicht auftialacha und Exegese für sich selbst betrachtet.“ •) Nach Deut. 33, 2, IL Sam. 22, 2 hätte es auch vor הצבי, dem Beginn des Klageliedes, stehen könuen.

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