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Das jüdische Literaturblatt · 1881-01-12 · No. 2. (12.1.1881) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
10 (1881)
Issue
No. 2. (12.1.1881)
Date
1881-01-12
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Ko. 2. Das Jahrg. X. Jüdische Literaturblatt. Her« 11 s •״ »׳ e b e n l Zur Betenchtug aller Jadenthan and Jadea betrefeadea literarisch. Erscheinungen an f dem Gebiete der Phlloiophie. Gesehlehte.Ethnographte.Theologie,Orlentalln, Exegese, Homlletlk, Lltnrgtk, Pädagogik. r* יל x «111 Hubbiner l)r. Moritz Rn 11 Hier. Majrdebnr^, tä. Januar 1881. r BBeher der einschlägigen LIteratar, welche der Bedaetloa xugeeandt werde■, iaden 1■ dleaemBlatte eingeh. Bespreehaag. BelEiueadnag roa a w e i Beeeaaioaaexemplarea erfolgt such Erwähn. ]. d.Woekeaaehr. Das ,,Jttdlfieh« Llter»*urblat«“ erscheint wöchentlich in einem halben Bogen; Preis bei allen Bnchhandlangen (in Lei pzig bei Robert Friese) pro Jahrgang:8Uk. Abonnenten der ״Israelitischen Wochen Schrift“ (die vierteljährlich bei allen Postanstalten nnd Buchhandlungen 3 Hk. kostet) erhalten das ״Jüdische Literaturblatt“ gratis. — Iaaerfote werden mit 25 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile berechnet nnd ausschliesslich entgegengenommen durch die Central-Annoncen-Expedition von GL L. Daube Sc Co., Frankfurt a. H, Magdeburg, Berlin, Hamburg, Cöln, Manchen, Zürich, Wien, Paris. Inhalt! Wissenschaftliche Aufs&tze: Zur Geschichte der Massora. Von Dr. U. Grtinwald in Breslau. — Die Coustrucliou und Auslegung des Klageliedes II. Sam. 1,17—27. Von Dr. äidon. — Das ־^( ד1דZeichen. Literaturbericht: Recensionen: llurray, Thomas Chalmers, Leetures on Ihe origin and growth of the Psalms. Eine unglaubliche Notiz. Nachdruck nur mit voller Quellenangabe gestattet. Zar Geschichte der Massora. Von Dr. H. Grünwald in Breslau.') Es gehört ■unstreitig zu den schwierigsten und zugleich wichtigsten Fragen der Grammatik, Exegese und Halaclia, wann die Massoia entstanden, wie ihre ursprüngüche;!estalt beschaffen gewesen und welchen Stoff die Massora zunächst zur Grundlage nahm. Um dies aber feststellen zu können, muss wiederum die Grundbedeutung und der Umläng des Wortes Massora ermittelt werden; denn schon die mittelalterlichen Lexicographen bis auf die neueren herab sind hierüber getheilter Meinung. Eine vollends genügende Etymologie wurde bis jetzt noch nicht gegeben. R David Kimlii erklärt die Radix מסר durch שהיא ענין נתינה בכל לב (d. h. sich einer Sache mit ganzem Herzen zuwenden), während Elia Levita in seinem מסורת המסורת (ed Venet. p 11) es dahin erklärt, dass es ein anvertrautes Gut bedeute u. z. so zum Aufbewahren gegeben, als ob es das eigene wäreJ) Sebastian Münster sub voce מסר: tradidit, delegavit, commisit: idem ferme quod נתן dedit toto corde, exposuit se periculo. fideüter commisit; wie man sieht, schliesst sich Münster eng dem R. D. Kimchi an, und leitet von eben dieser Radix das Wort מסרה traditio, annotatio ab; und hiernach wäre Masora mit einem 8 zu schreiben. Das in Ezechiel 20,37 vorkommende מסרת הברית leitet Münster von אסר ab und folgt auch hierin Kimchi, während Rabbi Salomo Jizchaki de Troyes sowohl als Targum zur Stelle als Radix מסר annehmen. R. S. J. sagt nämlich ככרית שמסרתי לרם; Targum מסרת קימא?. Grossentheil» wurde Masora mit einein s geschrieben, sei es, dass man es vo.1 1םךה? oder, wie uns bedünkt, von dem bei ') Obwohl die ״Zeitschrift für wissenschaftliche Theologie“ bisher nur von christlichen Gelehrten Beiträge aufgenomraen hat, schien ihr doch bezüglich Aufnahme dieses Artikels eine Ausnahme angezeigt, wie der Herausgeber ausdrücklich anmerkt. , ’) s«|ne W(>rte lauten: והכלל כי לשון מסירה נפל על דבר שיתן או יפקיד אדם ביד אחר שיחזיקנו ברשותו כרצונו כאלו ד׳יא ש;ו Ezechiel 20, 37 vorkommenden טסךת הברית ableitete. Erst Frensdorff schreibt, und wie wir glauben mit vollern Rechte, Massora mit doppeltem s, aus dem Grunde, weil man es an das targumische מסלה anlehnen muss. Es sind nämlich, wie wir in der Folge zeigen werden, sämmtliche die Massora betreffenden Ausdrücke aramäisehen Ursprungs, warum sollte nicht auch das Wort Massora daher abgeleitet werden dürfen, um so mehr, da die Form מסרת nicht althebräisch ist. Wir glauben daher, dass Levita und dessen Nachtreter mit Unrecht die Bedeutung des althebräischen מסר hiermit in Vergleich gezogen. Den Begriff der Massora aber •setzen wir mit!frensdorff dahin fest, dass dieselbe der Inbegriff von traditionellen, später schriftlich tixirten Bemerkungen über die äussere Form der heiligen Schrift und somit von Bestimmungen zu deren Rechtschreibung sei. Hinzuzufügen wäre allerdings noch, dass ganz besonders grammatische Regeln gegeben wurden, welche das Verständniss des Textes förderten und jeden Zweifel über die Vieldeutigkeit des Wortes sowohl als des Satzes aus dem Wege räumen sollten.‘) Was nun das Alter der Massora selbst betrifft, so müssen wir es in das Alterthum-zurückverlegen. Wie, sollten etwa die Veden ohne alle Variante haben zu uns gelangen können, und das alte Testament, das den Juden theurer als ihr Augapfel war, nicht so treu erhalten worden sein? Und wenn wir nach dem Mittel forschen, dessen sich die Inder bedienten, so finden wir, dass sie bei den Juden die nämlichen waren; nur wurde in dem einen Falle ein hebräisches, in dein andern ein indisches gewählt. ״Pratisakliyas“ bei den Indern bezeichnet die Sammlungen grammatikalischer Erforschungen, die jedem der 4 Veden angehängt sind, also dasselbe, was ״Massora“ bei den Juden, ein heilig anvertrautes Gut, das unveräusserlich, ewig dauernd ist. Sämmtliche Sanskritforsclicr, unter ihnen Max Müller, verlegen diese Pratisakhyas in das 5. oder G. Jahrh v. Chr. Geb., es ist, wie Alfred Königsberg sagt, ״die steinerne Fassung des Schöpfungsbornes“ ich aber würde sagen, es ist das Leben, das dem todten Buchstaben eingehaucht wird und das, wenn auch für die damalige Zeit nicht absolut nothwendig, dennoch für die Zukunft vorsorgend geschaffen wurde. Man kann sich nämlich durchaus nicht der Ueberzeugung verschliessen, dass erst Irrthümer mannigfacher Art eine Codificirung und Systematisirung der Massora zu Wege brachten, wältrend die eigentliche Massora, d. h. die ') Vgl. Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Lehen von Dr. A. Geiger III. p. 78—119.

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