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Das jüdische Literaturblatt · 1881-01-05 · No. 1. (5.1.1881) · p. Seite 3

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
10 (1881)
Issue
No. 1. (5.1.1881)
Date
1881-01-05
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 — befremdend ist, denn ברוב מקומות נקרא כל לשון רבנות לשון יוסף, אדוני הארץ, (Plural) רבים כמו אדני Don aber heisst noch im heutigen Spanisch: der Herr; der regelmässige Plural im Altspanischen lautete Dons. ,,Dons“ ist also דונש auszuspreeben und n i c h t f ü r d e r ״D n n as c h.“ Die Sitte aber, dem hebräischen Mamen einen adaequaten in der Laudessprache beizufilgen, ist, wie Zunz in seiner berühmten Abhandlung ״Die Namen der Juden“ nachgewiesen, sehr alt. Es zeigt dies nicht nur die ungeheure Assimilationsfähigkeit der Juden, sondern auch die wahre Anhänglichkeit zum Lande, in dem sie leben. Nomen est omen. לברט leitet Derenbourg vom sp. 1 ihr ad0 ״befreit“ ab, und können wir in Ermangelung einer besseren Etymologie die Derenbourgs annehmen. 2) לשון חכמים. Mit dieser Benennung wurde bisher gewöhnlich die Sprache der Misch nah und im weiteren Sinne die S praclie. des Tal m u d bezeichnet. Dass dem aber nicht immer so ist, kann man aus einer Aeusserung aus Rasohi Jesaja Cap 21 Vers 3 ersehen. Zur Stelle נעותי משמע liest man bei Raschi חולי היא ״ הקרויה עוית בלשון חכמיםEs ist eine Krankheit, die עוית genannt wird בלשון חכמים.“ Wir glauben hierunter die Sprache der Aerzte (mediclnische Terminologie) zu tinden Bekanntlich heisst im Arabischen ahakim der Arzt, d. h. der Weise par excellence, wie ja auch in Deutschland und Frankreich mit dem Worte Doctor (der Gelehrte) ohne weitere Hinzufiigung der Arzt gemeint wird. Von mehr belang scheint uns diese Sache aus folgendem Grunde. Schon in der Mischnah linden wir den Ausdruck ״ אשד. חכמהdie weise Fr au“ für Hebam me. Dieser Umstand berechtigt uns zu der Annähme, dass schon im Neuhebräischen חכם, entsprechend dem חכמה, den Arzt beaeichnete. Es muss durchaus nicht an eine Entlehnung aus dem Arabischen gedacht werden, sondern vielmehr an eine naturgemässe fortschrittliche Entwickelung der lebenden neuhebräisehen Sprache. Schliesslich noch die Bemerkung, dass im Französischen sage-femme also wörtlich gleich dem neuhebräischen אשה חכמה ist. Ich glaube dieses Wort dein hebräischen Einflüsse zuschreiben zu müssen, und es ist dieser Fall nicht alleinstehend. (Vgl. meine Arbeit: Ueber das Ladino (Jüdisch-spanische), ein Beitrag zur Aussprüche des Altspanischen in Edlinger's Literaturblatt, Wien 1878, Februarheft.) Sie ist z B. analog dem Hebräischen Gen. 25 Vers 32 zur Stelle ואנכי הלך למות im Französischen je vais mourir. (Diese Mittheilung verdanke ich dem seligen G. Toffaus Bisenz.) Ueber ל' חכמים ist ferner Jakob Reifmann’s Sedeh Aram (Heft I, p. 30, Nr. 46) zur Stelle חיות הנה zu vergleichen (II. Mos. 1,19), wo das Targum dasselbe durch חכימן אינן übersetzt, d. h. aber nicht etwa, sie sind klug, sondern vielmehr, wie auch Reifmann hemerkt: בלשון ח׳ ו׳ל נקרא המילדת(* בשם חכמה יעויין שבת קכח ב׳ במשנה, wie sich dies eben im babyl. Talmud fol. 128b findet. Ferner findet sich die Stelle חכים י תקר ב״מ פ״ו ע״א)) und dies bedeutet auch: er wird ein Arzt genannt. Dies Alles bringt Reifmann in der eben erwähnten Schrift (Berlin 1875). Wir wollen diese Gelegenheit benutzen, um auf den hohen Werth der in hebräischer Sprache abgefassten Werke dieses Autors hinzuweisen, der unter den grössten Entbehrungen dem Studium der jüdischen Literatur lebt. Leider wird diesen Schriften nicht die gebührende Achtung gezollt, und so kommt *) Ob hierbei nicht auch an die Mischna Aboth IV, I ,איור חכם הרואה את הנולד zu denken ist? (Red.) ן es, dass die Ansicht, die Dr. M. Joel in Breslau in sei- ‘ nem jüngsten Werke über die חמשה וקנים ausgesprochen, sich bereits 5 Jahre früher bei Reifmann in der erwähnten Schrift p. 2—4 findet Reifmann ist als Kritiker und Kenner des Targums einer der ersten unserer Zeit, und wird auch von christlichen Gelehrten studirt. Auf seine 1879 erschienene Arbeit ״Or Boker“ (hebräisch) u. a. d. T : Kritische Beiträge nebst einer Analyse der Bücher Samuel’s (B ■rlin, bei M. Poppelauer) werden wir in diesem Bl. noch zurückkommen. Literaturbericht. Receusionen. Weber, Dr. Ferdinand, Pfarrer in Polzingen. Sj׳stem der alLsynagogalen palästinischen Theologie aus Targum, Midrasch und Talmud dargestellt. Nach des Verfassers Tode herausgegeben von Franz Delitzsch und Georg Schnederman n. Leipzig, Dörfling <fc Franke 1880. Mit staunenswerther Belesenheit, mit grosser arehäologischer und linguistischer Gelehrsamkeit und mit anerkennenswerthem Bemühen, weder polemisch noch parteiisch zu sein, sammelte der schon im Lande der Wahrheit weilende Verfasser aus dem gesammten jüdisehen Sehriftthum von Esra bis etwa zum Abschluss der Talmude die wesentlichsten Züge jüdisch-religiösen Denkens, ordnete sie nach gewissen Gesichtspunkten und brachte so eine jüdische Theologie jener Epoche zur Darstellung. Mit welchem Rechte der Verf. diese Theologie palästinisch nennt, da doch ein grosser Theil jenes Schriftthums nicht palästinischem Boden entsprossen ist, bleibt vorerst unet örtert. Wie bei den Arbeiten von Lagarde, Delitzsch, Wünsche u. A. muss man billig auch hierüber das tiefe und zum Theil verstäudnissvolle Eindringen'in den 80 weit verzweigten und oft so spröden Stoff erstaunen. Mit steigendem Interesse sehen wir den Verf. Stein um Stein oft aus den unwegsamsten Brüchen zu seinem Bau herbeiholen, Blatt auf Blatt folgen wir mit Spannung der klaren und geschickten Darstellung, und wenn wir zu Ende gekommen sind, wissen wir, dass die religionsgeschichtliche Literatur mit einem interessanten Erzeugniss bereichert wurde — welches an zwei Hauptfehlern leidet. Trotz des redlichsten Bemühens, jederlei Polemik zu vermeiden, ist die Objectivitüt des Urtheils durch des Verf. theologischen Standpunkt getrübt und beider gedanklichen Verwerthung obengenannten Stoffes fehlt es ihm an Sinn für geschichtlichen Pragmatismus. Wir werden die erste Beschuldigung bei der Besprechung der Einzelheiten zu erweisen und zu belegen haben, in Bezug auf die zweite sei schon hier auf ein charakteristisches Zeichen aufmerksam gemacht: der Autor citirt für historische Notizen meist den Forscher Jost, selten oder gar nicht den Pragmatiker Graetz. Ist es schon misslich, aus einem Schriftthum, in welchem die verschiedenartigsten und heterogensten Ideen kreise zusammengeflossen sind, in dem sich die Rudimente grosser Geistesrevolutionen abgelagert haben, ein einheitliches Syslem zu construiren, um wie viel bedenklicher wird ein solcher Versuch, wenn man die historische Entwickelung jener Ideen fast ganz ausser Acht lässt. Der Hauptstoff für die Abstraction theologischer Lehren bildet naturgemäss die llagada. Von ihr aber sagt Frankel sehr treffend: ״sie sei unbegrenzt“, sie ist vorzüglich da, wo sie als Sage erscheint, Volkspoesie, Product der schöpferischen Einbildungskraft, die an die Erzählungen der Vorzeit manches neue Gebilde knüpft, jene einfachen Begebenheiten mit einem

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