Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 10 (1881)
- Issue
- No. 1. (5.1.1881)
- Date
- 1881-01-05
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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4 — glänzenden Nimbus ausstattet, der einfachen Relation der Vorzeit ein von Wundern und Grossthatcn strotzendes Gewand umwirft: und wer will Sagen solcher Art in einen beschränkten Rahmen fassen, den Volkshang nach Wundern und Legenden in einen abgegrenzten Kreis bannen?“ (Vorstudien zur Sept. S. 181.) Weber hat dies gewollt und es ist ihm nicht gelungen. Was in der Agada gnostischen und neuplatonischen Gedankenkreisen angehört, was in ihr palästinische uud was alexandrinische Schrifttendenz reflektirt, vor Allem aber, was in ihr behufs verhüllter Schilderung politischer Zeilverhältnis8e, behufs versteckter Andeutung von Tagesereignissen absichtlich und ad hoc geradezu gedichtet wurde, kann durchaus nicht den Stoff bilden, aus dem eine synagogale Theologie construirt werden darf. Aus politischen Tendenzdichtungen ist doch nicht das religiöse Bekenntniss des Verfassers zu abstrahiren. EiD Beispiel erhärte unsere Behauptung. Der Verf. stellt Cap. VI S. 64 aus den verschiedensten Agadastellen die Lehre von dem Verhältniss der Heidenwelt zu Israel dar. Nun richten sich diese Sielten in den verschiedensten Zeitepochen gegen verschiedene Feinde und Bedrücker Israels, gegen die Samaritaner im Zeitalter der Soferim und später gegen die Syrer und Hellenisten im Zeitalter der Maccabfter, gegen die Römer unter den Kaisern, gegen Perser im Exil, gegen die Zendik in Babylon, gegen die Byzantiner 1m Abendland, gegen Judenchristen im apostolischen Zeitalter, gegen Apostasie und Herasie im eigenen Lager: je nach dem zu bekämpfenden Feind richtet sich die Methode des Angriffes; wer aber wollte aus so verschiedenen Elementen eine einheitliche Lehre des Judenthums vom Heidenthum überhaupt construiren, wo überdies Epochen grösserer Annäherung und grösserer Entfremdung Israels gegenüber Nichtisraeliten historisch constatirt sind. Soviel im Allgemeinen. Gehen wir nun an die Einzelheiten dieses immerhin im höchsten Grade interessanten und anregenden Buches. (Forts• ,*folgt.) Dessauer, Dr M. Blüthen und Knospen der Humanität aus der Zeit von Reuchlin bis auf Lessing. Spi3gelbilder für inhumane Herzen der Gegenwart. Zürich 1881, hei Caesar Schmidt. Schmutz kann nur durch Seife, nicht durch Schmutz entfernt werden. Diese hausbackene Wahrheit drängt sich dem Beobachter literarischer Erscheinungen der Gegenwart mehr als je auf Freilich es ist nicht Jedem gegeben, den Grimm gegen schmachvolle Bosheit von seiner Kederspitze fern zu halten, auch den ruhigsten Denker ergreift oft ein wildes W eh üker die masslose Versündigung gegen den Geist der Humanität, gegen das theure, schwer errungene, geistige Gut der Nation — aber erquicklich sind sie meistens nicht, jene Er- Zeugnisse der Leidenschaft, jene Kampfbroschüren, die oft gut gemeint und noch öfter schlecht stylisirt, nur dazu beitragen, die Gemüther zu erbittern, statt heilsam zu versöhnen Wir haben es immer gesagt, Leuten wie Marr und Stöcker überlasse man die Freude am Koth — er ist ihr Element. Ehrliche Feinde hingegen suche man zu mahnen, zu belehren und zu versöhnen. Eine solche Mahnung zur Rückkehr zu den Principien der Humanität und Geistesfreiheit liegt uns in obengenannter Schrift eines unserer liebenswürdigsten Eklektiker vor. Die Entwickelung und Richtung vier deutscher Geistesheroen sollen den Pygmäen der Gegenwart zeigen, dass es ihnen schlecht ansteht, durch Maulwurfsarbeit den Bau zu untergraben, den Jene?um Stolze und zur Zierde der Menschheit, zum Preise und zur Ehre Deutschlands errichtet haben Reuchlin, als Morgenstern der Toleranz, Erasmus von Rotterdam in seiner unbewussten Humanität, Luther in seiner Klosterzelle und Gedankenhelle und Lessing als Fürst der Menschenliebe, werden in Charakterbildern vorgeführt, die wohl im Stande sind, das Herz des Gegners zu rühren und das mitlebende Geschlecht zu neuer Bethätigung deutscher Geistesvorzüge und deutsehen Herzensadels anzuspornen. Die Sprache ist eiegant und der Geistestülle des Inhalts würdig. Am wenigsten gelungen scheint uns das von Erasmus entworfene Bild; der Autor hat in demselben zu sehr des Erasmus Unentschiedenheit im Kampfe und zu wenig seine in allen seinen Werken bezeugte Liebe zur Gedankenfreilieit, seinen Abscheu vor Gewissenszwang und Geistesknechtung hervorgehoben. Männer der That, wie Hüben und Luther, erstehen nur vereinzelt in den Jahrhunderten und finden thatsächliche Unterstützung nur dann, wenn die Geister für neue Anschauungen so ' vorbereitet sind, wie sie es im Zeitalter der Reformation durch die Arbeiten der Humanisten für Luthers Thaten waren. Sehr treffend feiert der Verfasser Luther als denjenigen, der die Autorität der Vernunft auf den Thron gesetzt hat. Es hätte aber auch darauf hingewiesen werden können, dass der Umschwung in der zuerst günstigen Meinung von den Juden bei Luther mit der Periode zusammenlällt. in welcher die Reformation wieder aufeehört hatte, eine Befreiung der Geister zu sein und anfing, Dogmen mit Dogmen zu bekämpfen und in engherziger Umgrenzung ihrer Ziele zu verknöehern Möge Dessauers Buch recht viele Leser finden, es ist eine erquickende. Erscheinung und von nicht blos 1 vorübergehendem Werthe Caro-Erfurt. IiltrrarUrhe Anzeigen. £te 9ftonat$fd)rift für @eidjid)te uuft 2B1ffenfd)11ft beä 3U־ bfntbumS Tebißirt ווסט Professor Dr. H. Graetz, unter Alitroivlung!aljlrcidjPE uno namhafter öe!e!)rten beginnt mit bem 1. Januar 1881 11)ווס bveifjig» ften Jahrgang unb labet;u juf)tretd)em Slbonne> ment ergeben ft ein. Sieiclbe erfdjeiiit wie bisher pünttlid) in 12 monatlichen $>:(ten }3 .״ Bogtn grog 8°, roeldje regilmäfiiq in bei1 evftcn lagen jeben Stonatä oerfanbt roerben. (1228 Iber ikänumerationopreiä für bm ,'abrgang beträgt 9 SW., ju nieldjfin berielbe burd) alle Vuftanftalten, foroie birect oon un« ju bejicfjm ift. Sleu bin)utretenben Abonnenten liefern mir auf SBunfcb Jahrgang 1876 biä inet. 1879 ju> fammenju 18 AI, 1880;u 9 i'l. boor. 3 n i e r ate, bie burdgantenbc HJetitjeile 20 ffif., finben meitefte Serbreitung. Ärotofdjin, )ko״• tyjien im fbec. 1880. Sie Seilagei'uctjtmnDluiig: B. Ii. Monaarli 4fc l'o. Im Verlage 1!0ז Eduard Avenarius in Leipzig erscheint auch für das Jahr I8«l: IJ.erarischrs i'eulralblaU für II. uuchland. Herausgegeben von Prot Dr Fr. Zarnke. Wöchentlich eine Nummer von 2 bis 3 Bg. gr. 4 Preis vierteljährlich M. 7 HO Das ״Literarische Centralblau“ betrachtet es als seine Hauptaufgabe, einen Gesummtüberblick über 11»« ganze Gebiet der wissen schaftlicheu Thätigkeit Deutschlands zu gewahren, und bespricht in fast lückenloser Vollständigkeit die neuesten Erscheinungen auf den verschiedenen Gebieten der Wissen- Schaft, der Geschichte, der Technik, des Militiirweseus, der Kartographie etc. Diese Besprechungen haben sich allgemein den Knf der Gründlichkeit und Gewissenbaftigkeit erworben, und diesen Ruf seit nunmehr 30 Jahren ungetrübt erhalten. Ausser den Besprechungen neuer Werke bringt das ״Liter. Centralblatt“ eine Angabe des Inhalls fast aller wissenschaftlichen und der bedeutenderen belleiristiscben Journale, der Ur.iversitäls u. Scludprog a׳nme Deutschlunds, Oesterreichs und der Schweiz, die Vorlesung.--Verzeichnisse sammtlicher Universitaten und der!andwirthscliafilichen Akade• uiien; eine Bibliographie aller wichtigem Werke der in- und ausländischen Literatur; eine Gebersiclit der in andern Zeitschriften erschienenen ausführlh heren und wissen- Schaft!ich wci tln uihii Uciciisioueii, ein \ eizeicliniss der antiquarischen Kataloge, sowie der angekündigten Bücher Aueliouen•, endlieh gelehrte Anfragen uud deren Beantwortung, sowie Personal-Nachrichten Am Schlüsse des Jahres wird ein vollständiges alphabetisches Register beigegeben [1z30 Probe• Nummer״ sind durch alle Buchhaiidlungeu und Postanstalten zu erhalten. Verantwortlicher Redacteur Dr. Raumer in Magdeburg. Uruck von H Horbach in Barby. Verlag von Robert Friese in Leipzig.