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Das jüdische Literaturblatt · 1876-12-15 · Nr. 24. (15.12.1876) · p. Seite 95

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
5 (1876)
Issue
Nr. 24. (15.12.1876)
Date
1876-12-15
Page
Seite 95 (sequence 3)
Language
German
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meiner Seite eine grobe Jndiscretion gegen Jacoby, ,der am Haffe (?) der Juden schon genug zu tragen hat. Letztere leiden nun einmal unter sich keinen großen Geist und Charakter: über Spinoza hinweg dis zu Jacoby, Lassalle und schließlich Lasker, dem sein letztes Auftreten nicht verziehen wird. Ich habe nur jüdische persönliche Freunde: Jacoby, Lasker und Marcus Cohn, bei dem ich diesen Sommer einen Monat auf dem Lande zugebracht, und dafür Einladungen des hohen Adels ausgeschlagen habe. Das Alles ist einerlei; ich bin und bleibe ein Rosche, denn ich habe den Abraham geschrieben, und der Ring, der Meyer haben gesagt, der sei kein Jude, der sei gegen das Judenthum. Basta! Nehmen Sie mir nicht übel, wenn ich Ihnen offen sage, daß Sie, als Ausländer, die hiesigen Juden nicht kennen, und ich wieder erstaunt bin über das, was Sie mir von Pesth sagen. Ich freue mich dessen, hoffe aber auf keine Nachahmung. Hier liegt die Sache so, daß unsere ganze Bevölkerung wirklich unter dem Drucke durch die Juden seufzt, und daß, wenn eine Judenhetze noch möglich wäre, sie gerade hier, in der Stadt der Intelligenz, ausbrechen würde. Wir, die Männer der freiesten Richtung, leiden bei dieser Lage erheblich unb müssen zumeist die Neckereien tragen, die bei dieser Wuth nach Titeln, Orden, hoher Gesellschaft, Luxus und Adelsdiplomen unausbleiblich sind. — Das Citat aus dem Talmud*) habe ich aus der nur aus Juden bestehenden ״Gesellschaft der Freunde". Virchow und ich waren, sehr ausnahmsweise, dazu eingeladen, und bei der Tafel hielt Wollheim (so glaube ich) eine Rede, in der dies Citat vorkam und mit allgemeinem Beifall ausgenommen wurde. Ich habe es genau notirt, und Cohn, der talmudische Kenntniffe hat, hat es mir nicht abgeleugnet, wie ich es schon lange, von Abraham mir beigebracht, im Gedächtniß trug. . Nun kenne ich auch den Talmud und weiß sehr wohl, daß seine einzelnen Dicta noch viel zufälliger sind als die Suhren (sic) des Mohamed. Allein befolgt ist jene Vorschrift immer, und zwar von Zeiten her, die weit vor der Ausschließung der Juden aus den Gewerken rc. siegen. Tie Hinweisung auf den Druck ist hinfällig geworden, seitdem die antiquarischen Studien, auch von Männern aus jüdischem Stamme, z. B. Friedländer, Becker rc. Klarheit geschaffen yaben. Schon 100 Jahre vor Christus, ja noch weiter hinauf, habe!» die Juden überall Herrschaft geübt, aber nie unterlassen, über DnlK zu klagen. In Alexandrien waren sie omnipotente, und in allen römischen Campagnen waren sie Begleiter des Feldherrn, um für ihn die Länder auszusaugen, wie denn Cäsar seine Schulden durch die Juden aus Gallien zusammentrieb, und Verres in Sicilien durch die Juden herrschte. Es ist bei uns noch lauge nicht so schlimm, als es im alten Rom, lange vor Christus, war. In Berlin ist ihn — so nahmen wir keinen Anstand, Brief I zu veröffentlichen, der überdies in Bezug auf Jacoby ganz harmlose Aeußerungen enthält. *) Das betr. Citat findet sich nirgends im Talmud, der im Gegmthril sehr reich an Stellen ist, die den Werth und die Würde der Arbeit und de« Handwerkes hochstellen. Wir führen hier nur einige derselben an: ״Etwas Großes ist die Arbeit: denn sie ehrt ihren Meister" <Nedarim 49 d). — ״Wer seinen Sklhn nicht in irgmd einem Handwerk unterrichten läßt, der lehrt ihn gleichsam das Räuberhandwerk" (Kiddu» schim 29a). — ״Sieh, wie groß di« Straße der Arbeit ist-. Wer «inen Ochsen stiehlt und verkauft oder schlachtet, zahlt fünffach, weil er den Oigenthümer an der Feldarbeit störte: wer ein Lamm stiehlt und verkaust, zahlt nur da» Vierfache" (Baba kama?9 d). ״Man verdinge sich auch zu der frenrdartigsten Arbeit und hänge nicht von der Gnade Anderer ab" (Babra bathra 110). ״Sieben Jahre dauere di« Hungersnoth, an dir Thüre des Handwerkers klopft sie nicht an" (BolkSsprichwort Synhedrin 29 a). Wenn sich der Mensch zum Diener de» Erdbodens macht, wird er de» BrodeS satt" (Synh. öS d). ״Die Handwerker dürfen während ihrer Arbrst vor den vorübergehenden Gelehrten nicht auffiehen" («idduschin 33 a). ״Lieb« di« Arbeit" (»toth c. I). — es schwer, einen tüchtigen Rechtsanwalt gegen einen mächtigen Juden zu bekommen, aber wie sah es in Rom aus? Cicero, ich sage Cicero, ein römischer Consular, rechnet es sich ln seiner Rede i u Ver rem zum besonder» Muthe an, daß er es wage, einer so mächtigen Körperschaft in Rom (damals über 50000) entgegenzutreten. Das Alles, verehrter Herr, hilft aber nichts. Einzelne sind aufzuklären, aber die Gesammtheit wird über Druck klagen, wie vor 2000 Jahren, Einzelne werden hart arbeiten, aber das gros wird nicht über den Spruch des Talmud hinauskommen. Und darin liegt kein Vorwurf. Der Deutsche wird ewig Trinker und Raufbold bleiben. Er hat die Schlachten aller Potentaten geschlagen, ohne alle Rücksicht auf den Zweck des Kampfes, Noch 1852 stiegen die schleswigschm Freiheitshelden in Altona von den Pferden, schifften sich nach Brasilien und ritten, als Söldner des Kaisers, deffen unglückliche Unterthanen zu Boden. Also trösten wir uns einander über die Schwächen unseres resp. Stammes, ich entschuldige die des meinigen in keiner Weise. Ich fahre fort, im Interesse der Freiheit und der Gesittung zu wirken, durchaus gleichgiltig über den Erfolg. Das Streben ist mein Lohn, nicht der Erfolg. Nun, werther Herr, halten wir unS ganz still über die angeregte Frage. Jetzt göffen wir nur Oel in'S Feuer. Ich hätte Ihnen auf Ihre erste Zuschrift leicht antworten, mich bedanken, Alles vortreffiflich finden und in das gewöhnliche Geschrei ausbrechen können über Cultur, Fortschritt, Toleranz rc.. aber ich entnahm aus Ihrem Schreiben soviel Intereffe und Achtung für Sie, daß ich ganz offen gegen Sie verfahren bin. Haben Sie vielleicht das gelesen, was ich am Grabe von Raphael Kosch geschrieben (sic)? Es steht in der Vossischen Zeitung. Auerbach hat mir darüber, aufs tiefste gerührt, einen Dankesbrief geschrieben, aber es hilft nichts: ich bleibe hier ein Rosche, weil ich absolut nicht lügen nnd mein Herz zur Mördergrube machen will. Also schweigen wir; in BreSlau suche ich Sie auf, dann mündlich mehr! Ihr ganz ergebenster -Ziegler. Liieraturbericht. Uedrr die Namen ״Makkabäer" und ״£a§KumAtv".*) Wie das erste Buch der Makkabäer erzählt, hatte Matathias der Priester fünf Söhne, von dennen jeder einen Beinamen trug. Der erste war Jochanan, genannt Simon, genannt 8*3,!, Juda, genannt Eleasar, genannt Aiapo״, Jonathan, gen. Von diesen Zunamen wird in der Geschichtr der Brüder nur der von Makkabaeos wiederholt. Bei Eleasar wird er noch einmal genannt. Bei Jonathan und Simon, die doch nach Juva's Tode als leitend heroortreten, werden die Zunamen gar nicht niehr erwähnt. Es geht daraus hervor, daß der Erzähler nicht meint, die Namen seien den Brüdern erst nach ihrem Leben und Wirken gegeben worden ES würde die Gelegenyeit genannt worden sein, bei welcher sie dieselben erhalten haben. Sie würden aus der Geschichte hervorleuchten und ihre Erklärung wäre leichter. Bei dem Namen Makkabaios fanden, wie wir sehen werden, die Zeitgenoffen de« Zunamen durch die That bestätigt. Darum wurde er besonders *) Nach einer eingehenden Abhandlung von vr. P. Cassel (in Nr. 2 der von ihm herausgegebenen wiffenschastl. Blätter: ״Die Antwort,") über die jüngst erschienene Schrift: The nun« Machabee y. Vr. S*m Ourtio. (Leipzig 1876.)

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