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Das jüdische Literaturblatt · 1876-11-01 · Nr. 21. (1.11.1876) · p. Seite 83

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
5 (1876)
Issue
Nr. 21. (1.11.1876)
Date
1876-11-01
Page
Seite 83 (sequence 3)
Language
German
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83 Angriffe zurückgewiesen und schwerwiegende Einwürfe beseitigt, werde», wie schon im Vorworte die so oft angczweifelte Berechtigung einer Neligionsphilosophie nachgewiesen wird. ״Eine Methaphysik, die daS religiöse Bedürfnis nicht befriedigt, ist keine, denn sie hat nicht alle Wirklichkeit in sich ausgenommen uub erklär!. Eine Religion wiederum, die sich nicht ausweiset» kann bei der Methaphysik, entzieht sich dem einzigen Richtersiuhle, den Gott auf Erden für solche Dinge errichtet hat. der Vernunft. Darum giebt es zu allen Zeiten religiös-philojophische Fragen." (S. 4 ff.) Im ersten Abschnitte, der die Aufschrift trägt: ״Iliacoa inira muros peccatur et extra“ (Drinnen sowohl wird gefehlt in Ilions Mauern, wie auswärts) wird die Bundesgenossenschast des ׳Atheismus und der Rechtgläubigkeit treffend gekennzeichnet als ״offener Hader und verborgene Liebe." (2. 7.) In der 2tunde, wo die Orthodoxie erwacht, ist die religiöje Schöpferkraft erloschen. Das religiöse Leben erstarrt in Paragraphen, das Unformulirbare wird Formel. Und gegen das, ״was menschliche Beschränktheit der religiösen Wahrheit hinzugefügt," wenden sich die Feinde der Religion. Natürlich erschüttern sie die unhaltbaren Positionen und erregen dadurch den Glauben, als ob auch das erschüttert sei, ״was eigentlrch vom Sturme gar nicht berührt worden." Daher ist auch die Bibelkritik bisher von Parleirückficht bestimmt ergebnißlos geblieben. Daß es falsch ist, ״gewisse physikalische oder astronomische Hypothesen für solidarisch mit dem Interesse der Religion zu erklären," (S. 12.) daß das Judenthum selbst bei den Ausschreitungen des Darwinismus ruhig bleiben darf, das zeigen schon die einander diametral entgegengesetzten Ansichten der Talmudisten über die Schöpfung. Daher bringt die geistvolle und gründliche Beweisführung Joels hierin neues Licht eigentlich nur den christlichen Kreisen. - Ter Atheismus (2. Abschnitt S. 17 ff.) muß, wenn ihm diese Angriffspunkte genommen werden, der Religion selbst gegenübertreten, und zeigt sich als das, was er ist, als Regirung der evidentesten Thatsachen im menschlichen Gemüthe un$> in der Geschichte des Menschengeschlechts. Schopenhauer aber kann sich nur zum Pseudo-Atheismus bringen, denn sein ״Wille" ist doch ein ״jenseitiger Gott." Der Glaube an einen solchen aber entspringt erst den Beweisen und stürzt nicht, sobald ^diesc niedergeworfen werden: ״Man muß die menschliche Seele wenig beobachtet haben, wenn man meint, am euibente!:en sei ihr das, was durch ein Beweisverfahren ihr vermittelt ist." (S. 25.) Besonders entsprechend für den Leserkreis dieses Blattes sind die Theile des V. Abschnitts: ״Kant und des Kantianer's Schopenhauer Stellung zu den historischen Religionen", (S. 56 ff.) welche die Stellung der Philosophen dem Judenthume gegenüber besprechen. Auch Kant wird der berechtigte Vorwurf, daß er ״u.tgeschichtlich" verfahren, gemacht. ״Heute weiß man es, daß man getrost eine Prämie setzen könnte auf eine christliche Forderung an die moralische Gesinnung, die im alten Testamente nicht vorkommt." (S. 60.) Schopenhauers Urtheil, ״die eigentliche Judenreligion ist die roheste aller Re« ligionen, weil sie die einzige ist, die keine Spur von Unsterblichkeitslehre hat", zeigt Joäl in all seiner Hohlheit und Blöße, wie er überhaupt Sch.'s Wesen und Denkweise mit auatomischer Genauigkeit und philosophischer Akribie zergliedert und den Pessimisten in seiner wahren, unschönen Gestalt vorführt. Hier weist er treffend darauf Hin, wie das Heraufbeschwören des verstorbenen Samuel durch die Hexe von Endor erweist, daß ״unter den Juden die Meinung geherrscht —, daß es ein Geisterreich gebe, mit dem inan sogar — in Verbindung treten könne". (Z. 62.) Daß vom Jenseits nicht ausdrücklich gesprachen werde, dafür hat Kant — übertreibend zwar — die richtige Antwort gegeben. Bei den in der That häufig zugleich einen staatlichen und zugleich einen religiösen Charakter tragenden Gesetzen, die sich nicht an das einzelne Individuum, sondern an ganz Israel wenden, wäre eine Androhung, resp. eine Anlockung durch das Jenseits seltsam. Aber auch Kant wollte nicht das Judenthum beurtheilen, sondern nur ״die schreckliche Stimme der Rechtgläubigkeit" — die christliche Orthodoxie — ״um ihren Resonanzboden dringen. Diesem Strategen verdankt das Judenthum viele Hiebe in der Geschichte, auch die Voltaire',chen." Prügelknabe des Christenthumes ist das Jtidenthum auch Schopenhauer, der nicht Christ, sondern Hindu ist und dessen Unkenntniß der Bibel öfters grell hervortritt, z. B. in der Behauptung, daß sie die Thierquälerei nicht verbiete, (woran sich der Aerger über das ״erbarmt sich" seines Viehes reihet, was, wie schon in diesem Literaturbl. Nr. 3 bemerkt wurde, die LXX hat, während der Urtext lautet: ״der Gerechte weiß, wie seinem Viehe zu Muthe ist" und daß das Chrislenthum erst die Paederastie zur Sünde gesteinpelt habe. Rur daß Schopenhauer es als keine» Vorzug erachtet, eine reine monotheistische Religion zu haben, läßt ihn gerecht gegen das Judenthunt werden — er nennt es die alleinige rein monotheistische Religion. Da Straub diesen unser» Monotheismus niedriger stellt, als den Polytheismus, wendet Joöl sich im 2. Abschnitte: Einige Antithesen zu David Friedrich Strauß Thesen in: ״haben wir noch Religion?" gegen diesen (72 bis Ende). War es auch im Bisherigen schwer auch nur andeutungsweise den Inhalt zu skizziren, so ivird es hier unmöglich, die gedrängte Kürze, die Knappheit der Sätze bei der Fülle der Gedanken zu überbieten. Der jüd. Gottesgedailke ist eine Folge der sittlichen Reinheit Israels — er ist der weltgeschichtliche Kern zu einem wahr- Haft philosophischen Gottesbegriff. Wunderbarer Reichthum tiefer Gedanken machen das Buch zu einer schweren, aber lohnenden, belehrenden und belebenden Lectüre, während die Anmuth der Form durch ihren Contrast zu dem Inhalte das Schwerste jedem Gebildeten leicht zugänglich macht. A. Macher, L)r. Wilhelm, Abraham Jbn Esra's Einleitung zu seinem Pentateuch-Commentar, als Beitrag zur Geschichte der Bibelexegese beleuchtet. Wien, 1876. 8". 86 pg. (Separat-Abdruck aus dem Dezemberhefte des Jahrganges 1875 der Sitzungsberichte der phil.-hist. Classe der kaijerl. Akademie der Wiffenschaften. LXXXI. Bd. S. 361-444.) Der Verf. wird uns wohl beipflichten können, wenn wir den Titel seiner sehr beachtenswerthen Schrift etwas verunglückt finden. Viel bezeichnender hätte er seine gediegene Arbeit ankündigen können unter dem Titel: Die wichtigsten Phasen der Bibelexegese und ihr Verhältniß zu Jbn Esra, besprochen in der von ihm vorgeführten Reihenfolge. Denn in der That geht diese Schrift über die dürftigen von Jbn Esra in seiner Einleitung gegebenen Andeutungen über die ihm vorangehend en Richtungen der Bibelexege'e weit hinaus. Hierbei kommt dem Verf. seine große Belesenheit in allen Schriftwerken Jbn Esra's ebenso sehr zu Statten wie seine Vertrautheit mit den uns erhaltenen Schriftdenkmalen bibelexegetischen Inhalts vor Jbn Esra und seine innige Bekanntschüft mit den diesbezüglichen arabischen Literatur-Erzeugniffen. Nach einigen einleitenden Bemerkungen und einer kurzen Auseinandersetzung über das Prinzip der Jbn Esra'- scheu Einleitung würdigt er der Reihe nach die Exegeten der gaonäischen Zeit oder eigentlich den Exegeten dieser Zeit xvti&w, Saadja, die karäische, die allegorisirende Exegese, die Anhänger des Derasch, sowie schließlich die von Jbn Esra selbst befolgten exegetischen Grundsätze. Die beste Leistung dieser sehr werthvoUen Arbeit ist der Abschnitt, der sich auf das Eingehendste mit Saadja beschäftigt. Hier gelingt es H. B., in der von Muhammed ibn JshLk in seinem Fhirist-ululüni aufgeführten Liste der Schriften Saadja's unter 2 und 5 offenbar falsche Angaben durch glückliche Combinationen zu berichtigen (vgl. das Nähere pg. 20 f). Weit höher ist aber noch des Berf. Verdienst anzujchlagen, daß er durch genaue Mittheilung von Saadja's zur Zeit als Manuscript in Oxford sich findenden Einleitung zum Commentar der Sprüche uns einen Einblick ermöglicht in die Exegese des Philosophen von Fajnm (cf. pg. 24 ff). Ebenso beachtenswerth ist das über R. Chananel aus Kairuwün (pg. 38 Anm. 2) Gesagte. Zu Gen- 32, 15 bemerkt R. Chananel: /!כל ראשי הכחמו

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