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Das jüdische Literaturblatt · 1876-11-01 · Nr. 21. (1.11.1876) · p. Seite 84

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
5 (1876)
Issue
Nr. 21. (1.11.1876)
Date
1876-11-01
Page
Seite 84 (sequence 4)
Language
German
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84 כמנחה הזאת ת׳ק׳ן/ לפיכך קדמה מלבות אדום למלכות ישראל (צ״ל ישמעאל) ת׳ק׳ן שגה: Diese räthselhaste Angäbe wird erst verständlich durch die von B. ciiirte Stelle des arabischen Historikers Mas'üdi, nach welcher die Verzagtheit Jakob's ganz eigenthümiich gestraft wurde. Jakob hakte nämlich 55 J0i Stück Viel) besessen, 550 habe davon Esau er- Hallen aus Furcht vor oessen Angriff. Mein Wort beruhigte dich nicht — habe Gott dem Jakob zugerufen — darum follen die Kinder Esau's deine Nachkommen 550 Jahre beherrschen. Und wirklich verflossen etwa 550 Jahre seit Jerusalems Fall durch die Römer bis zu seiner Eroberung durch Omar ibn al-Chattub. Wir sehen hier offenbar muhammedänischen Einfluß auf jüdische Bibelexegese. Grätz's Zweifel an einem exegetischen Werke R. Hai's schwindet gegenüber den vom Verf. gebrachten, mehrfachen Anführungen Ibn Esra's von A. Hai's Erklärungen zu Hiob (pg. 30 Anm. 4). Gegenüber offenen und versteckten Angriffen auf Ibn Esra's Rechtglaubigkeit, hat H. B. dessen Verhältniß zur Tradition sehr gründlich beleuchtet (cf. pg. 53 ff). Es beeinträchtigt den Werth vorliegender Schrift nur in ganz unerheblicher Weise, wenn wir nianchen Ausführungen des Verf. entgegentreien. Ibn Esra's Prinzip der Einleitung kann man wohl nicht mit den! Verf. (pg. 15) ein historisches nennen. Dagegen spricht schon der Umstand, daß Saadja und seine Richtung vor den von ihm ans das Heftigste bekämpften, ihm vorangehenden Karäern vorgeführt wird. Dazu kommt noch, daß Ibn Esra kein Wort lobender Anerkennung für die ersten 4 Richtungen findet, daß er sie sporadisch, wie es seiner auf das Jndividuelle gerichteten unstäten )Natur entspricht, in einzelnen Punkten nur bespricht. Die Tendenz, die ihm hier vorschwebt, ist eine rein polemische. Sein Verfahren in der Exegese zu rechtfertigen, ist die Tendenz seiner Einleitung. In prägnanter Weise bespricht er einzelne Verkehrtheiten in den Nichtungen seiner Vorgänger uird führt sie gelegentlich ad absiirdum. Da Ibn Esra thatsächlich 5 Arten der Exegese anführt, begreifen wir nicht, weshalb der Verf. (pg. 12 Anm. 1) mit einer Handschrift ganz ungenau nur 4 Arten annehinen will. Das park. הולכים scheint vielmehr auch Ibn Esra selbst als מפרש einzuschließen. Die dem christlichen Professor Schickard pg. 16, 18, 40, 41 und 73 nachgewiesenen Fehler und ungeheuerlichen Mißverständnisse, treffeil ihn mit Recht. Sie erinnern zum Theil an das famose קדיש דרבנן, das bekanntlich von fachgelehrter, christlicher Seite mit: 8an<rtissimus dootissimoruni — wiedergegeben wurde. Indessen wollen wir nicht verschweigen, daß die Namen der Karäer משיחו ישועה (pg- 41) auch bei jüdischen Commentatoren viel Unheil angerichtet. Das מפר כן ימיני aus dem I. 1823 von einem gewissen Benjamin Wolf aus Prerau emendirt das anstößige משיר flott in מדיחfindet ferner in ישועה einen schmachvollen Karäer im Gegensätze zu dem verdieustlicheu, oft citirten ר' ישועה- Der Warschauer Ausgabe, ivelcher der Passus von וכן משיח וישועה fehlt, hat offenbar die von MoseS Frankfilrt im I. 1724 zu Amsterdam edirte Bibelausgabe Vorgelegen, in welcher schon dieser Paffus sich nicht findet. Daß Schickard (pg. 73) in לקח טוב und אור עינים keine Büchertitel findet, ist freilich ein Iap6u8. Wenn er כלקח gelesen statt בלקהfo findet sich diese Leseart in mehrfachen Ausgaben und ist sie ja auch an sich nicht unverständlich. — Grätz's V. Band ist bereits in zweiter Auflage erschienen, der Verf. citirt jedoch die erste Auflage, ohne besonders darauf aufmerksam zu machen. EtivaS störend sind manche Druckfehler in den Eitaten, ivie z. B. pg. 36 Anm. 4, Hiob 14, 27, während dieses Cap. nur bis 22 reicht, desgl. Gen. 13, 21, (pg. 70 Anm. 1) was nur bis V. 18 reich! u. a. m. den der Bibelexegese zu sorgfältigenl Studium zu empfehlen. Sohrau, im October 1876. 1)r. Immanuel Deutsch. Rabbiner. Strack, Dr., K. .L. A. Firkowitsch und seine Entdeckungen. Leipzig 1876, Hinrichs. 44 S. 8°. Es gab eine Zeit, in welcher der Name Firkowitsch zu den gefeiertesten in der Geschichte der neuern jüdischen Literatnrentdeckungen gehörte. Die massenhafte Auffindung von Handschriften, Urkunden, Inschriften, die an Aller alle Lhnlichen Funde überlrafen und besonders für die Geschichte des Karäerthums — in Pinskers Forschungen — eine ungeahnte Fülle von Material darboten, erregte dankbare Bewunderung für den lnteressanten Greis, welcher, nach langer Zeit wieder einmal der erste Karäer, aus der geistigen Lethargie seiner Sekte sich emporraffle und mit der modernen rabbanitischen Wissenschaft des europäischen Westens in Beziehung trat. Indessen waren schon frühe Zweifel an der Echtheit seiner Funde ausgesprochen morden, die nach seinem Tode noch lauter wurden und sich in der jüngsten Zeit zu eineul förmlichen Todlellgerichte über den karäischen Reisenden und Entdecker gestallelen, welches namentlich von Hartavy und Strack, den Herausgebern des Cataloges der hebräischen Bibelhandschriften der kaiserl. Bibliothek in S!. Petersburg, in eigehender Weise geübt wurde. Noch sind die Akten des Prozesses nicht geschloffen und namentlich steht von Professor Chwolson, der am ineisten für die Echtheit der chronologischen Angaben, die in den Epigraphen der B'bclhandschriften Vorkommen, engagirt ist. eine Rettungsschrift bevor. Derselbe erklärt in dem jüngsten Hefte der Z. d. DMG., er habe eine Abhandlllng geschrieben, in welcher nachgewiesen ist, ״daß von allen in jenem Cataloge gegen die Echtheit angeführten Beweisen auch kein einziger stichhaltig ist." Inzwischen ist von einem der Herausgeber des Cataloges die in der Ueberschrift genannte Abhandlung erschienen, welche aus verschiedenen Momenten, und mit starker Ueberzeugungskraft, beweist, daß Firkowitsch seine Fälschungen in umfassender, systematischer Weise betrieben hat, vornehmlich um die karäische Sekte durch den Nachweis ihres hohen Alters zu gloriftciren, wie denn auch sonst F. als fanatischer Vorkämpfer des Karäismlls hervorragte. Strack beweist die Fälschungen zunächst an den im asiatischen Museum zu St. Pet. befindlichen Grabsteinen, dann an den durch F. bewerkstelligten Papierabklatschen von ähnlichen Inschriften. Der dritte Abschnitt spricht von Isaak Sangari, dem vorgeblichen karäischen Bekehrer des Chazacenkönigs; im vierten wird ein wenig bekannter Brief Rapoports aus dem I. 1858 mitgetheilt, der ebenfalls die Echtheit der Inschriften bestreitet, in! fünften anderweitige Bezweifelungen F.'scher Funde. Am interessantesten ist der 6. Abschnitt der Schrift, der einen langen Brief F.'s an Boboivitsch, das geistliche Ober- Haupt der Karäer vom I. 1839, in deutscher Uebersetzung giebt, welcher durch eine Anfrage des damaligen Krimgouverneurs veranlaßt wurde und in die eigenthümliche, halb naive, halb verschlagene Anschauungsart des trotz seiner Fälschungen sonst verdienstvollen karäischen Gelehrten einen tiefem Einblick gewähn. Dr. W. B. Berichtigung. In voriger Nr. S. Sv Sp. 1.. Z. 4 v. u. muß es heißen ״zu», Kochen" (statt ״Kuchen") Brieftasten -er Redaktion, li. Di« Recens. über Mayer's: ״Geschichte der Strafrechte'' in nächster No. — Herrn vr. K. in W. Ihr größerer Artikel ist z. Z. eingetrojfen, kann aber erst in, nächsten Quartal zum Abdruck gelangen. — Herrn Rabb. vr. B. in K. Ihr gesch. Beitrag kommt noch in diesem Quartal. Israelitischer Literatur-Verein. Di« Schriften des zweiten Jahrganges find gegen Einsendung von 8 Mark - Agenten erhalten den übliche» Rabatt — direct franro zu beziehen dnrch die Krpedition der Asr. Wochenschrift in Magdeburg. Wir können von dieser trefflichen und lehrreichen Schrift nicht scheiden, ohne sie auf das Angelegentlichste allen Freun-__ in Leipzig.

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