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Das jüdische Literaturblatt · 1876-10-01 · Nr. 19. (1.10.1876) · p. Seite 75

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
5 (1876)
Issue
Nr. 19. (1.10.1876)
Date
1876-10-01
Page
Seite 75 (sequence 3)
Language
German
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75 der mos. Gebote. Warum aber sollen unsre Vorfahren nicht Gesetzgeber gehabt haben, die das Ideal der Menschen am mei sten verwirklicht haben und am besten erkannt haben, was der menschlichen Natur gemäß ist? Die Natur des Menschen umfaßt außer den! was sie mit dem Thiere gemein hat, nämlich eine Reihe von Trieben, also die sog. Jusiinkte, auch einen specifisch menschlichen Trieb. Diesen, der mit dem ersten Wurfe das Richtige trifft, der die höchsten Fragen durch göttliche Eingebung in der würdigste» Weise löst, sei es indem er das Künstlerische oder Ideelle producirt, nennen wir Genie und als solches haben wir unbedingt vor Allem Mose, den Knecht Jhwe's, zu betrachten. Einige Anmerkungen zu Levita's תשבי♦ Von Dr. L. Lewysohn, Rabbiner in Stockyolm. א Art. אויר sagt er על פני תרגום ירושלמי אויר ולא מצאתיו עוד בכל תרגום (Auch Mussaphia führ, dieie eine Stelle Gen. 1, 20 an, und folgt vertrauensvoll Levita, wie er es z. B. in der Erklärung des Wortes אפיקומץ thut), allein man braucht nur das Wort bei Buxtors nachzulesen, um die Unrichtigkeit der Behauptung einzusehen. Jonathan hat das Wort sogar im selben Kap. 1, 26 noch einmal. 2. > m Art. ביק macht L. zuerst die richtige Bemerkung, daß die Singularsorm ביצת in der Bibel nicht vorkömmt, dann heißt es vom talmudischen Gebrauch וברבוי ביצות ולא בצים, offenbar ein Druckfehler, es muß heißen:בצים ולא ביצות Im Verzeichniß des לוד דמעות ist davon nichts angemerkt. ג. Levita hat nach jedem Buchstaben des א״ב einen h eb räisch c n Sinnspruch, nur nach dem Buchst. ד lautet der gemischte Spruch: נשלמד אותדגימל גילובט זיי נוט בון הימל was wohl einer Laune zuzuschreiben ist. דקדוק .ד erklärt ec von דמעיין בדבר דק דק, warum nicht nach seiner Erklärung von בלבול .דלדול und קלקל von קלל ,בלל .דלל. wobei das פ׳ דפעל verdoppelt wird? Sagt er ja selbst Art. דוק. daß?דקדוק דוא משורש דקק ד. Unter דואיל spricht L. um den bekannten Widerspruch in Raschi, der Gen. 18, 27 (nach Liste Chachamim 31, wie auch die Pent.-Ausg. דמבורג תקג״ד hat, die zugleich die folgende Emendation Levita's beibehält) דואלתי mit רציתי, dagegen Deut. 1, 5 mit דתחיל übersetzt. Lev. emendirt daher zu Getl. Es mriß heißen: דואלתי רציתי במו ויואל משד da R. Exod. 2, 21 ןייואל und הואלתי mit וצבי d. h. רציתי erklärt. Ich begreife nicht, wodurch hier der Widerspruch vollkommen gehoben ist; jedenfalls erklärt R. das Wort דואלתי zu Gen. mit רצד und zu Deut, mit דתתיל: nur das Wort דואיל angehend, bietet Levita eine Abhilfe. ו. Unter Art. ויטרי erwähnt L. einiger Werke, die nur nach dem Geburtsorte (Wohnorte) des Verfaffers benannt werden, z. B.ם' דראקינאט ׳מחזור ויטרי u. s. Iv., man könnte hinzusügen שערי דורא. da der Verf. in Duren lebte, so bezeichnet Heller oft den bekannten Mischnacommentar bloß mit ׳דרב ברטנורא so werden die bekannten Werke des «הין schlechtweg ספרי אלפם benannt u. a. m. t. Unter ורת rheilt L. im Namen seines Vaters Ascher mit, daß das Wort ״kleiner Finger" bedeutet von זערת. Fürst giebt dieselbe Erklärung im eignen Namen (sowohl im Lexicon, wie in der Concordanz) ohne aus Ascher zu verweisen. ד. Unter Act. דור findet sich die richtige Stelle, die für die Eruirung von L.'s Alter höchst nolhwendig ist. L. sagt: וכבר עברו מבריאת עולם עד דנח ט׳ שנים וק״ץ מחוורים dies wäre das Jahr 5329—1569, also offenbar ein Druckfehler, da L. 1549 starb. Wunderbar (im L. B. d Orients 1849 col. 87) emendirt:ט׳ שנים ו ק פ" ט מחוורים; Bub er (in Levita's Biographie S. 29) las in der ältesten Edition (Jsny 1541) ק״ץ מחזורים פדות י״ט שגים. Da Wunderbar den L. 1471 geboren sein läßt (ibid. col. 50), so hat L. obige Notiz im Art. דור im 70. Lebensjahre geschrieben; nach Buber, der das Geburtsjahr L.'s 1468, oder 1469 bestimmt, hätte L. die Notiz im 73. oder 72. Jahre geschrieben. Die auffallende Angabe von צמח דיד und חדורות D, daß L, den Tischbi im 40. Lebensjahre verfaßte, mag vielleicht aus Levita's Worten im Vorwort (דקדמד בדחוד) also lautend: כבר עברו רוב שנותי entstanden sein; 5 Jahre nach der Lebenshälfte d. h. 5 u. 35 I. sollten hier gemeint sein. ט. Im Art. טעד sieht man, wie L. auf sein Gedächt- »iß sich verlieb, das ihn! aber nicht immer treu blieb, so läßt er die bekannte Mischnah:eile also lauten: ירבעם טעד והטעה את אחרים. Unter טבע bemerkt er: Was die Rabbinen sagen לא ישגה אדם ממטבע שטבעו חכמים פירוש הברכות והתפלות שתקנו חם so wird ja allgemein die Talmudstelle aufgefaßt: ich war daher überrascht, als ich den Commentar des Salomo Syceler (in der Mainzer Jernschalmiausgabe) las, daß die שינוי הטבע nur bei Genüssen von Eßgegenständeu, nicht aber bei תפלה verboten ist. Ich bedauere, die Stelle nicht näher anzugeben, da ich das betres. Werk nicht zur Hand habe: sie kömmt im Perek כיצד מברכץ vor; der Herausgeber des Werkes hätte ja somit einen Anspruch aus die Dankbarkeit der Resormparthei! ׳. Ueber יצב sagt L. ולא מצאתי לו דומה בכל התרגום auch hier führt Buxtors das Targum zu Sach. 12, 14 an, wo das Verbum vorkönimt. כ. Auch der Art. ברכום ist wichtig für die Zeit der Absaffung des Tischbi; er erzählt, daß die Juden in Venedig inl I. 1496—רגו gelbe Hüte trugen und daß er, L., auf dieses Jahr einen פרט machte. Da L. 1468 geboren ist, so war er 28 I. alt, als jene judenseindliche Verordnung erlaffen wurde und 12 oder 42 Jahre nachher, schrieb er diese historische Notiz._(Schluß folgt.) Literaturbericht. Rerenfionen. Aus polnisch-jüdischer Literatur. Gar viele un gehobene Schätze für Leben, Dichtung und Geschichte ruhen noch im jüdischen Osten, im Boden des polnifch-russischen Judenthums. Aber nicht Alles, was aus dem Getriebe jener Gegenden hervorgeht lind ans Licht der Oeffentlichkeit gezogen wird, ist es auch werth, und nicht Jeder, der zu diesem Geschäfte sich erwählt fühlt, ist auch dazu berufen. Es ist wahr, selbst die nakte Wirklichkeit, die bloßen Vorgänge dieser unbekannten, von mehr als einer ׳Nacht gedrückten Kreise haben Bedeutung und selbst Wichtigkeit für uns, wir haben an derartigen Darstellungen noch durchaus keinen lieberfluß, aber es gehört eben mehr dazu, als man gemeiniglich annimmt, das Leben, wie es ist, zu schildern, naturgetreu zu zeichnen ist eine gar schwere Kunst. Gleichgültige oder verzerrte Erzählungen und Schilderungen sind werthlos und, da sie in diesein Falle zur Häufung oder Bestärkung von Vorurtheilen dienen, sogar schädlich. Wie kann das Gleichgiltige schädlich sein? Dadurch, daß ein gewöhnlicher, im Rahmen der ihn umgebenden Verhältnisse durchaus begreiflicher Vorfall mit dem Anspruch auftritt, als Maßstab, als Kennzeichen für das Leben einer ganzen Gesellschaft ausgesaßt zu werden, dadurch, daß ein Bruchstück die Erkenutniß des Ganzen, eine Einseitigkeit ein Gesammtnrtheil darstellen soll. Nur wer mit dem Auge des Dichters ausgestattet wurde, sollte daran gehen, die Vorgänge um ihn her aufzuzeichnen, denn nur dann wird es ihm gelingen, die unzusammenhängcnden Einzelnheiten als ein Ganzes, Ungetheiltes darzustellen, die Ursachen neben den Erscheinungen hervorzukehren, die Ereigniffe begreiflich zu machen und so durch eine gerechte Vertheilung von Licht und Schatten selbst das Herbe und Abstoßende des Lebens erfreulich zu ntildern, die gemeine Wirklichkeit erklärend zu adeln.

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