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Das jüdische Literaturblatt · 1876-09-01 · Nr. 17. (1.9.1876) · p. Seite 66

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
5 (1876)
Issue
Nr. 17. (1.9.1876)
Date
1876-09-01
Page
Seite 66 (sequence 2)
Language
German
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66 tion nichts weiter ist, als die Geburt eines unbefruchteten Ei's. Unwillkührlich erinnert man sich hierbei, daß die Hindus ihre Töchter vor Eintritt der Reinigung verheiratheten. um ״einem Kindesmord" zu entgehen. Warum aber soll die Frau bei der Geburt eines Mädchens (nach Leviticus c. 12, 5) doppelt so lange unrein sein? Sind die Frauen unvollkommenere Geschöpfe, hat die Natur ihre schöpferische Kraft nicht voll walten lasten, wenn sie ein Mädchen hervorbringt, wie es ebenfalls, wenn ich nicht irre, bei den Juden angenommen wird? Oder sollte die Frau, die der Erde (und NB. auch dem irdischen Treiben) soviel näher steht, als der Mann schon bei der Geburt eine soviel größere Menge irdische Unreinigkeit mit zur Welt bringen? Jedenfalls liegt hier ein interessantes Problem vor, und das der Untersuchung nicht blos werth ist, sondern sie unbezwinglich heraussordert, um im Geiste des großen Hygienikers zu arbeiten, der für den wichtigsten Theil der Medici», für die Prophylaxe der Krankheiten, mehr gethan hat, als irgend ein Arzt oder Gesetzgeber vor oder »ach ihm. (Auch die Weisen des Talmuds bemühen sich, dieses Problein zu lösen; siehe Tract. Niddah p. 30 b, wo dies als mit der Bildung des Embryo zusammenhängend erklärt wird. Ferner sind die Erklärungen Nachmani's und Sforno's hierüber (Pentateuchcoinment. z. St.) — beide wa^en Aerzte — von Sachverständigen näher zu untersuchen. Red.) Wie hat R. Akiba den Amhaarez abgestreift? Die in Jerusal. Talnmd Nasir P. 7 H. 1 und mit einigen Parianten Semachoth P. 4, Derech Erez Suta P. 6 angeführte Aeußerung R. Akiba's כן היתד, תחילת ותשמישי לפני חכמים (Gemach.תחילת זכותי) wird gewöhnlich (auch von Frankel 120 דדכי חמשנח) als eine Relation bezeichnet, in welcher der Beginn der Studien N. Akiba's geschildert wird. Aber weder תשמיש noch זכות bedeuten Unterricht, wie denn משמש ת״ח mehr die durch nähern Umgang mit frommen Gelehrten herbeigeführte Läuterung der Formen und Sitten bezeichnet, als die Zunahme des Wissens. Zudem wird Aboth di R. Nathan K. 6. ins Detail hinein beschrieben, wie R. Akiba in: Alter von 40 Jahren mit dem Lesen begonnen habe. Auch die Erklärung (פירוש Jerusal. Nasir l. I), daß damit gesagt sein soll, er habe zuerst נמילות חמד geübt, befriedigt nicht, da vielmehr der Nachdruck, vielweniger auf die That an sich — daß er den Leichnani so weit getragen, — als vielmehr aus die Nutzanwendung des ihm dafür von R. Eliefer und R. Josua ertheilten Verweises gelegt zu sein scheint: «אמרתי אם בשעה שנתכוונתי לזכות נתחייבתי, כשעת של נתכוונתי לזכות על אחת כמה וכמה —• Vielleicht daß folgende Erklärung befriedigender erscheint und neben dem Aufschluste über den Bildungsgang R. Akibas zugleich einen erläuternden Einblick in die Zeitverhältniste gestattet. Der Haß der עמי הארץ gegen die חכמים, den auch R. Akiba in sich genährt zu haben bezeugt (Peßachim 496), der von den Gelehrten mit gleicher Münze zurückgezahlt wurde (ibid.) erscheint sonst durch Nichts begründet. Sociale Antipathien allein genügen zur Erklärung unisoweniger, als Reich und Arm auf beiden Seiten gefunden wurden. Das אין בוד ירא חטא scheint aber, Aufschluß zu geben,?licht die Unwistenheit — oder sie nicht hauptsächlich — bezeichnet das Wesen des Anihaarez, sondern die Verachtung vor dem ganzen Streben der Chachamim. Diese wollten jede Lebensregung in gesetzlichen Formen halten, das Gesetz zur steten Richtschnur erheben — und nur zu diesem Zwecke empfohlen sie Lernen und Studium. Der Amhaarez dagegen wollte frei seinem Willen gehorchen. Ihm schien es genügend, wenn er seines Herzens Regungen Folge leistete. Da klaffte der Abgrund. Was der Ainhaarez in bester Absicht gethan, ward von den Chachamim als Vergehen, als Sünde, als Verletzung eines Gebotes bezeichnet. Und so erwuchs der Haß gegen die widerwärtigen Zuchtmeister, die ewigen Tadler und andererseits gegen die das Joch des Gesetzes 0011 sich Werfenden. Obschon R. Akiba nun — durch äußere Verhältnisse beeinsiußt, denn die Einwirkung seiner Gattin wird wohl nichts in's Reich der Fabel zu verweise» sei» — schon soweit vorgeschritten war, daß er Schüler der beiden Tanaim geworden, hatte er doch in sich den alten Amhaarez-Gedanken noch nicht niedergekämpft: Wozu all' diese Gesetze — der das Gute wollende Mensch übt auch ohne sie das Gute! Da aber hat in edelster Absicht er die verlassen gefundene Leiche hingetragen zur Grabesstätte — und mußte den Lehrern zugestehen, wie er dabei Gesetz und Sitte und die Achtung vor dem Todten gröblichst verletzt habe. Das erst trieb den Amhaarez-Gedanken aus; das erst machte ihm zu einem eifrigen Anhänger und Förderer der Gesetzesdeutung und Vermehrung. Von nun an war er משמש ת״ח, war er bemüht, auf jedes Thun seiner Lehrer zu merken, um zu lernen, wie sie die Gesetze und Lehren bethätigten. Daher erklärt sich denn auch, wie eben R. Akiba es ist, der als seine Ueberzeugnng ausspricht לימוך גךןל שהלימוד מביא לידי מעשה (Kidduschm 40a.) Es ist dies der strikte Gegensatz des Amhaarez - Gedankens: Nur durch das Kennen des Rechts kann das rechte Thun erzielt werden. Damit wird aber zugleich die ganze Lehrweise N. Akiba's begründet. Wohl hat Graetz (I V 54 ff) recht, daß dieses Lehrsystem mit vollem Bewußtsein auf gewiffen Principien aufgebaut war. Aber nicht, wie es scheint, sind aus den Wort- und Satzsormen ihm die Gesetze aufgedrängt worden — sondern eben das seiner innersten Ueberzeugung entsprechende Begehren das ganze Leben durch Gesetze einzuzäunen, machte es nothwendig, für diese Gesetze Anhaltspunkte im Schrift-^ Worte zu suchen, daß diese seine Grundanschauung R. Akiba nicht blos zum Mehren, sondern auch zum übersichtlichen Ordnen der Halacha's anspornen mußte, ist leicht ersichtlich. Zum Schlüsse noch die Bemerkung, daß mir außer Frankels דרכי המשנה und Graetz's Geschichte, keine Forschung über R. Akiba und seine Zeit zugänglich gewesen, nach denen ich meine Ansicht hätte modificiren oder eweitern können. vr. Lewin, Koschmin. Die Bücher Gfra und Nehemia Bon Dr. A. Rosenzweig, Rabbiner in Birnbaum. Einleitung. Die Bücher Esra und Nehemia gehören zum dritten Haupttheile der altt. Schriften und wurden von Alters her als Eines betrachtet. (Das Nähere s. in uns. Schrift: Zur Einl in die Bb. Esra und Nehemia §. 1.) Ihrem Inhalte nach zerfallen sie in 4 Haupttheile und zwar: 1) Esra, C. 1—6 mit der Geschichte der Wiederherstellung der Theokratie; Zerubabel, ein Nachkomme des Davidischen Hauses, und Josua, der Priester, sind die Vertreter dieser Zeit; 2) Esra 7—10 mit der Geschichte von dem Ausbaue des inner» rel. Lebens; Esra der Priester, steht an der Spitze der zweiten Expedition; 3) Nehemia 1—7 von der Kräftigung des politischen Lebens unter Nehemia und 4) von der Verinnerlichung des rel. Lebens durch die vereinte Wirksamkeit Esra'S und Nehemia's, der Vorläufer der soserischen. Zeit. — Verfasser und Abf a s s u n g s z e i t. Vier Verfasser waren zu vier verschiedenen Zeiten an der Abfaffung unserer Bb. betheiligt: 1. Der Chro- »ist (350 — 200, das levitische Oberhaupt einer Sängerordnung) schrieb als Fortsetzung zu seinem Werke Esra 1, 1—6, 22; 7, la, 6-10, möglicher Weise auch 11—26: 2. Esra

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