Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 5 (1876)
- Issue
- Nr. 17. (1.9.1876)
- Date
- 1876-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Wische LitmtmMt. \י ־׳/ Jur Beleuchtung oder Juden- U)um u. Juden betreffenden 11terarlschen Erscheinungen auf dem Aeblele der Ptzilosaptzle.Geschichte,Lttznographie,TI>ealogle, Irleutalla, Exegese, Homiletik, Liturgik, Pädagogik. I _/ Herausgegeben von Rabbiner Dr. Moritz -kahmer Magdeburg, 1. September 1870. Bicher der einschlägigen Literatur, welche der Ned. des ״Jüd. ffiteraturdiott" in Magdebnrg («der der «Israel, «ochenschr.- in Stettin) zngesandt werden, finden in diese« Matte eingehende Besprechung. Nr. 17 Erscheint mt.ulS. de» Monats. Preis pro Jahrgang 4 Mark. Für die Abonnenten der ״Israel. Wochenschrift" (die jährl. 9 Mark kostet) g r a t i S. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen; in Leipzig durch Robert Friese. 5. Jahrgang! Bibel und moderne Wissenschaft. Bon Kreisphysikus Dr. Kornfeld in Wohlau. HI. Die Bestimmung des Menschengeschlechts auf Erden, über die so viel geschrieben und gesprochen ist, die von noch viel Mehreren als unlösb ares Räthsel des Lebens aufgefaßt wird, ist ganz klar in der Bibel ausgesprochen. ״Seid fruchtbar und mehrt Euch." Dies ist auch der Segen, den die Bibel auf die Besolgung der göttlichen Gebote verheißt. Freilich, wer keinen Segen darin erblickt, für den ist er allerdings auch unnöthig, über die Nützlichkeit dieser Gesetze nachzudenken, und es wäre thöricht, mit ihm darüber zu streiten. Genug, daß es sich theils direct, theils indirect nachweisen läßt, daß die Gesetze der Thora den Juden die Freude machen wollten, Kinder und Kindeskinder zu sehen. Es ist bekannt, daß sich unsere Nation Gott sei Dank immer durch Fruchtbarkeit ausgezeichnet hat, und daß unter allen Drangsalen den Juden wenigstens d i e Hoffnung geblieben ist, was sie nicht erreicht haben, würden einst doch wenigsteus ihre Nachkommen genießen können. Für ein solches auf die Vermehrung zielendes Geses haben wir vor Kurzem (in Grätz' Monatsschrift 1876, S. 169) den Nachweis zu führen gesucht, nämlich für die Beschneidung*). Es ist uns allerdings nicht unbekannt, daß manche Gesetze der Thora nur für opportun, für Palästina berechnet erscheinen. So haben ja auch die Propheten zum Theil den Opferdienst für nicht unbedingt und allezeit nöthig gehalten. Aber jede Abweichung von den strikten Geboten Moses scheint uns recht oft durchdacht werden zu mvffen, ehe man sich entschließt, sie anzunehmen, die Thora zu verbeffern. Der ursprüngliche Gedanke der Menschen hat immer etwas von dem unbewußt richtigen Jnstincte des Kindes, das von der Bläffe der Reflexion noch nicht angekränkelt ist. Dauernd zu unserem Besitze können wir eine Idee allerdings nur dann rechnen, wenn sie die Probe des Verstandes und deS Experimentes ausgehalten hat. Aber ob wir die Ideen der Bibel für intuitiv gefundene Wahrheiten, für angeborene Ideen im Sinne der Philosophie, oder für göttliche Offenbarungen *) Es ist höchst auffallend, dah die Beschneidung im V. Buche ebensowenig erwähnt wird, wir die Gesetze über Niddah. halten, immer werden wir nicht willkührlich eins für unbedeutender hätten dürfen, als das andere, weil wir zufällig z. B. durch verbefferte Instrumente einen anscheinend selbst weiteren Blick wie MoseS in die Naturgesetze bekommen z« haben glauben. Es wirkt wenigstens tomisch, wenn Viele gegen die Gesetze der Juden eifern, die z. B. den Normal-Ruhetag, btzti siebenten Tag pure, ohne Nachdenken als richtige Pause nehmen und noch durch Einführung eines Normal-ArbeUStages dieses Gesetz üervollständigen wollen. So haben vielleicht die Opfer noch eine Zukunft. Denn der Mensch braucht einmal sinnliche Substrate für seine Empsindungen. Der Anblick des Blutes wirkt aber in einer ganz eigenthümlichen Weise auf uns, wenn auch vielleicht unser Gefühl, und noch mehr das der Herren vom Kriegerhandwerk sich abgestumpft haben mag. Man erinnere sich an den coloffalen Umschwung aller der Gefühle eines im höchsten Zome befind» lichen Menschen, wenn er das Blut seines Feindes fließen sieht! Doch, um die Anwendung des Vorstehenden auf eine Reihe bestimmter Gesetze zu machen, betrachten wir die Absondeningsgesetze für die Frauen zur Zeit der נדה. Zweierlei erscheint uns vom medicinischen Standpunkte an ihnen der Bewunderung würdig: 1) die Art der Absonderung, 2) die Auffaffung der Unreinheit. Die Strenge, mit der jede Berührung untersagt ist, der Ernst und die nichts zu wünschen übrig lastende Vollständigkeit der Maßregeln zur Verhinderung einer Uebertragung des praesumirten Ansteckungsstoffes ist hier, wie auch gelegentlich des Aussatzes, des unreinen Fluffes, der unreinen Thiere, Cadaver, mustergültig für jede Polizeiverordnung bei ansteckenden Krankheiten und verdient das Lob: tutc>, cito et — im Vergleich mit unfern DeSinfectantien (Carbolsäure 2c.) — wenn nicht jucunde, so doch wenigstens sine odors. Daß die Absonderung nach der Geburt Zersetzungsstoffe mit sich führt, ist wohl jedem Laien bekannt! Sie schafft die abgestorbenen Theile des Ei's und des Fruchthalters fort, um die Wiederkehr der Theile in ihren früheren Zustand zu ermöglichen. Das aber war bis auf die allerjüngste Zeit noch selbst den Gelehrten unbekannt oder wenigstens höchst problematisch, daß die Menstruations-Producte dieselbe Dignität zu beanspruchen hatten, wie die obige Absonderung. Daß die Menstrua-