Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 5 (1876)
- Issue
- Nr. 15. (1.8.1876)
- Date
- 1876-08-01
- Page
- Seite 59 (sequence 3)
- Language
- German
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59 gerichtet, um das Bekenntniß des wahren Gottes, des Welten-! schöpsers, des Gottes der Liebe, wie seine Anbetung und; Verehrung aus Liebe zu ihm hervorzukehren, — die Anbetung j des jüdischen Gottes in jüdischer Weise, in jüdischem Geiite. > Alzey. vr. Rothschild. Literarische Notizen. Von vr. L. Lewysohn, Rabbiner in Stockholm. (Fortsetzung aus No. 12 ) 14) Der Vers 2. B. Sam. 17, 3 bereitet bekanntlich den Exegeten viel Schwierigkeit, namentlich sind es die Worte: V'trn כשוב הכל (wo die beiden letzten Wörter durch die Regina getrennt sind), welche die Uebersetznng erschweren. Wir erwähnen beispielshalber nur der LXX., welche כשוב הכלה לא האיש (wie die Braut zum Manne zurückkehrt) gelesen zu haben scheinen; Andere suppliren במות oder בהכות oder מלבד (seil. האיש; u. s. w. Philippsoll hält die Erklärung Abarbanels für ״zu künstlich", während sie mir als die ein jachste erscheint. Ich besitze leider Äbarb. nicht und weih daher nicht, ob er aut die in den bibl. Schrislen h äufige Eigentbümlichkeit ausmerksam macht. Wir meinen die Eigenthüiniichkeit, den letzten Buchstaben des vorhergehenden Wortes zum folgenden (wie ebenso hänftg den ersten Buchst»- den des solgenden Wortes zum vorhergehenden) Worte zu ziehen. Die Beiipiele sind zahlreich, ich will aber hier nur auf Ps. 114, 2 verweisen. 3«יהודה לקדשו ישראל ממשלותיו ist der Buchstabe ל aus ישראל zu ממשלותיו zu ziehen, parallel ״ :לקדשוJehuda ihm zum Heiligthum, Israel ihm zur Herrschaft." Ebenso muß hier ל aus הכל zu האיש gezogen werden. Der Sinn ist: Ich werde das ganze Volk D i r zuwenden, ivie Alles dem zugewandt ist, den Du suchest; das ganze Volk wird im Frieden (oder: friedlich) sein. — Man braucht somit nichts zu suppliren und nur den häufigen Sprachgebrauch anzuwenden. 15) Der sel. Heidenheim erklärt in seiner Machsorausgabe im Nischmatgebet das undageschirte מ im Worte המנהג also: הפו רפה כמו המטהר (ויקר׳ י״ד. י״ א) והן משפט הלשון להרפות המי כשם' הפעל בפתח; abgesehen, daß das Beispiel von המטהר nicht zutreffend ist, da hier מ (?) ein Patach (?) hat*), so fehlt auch das Dagesch im מ in המהולל המבורך המקרה «. dgl., obwohl der erste Radical des Verbums kein Patach hat; der Grund ist einfach, daß niemals das präformative מ vor Piel und Pual Dagesch hat, weil, wie Gesenius (Gram. §. 20, 3. Anm.) sagt, die V e r d o p p elung hier wenig hörbar ist. 16) In der Hagada-Ausgabe des אלחנן שגאטיך (Offenbach תקמ״ח), welche laut Titelblatt die Erklärungen des Abarb, Alschech, rc. rc. sammelt, heißt es im Stücke: : כי לו לו לשון נסתר י * י נגד תורה שבכתב עם ל״ה מסכתות נאה שעליה: wie läßt sich die Anzahl 35 erklären? Sollte der Vers, (oder die Quelle, aus der er nachschreibt) an die mit Gemara versehenen Tractate denken, so sind ja auch solche 36 (da Tamid bekanntlich, als nach R. Aschi verfaßt, dazu nicht gerechnet wird). Vielleicht zählte der Verf. Tamid mit, hielt aber die drei Baboth jür einen Masechta (s. B. K. 102, a). Eigenthümlich sind die Abweichungen Betreffs der Anzahl der Talmudtractate. שפתי ישיניס (S. 15, b) sagt: ובהם ם״ג מסכתות וסימנך לבך יהא ג״ם בהן: dagegen Jacob Reifmann im מאמר משלח מנות S. 50, כל המונה מספר למסכתות התלמוד דואה כרגע כי הן ששים ואחת, diese Anzahl giebt auch Maimuni an, da er die drei Baboth alseine Masechet rechnet, (s. deffen 8) צמח דוד .(מבוא התלמוד. V. *) Der geehrte Herr Einsender scheint übersehen zu haben, daß das von Heidenheim «IS Analogon citirt« Wort in dem angef. Verse zweimal vorkömmt, und daß H. dazuerst stehende im Auge hatte. (Red.) רב אשי) führt beide Relationen an. Scherira Gaon drückt sich aus: שהם כמו ם׳ מבבתות; man sollte doch endlich darin. zu einer festen Norm gelangen. (Forts, folgt.) Literaturbericht. Necenfionrn. Lebens- und Charakterbild Baruch Spinoza'S von Kngo Hiusberg, vr. pkil. Leipzig 1876. E. Koschny L. Heimann's Verlag. Die Besprechung Spinoza'S, seines Lebens, seines Charakters, seiner Philosophie ist jetzt zeitgemäß, denn es wird beabsichtigt, Ansangs nächsten Jahres zur Feier seines 200jährigen Todestages ihm ein Denkmal zu setzen. Wäre Spi-. noza nicht Jude, der literarische Markt würde schon mit Schriftwerken über ihn überschwemmt sein. Bis jetzt aber hat sich kaum eine Feder dafür in Bewegung gesetzt. Die Tagespreffe hüllt sich in vornehmes Schweigen, von christlicher Seite wird er fast ignorirt und von orthodox-jüdischer Seite geschmäht. Sp. ist inrmer noch wenig gekannt, von Vielen wird er verkannl. Man nennt ihn höchstens einen großen Sohn Jsrael's, und doch hat er eine w e l t-historische Bedeutung. Diese aber will man einem Inden nicht gönnen; darum ist es recht, daß wenigstens Juden der Person und Sache Spinoza'S ihr Interesse widmeit Wir heißen darum vorliegendes Schriftchen willkoinmen. Nach eignem Geständnisse des Verfaffers werden hier keine neuen Forschungen geboten, aber doch enthält daS Büchlein manche bedeutungsvolle Bemerkung. Selbst aber daS Bekannte ist Vielen unbekannt; es muß daher gesagt und oft gesagt werden. Gelehrte selbst sind nicht ausgenommen, welche Sp. oft nur den! Namen nach kennen und voll Vorurthäl gegen, voll falschen Urtheils über ihn sind. Besonders aber das Interesse des Volks, des gebildeten natürlich, ist für ihn wachzurufen; deshalb thun solche Schriftchen populärer Art noth. Eine ausführliche Kritik ist hier daher nicht angebracht, nur Einzelnes wollen wir berühren, um unsere Achtung vor der Schrift an den Tag zu legen. Christen halten Sp. vielfach für einen Kabbalisten. Freilich — die Kabbala ist auch Philosophie, zunächst nicht einmal eine mystische. Aber auch die Mystik kann Philosophie sein, wie die Scholastik beweist, und wie die Scholastik das dainalige Christenthum, so beherrschte die Kabbala das damalige Judenlhum. Daher kam es, daß Reuchliu den Talmud studirte und schätzte, um den geheimnißvollen N0N88N8 des Judenthums, wie er sagte, kennen zu lernen und gegen den des Christenthums zu bemessen. Aber ein Anhänger der Kabbala war der klare Kopf Sp.'s nicht. In der Mystik Sp.'s liegt iricht seine Abweichung von Cartesius, denn dieser war mehr Mystiker als jener. C. war inimer noch zu sehr von der Dogmatik des Christenthums bedangen, um in gleicher Weise klar und unabhängig zu de»׳ ten wie Sp. — Die Opposition Sp.'s gegen das Judenthum lag durchaus nicht, wie angenommen wird, in dem übertriedenen Ceremoniendienst der in Holland eingewanderten Pole». Auch die Portugiesen glichen damals nicht den indifferenten Reformern unserer Tage. Man kannte damals nur den G e i st der Ceremonien nicht, erforschte, lehrte und beachtete ihn nicht. Dies ries die Opposition des Denkers hervor. Die Mendelssohn'sche Periode rief eine gleiche Erscheinung hervor, die ebenfalls zu Abfall führte. Aber weder offenes Bekenntniß der abweichenden Ueberzeugung, noch thatsächliche Beweise abweicheuder Lebensführung hätten Sp.'s Ausjchließung veranlaßt, denn Glaubensverfolgunge» sind dem freidenkenden Judenthum nie eigenthümlich gewesen, wenn nicht die Kirche die freie Richtung bei Christen und Juden unterdrückt hätte. Cartesius und sein Anhang wurde verfolgt, und so wurden auch die Juden zur Verfolgung Sp.'s veranlaßt, nicht blos indirekt, sondern direkt, und die Juden gaben nach — des Friedens