Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 5 (1876)
- Issue
- Nr. 15. (1.8.1876)
- Date
- 1876-08-01
- Page
- Seite 60 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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60 wegen. So erklären sich die Ueberredungsversuche, die Aner- . bielungen von Geld, und als diese bei Spinoza fruchtlos blieden, während Cartesins aus Furcht und alter Gläubigkeit revocirte, traten Spionage und Dolchstöße hinzu. Sogar der Magistrat wurde durch die Geistlichkeit, — zwar die reforwirte, aber auch diese war nichts weniger als freisinnig, — gedrängt, Sp. der Stadt zu verweisen. Sp.'s Auslastungen über das Judenthum sind mehr aus Unkenntniß. als Rache zurückzuführen. Auch den Prozeß gegen seine Geschwister strengte er nicht aus Roche, sondern des Prinzips wegen an. Die Liebe Sp's zur Tochter seines Lehrers verweisen wir noch nicht in's Reich der Märchen. Wir wissen, daß die neueren Historiker die Thatsache leugnen und sogar als unmöglich darstellen; aber es fehlt der Nachweis für den Grund und die Entstehung des Märchens. Interessant sind die Mittheilungen (S. 26) von dem zeitgenössischen Volksurtheile über Spinoza und S. 42 der Hinweis auf die Uebcreinstimmung des spinozistischen Gottesbegriffs (das ״Sein") mit dem Je- Hova-Begriffe (ElgI des Judenthums. A. — Dr. R. Die Geburtshülfe bei den alten Hebräern von L. Kottekmau« rc. Marburg, Elwert'sche Berlagsbuch- Handlung 1876. Wiffenschaftliche Monographien, wie die vorliegende, haden immer ihren dtutzen; sie sammeln die Steine für den spätern Bau. Unter den hier gesammelten Steinen sind indeß auch manche brüchige. S. 4 ist bei פת das arabische Analogon falsch angegeben; wohl ein Druckfehler. Indeß ist ."Dp (קבתה) Num. 28, 8 nicht Vagina, sondern Bauchhöhle (Onkel. למעהא) nicht von נקב abzuleiten, sondern wie תקבת ibid. von קבב, dem arab. Kaaba und Alcoven und dem lat. eava, dem deutschen Kübel, Küfer, entsprechend. S. 11, Anm. 99 bedeutet הטיילין nicht ״junge Leute", sondern ״müßige Leute", Spaziergänger, welche nicht durch Arbeit ihre Kräfte aufreiben. S. 13 Anm. 121: Die Polygamie war wohl gesetzlich gestattet, nur principiell die Monogamie empsohlen, wie die Erzählung von der Schöpfüng des Weibes darthut. Die betreff. Stelle im Deuteronomium verbietet nur dem Könige die Harem-artige Häufung von Weibern. S. 43. Die Anwendung von Steinen als Schneidinstrumente kam nur bei heiligen Operationen vor, wie bei Zipora und Josua Be- Hufs der Beschneidung, auch bei den Römern noch Behufs der Opferung (inter saxa et s&cra) Sonst gebrauchte man Metallmeffer. Der Religion gegenüber zeigte mau sich zu allen Zeiten conservativ und sah die Metallmeffer als Neuerung an. S 41 erinnern uns die heidnischen Amphidromien, wobei das neugeborene Kind um den häuslichen Heerd getragen ward, an den Gebrauch des Hvlekreis (wohl ״Hohlkreis"), gleichsam ein Zauberkreis zur Abhaltung der Dämonen, mit kabbalistischer Beimischung, ursprünglich aber ein Zeichen der Aufnahme in den Familien- und Freundeskreis; andere Ableitungen, wie חול״ — Kreis", oder שם חול״ kreischen — ausrufen" sind weniger annehmbar. — In dieser Monographie ist nur der biblische Stoff behandelt, der talmudische wird auch einige Mal berührt. Diese Aufgabe vollständig zu behandeln, bleibt noch Vorbehalten. Es würde sich lohnen, die Medicin der jüd. Vorzeit zu erörtern, wie überhaupt das jüdische Alterthum wiffenschaftlich zu erforschen; neben der Medicin auch die Jurisprudenz, denn unser nwdernes Recht beruht noch vielfach auf heidnischer Grundlage — zum Nachtkeile des Rechts. Zur Medicin würde dann auch die Vcterinärkunde gehören. Dies wäre wieder von Bedeutung für die rituelle Untersuchung des Schlachtviehes. Denn von den früheren Ansichten über Krankheitserscheinungen des Viehes mag Manches veraltet sein, die Hauptansicht aber steht fest, daß die meisten Krankheiten in den Zuständen der Lunge begründet sind, weshalb diese zunächst und stets der Untersuchung unterworfen ist. A M«rks»ß» und Wir. W»kf, Auswahl alter hebr. Synagogal-Melodien: in genauem Anschluß an ihre originale Gestalt für das Pianoforte bearbeitet und mit einer erläuternden Vorrede versehen. Leipzig, Breitkops <L Härtel. (Preis 3 M.) Bereits vor einiger Zeit ist in der ״ Isr. Wochenschrift" nach Berliner Blättern über einen von Hrn. W. Wolf in einer Musiker-Versammlung gehaltenen Vortrag über Synagogen- Melodien berichtet worden Dabei ist auch der rubrizirten Sammlung rühnrend Erwähnung gelhan. Der Hauptinhalt jenes Vortrags ist wahrscheinlich in der Vorrede wiedergegeben. Dieselbe behandelt die Frage über den Ursprung der üblichen hergebrachten ״Nigunim", welche neucrdings mehrfach erörtert worden und schwerlich endgillig zu lösen ist. Was die mustkalische Seite der vorliegenden Bearbeitung betrifft, so haben wir einen sehr competenten christlichen, aber mit den Synagogen-Melodieen bekannten Musiker um sein Urtheil gebeten; derselbe schreibt nun darüber: Auch vom rein musikalischen Standpunkte aus sei dieses intereffante Merkchen sowohl Juden, als auch Nichtjuden bestens empfohlen. Der eigenthüniliche Charakter der althebräischen Melodie» und der hinzugesügten charakteristischen Harmonie bietet nach jeder Richtung hin intereffanten Stoff zur Unter- Haltung und zum Studium. Die technischen Schwierigkeiten der Bearbeitung übersteigen nicht die mittlere Stufe, so daß auch die schwereren Nummern der Sammlung von Clavierspielern, die etwa die Mozart'schen Sonaten hinter sich haben, ausgesührt werden können. Uedrigens dient schon der Verl ag von Breitkopf & Härtel dem Werke zur Empfehlung. T. K«pka«> Abr.,דברי ימי יהודים וכר מאת ד״ר צבי גרעטץ (Heft 3—6). — Brüder Winter, Wien 1876. Vor uns liegen die ersten 6 Lieferungen, welche den dritten Band des Grätz'schen Geschichtswerkes bis gegen Ende des 13. Kapitels, sowie den größten Theil der Note I über die ״Fastenchronik" in hebräischer Uebersetzung wiedergeben. Was wir in Nr. 20 des Litrbl. vom vorigen Jahre über die ersten 2 Lieferungen mit lobender Anerkennung hervorgehoben x haben, können wir auch heute in vollem Umfange aufrecht erhalten. Der Uebersetzer ist sichtlich bemüht, der namhaften, ihm entgegenstarrenden Schwierigkeiten Meister zu werden, und daß ihm dies größten Theiles gelingt, verdankt er seiner großen Gewandtheit und Leichtigkeit im Uedertragen ebensosehr, wie der hingebenden, liebevollen Vertiefung in den ihm vorliegenden Stoff. Wie zu erwarten, ist ihm die Uebersetzung der Note trefflich geglückt. Man glaubt hier kaum noch eine Uebersetzung vor sich zu haben. Störend wirkt hier nur der Mangel an Akribie in der Wiedergabe der Citate. Die im Originale sich bereits reichlich vorsindenden Druckfehler (besonders im Griechischen) werden mit ängstlicher Treue wiederholt und noch um ein gut Theil vermehrt. Zu bedauern ist es ferner, daß der Uebersetzer das Kapitel über die Entstehung des Christenthums (das 11. der 2. Auflage) in der Uebertragnng gänzlich übergeht. Haben ihn die für Rußland maßgebenden Censurrücksichten daran gehindert V Sohrau O/S. Dr. I. Deutsch, Rabbiner. Durch dieselbe Buchhandlung erscheint gleichzeitig auch der I Band von Grätz' Geschichte d. I. in hebräischer Uebersetzung von K. S ch u l m a n n. Die Uebersetzung liest sich wie ein Original. Hr. Sch. bekundet sich zugleich als selbstständigen Forscher, er fügt hie tlnd da eigene Anmerkungen hinzu und läßt nlanche zu weit gehende kritische Note des Verfassers hinweg, oder referirt über dieselbe inhaltlich unter Hinwegütffung desjenigen, was bei den Lesern, für welche die hebr. Uebersetzung bestimmt ist, Anstoß erregen könnte. Der Uebersetzer bekundet hierbei entschieden viel Tact in den 2 uns vorliegenden Heften. — Der Winter'schen Buchhandlung gebührt für die rüstige Fortführung dieses Unternehmens der Dank aller Freunde der hebr. Literatur. Red. _ Dr. R— A. Verantwortlicher Redacteur: Dr M. Hlahmer. &tuct von L. ^charnke in Barby. Vertag: Robert Fries« in Lnpjig.