Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 5 (1876)
- Issue
- Nr. 14. (15.7.1876)
- Date
- 1876-07-15
- Page
- Seite 55 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/5367336-5990818-5990983--0597-5367628- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Verfasser bereits S. 6 von einem Menschenpaare spricht und daran die sittliche Lehre der Gleichheit der Menschenracen knüpft, während er erst im folgenden Kapitel von der Erschaffung Adams und Eva's berichtet. Auch hätten wir gegen die Uebersetzung von תרדמה mit ״unruhige n Schlaf" Einwand erhoben, da dieses Wort ״tiefer Schlaf" bedeutet, vergl. 1 Mos. 15, 12, I Sam. 26, 12 ff. Jnteressirt hat uns 9iotc 3., Seite 22, wo mitgetheilt wird, daß im Jahre 1609 Pieter Jansen aus Hoorn (Holland) ein Schiff nach Angabe der Größeverhältnisie der Arche Noachs baute, welches, wie erzählt wird, zwar als Segelschiff ungeeignet erschien, aber mehr Tragfähigkeit als andere Schiffe gleichen Jnhals besaß. Eine Bemerkung aber, die weniger an den Verfasser als an den Herausgeber gerichtet ist, können wir nicht unterdrücken. Wir meinen die Illustration, die Adam und Eva darstellen soll. Wir können uns darüber nicht klar werden, was dieses in grobsinnlicher Fleischfarbe dargestelltc Paar bedeuten soll. In welchem Stadium des Lebens befindet es sich? Vor oder nach der Vertreibung aus dem Paradiese? Das Ganze sieht mehr einer nwdernen, ritterlichen Entführung, als einer charakteristischen Vorführung des ersten Menschenpaares ähnlich. Auch das מגלה טפח ומכסה מפתים ist nicht streng innegehalten. Wir möchten den Herausgebern für die Folge warm empfehlen, die herrlichen Vibelillustrationeu von Gu 1av Dor4 zu Rathe zu ziehen. Im Uebrigen ist Ausstattung, Druck und Papier musterhaft Wir wünschen daher dem Unternehmer den besten Erfolg und dem gelehrten Verfaffer Kraft und Ausdauer, das schöne große Werk bald zu Ende zu führen. Cöln, Juni 1876. Rabbiner l)r. Frank. Le lettere dell’ alfabeto fenicio maestre di sapienza con aggiuntori un saggio d’ ideografia semitica di G. Barsilai, Dr. in legge, Trieste tipografia Morterra & ccmp. 1876, 80 pag. 8°. (Schluß.) Wie man sieht, wird der Verfaffer in seinen Behauptungen immer kühner, doch die stolze Zuversicht des Autors nimmt uns weiter nicht Wunder, denn zu den Beweismitteln dafür, daß der Anfangsbuchstabe den Sinn des Verses in nuee enthält, gehört auch z. B. die Antithese, vermöge deren der Vers manchmal das Gegentheil von dem bedeutet, was der Anfangsbuchstabe bezeichnet, wie in תשועת צדיקים מהי wo der Satz das Gegentheil von ת, also nicht Tod, sondern Leben z»l seinem Inhalte hat. Ein anderes Aushilfsmiitel, um Anfangsbuchstaben und Satzünn gewaltsam in Harmonie zu bringen, ist der Zahlenwerth des Buchstabens; so deutet das 1 in Kl. Cap. 1 זכרה ירושלם - - - ראןך; צרים שחקן על משבתיה angeblich auf den 7. Wochentag, den Sabbach, hin, und der Sinn des Verses ist: die Feinde sehen Jerusalem und spotte» seiner Sabdathe, — indem sie die Sabbathseier der Belagerten zu erfolgreichen Angriffen benutzen. Dergleichen tischt der Vers, nicht etwa als Midrasch oder als kabbalistische Spielerei seinen Lesern aus, sondern als gesunde Exegese! Das gelungenste Beispiel der Barsilai'schen Zukunflsexegese aber ist die Erklärung (S. 17) zu Spr. 31, 27 צופיה הליכות ביתה ולחם עצלות לא תאכל• Der Satz begmnt mit צ, es muß also etwas vom Gaumen, vom Gefchmackssinn in diesem Verse enthalten sein. Ist es denn übrigens, fragt der Vers., logisch denkbar, daß der Dichter uns schließlich noch zun, Ueberfluffe sagen wollte, daß die biedere Hausfrau, dieses wahre Wunder von Thätigkeit und Arbeitsamkeit ohne Gleichen, das Brod der Trägheit nicht ißt? Nein, folgert der Autor aus dem צ, der Vers muß sich auf die Besorgung der Küche beziehen und עצל heißt in der Thatnicht sowohl träge als vielmehr geschmacklos, mithin heißt ״ ולחס עצלותund geschmacklose Speise" ״Was hältst Du davon, gütiger Leser?" fragt alles Ernstes Herr B., indem er selbstgefällig auf die ״Einheit" seiner Erklärung hinweist. Wir halten davon, daß dem Vers, trotz aller seiner Bemühungen, mit Hülfe des צ etwas Geschmack in seine Arbeit zu bringen, dies nicht im Mindesten gelungen ist. Dasind eben die Früchte der ersten fixen Idee, die in seinem Kopfe wurzelt oder vielmehr spukt. Eine zweite fixe Idee, von ähnlichem Kaliber ist die (S. 30) mit aller Entschiedenheit ausgesprochene Behmptung. daß die 22 Buchstaben in ihrer Wortbedeutung und Reihenfolge die Normen eines vollständigen Erziehungs- und Unterrichtssystems liefere. Da- Alphabeth wird nämlich vom Verf. in zwei gleiche Hälften zerlegt, von denen die erste mit ״ אלףErziebung", die zweite mit ״ למדUnterricht" beginnt, oder, wenn man will, überschrieben i!l. Nach א konnnt כ dann ג n. s. w., d. h. die Erziehung (א) beginnt im Haufe (כ) in der Kindheit (ג) zum Zwecke des körperlichen Gedeihens (ג), dann folgt der Ausgang aus dem Hause (ד) auf das unbebaute Feld (ה), das mit Hacke (ו) und Schneidewerkzeugen (!) bearbeitet werden muß und trotz aller Hinderniffe (ח) doch zuletzt einen Korb (ט) mit geschmackvollen Früchten (מ) liefert, nach der Ernte abermals Dünger (טיט ) benöthigt etc. Wir könnten dem geistvollen Verfaffer in der Deutung der Reihenfolge der Wochenabschnitte ein viel ausgedehnteres Feld für seine combinatorische Thätigkeit zuweisen und empfehlen ויצא וישלח וישב sind, wenn wir nicht irren, von einen! Prediger der ׳Neuzeit bereitzun, Losungswort der Jude» im Mittelalter gestempelt worden. Auch die Accente nach Namen und Anordnung sind schon längst in einem Appendix zu מג( אבות von רשבץ mit Bezug auf die wechselvollen Schicksale der Juden gedeutet, also ״ זרקא סגול מוגה וגוUmhergeschleudert wurde die Traube . (Israel) dann fand sie Ruhe" etc. Der Unterschied zwischen רשבץ und Dr. Barsilai liegt aber darin, daß ersterer nichts weiter als ein Spiel mit Namen und Worten vorzuhaben überzeugt ist, letzterer hingegen (S. 30) es als ״absurd" zurückweist, anzunehmen, daß die Reihenfolge der Buchstaben nicht alles Ernstes ein vollständiges System der Erziehung und des Unterrichtes enthält. Den Lesern, die es etwa wagen sollten, darüber ungläubig den Kopf zu schütteln, wird folgende Abfertigung zu Theil (S. 41): ״Jenen gegenüber — es sind dies nur sehr wenige und zwar die minder bedeutenden —. die für sich allein das Monopol des Wiffens gewahrt habe» möchten und unablässig das ״Odi profanum vulgus* anstimmen gegen Jeden, der da wagt, Aehren zu lesen auf einen, Felde, das, wie sie sage», ihr ausschließliches Eigenthum und Rechtsgebict ist, wollen wir uns auf einige Bemerkungen in Frageform beschränken Nachdem über de» Sinn der Buchstaben semitischen Alpha ets, als Worte betrachtet, kein Zweifel obwalten kann, besonders aber, nachdem wir denselben mit Rücksicht auf die alphabethifch geordneten Bibelverse sestgestellt haben, fragen wir: Ist es wahr oder nicht wahr, daß א und ל Erziehung und Unterricht bedeuten?" etc. Wir könnten dem Verf., der uns dergestalt die Pistole auf die Brust setzt, einfach erwiedern: Es ist nicht wahr, — doch wir ziehen es vor, aus das Dutzend vom Autor uns entgegengehaltener Fragen gar nichts zu erwiedern, da dieselben die Ehre einer Erwiderung nicht verdienen. Möge Herr Barsilai uns darüber nicht grollen. wir gehören nun einmal zu den unverdefferlichen Exegeten und Philologen der alten Schule. Nur noch einige Worte über den Appendix, der als Essay über die semitische Ideographie bezeichnet wird. Nachdem die Bedeutungen der einzelnen Buchstaben auf Grund der früheren Untersuchungen derart ״geregelt" sind, daß ein jeder derselben, wie aus der Tabelle S. 47 ff. hervorgeht, 3—10 recht allgemeine Bedeutungen vermitteln kann, folgt (Z. 49) die in einem anderen Sinne und in einer anderen Ausdehnung wohl annehnibare ״These", daß die Bedeutung des Buchstabens von entscheidendem Einfluffe bei der Schöpfung und allmählichen Ausbildung der Sprache gewesen ist. so zwar, daß insbesondere in den Anfangsbuchstaben der Wurzeln oder vielmehr in dem dominirendcn Tbeile jedes Wortes, der mehr oder weniger vollständige Begriff erhalten ist. Für uns ist es nun freilich nach den Regeln der Mathematik klar, daß ein dreibuchstabigeS Wort, deffen jeder Buchstabe nur 5 verschiedene Bedeu-