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Das jüdische Literaturblatt · 1876-07-15 · Nr. 14. (15.7.1876) · p. Seite 56

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
5 (1876)
Issue
Nr. 14. (15.7.1876)
Date
1876-07-15
Page
Seite 56 (sequence 4)
Language
German
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tungen hat, 125 verschiedene Begriffs Combinationen zuläßt, also mehr als nöthig, um jeden möglichen Sinn hineindeuten zu können; und doch nennt der Vers diese Art von Forschung eine festgeregclte, rationelle, höchst einfache, bei der nichts der Willksthr und dem Zufälle überlaffen bleibt. Im Jntereffe der Leser unseres Blattes können wir es uns nicht versagen, einige Beispiele dieser ״ideographischen" Wurzelhaichung hier anzusühren: רב (Resch Bet) Haupt des Hauses, Vit (Aleph Schin) glänzende Masse, אד (Aleph Valet) Maße, welche aufsteigt,!אד (Aleph Het) Genosse des Leibes, אל (Aleph Lamed) die Summe alles Könnens und alles Wiffens, בר (Beth Tau) Vollendung des Hauses.!2 (Ghimel Sain) reif zum Schneiden (Wolle), דם (Valet Mem) Flüssiges, das sich erhebt, דמע (Valet Mem Am) Flüssigkeit, die aus dem Auge sich erhebt, (פת (Pe Tau Nun Mund, Tod, Schlange) Hasilisk, ,נמלך Meisterin der Weisheit und Klugheit, בפיר unter den stärksten Thieren das erste, שקר kaltes Feuer, ein Lichtstrahl, der nur leuchtet, nicht erwärmt, daher — Lüge etc. Dieses hier zum ersten Male ״auf die semitischen Sprachen," wie der Vers, obendrein zu behaupten sich erkühnt, angewandte ideographische System der Worterklärung, hat angeblich (s. S. 67) zur unmittelbaren Folge, daß viele Worte wenn nicht zweifelhaften Sinnes, jedoch zweifelhaften Ursprungs dadurch aufgeklärt werden. Zum Belege hierfür hat der Vers, ungefähr 120 Worte ideographisch analysirt, doch — genug. Nakel. vr. Porges, Rabbiner. Ariifl, A., Rabbiner zu Kojetein. ׳מב1א המשנה Einleitung in die Mischnah, enthaltend das Leben und die Lehrmethode der Gesetzeslehrer von Esra bis zum Abschlüsse der Mischnah. I. Theil Frankfurt a. M. 1876. Selbstverlag des Versassers. (Im Commissionsverlage von Wilhelm Erras in Frankfurt a. Ri.) (Fortsetzung von Nr. 11.) Die Artikel von Jose b. Joeser bis zum Anfänge des ersten Tannaim-Geschlechts (S. 43) enthalten im Vergleiche mit der ״Hodegetik" Frankels vieles Neue und Interessante, auch neue Erklärungen schwieriger Stellen. Die אשבלת. den Satz von ׳כל דיקרב במותא die Tradition von במל את המעוררים (Sota 47), die Halacha von המים הבאות מאל כסנדריא (Tosesla Machschirin P. 3.), die Identität des יהודה ב) בבודה (Jerusch. Sota. Ende.) den Sinn der Sprüche von Josua b. Per. und Nitaj Ha-Arbeli, die Frage der Bne Bathyra, ob das Peßach-Opfer den Sabbath verdrängt, die Tradition von 'האי ארמא in Peßach, 3, 2. den Streit über die Semicha, erklärt der Vers. neu. Von Josua den Perachjah behauptet der V., daß er ein (בה gewesen (S. 20) unb nicht abgesetzt worden sei (S. 19), von Simon b. Schetach, daß er Salome's Tod überlebte und im Anfang der Regierung Aristobuls, vor der Belagerung Jerusalems durch Hyrkan gestorden sei (S. 24), bestreitet, daß R Jehuda b. Bathyra 1 zur Zeit des Tempels lebte. Besonders sieht man aus diesem flüchtigen Ueberblick schon, daß der Vers, selbstständig geforscht und die schwere Mühe des Materialsammelns nicht^ gescheut hat, so darf man daraus schließen, einen wie reichhaltigen und interessanten Stoff alle übrigen Artikel bieten, so daß man dieses Werk als eine sehr willkommene Ergänzung und zum Theil neue Auffassung neben der vortreffliche» ״Hodegetik" Frankels gebrauchen kann. Nur will es uns scheinen, als habe der Vers, an manchen Stellen das Werk von Weiß דור ודור ודושיו Th. 1 benutzt, ohne es zu erwähnen, all inanchen wiederum dasselbe nicht genügend verglichen, trotzdem es manchen lehrreichen Wink hätte bieten können. So in den Artikein über Jose 1 und 11, über den Hohepriester, über Josua b. Perachja, über Jehuda b. Bathyra, Hillel u. s. iv. An anderer Stelle scheint der Vers, die Ansicht Fr.'s nicht zutreffend ausgefaßt zu haben. Er sagt (S. 30), daß die Hodegetik auf Berantwortticher Ktvactrur: llr. Äi. jiaymer. Druck von C. Grund M. Edujoth 8, 3, die Leseart des Jeruschalmi (Synhedrin 7) R. Jehuda b. Bathyra, (ריבב) in R. Josua b. Bathyra emendire. Einmal habe ich in der Hodegetik ein derartiges Citat aus Edioth 8. 3. nicht gefunden, dann hätte es seine Schwierigkeiten gehabt. Denn die Leseart ר' יהושע ביב findet sich in der Mischnahausgabe Wilna 5578 nicht. Bemerken euch Tosefoth Jomlob, daß der Talmud an dieser Stelle ר' יהושע ביב lese, so scheint doch auch dies sehr schwierig. Denn Kethuboth 14, 1 und Kidduschin 75, 1, wird diese Mischnah citirt und in diesen Parallelstellen jedesinal nur ר' יהושע lohne ביב) neben ר׳ יהודה ביב genannt. Ja noch mehr. Es wird ein Widerspruch discusnonsweise aufgestellt und dieser ר' יהושע mit dem bekannten Zeitgenoffen R. Gamliel's identiftcirt. Edioth 8, 3. haben also nach der Auffassung des Talmudisten eilt Eitat des ר' יהושע ביב nicht enthalten. Es ist mir darum nicht ersichtlich gewesen, wie der Vers, sich auf die angebliche Lesart stützend, den Jeruschalmi sofort emendirt hat. Es hat überhaupt große Schwierigkeiten die Identität des R. Jehuda b. Bathyra u. des R. Josua b. Bathyra genau feststelleil, da die Lesarten ungenau und widersprechend sind, und Emendatoren den Fehler begangen haben, statt ihre Hypathetische Lesart anmerkungsweise anzufügen, sofort den Text selbst zu ändern. Es mag hierbei auf die Worte 3t. Tam's hingewiesen werden, die er in seiner Einleitung zum Leser hajaschar ausspricht:שאם ידע אדם הכבה יכתוב פתרונו לפי ראות עיניו אם ירצה אך הספרים לא ימחק שדת עניים במקום אחד ועשירים במקום אחד ואם דבר רק הוא ממנו הוא רק י ואי חיו נשבש' הספרימ והניחם לא ידענו עוד ".אמתת הדברים Es 1|t gewitz der Forschungsfreiheit keinerlei Grenze als die der Wissenschaft selbst zu setzen; um aber die Wiffenschaft selbst nicht in ihrer Freiheit zu seffeln, muß die Lesart im Buche selbst intact tradirt werden und diese Verzichtleistung auf die volle Geltendmachung der eigenen ׳Meinung ist gewiß ein an jeden Forscher billigerweise zu richtender Wunsch. An einer anderen Stelle (S. 34) bekämpft der Vers, die Ansicht Fr.'s über den scheinbaren Widerspruch zwischen ,ירושלמי חנינה ב' ב' und 'בבלי שבת םויא betreffs der Zahl der Streitfragen zwischen Hillel und Schammai. Wie es scheint, stimmen aber Fr. und Br. überein. Dagegen scheint die Ansicht des Verfaffers über die Anordnungen Hillel's gegenüber der Fr's. richtig zu sein (S. 36), sowie er auf derselben Seite ein Citat Fr. berichtigt. Ebenso zutreffend scheint noch die Ansicht des Verf. über das Beth bin der Cohanim. (S 42 u. 52). Ausführlicher als Fr. bespricht er die Entstehung, Stellung und Thätigkeit dieses Collegiums und stellt die Hypothese auf, daß cs aus dem ״Beth-din der Hasmonäcr" entstanden sei, nachdem die politische Leitung ganz in die Hände derselben übergegangen war und die theologische Lehre und Entscheidung wiederum die Thätigkeit des Synhedrins bildete. Dadurch sei für die Priester nur der engere Rahmen ihres Cnltus Gegenstand eingehender Erörterung geblieben. Schärfer als es die Hodegetik thut, bespricht der Verf. den Standpunkt der schammaitischen Schule und taoelt dabei die in Folge der bekannten Verordnungen auch jetzt noch destehenden Satzungen als Trennungsmomente zwischen Israeliten und Nichtisraeliten; woraus wir hier jedoch »licht näher eingehen wollen. — Als Grund, warum R. Gamliel I den Titel ״Rabban" erhalten, giebt Verf. an, daß Gamliel durch seinen Spruch עשה לך רב (Aboth 1, 16) die Nothwendigkeit eines traditionellen Studiums betonte; allein dann hätte Josua b. Perachja, der diesen Satz zuerst (ib. 6) ausstellte, jenen Titel schon erhalten müffen. (Fortsetzung folgt.) Schürnke m Barby. Vertag: Ködert Fritse in Leipzig.

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