Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 5 (1876)
- Issue
- Nr. 13. (1.7.1876)
- Date
- 1876-07-01
- Page
- Seite 51 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Da bedurfte es der ganzen Energie eines kraftvollen Mannes. um bei diesen Schwierigkeiten de» Muth nicht zu verlieren Der damalige Landrabbiner Joseph Jonas Frankel, der Urgroßvater des Stifters dieser Anstalt, hat das große Lerdienst, damals unabläßig anregend und aufmunternd in dieser Angelegenheit gewirkt zu haben. Es gereicht ihn! gewiß zur Ehre, daß der Magistrat in einem Schreiben an den Minister und Hofpräsidenten von Schlesien unterm 9. Mai 1755 sich sehr ärgerlich über den Verlaus der Angelegenheit ausläßt und verlangt, daß es beim Alten bleiben möge, ״da die neue Einrichtung ohnedies nur eine Anforderung des Landrabbiners sei." Endlich war sein unermüdliches Sterben von Erfolg gekrönt. 1762 wurde der Kauscontract über den Lang'schen Garten auf dem Schweidnitzer Anger bestätigt, nachdem bereils am Rüsttage des Peßachsestes 1761 die erste Leiche daselbst bestattet worden war. , Wegen der Kürze der diesem Vortrage zugemesseuen Zeit deren Grenzen ich bereits längst überschritten zu haben fürchte, muß ich es mir versagen, Ihnen die interessanteren aber auch bekannteren Vorgänge vorzuführen, durch welche die hiesige Gemeinde sich befestigte und schnell einen hervorragenden Platz unter den intelligentesten Gemeinden Deutschlands errang. Die milden Verordnungen Friedrich Wilhelm's II., die segensreiche Waltung des edel» und menschenfreundlichen Grasen Hoym, des langjährigen Ministers für Schlesien, und die anfangs sogar freisinnige Gesetzgebung Friedrich Wilhelm's Hl. gaben den Juden bald reichlich Gelegenheit zu beweisen, daß eine sittlich tüchtige Bürgerkraft in ihnen schlummerte. Nur noch wenige Worte seien mir gestaltet. Gewiß tticht ohne die einflußreichen Bemühungen des Landrabbiners organisirte sich bereits ein Jahr vor Eröffnung des Friedhoses die fromme Brüderschaft, deren Zweck es war, für die rituelle Beerdigung Sorge zu tragen. Zu ihren ersten Vorsichern gehörte der berühmte Jesajas Löw Berliner. Sie veröffentlichte ein Reglement in hebräischer Sprache und erwarb für ihre Zwecke als Eigenthum ein Hans an der damalige» Stadtmauer, die jetzige ״Karo'sche Stiftung" auf der Wallstraße vom Bankier Simon Hirsch für den Preis von 760 schlesischen Thalern. Was der Ahn gründen geholfen, wurde in seinem Geiste durch di׳ xietätrclle Großherzigkeit des Enkels befestigt und erweitert. Noch bei seinen Lebzeiten, im Jahre 1842, übergab der edle Wohlthäter und Menschenfreund, der Commercienrath Jonas Fränckel — er war durch seine Mutter Edel ein Enkel des hiesigen*) lind durch seinen Vater Joel Wolff ein Enkel des Berliner Landrabbiners David Fränkel — ich > sage übergab der edle Manu, dessen gesegnetes Andenken wir heute feiern, der hiesigen Gemeinde das sorglich ausgestattete Haus aus der Antonienstraße als Krankenverpflegungsanstalt. In seinen Räumen sollten zugleich die Waiscnanstalt, eine Alterversorgungs-Austait, das Beth-hammidrasch und die neu gegründete Gemeinde-Bibliothek ein bequemes Unterkonimeu sinden. Durch diese und andere Vermächtniffe hat der Perewigte sich unsere Stadt und unsere Gemeinde zu reichem Dank verpflichtet. Sein größtes und unsterbliches Verdienst *) Jizchak Joseph Frontet, Sohn des «rwiihnten Joseph Jonas Fränkel, der ebenfalls Breslauer Landrabbiner war. aber, durch welches er seinen Namen in der Geschichte des Judenthums unvergeßlich gemacht Hab, war die Stiftung und Ausstattung dieser Anstalt, durch die er in einer trüben Zeit den festen Grundstein legte zur Pflege und Erhaltung des jüdischen Lebens und Wissens. Den Männern, die in seinem Sinne sein Vermächtni ß aussührten. war es damals vergönnt, unbeirrt von Parteileidenschaften, in Zacharias Frankel den Mann zu sinden, der den großen Plan groß und kühn in's Leben einzuführen verstanden hat. Rabbi Jochanan b. Sakkai hat in jener Zeit, als durch Zelotenthum und Jndifferentismus die Lehre in Gefahr gerieth, vergessen zu iverden, das Gezänke der Parteien flieheild, in Jabneh eine Schule errichtet und still und unbeachtet neue Saaten ausgestreut, durch welche der Baum des- Lebens von Neuem festere Wurzel schlug in Israel. So rettete Zacharias Frankel das Kleinod der Lehre, über dessen Werth und Geltung für unsere Zeit die Parteien in erbittertem Streite entbrannt waren, ruhig und sorgsam arbeitend, daß über dein Streite das Kleinod selber nicht zu Grunde gehe. Wer braucht heute nachrüh:׳end zu sagen, daß der unsterbliche Mann, dessen Schüler zu heißen wir stolz sind, Unsterbliches geleistet! Er hat es geleistet und erreicht durch eigene Kraft und durch die hülfreichen Kräfte, die ihm zur Seite standen. Und daß sein Geist lebendig bleiben wird in diesem Hanse, deß ist Bürge die Treue und Hingebung an das gemeiiliame Ziel, die Einigkeit in den Bestrebungen, welche mit einem festen Bande die Lehrer und den neuen Leiter dieser Anstalt uinschließt. (Folgen Abschiedsworte an den Director, die Lehrer und Commilitonen.) Literaturbericht. Recensionen. Le lettere dell’ alfabeto fenicio rnaestre di sapienza con aggi untori un saggio d' ideografia semitica di G, Barsilai, Dr. in legge, Trieste tipografia Morterra & comp. 1876, 80 pag. 8°. Vorliegende Arbeit über die Buchstaben des phönicischen Alphabet!) s ist nicht eigentlich eine Arbeit, sondern — ein Unglück, ein Verbrechen, das ungeheuerlichste, das auf diesem Gebiete jemals geübt worden. Der babylonische Thurmbau ist eine Kleinigkeit gegen de» hier vor unserem geistigen Auge bis zu schwindelnder Höhe aufgeführten Bau von kühnen Vermuthungen, und doch sind es nichts als hohle Seifenblasen liub leere Hirngcspinnste, woraus der Vers, die Grundsteine seines neilen auf eine Revolution im Reiche der Sprachwissenschaft hinauslaufenden Systems verfertigt hat. Die 43 Seiten umfassende Arbeit, der ei» 35 Seiten langer Appendix beigefügt ist, soll den Nachweis liefern, daß ״die 'Buchstaben des phönic. Alphabeths eine neue Quelle der Bibelauslegung abgeben und durch ihre Benennung und Anordnung sichere Wegweiser sind zu einem vollständigen und rationellen Erziehungsjyslem" (s. S. 5). Wir gestehen, diesen Satz mehrere Male gelesen und erst, auf Seite 40 angelangt, verstanden zu haben. Wohl noch nie ist eine monströsere These aufgestellt worden, als diese. Um sie zrt beweisen, reichen die Mittel der hergebrachten Philologie und Exegese selbstverständlich nicht aus. Allein Herr Barsilai treibt Zukunftsphilologie und Zukunftsexegese. Zu unserem höchsten Erstaunen und tiefsten Leid-