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Das jüdische Literaturblatt · 1876-07-01 · Nr. 13. (1.7.1876) · p. Seite 52

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
5 (1876)
Issue
Nr. 13. (1.7.1876)
Date
1876-07-01
Page
Seite 52 (sequence 4)
Language
German
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52 wesen machen wir am Schluffe des Buches die niederdrückende Erfahrung, daß wir Alle kaum ei u hebräisches Wort richtig zu übersetzen im Stande sind, ja daß wir geradezu von vorn anfangen und bei Herr:׳, o in die Schule gehen müssen. Es ist das kein schlechter Scherz, sondern bitterer Ernst, denn nach den Regeln der neuersundeuen ״ideographischen" Schriftauslegung lautet die Uebcrsetzung der beiden ersten Verse der Genesis (S. 70), wie folgt: ראשיות:: (Bet Resch) Im Leeren, אלהים (Aleph Lamed) die Summe alles Könnens unb alles Wissens. ברא (Betli Resch Aleph) Brachte hervor ohne Materie (Aggregat). את (Aleph Tau) Alles was. השמים (Schin Mem) Glanz verbreitet. ואת (Aleph Tau) Und die ganze. )הארי (Aleph Resch Tzadi) Masse in beständiger Bewegung. -"תהו (Tau Re Vau) Leer von;ruchtbringenden und befruchtenden Wesen (des Lebens). ובהו (Bet Re Vau) Aber hatte in sich das Prinzip des Lebens. וחשך (Het. Sohin Caph) Und das eingeschlossene Glicht. על פני War über (auH. תהום (Tau Re Vau Mein) Dieser von Leben leeren Strömung. ורוה (Resch Vau Het) Und das Lebensprinzip. מרחפת (Resch Het Pe) Fing an sich zu erschließen rc. Verdutzt werden die Leser unseres Blattes fragen: Wie um Himmels Willen ist denn der Vers, zu solch haarsträubenden Ergebnissen gelangt und noch dazu auf der ziemlich kurzen Strecke von nur 70 keineswegs enggedruckten Seiten? Wollten wir Herrn Barsilai (S. 71) glauben, so wären es lauter Regeln und Gesetze von wunderbarer Einfachheit, ans denen seine neue Bibelerklärung beruht und nichts bliebe hierbei dem Zufall uno der Willkür überlassen. Doch wo es ׳ich um nichts Geringeres als um eine völlige Reuschöpfung der Bibelexegese und semitischen Philologie handelt, könne» wir dem Reformator Herrn B. trotz seiner wiedcrholentlichcn Versicherungen von der Solidität seiner neuen Theorie nicht auf's Wort glauben. Einer unbefangenen Prüfung muß alles Reue sich unterwerfen, und alles Wahre braucht eine solche wiederum nicht zu scheuen. Wir haben die vorliegende Arbeit vorurtheilslos geprüft und die Wahrnehmung gemacht, daß der Vers, eine souveräne Verachtung jeglicher Sprachvergleichung, überhaupt eine gewisie Idiosynkrasie gegen die bisherigen Resultate der Wissenschaft au den Tag legt, dabei eine stannenswerthe Sicherheit in der Behandlung philologischer und exegetischer Fragen aufweist, eines Unsehlbarkeitsglaubens an sich selber sich erfreut, der Berge mit Leichtigkeit versetzt und eine wunderbare Fähigkeit oder vielmehr Zähigkeit, mit Uebcrspringung des Einfachen und Raheliegenden, das Unglaubliche und Unmögliche zu ergreifen und als wahr und wirklich sestzuhalten. Daher das hohe pathologische Interesse, welches die Arbeit jedem nur einigermaßen philologisch geschulten Leser einflößen muß. Die daselbst entwickelten freien Ideen, die den unverrückbaren Mittelpunkt bilden, um welchen eine Reihe von abgerissenen Vermuthungen oder vielmehr Verkehrtheiten sich gruppirt, sind in Kürze folgende: Die Bedeutung eines jeden der 22 Buchstaben des Alphabets, so ivill der Vers, ״bis zur Evidenz" beweisen, tritt am besten in den Anfangsbuchstaben der in alphabetischer Ordnung ans einanderfolgenden Bibelverse (wie z. B. in den Klageliedern) zu Tage. Der Sinn des Anfangsbuchstabens daselbst entspricht nämlich ״größtentheils dem Grundgedanken des betreffenden Satzes, so daß manchmal die Bedeutung des Anfangsbuchstabens den Satz verständlich macht, einen ebenso überraschenden als auch überzeugenden und neuen Satzsinn liefert, oder auch umgekehrt der Satzsinn manchmal die Bedeutung des Anfangsbuchstabens in zweifelhaften Füllen aushcllt." So bedeutet z B. das Lamed Verantwortlicher Redakteur: Dr. M. Rahmer. Druck von C. ״Belehrung", und in der That ist Ps. 34 in dem mit ל beginnenden Verse Belehrung der leitende Gedanke. Naturgemaß schreitet nunmehr der Verfasier von dieser seinen kühnen aber festen Behauptung zur näheren Angabe der Bedeutung eines jeden Buchstabennamens vorwärts. Und so bedeutet denn nach seiner Angabe (S. 6 ff.) Ghimel 0) Kameel, ein Wort, das in sich die Grundbegriffe der Reife und der Stärke vereinigt. Weil aber die Stärke und das Wohl der Kinder das Verdienst der Eltern ist, so heißt גמולwelches Ursprung- Uch Erziehung bedeutet, auch Vergeltung, Verdienst, Lohn. וינהל und ועמל sind übrigens, wie der Verfasser hinzusügt, synonym, und die hier angegebenen Bedeutungen des Buchst. נ bilden in den mit נ beginnenden Versender alphabetisch abgefaßten Cap. immer den leitenden Grundgedanken. S. 7. Re ה (srz. haie) bedeutet Dornitrauch und Gottheit (cf. שבני מנה) ferner ist ה, weil der Dornstrauch ungepflanzt, gewissermaßen freiwillig anffchießt, Symbol der Fruchtbarkeit und darum Bezeichnung für das Fern S 8. Het ־ ח— Gürtel, Umgürtung. Hierher gehört auch KI cap. 3 lit. חשב ה :ח ׳להשחית חומת וגו wo das Wort ״ חומתUmfassungsmauer" den günstigen Mittelpunkt des Verses bildet. Ferner bedeutet das Het, weil cs mit חטא homonym ist (!), als Anfangsbuchuabe in dem alphabetisch-akrostichischen Cap. oft ״Sünde." S. i). T e t, ט biegsam, Ruthe, Korb, oder auch (für das Gefäß der Inhalt) Bodenerzeugnisse, reife, geschmackvolle Früchte, daher מעם; andererseits bedeutet ם Schmutz, Schlamm (er. טיט am Anfang Ps. 9 lit. ט, Kl (ט) c. 2. Caph ursprünglich Klippe, hohler Fels, fig. Kraft, Festigkeit, daher ״ .בפירDie oft angeführten mit ב beginnenden akrostichischen ־י Sätze sind", bemerkt der Vers., ״von einer wunderbaren Uebereimtiinmnng behufs der Bestätigung der letzteren Bedeutung dieses Buchnabens". S. 10. M e m, מ Wasser, fig. Gotteslehre und Gottesfurcht, cf Ps. 24 (מ! 34 (מ), in welchen beiden Versen von Gotteslehre und Gottesfurcht gesprochen wird. S. 12. Tzadi, צ Haken und Gaumen, Geschmack er. חך und חכה• Von צדי kommt ״ צדיקder Weise", wie חכם von חך. Daß צ Geschmack bedeuten muß, wird folgendermaßen bewieseil: 2 und פ bedeuten Auge und Mund, ק das Ohr, also — muß צ Geschmack bedeuten ״indubbiainente.“ Warum aver מ gerade das Ohr bedeuten soll? )tun, wahrscheiulich darum, weil ע und פ Auge und Mund, צ Geschmack bedeutet. Ein anderes Argument vermögen wir aus den Auseinandersetzungen des Vers, nich' zu entnehmen. Mit der sonderbaren Behauptung, daß Tau (ת) aus ״ מותsyncopirt“ Tod, Ende bedeutet, schließt die in ihrer Art einzig-dastehende Analyse des ״phönicischen" Alphabets. Der Verfasier wendet sich sodann an die ״eifrigsten unter den geneigten Lesern" und giebt ihm neun Regeln an die Hand, init deren Hilfe es gelingen muß, im Einzelnen nachzuweisen, daß (2. 15) ״keiner der 450 akrostichischen Bibelverse dem allgemeinen oben entwickelten Gesetze der Coincidenz der Bedeutung des Anfangsbuchstabens mit dem Grnndgedanken des Satzes zuwib'rrläuft, ja sogar, daß die scheinbaren Ausnahmen, bei Lichte betrachtet, ״in einer ebenso glänzenden als überraschenden Weise" die Regel bestätigen. (Schluß folgt.) Briefkasten der Redaktion. H.H. Rabb Ovr. L. in K., B. in K., R. in B., R. in. A , Z. z. Z. in W. Et bem Abdruck ihrer gesch. Beiträge soll in nächster Ar. b egönnen werden; in derselben auch Fortsetzung der Recension über das Brüll'sche Werk, sowie Berzeichnih der zahlreichen zur Recension vorliegenven Bücher und Programme. arnke in Barby. «erlag: Robert Friese in Leipzig.

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