Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 5 (1876)
- Issue
- Nr. 12. (15.6.1876)
- Date
- 1876-06-15
- Page
- Seite 47 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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die Stadt sofort zu räumen. Ueber die Wahrheit dieser An׳ gaben ließ der Magistrat Erhebungen anstellen, deren Resultat die im Stadtarchive aufbewahrte Specisication der Judenschulen vom 26. März 1701 war. Nach derselben eristirten damals zehn Betlokale, von denen fünf heut noch allgemein bekannt sind: die eine in der Fcchtschule, damals für dreißig Personen, zwei im Pokoyhos, von denen eine für 20 Personen eingerichtet war, die eine im goldenen Hirsch jür sünszehn Personen, und eine in den Hinterhäusern, die vermuthlich mit der Gloganer Schule identisch ist. In dreien derselben ist, wie angegeben, seit dem ersten Verbot kein Gottesdienst mehr gehalten worden. Von den beiden im Pokoyhos ausgezählten war die eine sicherlich die Lissaer Synagoge, obwohl die directe Bezeichnung im Verzeichniß fehlt. Es ist bekannt, daß dieselbe durch die Explosion des Pulverthnrms im Jahre 1749 gänzlich zerstört worden ist. Schon zwei Jahre später war sie dannwieder hergestellt worden. Sie scheint sich danials zuerst im goldenen Hirsch angemiethel zu haben, wie aus einem Bericht der Judencommission vom 29. August 1755 hervorgeht. Später war sie dann bis zum Neubau des Hauses wieder im Pokoyhos. Alles, was durch diese Klage!« und Hetzereien bewirkt wurde, war nur eine neue Judenordnung, die der Rath im Jahre 1702 erließ. Je strenger sie auf dem Papier war. desto geringer waren ihre Wirkungen. Als Curiosum sei nur erwähnt, daß nach Artikel 11 derselben von den 104 christlichen Kaufleutcn alle Wochen je zwei nach der alphabetischen Ordnung der Namen an die Reihe kamen, im Kaushause gewissenhast rrcht zu geben, daß die neue O^nung gegen die Juden strenge gehandhabt werde. Aber alle Wachsanikeit war vergeblich. Schon 1712 klagte die Kaufmannschaft von Neuem, daß cs seit der neuen Judenorvnung nur noch ärger geworden sei, und so nahmen die gegenseitigen Reibereien bis zum Regierungsantritt Maria Theresia's kein Ende. Noch in den letzten Jahren der österreichischen Herrschaft waren Verhandlungen über die Mittel im Gange, durch welche auf gesetzlichem Wege ״die Vermehrung der Juden zu verhindern sei." (Schluß folgt.) Unverständige Polemik und verkehrte Apologetik. Von Rabbiner vr. Treuenfcls, St.ttin. (Fortsetzung.)*) An der hier in Betracht kommenden Stelle Mail«. הי מ״א יא ז' ist die^Rede von יין נסך und es heißt dort: רכז כל נוי שאינו עובד עכום כגון אלו הישמעאלים יינן אסור בשתייה ומותר בהנאה אבל הנוצרים עובדי עיז הם וסתם יינן אסור בהנאה. So steht in der Amsterdamer Ausgabe und ohne alleir Zweifel auch in den Venetianischen mit und ohne כ׳מ. In den später gedruckten ist die Stelle dahin abgeändert, daß statt נוי gesetzt ist עבום und statt הנוצרים steht •אותם העובדים עכום Der Eommentar des R. I. Karo bemerkt zu der Stelle nur: .פשוט הוא - Was ist nun dazu zu sagen? Hier, wie überall, heißt es: wer zu viel beweist, beweist nichts, und: nun keine verkehrte und alberne Apologetik! Maimonides. der Zeitgenosse des dritten Kreuzzuges, erklärt die Christen seiner Zeit für Götzendiener. Was ist dabei zu vertuschen, was hätten w i r dabei abzuläugnen, oder gar durch närrische Correc'uren und Conjecturen zu verdrehen? Wie sollte denn Maimonides die Anbetung, die pure Anbetung, von hundert und aber hundert Heiligenbildern anders nennen als Götzendienst?! Ob die Heiligen, Schutzpatronen und Patroninnen aller Art, oder die Götter und Göttinnen Griechenlands und Roms, worin sollte denn Maimonides da einen Unterschied finden?! Und der in Safet lebende Jos. Karo, der ein anderes Christenthum nicht kannte, als das der sanatischen Spanier, welche seine Großeltern verbrannt hatten, stimmt ihm darin bei. Wie sollte er denn das nicht ganz פשוט finden?! Haben etwa die Reformatoren etwas anderes gesagt, oder sich über den katholischen Bildervienst glimpflicher ausgedrückt?! Warum also sollten es uns geniren, daß es so in den uncastrirten Ausgaben des Maimonides steht?! — R. Mose Jsserlcs sah die Sache schon anders an, und stimmt denjenigen bei, welche den Wein der Christen für מותר בהנאה halten, weil sie von Götzen-Libatione» nichts wüßten. Nun!vollen wir nur kurz erwähnen, was vr. Lehmann über die Sache sagt, zur Ergötzung einigermaßen sachverständiger Leser. Er erklärte mit ernster Miene die Lesart כל עבוס אינו עיבד עכום für die echte. Freilich sei das Unsinn, aber es sei ein Lapsus calami. (!!) Maimonides hat sich verschrieben, Lehmann zeiht Maimonides eines Flüchtigkeitsfehlers!!! Es solle נכרי heißen und dann wie oben angegeben, 0׳ daß von נוצרים keine Rede sei. — So habe er, Lehmann, es in einer alten (!!) Fürther Ausgabe von — 1765 )!!) gesunden und so in allen neueren, besonders auch in der von Nachmann Goldberg sehr sorgfällig corrigirten Berliner (als ob es sich da um Druckfhler handelte!) die Lesart der Amsterdamer Ausgabe sei wohl durch einen Marannen, im Gefühle der von der Inquisition ihm oder seinen Eltern zugefügten bitteren Leiden eingeschinuggelt worden. Herrn Süskind aber rälh er, die Amsterdamer Ausgabe nach der Mehrzahl (!) der anderen zu corrigiren (!!) — Wir haben kein Wort hinzuzufügen, als die eine Bemerkung, daß man sich Angesichts dieser Explikationen, welche der Israelit seinen Lesern bietet, doch nicht mehr darüber wundern darf,!venn ultramontane Blätter oft ihren Lesern Dinge bieten, von denen man glauben sollte, daß verständige Menschen sie mit Unwillen zurückweisen!nüßten. In der That spekuliren beide auf die pure D u m m h e i t — und sie verrechnen sich leider nur zu oft n i ch t. Denn daß vr. Lehmann selbst weiß, daß diese seine ״gelehrten" Bemerkungen und scharssinnigen Conjecturen von jedem, der eine Idee von einem Maimonides und von rabbin Literatur hat, mag er seiner Ansicht nach zur äußerslen Rechten oder Linken gehören, für Narrheit erklärt wird, das n! u ß er selbst wissen. Aber für seine Leser hält er es wohl für gut und plausibel genug, und die Wissenden unter diesen, meint er, werden iqm Beifall spenden, weil er den Unwisienden die Sache so jchöu zurechtgelegt hat. So treiben es aber die ultramontancn Scribenteu auch. — Also immer bei der Wahrheit bleiben; wir brauchen keine Entstellung derselben und keine verdrehende Apologetik. Seltsam ist übrigens noch der Umstand, daß in derselben Nummer des ״Israelit" eine Erklärung von vr. Plato abgedruckt ist, worin Jor. Deah 150, 1 ohne alle Umschweife auf die christlichen Symbole bezogen wird, obgleich da sogar אליליט steht und vr. P. natürlich nicht von irgend einem Olim, sondern vom heutigen Tage redet. Literarifeke Notizen. Von vr. L. Lewysohn, Rabbiner in Stockholm. (Fortsetzung.) 8) Daß ״Schweden" in jüdischen Werken historischen, geographischen, ualurkistorischen Inhalts u. dgl. erwähnt wird, ist ja natürlich; weniger häufig dürste Solches mit der eigentlich rabbinii Heu Literatur der Fall sein, da die Berührung *) In vor. Nr. ist Z. 23 dies. Aufsatzes st. 1׳) zu lesen 2'1'עובד> ע גלולים) u. Z. 24 ״gebraucht" st. gebracht.