Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 5 (1876)
- Issue
- Nr. 12. (15.6.1876)
- Date
- 1876-06-15
- Page
- Seite 46 (sequence 2)
- Language
- German
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46 Jedenfalls haben wir in דם und אדמה die Bezeichnung für etwas zu suchen, was Krasl besttzt und entwickeln kann. Tamil stimmt es namentlich sehr gut, daß nach dem neuhebräischen Wörterbuch des Pros. Levy דם überhaupt einen Organismus, das Organische bedeutet, also das was allein Kräfte äußer», die anorganische Welt (in gesetzmäßiger Weise allerdings) in Bewegung setzen kann. In Bezug ans unsere frühere Andeutung, daß ברא streng genommen gar nicht ״schassen" bedeutet, müssen wir heute hinznsügen, daß nach'neueren Untersuchungen die Bedeutung dieses Wortes ״äußern" iß* *). Es wäre null zu untersuchen, in wiefern ברא״שיה nicht mit ״im Anfänge" oder ״in der Hauptfache" zu übersetzen wäre, sondern der Bedeutung der ersten Hälfte des Wortes angemessener. Etwa: Die Naturkräfte äußerten sich an den Urstofsen. Für unsere Auffassung אלהים spricht »och ganz bcsonders, daß Erod. Cp. 24. V. 11. erwähnt ist, wie sich das ewige Wesen offenbarte. Nämlich nur dem Moses als "IN' den Andern aber nur als אלהים. lBgl. auch c. 6, 2.) Es wäre traurig, wenn eine mißverstandene Verehrung vor der heiligen Lehre uns abhalten sollte, zu beweisen, daß in Wahrheit: Alle Völker einsehen müßten, wie weise unsere Gesetze sind. Was dazu beiträgt, das Verständniß der heil Schrift zu fördern, ist ivillkommen. Die Kabbalisten, die, wenn auch falschen Zielen nacheilend, doch in ihrem Eifer, ab und zu einige kostbare Entdeckungen gemacht haben, könnten dann den Alchemisten verglichen werden, die zwar kein Gold machen konnten, aber durch andere Leistungen sich großen Dank erworben haben. Ihre Forschungen sind jedenfalls höchst beachtungswerth, wenn sie auch zu anderm Zweck unternommen worden sind. _ Juden in Breslau. Vortrag von Rabb. vr. M. Brann. (Fortsetzung.) lieber die im 16. Jahrhundert hier ansässigen Juden sind freilich, soweit bisher bekannt, urkundliche Nachrichten nicht vorhanden. Sie schrillen, wie der oben erwähnte Fall des Juden e.braham schließen läßt, nur ausnahinsweise hier privilegirt worden zu sein. Ja sogar die aus offenbarem und nicht einmal beschönigtem Brodneid judenseindlich gesinnte Kausinannschajt führt in ihren beständig wiederkehrendeil Beschwerdcn nur über die Hierselbst bei den Jahrinärkten geduldeien wälschen und polnischen Juden bittere Klagen. Uebrigens blieben selbst diese Beschwerden erfolglos. Denn auch die öfteren Fürstentagsbejchlüsse von 1580, 83 und 1591 verlangen weiter nichts, als daß die dauernde Niederlassung der Juden aller Orten auch weiter vcrhinvert werde; sollst wurden sie nach wie vor 311 den Märkten zugelassen. Die strengen Vorschuflcn, wo Erz, wo Kupfer, wo Gold «»gebracht werde» sollte, sind gewiß nicht bloß aus Schönheit«- oder Reinlichkeit»- Gründen gemacht, und die goldenen Schellen am Kleide Aarons, die sich bewegen müssen, ״das! er nicht sterbe", erinnern zu sehr an die Gewalr elektrischer g-unke». oder an sonst einen »nctanischen Vorgang, al» daß man di- Hossnnng ausgeben sollte, diese Bibelstellen einmal physikalisch erkläre» zu können. K. *) Roch eine andere Bedeutung oder richtiger ״Deutung" bringt Natonek in seinem im heutigen ״Lueraturbericht" besprochenen Merkchen. Von beiden gilt das alte Wort:הדרשה תדרוש ׳אבל איז המקרא יוצא מידי פשוטו• Durch dieses Verfahren wrlrde gleichzeitig der Grund zu den eigenthümlichcn Verhältnissen gelegt, deren Nachwirkungen wir heute noch vor Augen sehen. Die hier weilenden sremden Handelsleute halten natürlich das Beoürsniß während der Zeit ihrer Anwesenheit in hergebrachter Weise den Gottesdienst abzuhalt.1l. Selbstverständlich thaten sich zu diesem Zweck immer die nächsten Bekannten, die aus derselben Stadt oder aus demselben Lande hierher gereist kamen, zusammen. Die Letzteren hatten um so eher ein Interesse dabei, als ihre Sitlen von den landesüblichen »ütunter abwichen. Sie miethete» Bclst'.lben, welche sich, als die Juden mit Bewilligung des Rathes sich allmählich wieder ansiedeln dursten, auch das ganze Jahr hindurch ungestört erhielten Freilich dauerte cs lange, bis das Geldinteresse der Stadt wieder über Stolz und Vorurtheil den Sieg davontrug. Erst die unruhigen Zeitläufte während des dreißigjährigen Krieges, dllrch die auch der hiesige Handel aufs Einpsindlichste geschädigt wurde, konnte den Nath veranlassen, über den Aufenthalt der Juden in hiesiger Stadt auch in der Zeit zwischen den Jahrmärkten eine mildere Praris vorwalten zu lassen. In einem Decret vom 8. Mai 1635 behielt der Nath es sich vor ״wegen der Kriegszeiten auch außerhalb der Jahrmärkte hin und wieder einen oder beu andern Inden zum allgemeinen Besten aus wichtigen Ursachen hcreinzulassen." Natürlich trugen die Juden nie?Bedenken von der Milde des Magistrats Gebrauch zu machen. Darum mußte der Letztere sich's auch gefallen lassen, daß ihm sechzig Jahre später, als er von den Kauflerrten und der Geistlichkeit gedrängt, mit Berufung auf das von Ladislaus verliehene Patent, die Zahl der Juden vermindern wM^, der Oberfiscal Christian Forney bemerklich machte, die PrMkegien seien längst per non u8nm in boo pussa erloschen. Es hatten sich nämlich in der Zwischenzeit nicht weniger als fünfzig Familien hier niedergelassen. Wie viele außerdem unter klösterlicher Jurisdiction in den Vorftädten lebten, ist nicht bekannt. Auch muhten sie wieder Neichthum und Ansehen erlangt haben. Das beweist vor allem der Umstand, daß sie vermeinten, sich freier bewegen und öffentlich den Vorschriiten ihrer Religion gemäß leben zu dürfen. Ein gewichtigeres Beweisstück sind aber gewiß die heftigen ״Gravainina und Beschwerden", welche in dieser Zeit die Kauimannjchaft in höchst ergötzlichen, bogenlangen Auseinandersetzungcn beim Magistrat einreichte, die Denunciationen, mit deneit die Geistlichkeit ihrer Erbitterung Luft!nachte und die aufgeregten Gemüther noch mehr zu verhetzen verstand. Die Letzteren sind in anderer Hinsicht interessant genug, um einen Augenblick bei ihnen stehen zu bleiben. Am 5. Mai 1696 bat das bischöfliche Consistorium beim Oberamt um Ab- Hülse dagegen, daß die Juden ihre Religion öffentlich ausüben mit der Bemerkung, ״daß nunmehr, da der christliche Ei.er gar sehr erkaltet, durch solches zu öffentlicher Verspottung des Christenthuins außschlagendeß Aergerniß viel mehreres Unhey! augenscheinlich zu besorgen sey." In Veranlassung dieses Schreibens erfahren wir nämlich Näheres über die Zahl und Einrichtung der damals hier vorhaildenen Betjtuben. Als der;Magistrat (1701) aus die fortgesetzten Klagen hin die Aus- Übung des Gottesdienstes untersagt hatte, antworteten die Jude», daß sie keine öffentlichen Synagogen, sondern nur gemiethete Privatstuben zu ihren gottesdienstlichen Zusammenfünften benutzten und drohten, falls diese geschlossen würden,