Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 5 (1876)
- Issue
- Nr. 12. (15.6.1876)
- Date
- 1876-06-15
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdische LiterMMatt Zur Bcleiichtung aller Judentljum u. Juden betreffenden literarischen Erscheinungen «uf dem Gebiete derphilosophie.Geschichte, Ethnographie,Theologie, Brirntali«, Exegese, Homiletik, Liturgik, Pädagogik. H c v n 1t $;ן c g c b 011 von Rabbiner Dr. Moritz Rahmer. Magdeburg, LS. Juni L87«. Sucher der einschlägigen Siteratnr, welche der Red. de» ״Züd Kiteraturbtatt" in Magdeburg (oder der ״Israel, wochenschr." in Stettin);»gesandt werden, finden in diesem Dlatte eingehende Besprechung. Nr. 12. (Erscheint an, 1. u 15. des Monats. Preis pro Jahrgang 4 Mark. Für die Abonnenten der ״Israel. Wochen, schrift" (bie jährl. 9 Mark kostet) gratis. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen; in Leipzig durch Robert Friese. 5. Jahrgang. Bibel und moderne Wissenschaft. Von vr. Kornfeld, Kreisphysikus in:Wohlau. (Schluß.) Die Gesetze der Thora selbst sind neu, aber der Ausdruck einer Cultur, einer Cioilisation, wie wir sie unbezweifelt jetzt noch nicht im Mindesten erreicht haben. Aus den sparlichen Andeutungen bezüglich der Höhe der Kunst können wir schließen (vergl. Semper: der Stil), daß auch eine Reihe von Kunstsertigkciten damals schon gekannt waren, die uns günzlich verloren gegangen sind. Liegt da der Schluß so fern, daß auch die Wissenschaft eine Stufe erreicht hcrtte — wenn auch nicht bei dem ganzen Bolke — die in vielen Beziehungen die heutige weitaus hinter sich läßt? Ohne Weiteres aber Alles, was wir unMuicht erklären können, damit abzufertige», wie Wislicenus*), daß es Mythe, Sage wäre, ist allerdings recht bequem, fast so bequem, als die Deutung der Urims und Thumiin .als Götterbilder, und so geistreich als die Annahme, daß die heilige Lade der Aufbewahrungsort der ״Götterbilder" (!!) bei den Juden gewesen sei. — Auf die antijüdische Deutung der Bezeichnung für Himmel und Engel ist in Nr. 7. 8. des ״Lit.-Blatts" bereits aufmerksain gemacht worden. Eine Erklärung des ״Wunders" ist nlit unserer Deutung der Erscheinung auf dem Berge Horeb vor Mose gewiß noch nicht gegeben. Wir halten gesagt: Materie und Kraft sind ewig. Die Erscheinung der Flamme beruht auf der Anwesenheit von nicht mebr brennbaren Stoffen bei genügender Krafteutwickelung. Was ist nun aber bei jener Erscheinung der Erreger der Kraft gewesen? Die Wissenschaft spricht doch nur darum von einer Unveränderlichkeit des StosseS, weil sie annimmt, daß eine Kraft, eine Bewegung in die andere übergeht und nur andere Erscheinungsweisen am Stoffe verursacht. Zu jeder Aeußerung von Kräften muß aber eine ausreichende Ursache auszusinden sein. So z. B. auch zu der Wärmeentwickelung, welche auf Horeb stattfand. Hat hier der Ewige etwas zu der auf. Erden vorhandenen Kraft zugethan, daß sich fortwährend Rauch und Feuer entwickelte, ohne daß eine Ner- Wandlung des Stoffes (Busches) stattfand? Nun, man könnte fragen, wovon hat sich denn das sog. Urseuer der Wissenschaft genährt, aus dem alle Stoffe entstanden sein sollen? Jndcß das wäre Hypothese durch Hypothese erwidert. Aber vielleicht giebt uns eine andere Stelle einen Aufschluß. Diese findet sich Johna Cap. V. 15. Die Aufforderung, die Schuhe auszuziehcn, und der Grund (denn der Ort ist heilig) findet sich - hier ebenso wie Exod. Cap. 3. V. 5. Aber mit einem sehr merkwürdigen Unterschiede: In der Stelle bei Josua fehlt das Wort,־IEאדי; es heißt hier nicht, der Ort ist heiliger Boden, sondern nur der Ort ist heilig. Die Ursache, warum das Göttliche auf Horeb im Feuer erschien, kann hiernach vielleicht darin gesucht werden, daß auf Horeb sich אדמה befand. Berücksichtigt man, daß das Blut des Menschen der Sitz seines ganzen Wesens, daß der Mensch aus Staub von אדמה geschaffen und von diesem דם bekommen hatte, d. h. das, was ihn zu einem eigenartigen gottähnlichen Wesen machte, so können wir uns der Folgerung nicht entziehen, daß die Uebersetzung von אדמה mit ״Erdreich", wenn sie auch oft dem Einen entspricht, nicht correct ist, daß dies Wort wenigstens noch einen tieferen Sinn hat. Jnwiesern das Aufsteigen der Flamme aus dem Boden, das Rauchen des Berges, das Feuer auf dem Berge, die Wolke auf demselben, schon bei dem Auszuge der Kinder Israels, ans der Stistshütte darauf schließen läßt, daß Moses hier ein uns noch unklares Naturgesetz ergründet hat, bleibt weiterer Untersuchung Vorbehalten. Tie Zusammensetzung der Stistshütte in Bezug auf die Mischung der Metalle, namentlich aber das, was mit Cherubim bezeichnet werden sollte, könnte darauf führen, daß dies Naturgefetz den Zusammenhang zwischen vulkanischen Erscheinungen, 'Kitz, Feuer und Wolkenbildung näher ausschloß, wozu ja die Neuzeit durch die Entdeckung der Elektricitüt den ersten Anfang gemacht hat.*) *) Welche wunderbaren Ueber»aschungen uns die Erfindungen der Neuzeit dringen, lehrt z. B. ein Artikel der Revue <i d. mondes vom 1. Mai 1876: L'emploi de la chaleur solaire. Es ist nichts weniger, als die Umgestaltung unseres ganzen aus Kohlcn-Verbrauch beruhenden Verkehrs, der jetzt mit Hilfe von metallischen (kupfernen) Reflectoren direct durch die Hitze der Lonne bewirkt weiden soll. Di« unter L. Rapoleon's Anregung von Monitot in Meudon gemachten Versuche über die Eimvirkung der resteclirlen Sonnenstrahl»« würden sich sehr dazu eignen, namentlich die Anorduungen sür den Bau des Altars zu begreifen. (II. B. M. 27, 6.) Es ist bekannt, daß inan in Rom daS heitige Feuer mit Spiegeln aus Erz anzündete. ♦) Die Bibel 1867. S- 265.