Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 5 (1876)
- Issue
- Nr. 11. (1.6.1876)
- Date
- 1876-06-01
- Page
- Seite 43 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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43 ׳; Ucber die Quelle des Sprüchwortes VTK באינש .121 UN1V V2V In Nr. 9 de» ״Jüdischen Literaturblattes" wünscht Herr Rabbiner vr. L- Lewysohn in Stockholm die Urquelle des landläufigen obigen Sprüchwortes von einem der Leser dieses Blattes zu erfahren; ich erlaube mir, meine Bermuthung hier׳ über in dies. Bl auszudrücken. Im babyl. Talmud Tract. Chullin?d wird in der bekannten Hagada, welche von der beabsichtigten Zusammenkunft des R Jehuda Ha-Naßi mit R. Pinchas b. Jair spricht, auch das Hinderniß der nicht zu Stande gekommenen Entrevue angegeben und zwar mit dem Ausdrucke: 1גבה ט11*א 2ינ״ה ״es erhob sich zwischen ihnen ein Berg", was das Begegnen nie mehr ermöglichte. Hieraus dürste vielleicht das obige Sprüchwort entstanden sein. Krakau, 30. April 1876. Joseph Heidenseld. Unverständige Polemik und verkehrte Apologetik. Bon Rabbiner vr. TrruenfelS, Stettin. In seiner im Leitartikel der dir. 19 u. 20 der ״Wochenschrift" besprochenen Broschüre gegen das Statut der Frankfurter Religionsgesellschaft hat sich der Rabb. Süskind zu einem unüberlegten, sehr tadelnswerthen Schritte Hinreißen lassen. Er wendet seine Polemik gegen den Sch »ichan Aruch, anstatt bei dem Statut stehen zu bleiben, und er greift hier einen Punkt heraus, aus den heutzutage zurückzukommen nur Leidenschaftlichkeit eingeben konnte. — Es ist bekannt, daß die von Rohling und Consorten aus Eisenmenger u. Aa. aufgewärmten Beschuldigungen gegen den Talnrud sich hauptsächlich gegen solche Stellen richten, welche — insofern sie nicht geradezu gefälscht sind — sich auf die Götzendiener und das Heidenthunr der Vorzeit beziehen und nur von der Unwissenheit und dem Hasse als aus Christen anwendbar ausgelegt werden. Um dieser verderblichen Mißdeutung vorzubeugen, hat man daher in den jüngeren Ausgaben des Talmud und anderer rabbinischen Schriften statt '122 oder '1ג (Nichtjude, genlilis) oft I212V ״Götzendiener" gesetzt und da die Kunst feindseliger Apostaten auch dieser Abbreviatur eine solche Auslegung gegeben hatte, daß sie sich auf ״Christen" beziehen könnte, sv hat man, besonders in den unter der argwöhnischen russischen Censur gedruckten Ausgaben auch wohl das nicht zu verdrehende '1ג gesetzt. Mitunter ist dann diese Umsetzung auch am Unrechten Orte gebracht; (ebenso wie in älteren Ausgaben oft das Wort '7112) nia» muß eben mit Verstand und Quellenkunde lesen, um zu wisien, wo man nur Heiden, (wo Samaritaner), wo Nichtzudeil überhaupt zu verstehen hat.*) — Nun schreibt Radb. Süskind: ״der Verfasser des Schul- *an Aruch erklärt die Bekenner des Christenthums ausdrück- »ch 1»^ Götzendiener". Er macht in einer später gegebenen CMarung ^>rauf aufmerksam, daß er nicht gesagt habe ״der Schulchan Aruy״ sondern ״der Verfasser" desselben; die Stelle, welche er mein., stehe nicht im Sch. Ar., sondern bei Marmomdes, und R. Jos. Karo, also der Verf. des Sch. Ar., slunme in seinem Commentar zum Maimonides der betreffenden Ansicht des letzteren zu. Das ist indessen der Sache nach gleichbedeutend, und wir halten es für überflüssig, noch- «.״*).;?S. der Redakteur des ״Israelis vor einigen Jahren die Stelle des Jore Deah 254 ״der Jude darf vom 212V keine Almosen annehmen auf die Christen unserer Tage angewendet. Wir haben nach der m den Quellen gegebenen Motivirung di« Grund- und Haltlosigkeit drestt Auslegung nachgewiesen (Wochenschr. 1872, Nr. 2t—25) und dadn Herr Di-. Lehmann זס die מ1רע1ת erinnert, welche vor tausend u T*״*״ fU *J*1) f*3 ■*״«tzt pagt es ihm, sich aus diese zu berufen; damals polemisirt« er gegm den Gemeindebund, und da war ihm ander« Auslegung opportun. malS zu sagen oder auszuführen, daß es unverständig gewesen, in dem Streite gegen Hirsch zu solchen Argumenten, die obendrein für den eigentlichtn Streitpunkt ganz irrelevant sind, zu greifen. Da indessen die Sache ein» mal zur Sprache gebracht ist, so wollen wir unsre Ansicht darüber vorlegen, die Apologetik, welche der ״Israelit" gegm Rabb. S. ins Feld führt, ist nämlich eine so verkehrte, daß wir sie nicht mit Stillschweigm übergehen können.*) (Fortsetzung folgt.) Lituaturbericht. Recmstoneu. Arsill, I., Rabbiner zu Kojetein. מ12א המשנה, Einleitung in die Mischnah, enthaltend das Leben und die Lehr- Methode der Gesetzeslehrer von Esra bis zum Abschlüsse der Mischnah. I. Theil. Frankfurt a. M. 1976. Selbstverlag des Verfasiers. (Zu beziehen bei A. Brüll in Frankfurt a. M.) (Fortsetzung von Nr. 9) Wir gestatten uns irun, auf einzelne Punkte der intercssanten Arbeit na!er einzugehen und dabei darauf hinzuweisen, daß der Verfasser selbstständig geforscht, Altes tiefer und eingehender besprochen und neue Fragen angeregt hat. Wenn wir dabei hin und wieder von der Meinung des Verfassers abweichen, beabsichtigen wir nicht, unsere Ansicht als unbestreitbare hinzustellen oder den Werth der Arbeit schmälern zu wollen. In der Reihe und Ordnung der Abschnitte hält der Verfasier die Chronologie fest, wie es auch der sel. Frankel und Weiß gethan haben. Nach einem kurzen geschichtlichen lieberblick über das Verhältniß des öffentlichen Lehramtes in Jsraell bespricht er zuerst genauer die große Synode. Er untersucht ihren Ursprung näher zu bezeichnen, stellt verschiedene geistreiche, neue Hypothesen über die Zahl 120 auf und sucht zu erweisen, daß ihre Wirksamkeit schon im Exil von Esra begonnen hat, erörtert dabei sehr ausführlich den Begriff Soferim, deren Thätigkeit er nach ihren verschiedenen Richtungen schildert und schon,in der Zeit des ersten Tempels beginnen läßt. Als die Newiim der großen Synode, deren Zahl auf einige 30 angegeben wird, nimmt er die in den Büchern Esra und Nehemia unter den Namcnsverzeichnifsen des ersten Aufzuges und der von Esra abgehaltenen Versammlung genannten 12 Leiter und 23 Priester an, weist nach, daß die von einigen bestrittene talmudische Auffaffung von der freiwilligen Annahme neuer Beschränkungen und Anordnungen durch jeue Bundesversammlung (ק2ל1 מאליהם) richtig sei und erklärt sehr genau den Begriff Dikdukö Soferim. Er wiederholt dabei die schon von Andern aufgestellte Behauptung, daß die Worte in unsrem täglichen Gebete על הצדיקים auf die Zaddukim zu beziehen seien. Diese Behauptung scheint aber schon um dessentwillen ganz unhaltbar zu sein, als zu der Zeit, wo diese Partei so entwickelt war, daß sie einen Namen erhielt, ihr schroffer Gegensatz zu dem Peruschim wie zu den Chassidim es unmöglich machen mußte, für sie in das allgemeine Gebet eine ausdrückliche Segensformel aufzunehmen, welche von den andern Parteien auch gebetet und nicht beanstandet wurde. Warum hätte man andernfalls neben den Chassidim und Zadikim nicht auch die Peruschim erwähnen sollen? Im Gegeniheil waren sämmtliche Bestrebungen der öffentlichen Gebetordner dahin gerichtet, jede Gemeinschaft mit den Ansichten der Zaddukim zurückweisen. — Bei der Besprechung Simeon's des Gerechten theilt Verf. die Ansicht Krochmals, daß es Simeon H. gewesen sei, er *) In der Broschüre von 6. (gegen SÜSkind) ist der Punkt nicht wnter berührt, «S wird nur Li« betreffende Polemik mit gerechter Indignation abgewiesen.