Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 5 (1876)
- Issue
- Nr. 11. (1.6.1876)
- Date
- 1876-06-01
- Page
- Seite 44 (sequence 4)
- Language
- German
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44 roib*rlegt aber die gewichtigen Gründe von Frankel und Gratz Nr die Richtigkeü der talmudischen Tradition nicht. Der Bericht des Josephe-, -uf den sich seine Ansicht stützt, braucht Nicht im Widerspruch zu der letzteren zu stehen, da sie beide verschiedene Hergänge und verschiedene Veranlassungen berichten. Immerhin bleibt die chronologische Bestimmung der Lebenszeit Simeons im Dunkeln, obwohl auch Weiß in seinem Werke Seite 94 für die talmudische Tradition eintritt. Es kann hierbei erwähnt werden, daß die Auffassung Frankels von den in dem 1. Perek gebrauchten Wärtern קבל׳ קבלו sehr schwierig ist, er meint nämlich, daß sie nicht das Erhalten mündsicher Belehrung, sondern die Nachfolge im Amte bezeichnen. Wenn dem so wäre, so ist es nicht zu verstehen, daß es bei Jose den Jotzsec und Jose den Jochanan, welche auf Antigo NUS von Socho folgten, heißt קבלו מהם• Diese Worte sind nur dann richtig, wenn man sie nicht auf die Nachfolge dezieht, sondern auf das Empfangen der Lehre von ihrem nachsten Vorgänger und dessen Lehrer. (Forts, folgt.) K«u»s und Kloster. Ein zeitgeschichtlicher Ronran von D. R. H a m m e r s ch l a g. (Replik). — Der Literatur-Verein war unparteeisch genug, das genannte Werk, gleichsam sein eignes Kind, einer etwas ungünstigen Kritik unterwerfen zu lassen. Er that dies in der lleberzeugung vom Werthe dieses Buchs und in der Gewißheit, daß solche hochtönige und abwerfende Urtheile der Verbreitung desselben nicht schaden. Dennoch widerstehe ich dem Andrängen meiner und des Literaturvereins Freunde nicht länger, denen gegenüber, welche vielleicht zu leichtgläubig manches Wort als unwiderlegbar annehmen, dem Kritiker zu antworten. Die Kritik lobt eigentlich das Buch und empfiehlt es, dennoch ist sie des Tadels voll. Ein begründete! Tadel ist zwar in der Kritik berechtigt, aber nimmermehr der Ton, als wenn der Kritiker allein des Wiffens voll wäre, und er nur Recht haben könnte. Und hier nun, wo die Eruirung und Feststellung wissenschaftlicher Resultate nicht Zweck war, hätte der Kritiker eigentlich weniger Ausstellungen nlachen, als die Vorzüge des Buchs hervorheben sollen. Der Zweck ist ja, Juden und Christen gegenseitig über ihre eigene und die ihnen fremde Religion aufzuklären und dadurch consessionelle Jrrthümer, wie politische und sociale Mißstände beseitigen zu helfen. Das Buch soll vom Volke, nicht blos von den Gelehrteil gelesen werden. Deßhalb ist die Form des Romans gewählt, wobei freilich die Form nicht die Hauptsache ist, aber doch dazu dient, eine so ernste Lektüre schmackhaft und leichter verdaulich zu machen Ob sonst wohl die Dame, welche über Einzelnes im Buche Fragen an den Kritiker gestellt hat, nach dem Buche gegriffen hätte, wenn es eine streng wissenschaftliche Form gehabt hätte? ES ist nicht leicht, in unsrer materiellen Zeit das Volk für einen religiösen Gegenstand zu gewinnen und dauernd zu fesseln. Es wäre auch nicht unschwer gewesen, romanhafte Situationen uach Wunsch und Sinn des Krittlers einzufkgen, aber das Buch wäre dadurch zu umfangreich geworden in Rücksicht auf unseren Gegenstand wie auf unsere Leser. Die Ernsthaftigkeit des Gegenstandes mußte natürlich auch die Diction beeinflussen, die gewöhnliche Romansprache war hier unmöglich. Die Schwierigkeit, so ernste Gegenstände populär zu behandeln, hätte der Kritiker deßhalb eher hervorheben müssen, als etwaige Schwerfälltgkeit oder Ueberladung des Ausdrucks. Denn um in fremden Dingen sich verständlich zu machen, sind oft Wieder- Holungen nicht zu vermeiden; bei einem gelehrten Publikum hätte eS in solchen Fällen nur einer Andeutung bedurft. Schreibweisen, wie ״universell", zu tadeln, liegt kein Recht vor, so lange nicht endgültig darüber entschieden ist, ob die etymologische oder phonetische Aussprache den Vorzug verdiene. Ich hätte Debora und die politischen Größe» unter den Frauen Israels hervorheben sollen, um die Stellung der Frauen unter den Juden zu charakterisiren? Aber ich spreche ja nur von der Stellung der jüdischen Frauen in der Familie nicht Verantwortlicher Stedakte«: Ar. St. Ratzmer. Druck von T. im Staate. Ich hätte Überhallpt noch mehr sagen können, wenn ich hätte Alles sage:: wollen. Kritiker setzt sich auf's hohe Pferd und meint alle Kenntniß von den Forschungen der Tübinger Schule, Geiger und Grätz auf christologischem Gebiete allein zu haben. Woher weiß er denn, daß die Ansichten Anderer über Jesus richtiger sind, während die neue Schule eigentlich nut dargethan hat, daß wir über Jesus nichts ^snmmtes wissen, und daß die neutestamentlichen Nachrichten über ihn widersprechend und gefälscht stnd? Zu den Propheten habe ich Jesus nie gezählt; — wie könnte ich auch? — aber es kam mir wohl darauf an, hier, in meinem Buche, wo ich nicht als wissenschaftlicher Forscher austrete, den Christen zu zeigen, daß wir Juden eine wohlwollende Meinung von Jesus haben können, ohne genöthigt zu sein, ihn anzuerkennen oder gar anzubeten. Beim Opfertode Jesu sind die Ausstellungen des Kritikers ebenfalls unbegründet. Die Verwerflichkeit des Menschenopfers ist hervorgehobcn und im Uebrigen nachgewiesen, daß Jesus nicht als religiöser, sondern als politischer Märtyrer gestorben ist. Aus dem Anfang der Bergpredigt zieht der Kritiker fälschlich den Schluß, daß Jesus nicht für Aufklärung, sondern Verdummung thättg ge׳ wesen sei, ganz im Geiste der katholischen Kirche. Die Stelle lautet: ״Selig sind die, die da geistlich arm sind." Abgesehen von der Frage über die Authenticität der Bergpredigt, die fest stehen müßte, um daraus einen Schluß auf Jesu Thätigkeit zu machen, ist die Uebersetzung falsch und unsinnig. Der Text heißt: ״to pneumali“. Selbst ״arm am Geiste" ist nicht richtig, sondern ״arm im Geiste." Damit sind die A n a w i m i gemeint, die im Geiste Gedrückte» und Demüthigcn. (Vgl. Jes. Ü6, 2). Hier ist also nicht im leisesten von ״Geistesarmuth" die Rede. Ich lasse Jesus ebenfalls als Wunderthäter stehen; ich betone ausdrücklich, daß Wunderqläubigkeit in der Zeit gelegen habe. Dies schließt die Zulässigkeit nicht aus, die rationelle Erklärung einzelner Wunder zu versuchen. WaS Kritiker im absprechenden Tone über Pharisäer und Sadducäer sagt, beweist, daß ihm die einschlägige Literatur unbekannt zu sein scheint. Meine Aeußerung über Leviratsehe ist kein Lapsus, sondern, freilich im Gegensätze zur rituellen Bestimmung, eine subjective, theoretische Ansicht, die aber schon dadurch berechtigt ist, daß der Talmud selbst, abweichend von der Bibel, die Chaliza als stereotyp hinstellt und die Vollziehung der Leviratsehe als unzulässig erklärt. Das biblische Gesetz ist also damit durchlöchert und der freien Discussion anheimgegeben. Auch noch andere Momente lassen sich aus dem Talmud für das Recht der freien Auslegung dieses Gesetzes und auch anderer beibringen. 8. Zur Abwehr! Dem Wunsche des Herrn Redakteurs d. Bl. mich unterwerfend, verzichte ich darauf, die Entgegnung des Herrn Dr. Rosenzweig (L-Bl. Nr. 10 S, 40) eingehend zu beantworten. Nur dem Vorwurfe gegenüber, der obwohl allgemein hingestellt, doch an dieser Stelle sich nur auf mich beziehen kann, ״daß er «Recensent) den Verfasser und seine Verhältnisse zu sehr im Auge beyält; denn er hört ton״ aUJ; Recensent der Schrift zu sein und wird persönt'^s Tadler , erkläre ich. daß mir Herr Dr RosenzwA persönlich noch heute unbekannt ist, daß er nie m-׳«en Weg gekreuzt, und daß ich nur durch sein Büchlein von seiner Exlstenz erfahren habe! Da ich Herrn Dr. R. wohl nicht bekannter bm, als er mir, begreife ich nicht, woher ihm der Verdacht persönlicher Animosität meinerseits auftauchen konnte. Als Freund und Studiengenosse des Dr. Levy weiß rch zu gut, wie unliebsam ihm eine derartige Huldigung ist. Me sie Herr Dr. R. ihm gebracht hat. Das bedeutet daS vedächt׳ge Schütteln des Hauptes, mit welchem ich ihn die betr. Stelle lesend vor mir zu sehen glaubte. Koschmin. Dr Leunn. Briefkasten »er «r». Der leidigen witgeqnungm «rgw Diel«, ielbst di« bereit« -maekündiaten. Recenstonen wieder »urückbleib«. Lcharnk« in Äarb^. Verla,: «oder» Artel« in «tpstg-