Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 5 (1876)
- Issue
- Nr. 9. (1.5.1876)
- Date
- 1876-05-01
- Page
- Seite 35 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/5367336-5990818-5990978--0572-5367607- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
ואל תצטרך לבלצום; wir glauben, baft gleichfalls alle Mühvergeblich fein dürste, die Quelle für das Sprüchwort: אינוש באינוש פגע טורא כטורא לא פנע aufzufinden; es mag eine spätere Hebräisirung des bekannten sinnähnlichen deutschen Sprichwortes sein. Sollte ein Leser d. Bl. glücklicher gewesen fein, so wolle er freundlichst hier das Resultat seiner Bemühung mittheilen. Zu Maimuni's (More Neb Thl. I. cap. 74, 7) Worten: כמשל המפורסם אצל הערביים ערביך ערבא צריךwill ein Mitarbeiter des Hamagid (Fahr. 5 Num. 6)הערכים (die Bürgen) lesen. Goldberg thcilt (ibid Num. 14) mit, daß in dem arabischen More nicht ׳הערביים sondern ענד אל םר'אן (Syrien, Armenien) steht und wundert sich über Fürst ent Hai, der vorgiebt, daß dieses Sprüchwort oft im Talmud vorkommt, während ihm nur die eine Stelle: Sukah 26 a. bekannt sei; er drückt sich aus: ולענ״ד לא נמצא המשל הזה פכל התלמוד פ״א פעם אחת 2מם2ת סופה; allein es finhet sich auch Gittin 28 b, und ein ähnliches Sprüchwort wird Sota 37 b gebraucht. 6) Im Hebräischen bedeutet bekanntlich der Buchstabe ו auch ״oder", z. B. מ2ה א2יו ואמו und öfter. Auch im Rabbiyischen hat der Buchstabe zuweilen diese Bedeutung, z. B. Jebamoth Cap. 13, Mischna 1, wo Maimuni sagt: ו2אה הוי״ו כמקום או, oder Megilla cap. II. M. 2 bei L. Heller. Hierdurch wäre die Lesart in Maimuni's Mischnacommentar Moöd. katan. I, 1 gegen Hellers Einendation in ihrer Ursprunglichen Form beizubehalten. Maimuni will sagen: Die Mischna nennt die Zwischentage des Festes חולו של מועד, aber auch ומועד d. h. ״oder Moed"; in der That lammen beide Be- Nennungen in der Mischna vor, vorherrschend מועד aber auch (Megilla IV, 2) הולו של מועד. 7) Das aram. ׳עידית womit die chald. Paraphrase das hebr. נאות (Thren. 2, 2) übersetzt, erklärt Mussaphia (im Aruch 8. V. עדית) folgendermaßen: פירוש כלשון יק ורומי מקדש ומקום מיוחד לכהנים לכדם; er scheint an Adyton zu denken, allein das a-privat. kann doch nicht durch V bezeichnet werden; wir glauben, daß hier avdes gemeint sei, welches ja ganz besonders ״Tempel" heißt. (Fortsetzung folgt.) Literalurbericht. Recenstonen. Alrälk, I, Rabbiner zu Kojetein. מ2וא המשנה, Einleitung in die Mischnah, enthaltend das Leben und die Lehr- Methode der Gesetzeslehrer von Esra bis zum Abschlüsse der Mischnah. I. Theil. Frankfurt a. M. 1876. Selbstverlag des Verfassers. (Zu beziehen bei A. Brüll in Frankfurt a. M.) DaS oben genannte Buch hat schon vor einiger Zeit ein öffentliches Interesse dadurch erregt, daß Zeitungsberichten nach, die Kauffman'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M. vom Verläge dieses Buches zurücktrat, weil einige, derselben nahestehende Rabbiner gegen einen solchen Verlag angeblich deshalb sich erhoben hatten, weil in diesem Buche die Nanien Frankel's und Grätz' öfters genannt seien. Ein solches Vorgehe» ist jedoch durchaus nicht im Geiste des Talmuds. Nach Chagiga, P. 2 ist es nicht zu billigen, selbst im schlimmsten Falle (ת״ח אעיפ' שמרח) die wissenschaftlichen Meinungen eines bedeutenden Gelehrten gar nicht oder ohne Namennennung zu citiren. Doch jene Censur hat die Veröffentlichung nicht verhindert, das Interesse für das in Rede stehende Buch vielmehr gesteigert; es bleibt uns deshalb nicht nur unbenommen, sondern wird uns zur Pflicht, dem Autor gerecht zu werden. Der Geist, in welchem das genannte Werk, so weit es 0:1׳ ( .....! uns vorliegt, versaßt ist, ist ein ächt religiöser und pietätvoller, aber ebenso ein freier, wissenschaftlicher, selbstständiger z» neunen. Das Studium der Mischna und des Talmuds hat mit der immer wachsenden Entfernung von der Zeit Ihrer Entstehung zu der Nothwendigkeit geführt, ihre geschichtliche Entwickelung zu erforsche». Die brennenden Fragen in der Mitte der Judenheit. nach der Wahrheit, Aechtheit und Verbindlichkeit der Tradition, die Sehnsucht nach einer klare» Erkenntniß der Vergangenheit Israels und besonders der Geschichtsperioden, in welchen der religiöse Geist des Volkes in blendender Weise wie eiue strahlende Sonne vom Himmel des israelitischen Denkens emporstieg und eine wärmende und erhellende Lichtfülle über das ganze Volk ausgoß, das Bestreben, durch die große Menge der Ueberlieferungen zu den Grundsätzen durchzudringen, die in ihnen wirken, den Geist und die Richtung der Heroen und Klassiker aus jenen Epochen zu erfassen, endlich der in der allgemeinen Wissenschaft wirkende Drang nach historischer Klarheit hat auch in der Mitte der Israeliten Männer erzeugt, welche die geschichtlichen Spuren jener Zeit und vollkommene Bilder von dem Wirken jener Männer aufsuchten. Die Vorarbeiten der früheren geschichtlichen Werke genügten aus vielen Gründen nicht; mit Bienenfleiß und scharfem Auge fing man von Neuem an zu sammeln und zu sichten, zu vergleichen, Widerspreche zu lösen, und ivas die Hauptsache war, neue Quellen aufzusuchen und ohne Voreingenommenheit die alten zu prüfen, und, was nicht minder wichtig war, einen rationellen Weg der Kritik einzuschlagen. Freilich geschah das nicht von Allen mit gleicher Gewissenhaftigkeit, Besonnenheit und Bescheidenheit; Ueberstürzung und Parteileidenschast verdunkelten die sonst so klaren Augen. Ohne die bahnbrechende und epochemachende Arbeit Frankels (ז״צל) zu kennen, unternahm der Einganggenannte Rabbiner Brüll, die Namen, die Reihenfolge, die Zeit, die Stellung, die Thätigkeit und den Geist der Tanaiten zu erforschen. Seine bedeutenderen Vorgänger waren außer den Geschichtsschreibern der berühmte Nachmam Krochmal mt Chajes. Während der Autor arbeitete, erschien aber die ״Hodegetik" Frankels und später der erste Tbeil ״zur Geschichte der jüdischen Tradition" von Weiß, dem Lector am Jellmekschen Beth hamidrasch in Wien. Trotzdem Brüll in seiner Arbeit schon vorgeschritten war, setzte er dieselbe unter vorzüglicher Vergleichung mit dem Frankel'schen Werke und theilweiser mit dem Weiß'schen fort und hat uns nun den ersten Theil seiner Forschungen, das Leben der Tanaiten enthaltend, vorgelegt. ES bietet ein besonderes Interesse, sein Wert au sich und im Vergleiche mit den genannten zu studiren. Mit Absicht sagen wir ״studiren", denn schon die erste Seite des Werkes zeigt uns die große Belesenheit und den Sammelfleiß des Verfassers, sowie sein gründliches Eingeheil auf die einschlägigen Punkte, so daß man sein Werk nicht nur mit Aufmerksamkeit lesen, sondern studiren muß. In der Methode seiner Forschung unterscheidet sich der Verfasser von der Frankel'schen wenig. Er sammelt die einschlägigen Stellen aus den Mischnah's, den Talmuden, der Toßifta, den Midraschim, benutzt den Seder Hadoroth, vergleicht Lesearien, prüft, eniendirt sie, vergleicht den Josephus und giebt diesem zuweilen den Vorzug vor der talmudischen Tradition. Im Ganzen bestrebt er sich, die letztere, wo ihm nur irgend möglich, aufrecht zu erhalten unb spricht mit aufrichtiger Hochachtung von den Worten unserer Weisen. Fast durchgängig ist sein Urtheil ein selbstständiges. Doch scheint dem Recenscnten die Darstellung besonders im Vergleich zu der Frankel'schen nicht immer klar genug und nicht überall frei von dem störenden Pilpultone. Diesem schein man eS auch zuschreiben zu müssen, daß der Verfasser sich zuweilep in Widersprüche verwickelt. So behauptet er zum Beispiel Seite 261, Anmerk. 7, Z. 12, daß אנשי מ^עשה in Tr. Sukkah dasselbe was Zadikim bedeute, nämlich solche Menschen, welche Gottvertrauen und Menschenarbeit verbinden, während er Seite 3V unten erklärt, daß «S solche Männer bedeute, die Wunder verrichten. Ebenso widerspricht sich der Verfasser auf S. 56,