Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 5 (1876)
- Issue
- Nr. 7.8 (1.u.15.4.1876)
- Date
- 1876-04-01
- Page
- Seite 28 (sequence 4)
- Language
- German
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28 Heber einige neubebräifche Ausdrücke im Kohelet. Bon Nabbiiier D. Oppenheim. Es ist höchst merkwürdig, wie viele Stelle» im Kohelet, trotz der Anstrengung und Mühe, die die Ausleger auf dieses Buch verwendet, noch immer nicht vollständig und gründlich, klar und deutlich auigehellt sind. Bia» hat es bisher übersehen, daß im Buche Kohelet sich sehr oft die neuhebräische, chaldäisirendc Volkssprache abspiegelt, und daß eben diese Momente zur richtigen Erklärung vieler dunklen Verse herangezogen werden müssen. Als Fortsetzung unseres Artikels: ״lieber die Ledentnng des Morles 17 .4 .קרוב," in Nr. 4 des Literaturbl. wollen wir noch einige exegetische Proben hier geben. 1. K. 5, 2: כי בא החלום ברב ענין וקול כסיל ברב דברים. Dieser einfache Vers wurde so verschiedenartig übersetzt und erklärt, und doch wurde bisher der eigentliche Wortsinn nicht vollkommen errathen. Zn so lange man קול mit ״Slinnne, Geschwätz" u. dgl. übersetzt, so bildet immer die zweite Halste des Verses eine Tautologie. Denn was will eigentlich der Prediger damit sagen: Die Stimme, das Geschwätz der Thoren kommt durch viele Worte? Schwatzen heißt ja nichts anderes als viel unnütze Worte häufen! Der Weise warnt hier besonders, ja nicht viele Worte zu häusen, und in demselben Augenblicke versündigt er sich gegen seine eigene Warnung, indem er etwas rein Uelurflüssiges behauptet. Die Vulg. giebt hier noch den plausibelsten Sinn: Kt in uniltis serinonibu? invenietur siultitia. Sie scheint nun für קול כסיל einendirt zu haben ״ ,קול כסילותdie Stimme der Thorheit wird erkannt durch viele Worte" Luther übers., um nicht einen Unsinn zu sagen, ganz frei und verwandelte das Hptiv. in ein Ztw., ״denn wo viel Sorgen ist, da kommen Träume, und wo viel Worte, da hört inan den Narren." Allein, um das Wort des Predigers recht zu verstehen, muß nian die Bedeutung des Hptw.'s קול vor Allenr eruircn. Im Neuhebräischen heißt כול auch ״Ruf, Gerücht, "Name," wovon zu Theil auch in der Bibel sich Spuren sinden. Z. B. Genesis 45, 16 und Exod. 36, 6: ׳ויעבירו קול einen Nus ergehen lasten, was auch die Targumim mit כרוו wiedergegeben. Im Talmiid kommt diese Redensart sehr hällsig vor. Gittin öl a Uild 98 a heißt cs: נפק קלא דאוקדשה, der Ruf hat sich verbretiet, daß N. N. getraut wurde; מבטלינן קלא und ebenso Zebamoth 25 a: קלאדלא פסול; Kethuboth 26 a: ׳כהן דנפק עליה קלא דבן גרושה וחלוצה ״ein Priester, von dem sich der Ruf und das Gerücht verbreitele, daß er der Sohn einer Geschiedenen sei." Zn allen diesen Stellen ist für die in der Misch n a, Gittin 88 gebrauchte Phrase יצא שמה בעיר מקודשת im Talmud^,? נפק substituirt. d. h. wenn in der Stadt das Gerücht oder der Name sich verbreitet hat, daß die Frau getraut oder geschieden wurde, so ist sie als getraut oder geschieden zu halten. Ferner heißt es ״ ק לא בישאein übles Gericht, ein schlechter Name"; קול יוצא ״ מסוף עולם ועד סופוder Ruf dringt von einem Ende der Well bis zum anderen Ende." (Zoma 30) Diese Bedeutung des Wortes ״ קולRuf, Gerücht, Name," ist auch hier i» unserem Verse angewenoet, und der Sinn ist demnach folgender: ״Denn der Traum koinmt. entsteht durch vieles Nachdenken, und der Nus und ׳Name (der Stimme) des Thoren, entsteht durch viele "!׳ orte." — Durch viele Worte giebt sich der Thor stets zu erkennen, und darum soll man immer selbst beim Gebet auch nicht weitläusig sein. Denn viele Worte sind immer, und mögen diese bei welcher Gelegenheit, oder beim Gebete, beim Bortrage der Gotteslehre angewendet werden, ein Zeichen der Thorheit und deshalb müssen sie, wenn du nicht in den ״Ruf eines Thoren" kommen willst, sorgfältig vermieden werden. Es stehen demnach sämmtliche Verse im innigen Zusammenhange. ״Beobachte deine Schritte, so du gehst in das Gotteshans u. s. w. Sei nicht vorschnell mit deinem Munde, und dein Herz übereile sich nicht, ein Wort auszusprechen vor Gott; denn Gott ist im Himmel, und du bist auf Erden, darum mögen deine Worte wenig sein Denn der Traum kommt und entsteht durch vieles Nachdenken, und der;stuf des Thoren kommt und entsteht durch viele Worte." Das verb. בא muß in der zweiten Hälfte fubftituirt werden, und hat hier die Bedeutung von נפק und יצא- Wie der Traum unwillkürlich entsteht durch die Gegcnstäiioe, ivomit man sich am Tage beschäsligt hat, so entsteht auch unwillkürlich der ׳Name und der 'Nus eines Thoren durch viele Worte, so er dieselben selbst beim Gebete und anderen wichtigen Anlässen vergeudet. Unser Vers ist nur eine Variation und Ergänzung des Spru- 'ches: Wer viele Worte häuft, kann Fehler nicht vermeiden, wer aber seine Lippen zurückhält, ist weise. (Spr. 10. 19 und 17, 27.) Er enthält wahrlich eine treffliche Moral, die nicht genug seichten, langweiligen Predigern, die oft eilten hohlen Gedanken in's Unendliche ausdehnen, zu empfehlen ist. Es ist dies eine Lehre für jeden frommen Beter, und insbesondere nach unserer Erklärung für den ״ ,קרובden Prediger und den Vortragenden der Gebete und des Gotteswortes." 2. Der folgende Vers 10, 1: ומבי מות יבאיש יביע שמן רוקח יקר מחכמה מכבוד סכלות מעט hat zu mannigfachen Erklärungen der alten Versionen Anlaß gegeben, und doch liegt der wahre Sinn desselben, wie schon Raschi, Iben Esra und Lewi b. Gerson bemerke», ganz auf der Oberfläche. Es ist zu bewundern, daß die neueren Exegeten von der Erklärung der Alten ohne Noth Umgang genonimen und gezwungene Auslegungen gewühlt haben! Die Deutung des Wortes יקר hat eben zu den falschen Eregetn veraillaßt, die doch hier gar nicht so schwierig ist. Bekanntlich bedeutet יקר im Aramuischeu ״schwer und gewichtig sein." So übers, die Targumim durchweg das hebr. ככד mit יקר z. B. Psalm 38, 5: מטול ״ .יקר יקירו מיניwie eine schwere Last sind sie mir zu schwer". Ebenso schon in der Bibel 1. König 5, 31, 7, 9,10: אבנים יקרות ״schwere Steine." Diese Bedeutung hat auch hier das Wort ״ :יקרschwer, schwer wiegend." Der Sinn ist also: Gleichwie todte Fliegen das edle Gcwürzöl stinkend und gähreud machen, ebenso überwiegt, verdirbt ein wenig Thorheit viel Weisheit und Ehre. In beiden Vershälften fehlt das Waw copulativ, welches man substituiren muß: יקר <!«« יבאיש ויביע מחכמה ומכבוד d. h. schwer wiegender oder überwiegender ist oft ein wenig Thorheit als Weisheit und Ehre. Die Menschheitsgeschichte bestätigt diesen Satz, und wir brauchen nur, wie Zben Esra bemerkt, an Salomo zu denken, dessen Sünde betreffs der Vielweiberei (Nehemias 13, 26) einen dunkle» Schalten aus seine Weisheit wirft. Die Biographie des großen und kleinen Napoleon bietet ebenfalls eine passende Illustration zu diesem Spruche! Es steht dieser Vers mit dem vorangehenden in enger Beziehung. ״Besser ist Weisheit als Kriegsgeräthe, doch ein Sünder, ein Fehlender, kann viel Gutes verderben. Wie todte Fliegen u. s. w." Das Hptw. חוטא hat hier die Bedeutung ״ein Fehlender" (siehe Richter 20, 16) b. h. ״wohl ist Weisheil bester als Kriegsgeräthe, deml nur mit weisem Rathschlag kannst du Krieg iühren (Spr. 24, 7)"; aber ״ein den Plan verfehlender (Heerführer) kann viel Gutes verderben." Auch im menschlichen Charakter kann eine kleine Thorheit alle Weisheit und Ehre zu Nichte machen. Eine auffallende Hagada. Im Tractat Megilla Fol. 11 pag. 1 wird im Namen der Masnita folgende Hagada ciitrt לא מאמתים בימי