Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 5 (1876)
- Issue
- Nr. 7.8 (1.u.15.4.1876)
- Date
- 1876-04-01
- Page
- Seite 26 (sequence 2)
- Language
- German
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—- 26 bleibt, als göttliches A0uer. Inwiefern אלד,ים nicht bloß für die Naturgesetze, sondern auch für die Sitteugefetze (Richter) gilt, ergiebt sich ans nniern früheren Betrachtungen, (csr. Jüd. Litcraturblat 1875 Nr. 16), nach denen wir ja sämmlliche Gesetze der Bibel als Naturgesetze aufsassen. Das Wort מלאך würde natürlich nie Engel im Heid- Nischen Sinne, sondern immer blos die sveciclle Aeußcrung, durch welche der Ewige sich als solcher zuweilen direct offenhart, bedeuten. Wie sehr aber die Anfsajjung des Feuers dem Volks- Instinkte entspricht, zeigt wohl am besten die Ausdrucksweise: der brennende Zorn, die ׳eitrige Liebe, die verzehrende Leiden׳ schast, das feurige Blut. Letzteres namentlich (דם-, die Substanz, die das Wesentliche im Menschen (א־דם) bildet, würde namentlich in «Hierein Sinne correct sein, insofern die Energie des Menschen wesen.lich an das Blut gebnndett ist.; (cfr. ״Blut und Seel." I>!. Wochenschrift Nr. 49. 1875.)*,! II. Zu Genesis Cap. I! von Martin Kornfeld. Das vulgäre Sprüchwort ״Aller Nnsang in schwer" be-! wahrheitet sich in der Schwierigkeit der '.Icbcrsetznng und Er! klärung des ersten Verses der Bibel, dessen landlänfige Uebcrsetzung: ״Int Anfang schns Gott Himmel und Erde" immer! schwierig bleibt. — Mit der Definition des Begrisses ״Elohim" und der Frage, ob die Bezeichnung ״Gott" als correcte liebersetzung dafür gelten kann, wollen wir uns hier nicht besassen, da es gleichgültig sein kann, ob hierfür ״Allmacht, Urkraft re." gesagt wird. SinnentsteUend kann keinerlei Uebersetzung hierfür werden, da der Gottesbegriss. Dattk der häufigen Erörterungen in der Bibel, ,:amentlich im 5. Buch, keinen Zweifel auikommen lassen kann, daß stets, trotz verschiedener Bezeichnungett für Gott nur eine urjchöpferijche Kraft angenommen wird, welche zu bezeichnen die ״Grenzen unserer Naturerkenntniß"**) nicht gestatten. Ganz anders verhält es sich mit der lieber-־ setzung des Wortes ״ השמיםHimmel". Was sollen wir nnter ״Himmel" verstehen? Etwa das Firmament, das schein-! bar halbkugelige Gewölbe über der Erde, diesen Himmel, der uns blau erscheint wegen der äußerst zarten Wasserpartikclchen, *) Für die obige Ansicht spricht auch der angeborene ,»enschtiche Trieb, alles Feurige, Stanzende, Farbige auizusuche», starker davon beeinfiusn zu werden. Spielen ja doch die Farben des nienschtichen Antj litzes eine Hauptrolle bei der Beurtheitung des Charakters des Trägers, namentlich ist der Glanz des Auges, der feurige Blick ei» inftinktives Moment der Leurtheitung für die Thatkrast des Besitzers solcher Augen. Wir könnten noch die Lust, mit dein Feuer zu spiele», bei Bindern, die Freude an Illuminationen bei Erwachsenen, den eigenthümliche» Genuß, in die Stuth des Herdes zu setzen, ansühren. Ferner die Lust am Solde, an diesem zur festen Masse gewordene״ Feuer. Aber hier!vollen ivir uns daraus beschranken, aus der Schöpfungsgeschichte eine Bestätigung unserer Ansicht anzuführen. Es ist eigentyümtich, daß im 2. B. des l. B. Mos. על״פני zweimal mit verschiedenem Satz» Subject u.w Object gebraucht ist. Erst Finsterniß auf de!» Abgrund, und der Geist אלדים aut den Wassern. Es ist nicht zu verkennen, daß ״Finsternih" hier einen Gegensatz zu dem ״göttlichen Geist" bildet, und daß חשך späterhin auch einem Wort gesetzt wird (,לילד), welches etymologisch ״nicht — göttlich" bedeuten könnte (?!). Vielleicht findet sich hier ein Schlüssel zur Erklärung, warum »othwendiger Weise zuerst das Licht ״werden" mußte, wie cS als die ursprünglichste sinnliche Erscheinung der Gottheit auch Moses späterhin erschienen ist. **) Wie Dubais-Reymond unter demselben Titel nachgewiesen. welche in der Luft schweben und ein blaues Licht reflectiren? Dieser Raum ist nach dem Schöpsungsbericht erst später entstanden durch die Treilnung der Wassermassen, welche sich verdichteten und alsdann Leuchlkörper entwickelten, und diese רקיע wurdejwiederum mit שמים bezeichnet. (V. 8.) Offenbar liegt hier eine ziemlich willkürliche Uebersetzung vor, welche mit der Elyntologie des Wortes nicht vereinbar ist. Das Endwort מים welches ״Wasser" bedeutet, kann unmöglich verschwiegen bleiben, und wäre tvohl ״Wasserdämpse" die geeignete Uebersetzung hierfür. Wollten wir nun!toch der ersten Sylbe יחש) Rechnung tragen, indem wir dieselbe mit ״ אשHeuer" in Verbindung bringen, wie es bereits ein aller berühmter Coulmentalor gethan, dann haben mir die Ursubstanz mit flüchtiger Fenermaffe, einen Urnebel beschrieben, wie cs die Piysik ebenfalls angenommen, und wir könnten רקיע einfach mit ״Horizont" bezeichnen. Wir Hallen die gewöhnliche Uebersetzung ״Himmel" sür דשמים (statt Wasiermasjen, auch darum sür verwerflich, weil sich mit der Bezeichitung Hintmel leider ein Begriff für einen Raum verbindet, in denen ein heidnischer Gott mit feinen Engeln, Halbgöttern ec. rcsidirt. Eilte solche hiulinlische Residenz, welche zuglich als zukünftiger Santmelplatz für die srontmen Seelen gilt, nachdem sie durch den Tod von ihrer irdischen Hülle befreit worden, kennt die Bibel nicht. Solche Vorftellungen. welche leider durch die falsche Bezeichnung des דשמים entstanden sind,*) und in den verjchiedenften Coinmentaren stguriren, siitd der Bibel univürdig, und jedes System, welches zu solcher Annahme führt, steht mit dem Inhalt der Bibel auf diametral entgegengejetztem Standpunkt. Durch unsere Erörterung nehmen wir der ibel zwar den Hiinntel, ersparen uns jedoch die ״Hölle", zu der jene Attnahme als logische Consequenz führt. Wir wollen schließlich bemerken, daß wir uns gegen den Vorwurf verwahren, I den Inhalt der Bibel im Urtext sophistisch interpretiren zu wollen, tun ihn möglichst in Uebereinstrmmung mit dem jetzigen Standpunkt der Wissenschast zu bringen. Die Wissenschaft ist nicht unfehlbar, und der Iirhalt der Bibel müßte gar sehr dehnbar sein, wenn er die jedesmalige Form der Wissenschaftlichen Resultate aunehmen sollte. Wir halten es jedoch sür Pflicht, jede willkürliche mystische Inierpretirung auszumerzen, welche absichtlich oder auS Unwissenheit die Bibel als ein primitives, naives Kindermärchcn erscheinen läßt. Die Steine des Ephod. Eure archäotogtjch-cxegetische Studie v.H. Wassertrilling, Rabbiner Jnr Talmud babli (Sota 36 kt u. b) werden nach einer Boraitha zwei Ansichteil über die Ordnung der Namen der 12 Stämme auf den Steinen des Ephod angeführt. Nach der einen, die blos auf denr zweiten Steine die Geburtsfolge gelten läßt (שניה בתולדותם ), hingegen beim ersten Steine dem Namen .ידידה als künftigem Königsstanrme deit Vorzug einrüumt, und ihn an die Spitze stellt, war die Reihenfolge der Namen auf den beiden Steinen folgender Gestalt: ') Aber das ך gehört nicht zum Stamm, nur die Sylbe ty kann von אש zurückgeblieben (ein. (Red:) ’) Diese Borstellungsweise har sich in! Zudenthuin erst unter dem Einfluss« der Zendreligion, mit welcher es während der persischen Obers Herrschaft in enge Berüh-ung kam, ausgebildet — wie Grätz ״Gesch. d. Jud." Bd. II. 8. 2. 203 gründlich nachweist. (Red.)