Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 5 (1876)
- Issue
- Nr. 7.8 (1.u.15.4.1876)
- Date
- 1876-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Das Jüdische MmtmblM Zur Beleuchtung aller Judenthum u. Juden betreffenden litrrarischen Erscheinungen aus dem «Sediete der Philosophie,Geschichte, Ethnographie, Lheolngie, Prientali», Exegese, Homiletik, Liturgik, Pädagogik. I Herausgegeben von Rabbiner 1)1׳. Moritz Rahmer. Magdeburg, 1. u. IS. April 187«. Bücher der einschlägigen Literatur, welche der Red de» ״Jüd. Kteraturdlatt" in Magdeburg (oder der ״Jorael. wochenschr." in Stettin) -ugesandt werden, finden in diesem Platte eingehende Besprechung. V___/ Nr. 7.8 Erscheint am 1. u Ni. des Monats. Preis pro Jahrgang 4 Mark. Für die Abonnenten der ״Israel. Wochenschrist" (bie jährl. 9 Mark kostet) gratis. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen; in Leipzig durch Robert Friese. 5. Jahrgang. Bibel und moderne Wissenschaft. I. Zur Erklärung von Exod. Cap. III. B. 2. ff. Von Dr. H. Kornfeld, Kreisphysikus in Wohlau. Die Erscheinung des Ewigen im Dornbusch bietet der Erklärung auch philologisch die Schmierigkeit dar, welche die Unkenntniß über die Bedeutung einer Reihe hebräisch er Worte in ihrem Gefolge hat. Um aber die Bibel zu verstehen, um den Geist der Worte zu erfassen, muß man thun, was sie selbst in dieser Beziehung anbefiehlt: ״Tag und Nacht sie studiren", mit Aufrichtigkeit und Hingebung. Dann wird man sich in ihre Gesetze hineinfühlen, und wo eine Stelle dunkel ist, wenigstens keinen Widersinn, keinen Widerspruch mit dem Üebrigen in dieselbe hineindeuten- Die Sprache ist ja ein unvollkommenes Instrument zur Wiedergäbe unserer Gefühle. Die Kunst, Geberden, Mienen drücken sie oft viel bester aus. Ja das Beste, was in unserer Seele vorgeht, können wir entweder gar tiicht oder auf eine uns meist gar nicht bewußte Weise Anderen mittheilen. Aber auch für ganz klar durchdachte Gedanken ist es schwer, den correcten Ausdruck zu finden, namentlich wenn die betreffende Sprache an und für sich keine sehr hohe Ausbildung erreicht hat. Die heilige Schrift ist aber auch schon darum etwas so Kostbares, weil sie die natürlichsten, logischsten, für die Wiedergabe der tiefsten Gedanken geeignetste, nach unserem Gefühle zugleich die markigste und lieblichste der vorhandenen Sprachen überliefert. Je bester man die Worte derselben verstehen wird, desto mehr wird man erkennen, daß alle anscheinenden Widersprüche mit der modernen Wistenschaft nur auf unvollkommner Uebersetzung beruhen. Es lohnt sich daher, jedes Wort solcher dunklen Stellen, die zu dem Glauben, daß unsere Ansichten jetzt besser sind als die in der Torah enthaltenen, B eranlasiung geben, einer immer erneuten Prüfung zu unterziehen. Zu diesen Worten gehören bekanntlich die ,Bezeichnungen der Gottheit. Warum erschien der מלאך im feurigen Dornbusch, warum sah;יהוד, daß Moses heranging und rief אלהים aus dem Dornbusch? Warum wählt endlich das ewige Wesen das Feuer, um sich Moses zu offenbaren? und warum den Busch, der sich nicht verzehrte? Um diese Fragen zu beantworten, müsten wir auf die Schöpfungsgeschichte zurückgehen. Warum ist von der Erschaffung des Feuers nirgends die Rede, während Master, Erde und Luft doch vorhanden waren? Aus einem Grunde, der erst völlig klar wird, wenn die neuen Anschauungen über Kraft und Stoff hinreichend gewürdigt werden. Die Chenlie lehrt (cf. I. Coole: ״Chemie der Gegenwart", Leipzig 1875, S. 209): Das Ursprüngliche war das Feuer. Die Kruste unseres Erdballes besteht aus verbranntem Materiale. Was jetzt von Organismen existirt, beruht auf der Wirkung der nach dem früheren allgemeinen Brande zur Geltung gekommenen Sonnenstrahlen. Alle irdische Kraft koinmt von der Sonne, und jegliche Kraft aus Erden hnn direkt auf ihre krästigenden und Leben erzeugenden Strahlen zurückgeführt werden. Diese Kraft ist dieselbe und eine, und zeigt sich bald als Elektricität, bald als Magnetismus, als Wärme rc. Die Kraft, oder Energie, oder dasjenige, was jeden Stoff fähig macht, eine Energie zu entfalten, d. h. in chemischem Sinne zu brennen, ist unzerstörbar. Ebenso ist der Stoff unzerstörbar. Wie nun endlich das Leuchten beim Brennen darauf beruht, daß nichtflüchtige (unveränderliche) feste Theile vorhanden sind, welche bei einer genügenden Wärmeproduction diese Erscheinung Hervorbringen, so haben wir eine Erklärung der Stelle, über die wir hier sprechen, gefunden. Im Lichte der neueren Auffastung, welche übrigens auch zum Theil schon von den Alten geahnt wurde, kann man sich den Anfang der Bibel folgendermaßen denken: 1) In der Hauptsache schufen die Naturgesetze (die Attribute des ewigen Wesens) die Urstoffe (Himmel und Erde). Wir wollen hierbei vorläufig außer Acht lasten, inwiefern ״schaffen" richtig übersetzt ist und behalten einem ferneren Aufsatz die Erklärung von Urstoff (Himmel und Erde) vor. 2) Es entstand damit gleichzeitig der Begriff der Z e i t (Tag und Nacht) und der des Raumes (Ausdehnung), d. h. der beiden Formen des menschlichen Denkens. Das Wesen, das unveränderlich, ewig dasselbe ist, kann nichts erschaffen haben (!?), kann keine Zeit, keinen Raum kennen. Es ist nicht an Stoff gebunden. Es ist nicht anders dem Menschen zur Erscheinung zu bringen, wie als Urkraft d. i. als Feuer und als unveräiiderlich, d. h. als Feuer, das nicht verzehrt, sondern ohne sich zu nähren, ewig dasselbe