Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 5 (1876)
- Issue
- Nr. 6. (15.3.1876)
- Date
- 1876-03-15
- Page
- Seite 22 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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22 Literarische Notizen. Von Dr. L. Levysohn Rabbiner in Stockhol,n. 1. — Neulich erstand ich in einer Auction die editio prima des ׳שלחן ערוך Ausg. Krakau ׳של״ח in welchem I. der Theil .Tore Dea gedruckt wurde, die anderen 3 Theile sind von ש״ם, klein, Folio und nur den פנים und die Hagaholh des M. Jsserky enthaltend. In diesen Hagahoth fehlen durchgängig die Quellenangaben, wie wir sie jetzt im Ncma, gewöhnlich eingeklammert finden. Die Abweichungen vom jetzigen Texte sind außerordentlich zahlreich und die erste Ausgäbe ist leichterklärlich reich an Druckfehlern: gleichwohl findet sich da und dort eine richtigere Lesart als in den späteren Ausgaben. Wir heben hier drei Stellen hervor. In der ersten ist ein Druckfehler vermieden, der fast in allen anderen Ausgaben sich findet, in der zweiten ist dagegen ei» Fehler gegen ׳ den 1ץ und in der dritten ein Ausdruck, der den חין gewis׳ sermaßen modisicirt. Im Eben Haesar §. 145 Seif 5 heißt es richtig.- ועיין לקמן סימן קנ״ד לא משמע כך, in allen uns bekannten Ausgaben steht dagegen: ((ועיין לקמן סעי־ קל״א משמע כך — Ans diesen Druckfehler machte bereits ausmerk׳ sam I. Behak in Ozar Chochma 1. Jahrg. S. 45. — Im Jore Dea §. 334 S. 13 heißt es in der Krakauer Ausgabe: זתוך ל׳ אין מהרין לו ער שיחזור ממד שעשה, richtiger in den späteren Ausgaben: אין מ'ל׳ אפילו חזר ממד שעשה Jbid. 8 360 heißt es: וכן םקדוכים שלחם אוכלים, in anderen Ausgaben: וכן דקדואים, wodurch natürlich die Borschrist erweitert ivird, während sie durch die Lesart דקרכים mehr eingeschränkt wird. Wir werden ein anderes Mal eine weitere Lese der wichtigsten Variairten in d. Bl. mittheilen. 2) Außer den 60 Epitaphien in ineinem נפשות צדיקים besitze ich noch eine weitere Sammlung von Grabschriften ches Wormser Friedhofes, die ich vor meinem Fortgang von dort von den Leichensteinen copirt habe. Ich erlaube mir hier zwei derselben mitzutheilen. Die ein: ist jedenfalls der iveilern Forschung werth, da sie einer jedenfalls bedeutenden Persönlichkeit gilt, die andere ist, wie ich glaube, ebenfalls nicht ohne Interesse. Der erste Stein, nur wenige Ellen hinter dem Eingänge zum Friedhose, hat sehr kleinen Styl, und waren mir die defekten Stellen unlösbar, weil sie zugleich unlesbar sind. Die eingeklammerten Wörter ergänzte ich des Reimes halber. Die Inschrift lautet: לעד הגל ומצכד, - לעדה יעמדו יחדיו עלי תמים אשר נחבא : בכלח זה והם עדיו בתומו גברא רבא : בדת א' ואל סודיו שמו רב יצחק הבא : אל עדן בזיו הודיו וחובו לשלמה בא : ואשרהו בבא עדיו לאלף ששי [בארבעה]: יסוד עולם עלו עמודיו במעלי שבתא נשבה ..... מעבדיו [כירח אייר] אור נכבה - לדורו נקרע מדיו בעשרים ותשע בא : מאור שמש לתלמידיו יחידתו להושיבה .. ותנוח במשכבה : בשלום ישכבו יחדיו Der 29. Tag im Jar 5004 — 7. Mai 1244 war ein Freitag, weshalb ich Jjar supplirte. Sollte unser Jsak vielleicht cheutisch mit R. Jsak aus Wien (ריא״ז) sein? Er blühte in der Mitte des 13. Jahrhunderts, war ein Lehrer des R. Meier aus Rothenburg und war Rabbiner in Würzbürg; sollte er vielleicht seine Ruhestätte in Worms gesunden haben? Freilich darf nicht übersehen werden, daß M. Rothenburg im I. 1293, also 49 Jahre nach unserem Jsak, versel, specitl, principiel, individuel" (stets mit einem l); ״geehrte Fräulein Julia" (S. 37S) wird wohl ein Druckfehler sein. starb. Wir ersehen jedenfalls aus unserem Epitaph, daß I als Kabbalist und Rabbiner berühmt war. (Fortsetzung folgt.) Bemerkungen zu den talmudischeo Raudbemerkuugen. Die iil Nr. 3 dieses Blattes veröffentlichten ״tal »indischen Randbemerkungen" enthalten unter Anderem eine Erklärung zu Berachot 2 a, die über den alten, landläufigen ״Peschal", von den! sie total abweicht, so unbekümmert hinwegschreitet, daß ich es diesem schuldig zu sein glaube, und durch eine kritische Beleuchtung die neue Auslegung auf ihren wahren Werth znrückzusühren. Der letzteren zufolge ginge dis Frage der Gemara ibid. ׳תנא היכא קאי wenn ich eS recht verstanden habe, von der zweifachen Prümiffe aus: es sei erstlich notorisch, daß das Sch'ma allabendlich zweimal gelesen werden müffe; es seien ferner auch die Quellen bekannt, daß nämlich einerseits das Sch'ma in die Liturgie des in den Synagogen gemeiniglich vor Abend verrichteten Maaribgebetcs ausgenommen wurde, sowie daß andererseits der Vers Deut. 6, 7: ודברת בם״ ובשבבך Die ausdrückliche Vorschrift enthalte, daß man zur Zeit der nächtliche» Ruhe das Sch'ma leien solle. Die Frage ת״ה׳י־ק wolle demnach nur wiffen, welches dieser beiden Sch'ma sich die Mischna zum Gegenstände ihrer Disputation genommen habe, was tue Antwort תנא אקרא קאי dahin entscheide, daß in der Mischna von dem Sch'nta der hl. Schrift, also von dem שמע דשכיבה, die Rede sei. — Wie wenig zutreffend jedoch diese Auffassung ist. erhellt aus folgender Betrachtung. Es ist zunächst unersindtich, welcher Punkt in der Mischna zu einer solchen Frage hätte Anlaß geben könn en. Muß doch buch die Zcilbestimmung משעה שהנהנים נכנכים לאכול בתרומתן und besonders durch die Terminationen ע״ח ׳עד סוף ה״ה x und ע״ע״ה jeder Gedanke, als handle es sich hier UIN das Sch'ma, das vor Abend gelesen wird, von vornherein ausgeschlossen sein. Wenn schon dieser Gesichtspunkt ein Hinderniß erblicken läßt, das der in Rede stehenden Erklärung thurmhoch im Wege steht, so demonstrirt sich die Hinfälligkeit derselben noch deutlicher durch den Zusatz דקת' מאמתי, der ja unzweideutig zu verstehen giebt, daß eben in dem die Mischna einleitenden מאמתי der Schwerpunkt der Frage liegt. Daß die Mischna zu Anfang gleich aber die Zeit des Lesens verhandelt, noch ehe wir wissen, daß überhaupt gelesen werden soll, oder, wenn uns dies die alltägliche, offenkundige Praktik lehrt, noch ehe wir aber missen, warum wir eigentlich das Sch'ma lese», das ließ offenbar der Gemara eine Aufklärung wünschenSwerth erscheinen und hat ihr den Anstoß zur Frage gegeben. Die Frage ת׳ה׳ק׳ ist daher durchaus nicht als eine Interpellation zu betrachten, durch welche die Verdeutlichung eines in der Mischna etwas unklar ausgedrückten Passus gefordert wird, sie gehört sicherlich nicht zu den einfachen, jo zu sagen, naiv-harmlosen בעיות, sondern sie hat vielmehr in allen Stücken den Anstrich einer ושיא?, in der das Erstaunen darüber ausgesprochen wird, daß man in der Mischna Ausführungen über das Sch'ma liest und das Grundgebot hinsichtlich desselben, die Pflicht nämlich, es zu lesen, gänzlich vermißt. Daß dies die wahre Signatur der Frage ist, wird noch einleuchtender, wenn »:an dieselbe der an sie anschließenden ותו מ״ש דתני בערבית ברישא vergleichend entgegcuhält. Die erste Frage als כעיא Ultd die zweite als קושיא verstanden — denn eine solche ist doch letztere wohl uirstreitig — müßte sich die Aneinaitderreihung derselben, gelinde gesagt, höchst uitgereimt ausnehmeil, ganz abgesehen davon, daß die copulatioe Eonjunction ותו״" auf die Charaktergleichheit beider Fragen hinweist. Der angestellte Vergleich zwischen ersterer und der von Raschi cilirten Jeruschalmistelle