Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 5 (1876)
- Issue
- Nr. 6. (15.3.1876)
- Date
- 1876-03-15
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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$>a« Jüdische LitmtinMt. Zur Betrachtung aller Jude»- thu« u. -»den betreffenden titrrarischrn Erscheinungen «ns dem Gebiete derPt>it»s«phie,Geschichte, Ethnographie,Lheatogie, Brientati«, Exegese, Hmnitettd, Litnrgik, Pädagogik. Herausgegeben von Rabbiner vr. Moritz Stahmer. Magdeburg, IS. März R87«. -üchcr der einschlägigen Literatur, «eiche der Neb. de« ״Jüh. skiteraturbtalt" in Magdeburg («der der ״Doraet. Wochenschr.- ׳ in Stettin) sugesandt »»erden, finden in diesem Statte eingehende Besprechung. V__J Nr. 6. Erscheint am 1. u 15. des Monats. Preis pro Jahrgang 4 Mark. Für di« Abonnenten der ״Israel. Wochenschrift" (die jährl. 9 Mark kostet) gratis. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen; in Leipzig durch Robert Friese. 5. Ishrgaiig. Hans und Kloster. (Schluß.) 'Hätte der Verfasser auf wissenschaftlichen Boden sich gestellt, er würde auch (S. 234) nicht in altmodischer Weise über den sogenannten ״Opsertod" Jesu philosophirt haben, sondern sagen, daß jedes Menschenopfer, in welcher Erscheinung es immer sei, unsittlich, verabscheuungswürdig und jeder Religionslehre unzuträglich. Es wäre zu wünschen gewesen, wenn der Verf. vor Abfassung dieses Werkes die kleinen jüngst erschienenen Streit-Schriften nnd Aufsätze des jungen, aber tüchtigen Theobald Ziegler gelesen hätte. Auch über Entstehäng der meisianischen Idee!» und Hoffnungen hat Verf. keine!kritisch geläuterten Begriffe. Unklar ist auch, was er mit der Bezeichnung der Pharisäer und Sadducäer (S. 150) als ״Priester- und Volkspartei", die eben erst beide (S. 136) ״demokratische und aristokratische Priesterpartei" geheißen haben, vestehen will. Ein recht auffallender und unentschuldbarer Lapsus, auf welchen eine junge Dame Referenteil, bevor derselbe das Buch zu lesen Gelegenheit gefunden, aufmerksam gemacht, findet sich S. 124, wo die vom mosaischen Gesetzgeber vorgenommene Modifikation in der altgewohnten Sitte der Leviratsehe dahin gekennzeichnet wird, daß das Zwangsverhältniß ausgehoben und dem verwittweten Weibe ein Einwilligungs- und Veto-Recht eillgeräumt wäre, d. h., daß der Schwager zu Ehelichung ״verpflichtet", so die verwittwete Schwägerin darum anging, ״das Weib nicht"!!! Bei der Zurückweisung der Prätensionen des Christenthums, als ob dieses dem Weibe zuerst zu seiner gebührenden Siellung verholfen (S. 74—79), vermißten wir ungern einen Hinweis auf historische Persönlichkeiten, wie z. B. auf die in der ganzen antiken Welt einzig dastehende und nur bei den Hebrüern mögliche Richterin Deborah, welche eine lange Reihe von Jahren an der Spitze der Nation gestanden, zu welchem hohem Amte und höchsten nationalen Würde und Stellung sie nicht durch zufällige Ereignisse, etwa durch Familientraditionen, sondern lediglich ihrer hohen geistigen und persönlichen Vorzüge wegen, gelangt, ganz nach den Worten des Spruchdichters: Das anmuthige Weib kann die höchsten Ehren erlangen, wie die Fleißigen Reichthümer erwerben.*) Und die Deborah ist in der hebräischen Geschichte nicht die einzige politisch thätige Frau. Ausführlich wird von der politischen Wirksamkeit eines ״klugen Weibes" II. Sam. 20, 16—35 berichtet, welches die Friedensunterhandlungen leitete zwischen den Heerführern Davids und der befestigten Stadt Abel, am nördlichen Winkel von Dan gelegen, auch Beth Maachah genannt. In Folge jener Bemühungen kam ein Friedensschluß zu Stande, die Belagerung wurde aufgehoben. Auch Jsebel hat mit mächtiger Hand in der Geschichte Israels sich ein eignes Blatt gezeichnet, wenn auch ein trauerumflortes, schwarz gerändertes. So schinach- und verhängnißvoll ihr Wirten war, so erhellt jedenfalls, daß keine socialen Schran- Kit und Borurtheile das Weib von der öffentlichen politische» Bühne verbannten. Derartige Ermittelungen sind eben au»- schließlich auf dem Boden der Geschichte anzustellen. Die in Bezug auf die Stellung des Weibes im Hause beigebrachten zwei recht magern Citate kann Referent auch nicht als glücklich gewählt anerkennen. Der Spruchschatz der Proverbien wäre von größerem Erfolge. Schon in dem ein» zigen Kapitel 31 wird das Ideal eines MeibeS aufgestellt, als die alleinige Herrin und Beherrscherin des Hauses, ganz im modernen, hochcivilisirten Sinne, ohne jede Spur irgend welcher sonstiger orientalischer Zurücksetzung und Beschränkung: Das Bild eines ächten jüdischen Weibes. Vergl. auch Prov. 12, 4; 14, 1; 18,22; 19,13 u. 14; 23, 27; 30, 19 u. 20. Dieses Ideal ist auch nur in einer rein monogamischen Ehe denkbar. Was schließlich die Form und die Diktion anlangt, so hat Referent auch hier manches auszusetzen.*) Dem Stile des Verfassers mangelt vor Allem der fesselnde Reiz; man vermißt die Beweglichkeit, eine gewisse Abwechslung, Frische und Munterkeit in der Darstellung, Knappheit und Kargheit im Ausdruck: es lastet auf diesem Stil eine fast erdrückende Schwere der lleberladung, infolge dessen auch eine Mattigkeit und Schwerfälligkeit, die wenig Anziehendes haben. Trotz aller dieser Ausstellungen enthält das Buch viel Belehrendes, von dem zu wünschen wäre, daß es Geineingut Aller würde. Dem Vers, hoffen und wünschen wir auf jüd. - literarischem Gebiete noch öfter zu begegnen. I8B. (Der auf dem Titel der Buches angegebene Name des Verf.'s ist pseudonym; der eigentliche Name desselben ist in jüd. literarischen Kreisen kein unbekannter. Red.) ') Prov. tt, 16, wo statt עריצים offenbar חריצים r» lesen ist. ■) Nicht ganz zu billigen, ja störend sind Schreibarten wie: ״uni-