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Das jüdische Literaturblatt · 1876-03-01 · Nr. 5. (1.3.1876) · p. Seite 18

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
5 (1876)
Issue
Nr. 5. (1.3.1876)
Date
1876-03-01
Page
Seite 18 (sequence 2)
Language
German
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18 Auch der Tod der Frau Baruch!aßt in uns ein unbefriedtgteS Gefühl zurück, wir finden auch den Grund nicht, warum der Versasser es Unterlasten, die ganze erschütternde Tragik dieses Todes mit jenen herzergreifende» Farben zu zeichnen und all den Mitteln, die gerade in solchen Situationen dem Schilderer zu Gebote stehen. Die eigenthümliche Romanspräche mit ihrer oft ganz unwiderstehlichen Macht über Herz, Gemüth und Auge des Lesers scheint dem Autor, der so gewandt gelehrte Themata populär zu behandeln versteht, ganzlich zu mangeln. Allein der Schwerpunkt und die Bedeutung des Buches liegt im Dialog, den die Handlung nur schwach einrahmt und der in populärer, sehr eingehender Weise so mannigfache religiöse und politische Fragen vom jüdischen Standpunkte aus. beleuchten, überhaupt über das Judenthum und Christcnthum die romaulesende Welt unterrichten will. Um so mehr ist es zu bedauern, daß sich in diesem Theil manche Jrrthümer eingeschlichen haben, Jrrthüiner, welche nicht nur vom wissenschastlichen, sondern auch vom praktischen Staildpunkte aus zu bedauern sind. Es ist z. B. nicht blos unwistenschastlich, sonder» auch im hohen Grade schädlich, wenn der Verfasser wie- Verholt (S. 150, 151, 243.) Jesus von Nazareth den alten hebräischen Propheten gleichstellt, oder ihn gar (S. 230) im offenbaren Gegensatz zu Matth. 5, 3; 10, 8 als Kämpfer für Bildung und Aufklärung (!) schildert. In! Jahre 1875, nachdem die Forschungsresultate der Tübinger Schule längst Gemeingut aller Gebildeten geworden, nach den gründlichen Untersuchungen Geiger's und Grätz', nach dem letzten, gewichtigen und folgenschweren Urtheilswort eines David Strauß über die Persönlichkeit jenes Religionsstifters, sollten Anschauungen wie die Hammerschlag'schen in jüdischen Kreisen nicht mehr verbreitet werden. Wo und wann haben die alten Propheten von Moses bis Maleachi ihre eigene Subjectivität in solch gefährlicher Weise in den Vordergrund gestellt und hervorgedrängt, wie er es gethan? Es wird heute von christlicher, oder richtiger, nicht mehr christlicher Seite offen und unumwunden zugegeben: Es Hilst kein Leitgnen und Vertuschen, Jesus selbst hat sich für den leiblichen Sohn Gottes ansgegeben, er hat es ausgesprochen, was der moderne Israelit wie der alte Pharisäer als eine heillose Gotteslästerung ansehen, und selbst Diejenigen, die ihn vertheidigen und aus dem Gottmenschen oder Menschgott einen göttlich-erhabenen Menschen nachen möchten, können nicht nmhin, zu gestehen, ״daß die Bewunderuirg seiner Jünger ihn zu weit fortgeristen habe", ״daß die Stellung, welche er sich beilegte, die eitles Übermenschlichen Wesens war, er wollte, daß man ihn als Einen betrachte, der mit Gott in einer höheren Verbidung steht, als andere Menschen", daß in all seinen Reden wenigstens der Keim enthalte» zu der spätern Herabziehung, Vermenschlichung und folgerichtig Entgöttlichung des göttlichen Wesens in der christlichen Theologie. In der Thal aber will er der allmächtige und allgerechte Richter sein beim jüngsten Gericht und fordert für sich jenes Attribut, welches einzig und allein der Vorsehung, den! Weltenlenker uub Weltenrichter, zukommt. Der Versaster hat überhaupt in dieser Sache viel zu viel philosophirt, sein« rationalistischen Detttungen der Wunder Jesu sind nicht nach modernem Geschmack. Thalsache ist: er selbst wollte als ein Wunderthäter gelten, er ist außer sich, daß, während ein hellenischer Hauptmann zu seiner Wunderfähigkeit sofort Vertrauen faßt, seine eigenen Landsleute für solche Dinge keine Empfänglichkeit zeigten, aus welchem Grunde er ihnen auch brüderlich und chrtstlich ״Heulen und Zähneklappern" wünscht, — Matth. 8, 12. (Schluß folgt.) Bemerkungen zu den talmudischeu Randbemerkungen. 1. Der Versaster der ״Talmudischen Randbemerkungen" in Nr. 3 d. Bi. will sub. 3 die schwierige Stelle Adoth 5, 23 dahin erklären, daß er das letzte הוא היה אומר vor יהי רצון stellt, worauf unmittelbar בן חמש folgen soll. Diese Erklärung ist wenig besriedigend. Erstens vermißt man den Zusammenhang. Gemäß dieser Austastung müßte es nach יהי רצץ heißen שתהא oder כדי שתהא בן חמש ובו• Dann, was haben die spätere n Altersstufen für einen Zusammenhang mit Thora und Beth haniihdasch, endlich aber findet sich die Redeweise הוא היה אומר nur vor einer Sentenz, einem Moral- oder Lehrspruch, nicht aber vor einem Gebet. Wen» Tostafoth Jomtob vor בן המש das הוא היה אומר streichen will, weil, wie er meint, dieser Ausspruch nicht dem Jehuda den Tema angehöre, so geschah dies, weil der ׳יהי רצון welcher zwischen den Aussprüchen des Jehuda ben Tema steht, ihn störte. Die Aussprüche eines und desselben Tanaiten pflegen durch keine andern Sprüche 3c. unterbrochen zu werden. Durch eine Correctur des Gaon Elia Wilna wird diese Schwierigkeit ausgeglichen. Er bemerkt in seinen Erklärungen zu Aboth ganz einfach zu dieser Stelle: •יהי רצון ט״ם באן׳ ״ וצ״ל בסוף הפרקDer י״ר sei hier ittthümlich von den Abschreibern eingeschaltet worden; er gehöre an den Schluß des Perek, welcher bekanntlich auch den eigentlichen Schluß des Dract. Aboth bildet. Er verweist als Beleg auf den Tractat Tamid, der ebenfalls . it einem ähnlichen י״ר schließt. \ Diese Correctur ist um so weniger auffallend, als in den verschiedenen Handschriften und Druckaüsgaben die letzten Sprüche dieses Perek eine verschiedene Reihenfolge haben. Siehe darüber ״Midrasch Schmuel" u. die ״Tefillah" von Baer. Magdeburg. Nathanson. Nachbemerkung der Redaclion. Daß der יהי רצון nicht nur den Schluß des fünften Preks sondern des ganzen Tractat Aboth bildet, deutet schon R. Santuel di Oseida im Namen des ר' מנחם לבית מאיך (Midr. Schmuel z. St.) an Er sagt: או איפשר שיהיה זה סיום המם בתא אלא שנתומפו בה אח׳־כ דברים אחרים עכ״ל: Nichtsdestoweniger ist der Hinweis des Wilna'er Gaon auf den Tract. Tamid besonders dadurch schlagend, daß auch dort auf den durch den יהי רצון angebeuteten Schluß des Tractats doch noch eine Mischna (השיר שהיו הלוים ובו) später augehängt wurde. Uebrigens weichen die beiden ׳יהי רצון dem Inhalte der beiden Tractate angemesten, von einander ab. In jenen! wird der ״Wiederauibau des Tempels", in diesem der ״Antheil der Lehre" betont.*) Sonach dürste oer eigentliche Platz des יהי רצון (in Aboth) zum Schluß der Mischna, 21 בן המש למקרא ובי sein. Erwägt man jedoch, daß der ganze fünfte Perek gar keine Aulornamen an der Spitze der verschiedenen Sprüche (bis Mischna 20) anführt, sondern diese letzteren mnemolechnisch nach Zahlengruppen in absteigender Linie aneinanderreiht, ferner daß die Sprüche des Bag-Bag und He tze nach Aboth di R'. 'Nathan Perek 11 im Grunde Aussprüche Hillels sind, und von Juda b. Tema's Sprüchen nur der eine in die Zahlen-Technik des 5. Perek gehört, der an die Altersstufen des Menschen auknüpft — so schein! es ziemlich klar, daß ur- *) Die LA in den Gebetbüchern שיבנה בית המקדש «ntspricht der in den Mischnajoth nicht, da heißt es שתבנה עיר* ך•

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