Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 5 (1876)
- Issue
- Nr. 4. (15.2.1876)
- Date
- 1876-02-15
- Page
- Seite 15 (sequence 3)
- Language
- German
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15 Folg« der ethischen Idee der Bibel, wonach sämmtliche Menscheuwesen von einem einzigen Menschrnpaare abstammen, um so aussallender — dieses Problem mußte in Betracht gezogen werden. (Ebenso wie die Anfänge poetischer Sprachent- Wickelung, wie sie Genes. IV, 24 im engsten Anschluß an die obenangesührten Erfindungen vorliegt. Red.) Die Bedeutung des Wortes הרוב in Koheletb. Von ZIabb. D. Oppenheim. Die Bedeutung des Ztw. קרב im Hifil und im Chaldäischeu und Syrischen im Paöl, ״opfern, darbringen/ wurde zur Zeit des zweiten Tempels, als die Bethäuser und Proseuchen allgemein eingeführt wurden, auch auf das G ebet ausgedehnt, gleichsam die Gefühle seines Herzens darbringen, opfern. Gestützt auf das Wort des Propheten Hosea 14, 3: ״Wir wollen anstatt der Farren den Dank unserer Lippen opfern," — suchte man zur Zeit, als das religiöse Leben durch die großen Kämpfe der Makkabäer neu erwachte, das Gebet als ein stellvertretendes Opfer darzustellen und bezeichnete in der damaligen halb-chaldäischen Vulgärsprache mit dem Worte יקרבein mündliches Opfer darbringen, d. h. seine religiösen Gefühle in Gebeten, Gesängen und Psalmen kund geben. Sinnig wurde die Stelle 5. B. M. 11, 13: ״daß ihr liebet den Ewigen, euer» Gott, und ihm dienet mit eurem ganzen Herzen und mit eurer ganzen Seele" auf das Gebet bezogen, welches vorzüglich ein Gottesdienst im Geiste und im Herzen genannt zu werden verdient. S. Thaanith 2, a; Sifre z. St.: ,אילו עבודה שהיא בלב. זו תפלה* כשם שעבודת מזבה קרח־ עבודה כך תפלה קרויה עבודה ♦ Daher berichtet der jerus. Talmud, Berachoth 4, 4; Bereschith rabba Ab. 49, daß man früher anstatt: ״tritt hin und bete vor" sagte: Tritt hin und verrichte den Opferdienst: לה שעובר לפני התיבה אין אומרין לו בא והתפלל אלא בא וקרב. עשה קרבנינו. Die Agada will sogar diese Bedeutung in der Bibel finden, indem sie die Stelle 2. B. M. 14,20: ולא קרב זה אל זה בל הלילה derort auslegte: Die Engelchöre stimmten in der verhängnißvollen Nacht, wo das Heer der Aegypter im rothen Meere seinen Untergang fand, keine Loblieder und Gesänge an, weil selbst der Tod der Frevler dem Allgütigen keine Freude verursacht. Megilla 10 b: ולא קרב זה אל זה וגו' בקשו «לאבי השרת לומר שירה• אמו להם ה״קב״ה,מעשי ידי טובעים בים ואתם אומרים שירה לפני? (י Man sieht also daraus, daß das Verb. קרב im Paöl so viel als ״religiöse Gesänge und Lieder anstimmen" bedeutete, und daß dieser Sprachgebrauch aus der Zeit der Entstehung der Synagoge herdattrt. Von diesem Zeitwort wurde das Substantiv קריבר ״ קרובא. קרובVorbeter, Vortragender von religiösen Gesängen und erbaulichen Betrachtungen" gebildet. Dem R. Elieser b. Simon wurde nachgerühmt, daß er ein Kenner der Bibel, der Tradition, ein Dichter und Poet war. כד דמך ר׳ אלעזר בר 6) שמעון היה דורו קורא עליו קרוי ותנוי קרוב ופייטן. Aruch 8. v. קרוב, Peßiktha des R. Kahana ed. Buber S. 179: Midrasch zum Hohelied Kap. 3, 6; Midrasch Levittcus Ab. 30) Aruch erklärt קרוב mit דרשן. Prediger. Allein in früherer Zeit, als die Gebetsformeln noch nicht stereotyp und ganz festgestellt waren, da machten die Gelehrten und Prediger zugleich die V o r b e t e r, die den Gottesdienst leiteten und die religiösen Vorträge hielten, wie wir dies von R. Akiba, Samuel ') Der Agadist macht hier ein Wortspiel und liest anstatt ולא קרב ןלא •m PaiN in dem Sinne: Gesang« und Loblieder anstimmen, entsprechend dem בא וקרב. verrichte den Opferdienst, d. h. stimme die heiligen Gesinge und Psalmen an! , Hakatan u. dgl. misten. Wahrtcheinlich deckten sich die beiden I Begriffe, und der קרוב war ״Dichter und Prediger", zum Unterschiede von פייטןder mehr als weltlicher Dichter galt. Mancher Talmudist wird sogar mtt dem Epitheton קרוב bezeichnet, z. B. ר׳ אלכטנדרי קרובה (Midrasch Levittcus Ab. 19). Von R. Seira wird erzählt, daß er neben dem Vorbeter stand: ר׳־ז מטתמך לקרובה בדי לשוה עמו (Jerus. Berachoth 1, 8.) Auch im Syrischen ist dieses Wort קרובא für Vorbeter und קרובה für Gebete gebräuchlich, so wie auch die spätern mittelalterlichen religiösen Gesänge an Sabbath- und Festtagen קרובות genannt werden.') Wir glauben nun dieses Hauptwort im ״Prediger" in dem folgenden schwierigen Vers, Kap. 4, 17, gefunden zu haben, den die alten Versionen blos dem Sinne nach Wiedergaben, ohne sich an das Wort zu binden. שמור רנליך באשר תלך אל בית חאלהיס וקרוב לשמוע מתת הכסילים זבח וגו׳ Die meisten Erklärer, Raschi, Iben Esra, Lewi b. Gerson nehmen das וקרוב entweder als Jnfinittv oder als Imperativ an, was immerhin eine holperige Lonstruction ist. Die Bersionen halfen sich damit, daß sie zur Erklärung einen ganzen Satz einschoben, der sich im Hebräischen nicht findet. Alle Schwierigkeiten aber schwinden, wenn wir וקרוב als Substanttv in der Bedeutung Vorbeter, Prediger nehmen, wie diese Bezeichnung zur Zeit des zweiten Tempels allgemein gang und gäbe war. Der Sinn ist denrnach: ״Beobachte Deine Schritte, so oft Du in das Gotteshaus gehst. Denn den Vorbeter, Prediger anzuhören ist bester, als das Opferbringen der Thoren." Kohelet, der zur Zeit des zweiten Tempels, als die Synagogen allgemein in Aufnahme kamen, lebte, will damit sagen, daß das Gebet und das Anhören des Gottes- Wortes höher steht, als das Opfer, und daß, wenn wir das Gotteshaus besuchen, der Hauptzweck der sein soll, dm קרוב. den Vortragenden der Gebete und des Gotteswortes, anzuhören. Im Talmud und Midrasch findet sich dieser Gedanke, daß das Gebet höher steht als das Opfer, mehrmals ausgesprachen: גדולה תפלה מכל הקרבנות• תפלה שקולה בנגד כלהקרבנות (Berachoth 32, b. Jalkut Samuel 1, 13.) Koheleth hat dies schon früher ausgesprochen, da bei ihm das Gebet beim Besuch des Tempels die Hauptsache ist. Die alten Versionen, denen di« Bedeutung des Wortes קרוב als Vorbeter nicht bekannt war, suchten den Sinn des Verses zu errathen. Nimmt man aber וקרוב als Substantiv an, so bietet die Stelle keine Schwierigkeiten und ist ganz klar. Selbst der dunkle Schluß des Verses: בי אינם יודעים לעשות רע, wo man zu Emendationen greifen mußte, läßt sich vielleicht derart erklären, wenn man לעשות in dem Sinne wie Zesanja 3, 19: הנני עשה את בל מעניך nimmt, wo das Zeitwort ״ עשהunterdrücken, drücken," gleich den Chaldäischm und Syrischen נעסה -עטא) heißt, wie z. B. Ezechiel 23, 8, 21 und Ps. 139, 15. In allen diesen Stellen ist .עםה--עשה ״drücken, presien," und so dürste auch hier בי אינם יודעים לעשות רע bedeuten: Sie misten, verstehen, nicht das Böse zu unterdrücken, zu bekämpfen. Wir haben hier dasselbe Wort wie in Zesanja, wo man auch übersetzen muß: Ich unterdrücke deine Dränger. Während durch das andächttge Anhören des VorbeterS und Predigers eine wahre Umkehr der Gesinnung, das Niederkämpfen der bösen Leidenschaften bewerkstelligt wird, so ist hingegen beim Opfer der Thoren nur eine Scheinbuße, weil dabei das Böse nicht unterdrückt wird. '1 S. Herdenheiin, Borred« zu besten Machsor-Ausgabe; Zunz Goitesdienstliche Vorir. S. 369; Literaturgesch. »er synagogalen Poesie, S. 24 »nv Sachs: bte'.igiöse Poesie der Juden, 3. 178. '1 Davon im Taiin. Gilti» 88 b. ,גט המעושה. «in erpreßter Scheidebrief; ferner Schebiit 6, 6: אי? עושי! זיתי« בבה, ». h. da» O«! auspresten. ' '