Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 5 (1876)
- Issue
- Nr. 4. (15.2.1876)
- Date
- 1876-02-15
- Page
- Seite 14 (sequence 2)
- Language
- German
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und unlöslich verknüpft, und mein hochverehrter Lehrer und Freund, Herr Prof. Johannes Huber, hat nicht gut gethan, für feine gegentheilige Ansicht aus den Taubstummen Hinz,»- weisen, der ״denkt, aber das Wort nicht hört und besitzt." Lediglich die Laut- und Tonfprache mangelt ihm, das Bermögen und das Bedürsniß aber sich verständlich zu machen, die Gestikulations- und Zeichensprache, besitzt er wohl. Ob er mit dem Munde redet oder nicht, — er denkt, und das Denken besteht überhaupt aus Worten, es ist ein leises, unhörbares Reden. In der Erlangung des Gedankens und desien Ossenbarungsthätigkeit besteht im Sinne der bekannten Ent׳ Wickelungstheorie die Menschwerdung. Wir begreifen darum sehr wohl, warum die heilige Schrift nicht von einem Ursprunge der Sprache redet. Der biblische Mensch ist nicht ein blos begünstigtes Thier, ein hoch entwickelter Asse, der triumphirende Sieger im Kampfe nm's Dasein, sondern das ureigenste, nicht mittelbare Gottesgeschöps, nicht dem Grade, sonder» der Art nach verschieden von den Thieren durch seine intellectuellen Fähigkeiten, d. h. Vernunft- resp. Denk- und Sprachbegabung, hervorgegangen nicht aus dem Schooße der in ihren Elementen mit sich selbst in ewigem Kampfe liegenden Natur, sondern aus der schöpferisch thätigen zweckbewußten Hand der Borsehung. Ausdrücklich wird betont, daß er erstens von Gott selbst geforint (ויאמר אלהים נעשה ארם) und nicht wie die übrigen Geschöpfe auf desien Geheiß (תוצא הארץ ) von der Erde gezeugt worden, und daß ihm zweitens die göttliche Ebenbildlichkeit verliehen worden — worunter aber weder eine törverliche Aehnlichkeit mit Gott, noch blos ein Abbild der der Gottheit zustehcnden Macht, noch auch eine durch ein bestimmtes sittliches Verhalten zu erlangende Heiligkeit verstanden sein kann. (Vrgl. Bloch Ursprung und Entstehungszeit S. 205. Schulz, die Vorausi. der Lehre voi« der Unsterbl. S. 64.) Das spezifisch ihm Verliehene muß etwas sein, was dem Menschen als solchem immer und zu jeder Zeit znkommt, seine prägnante Eiaenty».nlichkeit bildet und sich auf das ganze Geschlecht vererben läßt, vrgl. Gen- HI., 5.; V., 9. More Nebuchini I., also lediglich die Vernun st, d. h. Sprach- und Denkfähigkeit. Sprache und Denken haben für den Menschen keinen zeitlich ״bestimmbaren Ursprung," sie bilden Bestandtheile seines m e n s chli ch e n S e i n s und sind so alt wie er selbst. Nur für den Darwin'schen Menschen könnte es eine wortlose Zeit geben ohne Sprache und Rede, — die große A s s e n z e i t; die Bibel. welche für den gottähnlichen, von Anfang an niit Vernunft begabten keine vernunftlose Entwickelungsperiode gelten läßt, darf selbstverständlich nicht von einem Zeitpunkte reden, da der Mensch zum ersten m a l zu reden hat angefangen. Wie die Denkthätigkeit, so ist die Sprache ein nothwendiges menschliches Attribut, unentbehrlich zu seiner Definition — das hat die heilige Schrift feinsinnig erkannt, und sie läßt ihn ans dem Grunde mit diesen Fähigkeiten schon aus der bildenden Hand der Gottheit hervorgehen, und nicht, wie die Entwickelungstheorie, sich selber erringen. Wäre in Gen. II., 19 wirklich die Sprache als eine Errungenschaft des Menschen dargestellt, so ist nicht einzusehen, warum mit deren Bericht so geeilt und nicht wenigstens bis zur Schöpfung des Weibes zurückgehalten worden, um auch sie an dem Verdienste participiren zu lasien. Es ist wahrlich nicht wohlgethan, der Bibel eine Anschauung zu unterstellen. als ob die Sprache speziell eine Erfindung des Mannes wäre, und zwar aus gar vielfachen Gründen: erstens weil das zartere Geschlecht von dieser nützlichen ״Erfindung" einen mindestens gleich großen Gebrauch macht, und dann in ethischer Beziehung, würde dadurch dem Manne eine gewisie geistige Priorität, ein größerer Antheil an den geistigen Errungenschasten zugeschrieben, was gewiß nicht beabsichtigt und sogar im offenbaren Widerspruch mit Genes. I., 17, wo die vollkommene Einheit und Gleichheit von Mann und Weib betont wird. Wenn in jenen! erwähnten Aussatz der Grätz'schen Monatsichrift bemerkt wird, daß die Versgruppe 19—23 zusammengehören, so muß man das auch auf den ausgelasienen Vers 18 ausdehnen, welcher offenbar mit dazu gehört, wie schon desien Zusanimenhang durch das אעשה לו עזר כננדו (V. 18) ולאדם לא מצא עזר כנגדו (V. 20) genugsam zeigt. Diese ganze Partie bildet sozusagen den Prolog zur Schöpfung des Weibes. Bei der Namengebung, die eine Prüfung der Individualität und Wesensverwandtschaft voraussetzte, zeigte sich, daß der Mensch, verniöge seiner höheren Anlagen und Stellung, mit keinem der Thiere in ein geselliges Zusammenleben treten kann, daß er also einsam stehe und ihm eine Gefährtin nöthig sei. Die Partie steht nicht blos in! Zusammenhänge mit sich selbst, sondern auch mit der unmittelbar darauf folgenden. Die Pointe von לזאת יקרא אשד, כי מאיש לקחה ist dahin zu sasien, daß, während bei den Thieren eine Fremdheit und eine geistige sowie körperliche Kluft zwischen ihnen und den Menschen, der dies bei der Namengebung ausdrückte, zu erkennen war, hat er hier sofort eine vollständige Wesensgleichheit und innige Verwandtschaft mit sich selbst entdeckt, und hob hervor in ihrem Namen, daß sie beide zu einer Vereinigung, einen! Zusamnienleben bestimmt sein. Die Namengebung, die N überhaupt schon eine bedeutende Sprachthätigkeit voraussetzt, konnte aus vielfachen Gründen kein 2 p r a ch a n s a n g sein. In der That finden wir auch den Menschen schon vor dieser Episode in hochwichtiger Unterredung. Nämlich im Gegensatz zu I., 22. wo die Meergeschöpse blos ״gesegnet" werden, daß sie fruchtbar sein, sich vermehren und die Gewässer süllen sollen, wird I, 28 zu den Menschen AehnlicheS gesagt. Das ויאמר להם ist hier nicht unabsichtlich gewählt, wie schon der Vergleich zeigt. Ferner hat Gott den Menschen mündlich mitgetheilt und gesagt, was zu ihrer Ernährung dienen darf, I., 29, vrgl. auch II., 16. Wer aber eine Sprache hören und verstehen kann, der braucht sich nicht mehr mit den ersten Sprachversuchen zu beschäftigen. Daß aber diese naiven Aeußerungen auch naiv und nicht nach irgend einer abgeschmackten rationalistischen Deutung aufgesaßt und verstanden sein wollen, braucht wohl nicht weiter dargelegt zu werden. Das Wort Akiba's כשם שקבלתי שכר על הדרישה כך אקבל שכר על הפרישה möchte man!hier aus die heilige Schrift anwenden, Alles, was zur geistigen Entwickelung und Fortbildung der Menschen beigetragen, hat sie berührt, von einen! Ursprung und einer Entstehung der mit der Denkthäligkeit innig verknüpften Sprache aber wollte und durfte sie nicht reden — weil sie eine Entwickelung und Fortbildung (des Thieres) zum Menschen nicht anerkennt. Anders freilich verhält es sich mit dem Problem von der Mannigfaltigkeit der menschlichen Zungen, welches in