Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 5 (1876)
- Issue
- Nr. 4. (15.2.1876)
- Date
- 1876-02-15
- Page
- Seite 16 (sequence 4)
- Language
- German
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16 Es ist bi<8 ein erhabener Gedimki, der durch die, wahrscheinlich von den MänNern der großen Synagoge eingeführten Synagogen, im Volke sich Bahn brechen sollte. Kohelet scheint demnach zu den letzten Resten der synagoga magna, שירי כנסת הגדולה• gehört zu haben, und darum stellte er die Bedeutung der Synagoge und deren Einrichtung: Gebet und gottesdienstliche Vorträge, so hoch! Literaturbericht. Recenflsnen. Köstker, Dr. August, ord. Professor der Theologie, Lehrbüch der biblischen Geschichte Alten Testaments. Erste Halste. Erlangen 1875. Arthur Schopenhauer schrieb gewaltig treffende Geißelhiebe gegen Professorenphilosophie; wir brauchten einen Schopenhaner gegen die Prosefforen-Bibelerklärungen, welche fast sämmtlich, wenn es sich um die Erzielung dogmatischer Resultäte handelt. eines der zuweilen kritisch scharfblickenden Augen zudrücken und in den breit getretenen Weg einlenken, an dem klaren Wortsimie so lange herumzudeutcn und zu deuteln, bis die Bidet richtig das bestätigt, was der Herr Professor seinen Hörern ini Namen der Religion überliefern will — oder muß So selbstverständlich es nun auch ist״ daß der christliche Theologe den Studirenden vom öffentliche» Lehrstuhle herab keine antichristlichen Anschauungen und Ideen beibringsn darf — die Bibelsorschung des Katheders gerieth hierdurch auf falsche Geleise, und die greifbarsten Fehler und Sinnentstellungen vererbten sich von Meister auf Jünger, und sitzen so fest, daß auch unbefangene Forscher sich nicht mehr von ihnen loszuwinden vermögen. Cs ist leider nur allzuwahr, was der gelehrte Verfasser vorliegenden Buches, indem er die reichen Quellen zur alttestamentlichen Literatur genau und übersichtlich nachweist, in der Einleitung (Seite 15) bemerkt: ״Von verhältnißmäßig untergeordneter Bedeutung sind dis jetzt die Leistungen der Synagoge auf dem Gebiete der A. Tlichen Geschichte." Das Wenige aber, was jüdischerseits geleistet wurde, sind nicht Früchte der BerusSthätigkeit, sondern emsigen Privatsteißes, unbefangenen Forschungsdranges. Die öffentlichen Lehrstühle waren den jüdischen Forschern verschloffen. Und von diesen herab erfloß doch zumeist der überreiche Segen der Bibelliteratur und — die Fülle der Erbfehler. Um gleich mit einem solcheit zu beginnen, dürfen wir nur an die Erbsünde denken. Insoweit die christl. Religion sie lehri, berührt sie uns hier nicht weiter; wohl aber trifft hierbei die Forschung der scharfe Pfeil des Tadels, an dem einfachen Worte so lange symbolisch oder dogmatisch herumzuzerren, dis sie dieselbe Lehre als Resultat zu Tage fördert, und schließlich die Bibelkritik nicht erforscht, was die Bibel will, vielmehr diese lehren muß, was vor dem Richterstuhle der Dogmatik bestehen kann. Im Mittelalter hat man oft auf der Folterbank die Wahrheit zu ermitteln gesucht; es giebt auch eine Tortur des biblischen Geistes. Ob es da immer in gleichem Sinne Wahrheit ist, was solcherweise erforscht wird? — Oder sührt eine unbefangene Erforschung des Sinnes der so schlichten Bibelsütze zu folgender Darstellung?: (S. 42) ״Bei ihrer selbstgemachten Verhüllung aus zusammengenählen Feigenblättern ließ Gott eS nicht bewenden, um ihnen zu Geinüthe zu führen, daß sie (die ersten Menschen) von sich aus nicht im Stande seien, die Folgen ihrer liebertretung wieder auszuheben, hiezu vielmehr eine göttliche Veraustaltung erforderlich sei. Felle von Thieren aber, und!licht wieder vegetabilische Stoffe, ließ er sie zur Herstellung ihrer Kleidung verwenden, uni anzudeutcn, daß wie die vorläufige und symbolische Wiedergutmachung der Folgen ihrer Uebertretung nur in der Weise erfolgt, daß hierzu ein schuldloses Le- Verantwortlicher Redakteur: I)r. SB. Ruhmer. Druck von 1 ben in den Tod gegeben wird, ebenso auch die schließlich« und reale Wiedergutnlachung nur unter Aufopferung eines schuldlosen Lebens erfolgen werde. Nachdem nuninehr die ersten Einleitungen zu einer künstigeu Erlösung getroffen waren, vertrieb Gott die Menschen aus dein Paradiesesgarten." Wie sehr störend solche Erbfehler der Kathedertradition auf die Ergründung des alttestamentlichen Geistes einwirken, zeigt auch das Beispiel augenfällig, daß der Vers., der mit richtigenr Berstäudniß (S. 447) die Jdentificirung des Asasel mit dem Satan abweist, ״weil dieser nirgends im Pentateuch erwähnt wird," doch unbedenklich nach neutestainentlichen Anschauungen den leibhasltgen Satan als Verführer der Schlange (im Paradiese) gelten läßt (Z. 37), der nur deshalb der Schlange als Werkzeug sich bediente und nicht in eigener Person dem Weibe gegenübertrat, ״weil ein Gelingen der versuchteil Verführung viel weniger leich' zu erwarten stand, wenn die verführerischen Worte unmittelbar von einem Wesen herkamen, welches der Mensch bei seiner noch ungetrübten'Erkenntniß sofort als ein gottfeiudliches und darum unselig gewordenes erkennen mußte!" Freilich bekennt der gelehrte Herr Verf. im Vorworte unverholen seinen streng supranaturalistischcn Standpunkt, den er auch in seinen früheren quellenmäßig gründlichen Untersuchungen festgehalten, und in sofern dieser ihn andererseits vor der leichtfertigen jetzt so beliebten Hypothesenjagd bewahrte, wandelten wir gerne mit ihm anf sicherem Untergründe durch die verschlungenen Gänge der cilirten Meinungsverschiedenheiten und gründlichen Quellensichtung. Es ist in der That erfreulich, wie der Verf. von diesem festen Untergründe des deutlichen Bibelworts aus die Unhaltbarkeit vieler Liedlingshypothesen, als init Geist und Sinn des Bibeltextes unverträglich, nachweist. So z. B. bezüglich der Ansicht, welche von Tuch, Movers, Ewald, Renan, Dillmann u. A. vertreten wird, die Kanaaniter wären Semiten, nicht Hamiten, gewesen. ״Bei dieser Annahine würde sich nicht erklären lasten", heißt es mit Recht, (S. 79) ״wie das A. T. dazu kommt, sie für Hamiten auszugeben. Denn daß die Angabe» des Ä. T. nicht aus israelitischem Nationalhaß gegen die Kanaaniter erwachsen sein können, ergiebt sich bereits aus der Thatsache, daß die Israeliten trotz ihrer nicht minder großen Feindschaft gegen die Edomiter, Moabiter und Aminoniter die genealogische Verwandtschast mit diesen Völkern nie abgeleugnet haben". Ebenso werden die seichten Erklärungen der biblischen Wunder, wie etwa die erste der zehn Plagen durch die alljährliche, nur in jenem Jahre in seltenem Grade eingetretene Nöthung des Nil's scharf zurückgewiesen. Dergleichen zeugen seine Auslassungen über die egyptischen Nachrichten über die Israeliten von Berstäudniß und richtigem Takt. Die Manetho'sche Fabel vom Aussatze der Israeliten erhält ihre richffge historische Würdigung. Sein reservirres kritisches Urtheil verwirft zwar nicht stricte die Historicität der Erzählungen von den Hyksos und den Aussätzigen, doch hebt er, ohne stch von den schiefen Beweisgründen von Lepsius und Bunsen u. A. beirren zu lassen, die Unmöglichkeit der Jdentisicirung derselben mit den Israeliten, wie die nichtigen Beweise der Aegyptologen be- treffs der Identität von Rainses II Miamun mit dem Pharao der Bedrückung und von Menephta mit dem Pharao deS Auszuges in verhältnißmäßig sehr ausführliche Darstellung hervor. (Schluß folgt.) Briefkasten der Redaeiio«. Herr«« Rabb. Dr. D. in 8. und R. in B. Die Necensionen üb er ״Pragers: Quaestiones criticae", und ״Zuckermandei's Erfurter Loßefta Handschrift" in nächster Nr; ebenso die ״Bemerkung" zu Nr. Z der ״talmud. Randbemerkungen." Hr. Rabb. W. in B. Ihre helachisch-exegetische Studie wird Aufnähme finden. Hr. Rabb. Dr. K. >n P. Wie stark ist das Ganze? Bevor ich eine Entscheidung treffe, ersuche ich Sie um Zusendung einiger Bogen des Manuskripts. In dem in dies. Jahre unter den Vereinsschriften erscheinenve» Bde. Grätz II B. befindet sich Mehreres über das Verhältnih der Chronik zu Esra in Reh. Scharnke in Barbp. Verlag: Rodert Friese in Leipzig.