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Das jüdische Literaturblatt · 1876-02-15 · Nr. 4. (15.2.1876) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
5 (1876)
Issue
Nr. 4. (15.2.1876)
Date
1876-02-15
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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r Zur Beleuchtung aller Judenthum u. Juden betreffenden Uterarischen Erscheinungen auf dem ®tbiil: berPkilasopl>ie,Geschichte,Sthnagraphie.Lheatogie, Lrientalia, Exegese, Homiletik, Liturgik, Pädagogik. Herausgegeben von Rabbiner D1\ Moritz Rahmer. Magdeburg, IS. Februar 18?8. Bücher der einschlägigen Literatur, welche der Ned. de» ״Jüd. Aiteraturdlall" in Magdeburg (oder der,Lorael. Wocheaschr.- in Stettin) zugesandt werden, finden in diesem Matte eingehend» Besprechung. Ml* A. Erscheint am 1» u >8. des Monats. Preis pro Jahrgang 4 Mark. Für die Abonnenten der ״Israel. Woche»- ’■* schrift" (die jährl. 9 Marl kostet) gratiS. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen; in Leipzig durch Robert Friese. Aum Ursprung der Sprache. von vr. I. S Bloch, Rabbiner in Sobqlm. Unter gleicher Ueberschrift sucht ein Artikel in dem neusten Hefte »er Grätz-Fra nkel'schen Monatsschrift (Januar 1876 S> 39—42) eine Lösung dieses Problems in Gen. II., 19—22, wo von des ersten Menschen Namengebung für die ihm vorgeführten Thiere einerseits und der ihm geschaffenen Gattin anderseits berichtet wird, gesucht und gefunden, *) was wir aber im Jntereffe sowohl der richtigen Auffaffung dieser Stelle, als auch des ganzen biblischen Schöpfungsberichtes zurückweisen möchten. Im Gegensätze zu Grimm (Kleinere Schriften I. S. 269, 275) finden wir es nicht nur nicht ausfallend, daß die Bibel über das Problem der Entstehung der menschlichen Sprache so bedeutsam schweigt — uns erschiene das Gegenrheil ein unlösliches Räthsel. So angenehm und verlockend es sein mag, auch hier einmal das alte Wort: ליכא מילתא דלא רמיזה באורייתא sich auch bei dieser wichtigen Gelegenheit bestätigen zu sehen, so unerbittlich und theuer ist uns vor Allem die kritische Wahrheit, so gewichtig und bedeutend halten wir dieses Schweigen nach mehr als einer Seite hin. Grimm weist auf den Umstand hin, daß die heilige Schrift das Problem von der Mannigfaltigkeit der menschlichen Mundarten durch den Thurm von Babel zu lösen sucht, und in jenem erwähnten Artikel wird hervorgehoben, daß sie über die erste menschliche Bekleidung (III. 21), über den ersten Hausbewohner und Heerdenbesitzer (IV. 20), über den Erfinder der Ton- und Musikinstrumente (IV. 21) und den ersten Waffenschmied (IV. 22) getreulich Rechenschaft giebt — um es so recht befremdend erscheinen zu lasten, daß sie anderseits über den Ursprung der Sprache, ״der Hülle des Gedankens", ״des Geistes geschmeidigster Waffe", ״der nützlichsten und unentbehrlichsten aller Tonschöpsungen" kein Gedächtniß und kein Wort hätte. Wer aber die biblischen Schöpfungsberichte kritisch durchdringt und auch über die Bedeutung der ersten Sprachbildungsvrrsuche, der ersten Sprachbildungsthätigkeit sich klar ist, den wird diese Erscheinung keineswegs befremden, sondern in der negativen Behandlung dieses Problems eine staunens- und bewundernswerthe Durchdachtheit und Consequenz eines *) Wie ich nachträglich ersehe, ist dasselbe in gleicher Weise auch von Philippson (Bibelwerk) anzunehmen versucht worden. Systems erkennen. Die Bibel giebt uns die Entwickelung-- geschichte des Menschengeschlechtes, richtiger der Menschen, von den Uranfängen, d. h. vom ersten Menschen an bis zur Cultivirung eines staatlichen Systems, als besten höchster Ausdruck der aus eine Gottesherrschaft gegründete jüdische Nationalstaat vorgeführt wird. Als bedeutsame Momente von ganz unübersehbarer Wichtigkeit in diesem Entwickelungsprozeß gelten natürlich: die Einführung der Bekleidung, der Zelte und Häuser statt der ursprünglichen HöhlenWohnungen, Erfindung der Viehzucht, der Musikinstrumente, und vor Allem der Waffenschmiedekunst. Es waren das gar hoch bedeutsame Schritte in der Fortentwickelung und Cultivirung des' Menschenwesens. Die Erfindung aber der Sprache — und das scheinen sowohl Grimm und Max Müller, als auch der Verfaster jenes Artikels in der Grätz'schen Monatsschrift nicht beachtet zu haben — die Erfindung der Sprache gehört nicht mehr in den Entwickelungsgang der Menschen, sondern in den Entwickelungsprozeß zum Menschen. Das Wesen ohne Sprachvermögen — mögen auch besten ׳Nachkommen redende Menschen gewordeil sein — war noch kein Mensch, sondern — sit venia verbo — Thier; nach biblischer Anschauung und Lehre haben solche Wesen aber gar nicht existirt und die Menschen einen solchen von mehreren Vertrelern der modernen Naturwistenschast angenommene» aber auch vielsach nicht mit Unrecht angezweiselten Eniwickelungsprozeß nicht durchgemacht. Sprache, oder, was dasselbe, Denken, Vernunft ist das unterscheidende Merkmal des Menschen. Hauptbestandtheil seines Begriffes, seiner Definition; mit der Ent- Wickelung des ersten Gedankens und des Jnne- und Offenbarwerden entwickelt sich die erste menschliche Fähigkeit, der ״Rubicon, um mit Max Müller zu reden, war überschntten" der ״viehische" Urständ verlasten, wie Horne Fooke sagt, das thierische Wesen hat sich zur denkenden Subjectivität in- ״erlich fortgebildet, wie Johannes Huber sich ausdrückt, und wir haben nicht mehr das Thier, sondern den Menschen vor uns! Wenn Strauß wohl etwas zu weit geht, im Denken blos eine spätere Entwickelungsstuse der Sprechens anzunehmen, richtig ist so viel, daß Denken und gedankliches Wollen lind Streben nach Offenbarung und Kundgebung ein und dasselbe, sowie daß die Entwickelung der beiderseitigen Fähigkeit mit einander Hand in Hand gehen und gleichen Schritt halteu. (Vrgl. Edward B. Tylor, ״die Anfänge de r Cultur" C. 5 und 6.) Denken und Spreche» sind mit einander innig

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